Chinatown - Die große Dürre
Chinatown
Die große Dürre
Roman Polanski war mit seinem polnischen Langfilmdebüt „Das Messer im Wasser“ im Jahr 1962 schlagartig international bekannt geworden, denn der Film wurde beim Filmfestival in Venedig ausgezeichnet und als bester nicht-englischsprachiger Film für einen Oscar nominiert. Es dauerte nicht lange, bis Polanski mit „Ekel“ einen englischsprachigen Film mit internationaler Starbesetzung realisierte, Catherine Deneuve übernahm darin die Hauptrolle. Kurz nacheinander ließ der vielseitige Filmemacher Beiträge zu den unterschiedlichsten Genres folgen, die allesamt zu Klassikern geworden sind. Auf „Tanz der Vampire“ folgte „Rosemaries Baby“ und „Roman Polanskis Macbeth“, lediglich die internationale Farce „Was?“ konnte da im Jahr 1972 qualitativ nicht ganz mithalten. Dafür entstand mit „Chinatown“ zwei Jahre später einer der großen Meilensteine des New Hollywood Cinema. Der Film, der für elf Oscars nominiert war, aber lediglich für das beste Original-Drehbuch gewinnen konnte, ist im Stil eines Hard-Boiled-Thrillers geschrieben, basiert aber nicht auf einer Romanvorlage. Er ist als Reminiszenz an das Film-noir-Genre der 1930er und 40er Jahre gedacht und ist auch im Jahr 1937 angesiedelt, als der Großraum Los Angeles unter einer großen Dürre zu leiden hatte.
Privatdetektiv J.J. Gittes (Jack Nicholson) erhält von einer gewissen Mrs. Mulwray den Auftrag, ihren Mann Hollis (Darrell Zwerling) zu beschatten, der angeblich eine Affäre mit einem jungen Mädchen hat. Gittes und seine Mitarbeiter können dafür tatsächlich Beweisfotos liefern, doch schon kurz, nachdem die Zeitungen Wind davon bekommen haben, wird die Leiche des Geschäftsmannes Mulwray gefunden. Hat er sich umgebracht oder ist er einem Unfall zum Opfer gefallen? Es dauert nicht lange, bis die echte Mrs. Mulwray (Faye Dunaway) im Büro von Gittes auftaucht und seine eigentliche Auftraggeberin damit als Lügnerin entlarvt. Gittes‘ Interesse am Fall ist nun erst recht geweckt. Bei seinen Nachforschungen dringt er in Bereiche ein, in denen es nicht mit rechten Dingen zugeht und wo Mitwisser nicht gern gesehen sind. Ein mysteriöser Mann mit einem Messer (Roman Polanski) ritzt Gittes als Warnung die Nase auf. Mulwray hatte zu verhindern versucht, dass vor Los Angeles ein großer Stausee angelegt wird. Ist er mit seiner Sturheit seinem ehemaligen Geschäftspartner Noah Cross (John Huston) im Wege gewesen? Hat dieser ihn deswegen am Ende beseitigen lassen? Und was hat Evelyn Mulwray mit der ganzen Sache zu tun?
Die von Roman Polanski spannend inszenierte Kriminalgeschichte kann mit einem überzeugenden Jack Nicholson in der Hauptrolle punkten, der hier noch sehr zurückgenommen agiert und nichts von seiner diabolischen Verrücktheit durchschimmern lässt, die so viele seiner folgenden Rollen geprägt hat. In stilgerechten Dekors und mit ausgezeichneter Ausstattung erweckt Polanski die ausgehenden 1930er Jahre wieder zum Leben und hat mit „Chinatown“ fraglos einen seiner besten Filme inszeniert, der auch 50 Jahre nach seiner Uraufführung ungebrochen zu unterhalten versteht. Das Titel gebende Viertel von Los Angeles kommt erst ganz am Ende des Films tatsächlich auch als Handlungsort vor, zuvor wird es lediglich als Schatten aus der Vergangenheit beschrieben, der schließlich auch den Ausgang der Ereignisse bestimmen wird. Auf diese Weise haben Polanski und sein Drehbuchautor Robert Towne auch ein faszinierendes Finale erschaffen, das vor Symbolik und Anspielungen strotzt, die durchaus auch auf die USA in den 1970er Jahren übertragen werden können und wohl auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben.
Die Paramount-Home-Entertainment-Neuerscheinung weist auf der 4KUHD-Disc eine exzellente Bildqualität auf (im Widescreen-Format 2,35:1). Der Ton steht nur in der englischen Originalversion in Dolby TrueHD 5.1 zur Verfügung, die weiteren Sprachversionen (Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch) liegen lediglich in Dolby Digital 2.0 Mono vor (zusätzlich mit einer restaurierten englischen 2.0-Mono-Fassung). Optional sind Untertitel in diesen fünf Sprachen sowie in Dänisch, Japanisch, Koreanisch, Niederländisch, Norwegisch, Finnisch, Schwedisch sowie Englisch für Hörgeschädigte vorhanden. Das umfangreiche Bonusmaterial (mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als drei Stunden!) umfasst einen Audiokommentar von Drehbuchautor Robert Towne und Kultregisseur David Fincher, die Features „Ein Seelenzustand: Autor Sam Wasson über Chinatown“ (16 Minuten), „Chinatown-Erinnerungen“ (6 Minuten), „Die Trilogie, die es nie gab“ (2 Minuten), „Wasser und Strom“ (78 Minuten), „Chinatown: Eine Würdigung“ (26 Minuten), „Chinatown: Der Anfang und das Ende“ (20 Minuten), „Chinatown: Filmaufnahmen“ (26 Minuten), „Chinatown: Das Vermächtnis“ (10 Minuten) sowie der englischsprachige Originaltrailer.
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