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Österreichische SF Heftreihen von 1948 bis 1965: Im Jahr 2000

Östereichjische SF Österreichische SF Heftreihen
von 1948 bis 1965

Im Jahr 2000

In den 50-er und 60-er Jahren haben sich mehrere Wiener Verlage auch auf dem Gebiet der Science Fiction und Fantasy versucht - wobei diese Reihen im Laufe der Zeit weitgehend, meiner Meinung nach zu Unrecht, in Vergessenheit geraten sind. An diesem Thema Interessierte möchte ich auf den Artikel von D.Wrath über „Utopische Leihbücher und Romanhefte aus Österreich“ verweisen.


Ich will versuchen, einige dieser Heftreihen wieder ins Gedächtnis zu rufen: Reihen, die nur mehr teilweise, wenn sie überhaupt auf den Markt kommen, für uns Sammler zugänglich sind.

Als nächstem Objekt möchte ich mich einer weiteren Besonderheit zuwenden, einer Heftreihe aus dem Mauerhardt Verlag, nämlich ...

Im Jahr 2000
Diese Heftreihe ist 1953 in insgesamt 5 Heften erschienen. Als Autoren scheinen nur Phantasienamen auf, es ist heute nicht mehr feststellbar, wer sich dahinter verborgen hat. Diese Pseudonyme wurden anscheinend nur für diese Heftreihe verwendet, denn im Katalog der österreichischen Nationalbibliothek scheinen unter diesen Namen keine weiteren Buch- bzw. Hefte-Titel auf.

Bei „Im Jahr 2000“ handelt es sich (auch nach dem Katalog der österreichischen Nationalbibliothek) um folgende Titel:

  • 1. Carlos Da Silva: / Botschaft von der Venus. / [1953.]
  • 2. Carlos Da Silva: / Plan-Rak II antwortet nicht. / [1953.]
  • 3. Claudius Claesen: / Die Herrschaft der Marsmolche. / [1953.].
  • 4. Charles Gerlier: / Das Licht der Dämonen. / [1953.]
  • 5. John Wymore: / Der Unsichtbare. / [1953.]

Diese Romane sind noch vor dem Start der bekannten SF-Reihen Terra und Utopia erschienen und unterscheiden sich in der Qualität wohltuend von manchen sogenannten SF-Romanen, die meist nur aus einem Krimi oder Abenteuerroman mit SF-Elementen bestanden.

Leider sind diese Romane nicht leicht zu lesen, da noch eine altdeutsche Druckschrift verwendet wurde und auch die Papierqualität läßt wie bei anderen damaligen österreichischen Reihen z.B. aus dem Steffek-Verlag (Uranus, Star Utopia)  sehr zu wünschen übrig.

Inhalt der Bücher/Story
Östereichjische SF Heft 1: Botschaft von der Venus
von Carlos Da Silva

Auf Island ereignet sich eine Katastrophe, alle Einwohner werden tot aufgefunden, bis auf 2 Agenten der Weltregierung, die aus ihrem Haus verschwunden sind. Sie wurden als Versuchobjekte von Venusbewohnern in seltsamen, tannenzapfenartigen goldenen Raumschiffen entführt.

Ramon und Dagmar können mit den völlig andersartigen Venusbewohnern kommunizieren, müssen aber wegen der für sie giftigen Luft in einem für sie errichteten Biotop leben.

Ramon macht einen Fluchtversuch und kann die Erde per Funk informieren.

Die Erde baut dann

eine Raumflotte, um Venus anzugreifen , aber die beiden Agenten können letztlich einen Krieg und eine Katastrophe verhindern.

Östereichjische SF Heft 2: Plan-Rak II antwortet nicht
von Carlos Da Silva

Der Ingenieur und Erfinder Taterka ist von Raketen und der Raumfahrt besessen.
Zusammen mit seiner Assistentin Irma Snyder beginnt er mit der Konstruktion einer Rakete, um den Mond zu erreichen.

Da ihn Irmas Ex-Mann, ein reicher Industrieller, aus Eifersucht behindert, läßt sich Taterka von einem Medienkonzern finanzieren, der dafür die Exklusivrechte für Reportagen erhält.

Trotz vieler Sabotageakte wird eine Raumstation als Startplattform für den Mondflug errichtet.


Irmas Ex-Mann versucht mit einer Eigenkonstruktion den Mond direkt zu erreichen, scheitert aber und umkreist hilflos den Mond.


Taterka kann den Gegner zur Raumstation abschleppen, dieser dreht durch und sprengt mit seiner Rakete die Raumstation samt allen Arbeitern und Irma Snyder.


Östereichjische SF Heft 3: Die Herrschaft der Marsmolche
von Claudius Claesen

Trotz des reißerischen Titels ist das ein interessanter Öko-Thriller, der mich an den Import von Kaninchen nach Australien erinnert hat. Nur waren es hier Molche vom Mars, die die erste Expedition von dort mitgebracht hat.

Die Tiere erweisen sich als intelligent und gedeihen wegen des höheren Sauerstoffgehaltes der Luft und der besseren Nahrung ausgezeichnet.

Sie werden von cleveren Geschäftsleuten als bilige Arbeitskräfte eingesetzt und gezüchtet.


Schließlich haben sich die Molche so stark vermehrt, daß diese von den Menschen Lebensraum verlangen. Es kommt zum Krieg, den die Menschen zuletzt gewinnen, indem sie die Nahrungsgrundlage der Molche, ein spezielles Seegras vernichten. Die letzten überlebenden Molche kehren mit Raumschiffen zum Mars zurück, werden aber dort von ihren Artgenossen auf Grund der mangelnden Nahrung abgewiesen und samt ihren Raumschiffen vernichtet.


Östereichjische SF Heft 4: Das Licht der Dämonen
von Charles Gerlier

Ein Archäologe entdeckt in Afrika die Reste einer altägyptischen Stadt und in einer Pyramide ein Grab. Dort entdeckt er ein eiförmiges Gerät, das sich als seltsamer Sender entpuppt.

Außerdem trifft er auf eine seltsame Frau, die anscheinend von einer Ägypterin besessen ist, altägyptisch spricht und von Dämonen erzählt, die ihre Herrin entführt haben.

Es stellt sich heraus, daß seinerzeit Bewohner eines Jupitermondes namens Isun die Erde besucht haben und durch den Sender wieder auf die Erde aufmerksam werden.

Diese Isuner fliegen mit ihren Raumschiffen erneut zur Erde, besiegen die irdischen Streitkräfte und errichten ein eigenes Regime. Außerdem verlangen sie Frauen von der Erde, da sie selbst langsam unfruchtbar werden. Ihre Schwachstelle ist die höhere Erdgravitation, die sie mit speziellen Geräten ausgleichen können. Die Energie dazu kommt drahtlos von eigenen Kraftwerken. Die Menschen revoltieren schließlich gegen die Herrschaft der Fremden, indem sie die Kraftwerke zerstören und die damit hilflosen Isuner vertreiben können.

Östereichjische SF Heft 5: Der Unsichtbare
von John Wymore

Die technisch sehr begabten, größenwahnsinnigen Freunde Burgin und Jenks wollen nach ihrem Studienabschluß die Weltherrschaft anstreben, ihr Freund Lester ist nicht so begeistert davon. Nach einigen Jahren gibt es aufsehenerregende Überfälle auf eine Bank und das Kriegsmisterium in London, bei denen die Wärter keinen Alarm schlagen und sogar die Safes öffnen.

Lester, der mittlerweile als Experte für die Polizei arbeitet, erinnert sich an seine früheren Freunde, da Burgin einst an einem willenslähmenden Gas gearbeitet hat. Aber man nimmt ihn nicht ernst, da Burgin der Schwiegersohn eines hohen Polizeibeamten ist. Nach einer Anzeige von Burgins Diener wird das Haus durchsucht, aber Burgin und Jenks sind verschwunden.

Jahre später haben sie eine schwimmende Fabrikstadt gebaut, die sie mit entführten Arbeitern bemannen, letztere unter Kontrolle des Gases. Burgin und Jenks laden Lester ein, die Herrschaft mit ihnen zu teilen. Der nimmt zum Schein an und vernichtet mit Hilfe eines von ihm erfundenen Tarnanzuges die Gasvorräte und beendet die Herrschaft von Burgin und Jenks.

Diese Romane sind kaum mehr erhältlich, wenn überhaupt zu exorbitanten Preisen. Alle Hefte zusammen bei Händlern zu bekommen ist fast unmöglich. Den letzten Band mußte ich mir von einem Sammlerfreund ausborgen, da ich ihn bis dato nicht erwerben konnte.

Aber es sind gelegentlich auch fotokopierte Hefte zu finden, wobei der Zustand auf Grund des verwendeten Papiers um einiges besser als der der Originalhefte ist.

Nach 5 Heften hat der Mauerhardt Verlag die Reihe eingestellt, da sie anscheinend kein besonderer kommerzieller Erfolg war. Dies ist auch mit anderen Reihen aus diesem Verlag passiert, wobei z.B. die Reihe „Der Weltreporter“ von Rolf Murat nach 7 Heften eingestellt und die Hauptfigur in die Reihe Gerry Thook, der Meisterdetektiv integriert wurde.

Fast 10 Jahre später hat der Mauerhardt-Verlag einen weiteren Versuch auf dem Gebiet der Fantastik unternommen, die Reihe „Torgo, Prinz von Atlantis“ , von der immerhin 14 Hefte erschienen sind.

Somit bleibt die Reihe ein Unikat im Rahmen der österreichischen SF.

Kommentare  

#1 hapi 2013-11-18 08:58
Wie ich kürzlich erfahren habe, werden diese Hefte im Mohlberg-Verlag voraussichtlich im Jahr 2014 neu aufgelegt.
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#2 Heiko Langhans 2013-11-19 09:04
Heft 3 erscheint mir zumindest "inspiriert" von Karel Capeks Roman "Der Krieg mit den Molchen" (1936), der bereits 1937 in einer deutschen Übersetzung im Wiener Passer Verlag veröffentlicht wurde.

Schon ein bisschen dreist ...
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#3 hapi 2013-11-29 13:13
Zur Ehrenrettung des unbekannten Autors möchte ich anmerken, daß die Verwendung von fremden Motiven und Szenarien in der SF nicht so selten war; es kommt meiner Meinung darauf an, was man aus dem Szenario macht.
Im konkreten Fall wurde die Herkunft der Molche (Mars statt Südsee) geändert und auch das Ende ist völlig anders. Der Grundtenor, die Ausbeutung der Molche als billige Arbeitskräfte ist in beiden Romanen derselbe.
Nur Capek schrieb eine politische Satire, was im gegenständlichen Roman nicht der Fall ist.
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#4 Heiko Langhans 2013-11-29 17:05
Ja. Und?

Um Vergebung - aber mir sind die Parallelen etwas zu offensichtlich- und dass das Verwertungsprodukt der literarischen Steilvorlage keine Satire ist, macht meinen Eindruck nicht besser.

Letztlich und zugegeben ist es Ansichtssache.
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#5 hapi 2013-12-02 17:08
Damit bin ich vollkommen einverstanden, es ist ja wirklich Geschmackssache ob ein Buch einem gefällt oder nicht. Es gibt gute und weniger gute SF. Capek würde ich persönlich zu den sehr guten Romanen zählen, die Marsmolche hingegen na ja. Aber darüber kann man sich durch die Neuauflage nächstes Jahr selbst ein Bild machen.

Und wenn man die strengen Universitätsregeln hinsichtlich Plagiaten auch auf die SF anwenden würde, gäbe es kaum neue Bücher ohne seitenlange Quellenverweise. Das sollten wir uns lieber nicht antutn, sondern ein gutes Buch genießen und ein schlechtes weggeben.
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#6 Heinz Mohlberg 2014-02-25 18:28
Momentan arbeiten wir an dem Band; alle fünf Hefte zusammen mit farbigen Repros der Titelbilder im Innenteil.
Der Band wird im April als UTOPISCHE WELTEN SOLO 38 erscheinen...
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#7 Max 2014-02-26 19:58
@Heinz Mohlberg:
Interessehalber mal kurz nachgefragt: Im Artikel steht, dass sich nicht mehr ermitteln lässt, wer die fünf Bände geschrieben hat. Wie passt das mit der geplanten Neuauflage zusammen? Wer hat da Nachdruckrechte eingeräumt? Oder ist die Urheberrechtslage so, dass das nicht nötig ist?
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#8 Zakum 2014-02-27 00:58
Selbiges habe ich mich bei den Jim Parker-Neudrucken auch schon gefragt. Auch hier würde mich eine Antwort interessieren ;-)
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#9 Christian Huber 2018-07-08 22:12
hallo! ich weiß jetzt nicht, ob das jetzt passt, aber ich habe ein sehr gut erhaltenes heft
im jahr 2000 nr.5 der unsichtbare und würde es vielleicht verkaufen.
mfg huber christian
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#10 Harantor 2018-07-08 22:37
Schick mir ne eMail info[at]zauberspiegel-online.de mit einem Foto und Preisvorstellung.

Ich bau das dann in unseren "Flohmarkt" ein
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