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Kurzes Grauen aus deutschen Landen. Zwilicht Classic 15

Zwielicht Classic 15Kurzes Grauen aus deutschen Landen
Zwielicht Classic 15

Zwielicht Classic, die Schwesterserie des Magazins Zwielicht, erscheint mittlerweile in der 15. Ausgabe. Herausgeber Michael Schmidt präsentiert wieder Horrorstories deutschsprachiger Autoren, diesmal neun Geschichten aus den letzten 10 Jahren und drei längere Geschichten aus der Zeit von 1916 bis 1933.

Dazu gibt es noch drei gehaltvolle Artikel.

Zwielucht Classic 15Die Stories
Nadine Muriels "Dampfherz" erschien ursprünglich 2018 in der Anthologie "Dampf über Europa" des Arcanum Fantasy Verlages.

Breda arbeitet als Schwester in einer Nervenheilanstalt. Dort werden vor allem Soldaten behandelt, die traumatisiert aus dem Krieg zurück gekommen sind. Ihre Neugierde führt dazu, dass sie bald erkennt, dass an diesen Männern Versuche unternommen werden. Sie sollen durch technische Hilfsmittel zu Supersoldaten aufgerüstet werden.

Beklemmend. Von Thema her ein wenig wie "Der letzte seiner Art" von Eschbach.

Max P. Beckers "Trauerzeit" stammt aus dem Jahr 2013. Die Geschichte erschien damals im "Jahrbuch der Flensburger Gesellschaft für Phantastik".

Der alte Sej erzählt abends eine Geschichte. Es geht um das Sterben einer Stadt und um verlorene Erinnerungen. Als einziger weiß er um ein schreckliches Geheimnis.

Stilistisch herausfordernd aber auch mitreißend.

Silke Brands "Schwarzer Schnee in Norilsk" wurde 2012 in "Bierglaslyrik #12" veröffentlicht.

Eine Geschichte ums Tätowieren.

Kurz, knackig und doch erschreckend.

Karin Reddemanns "Böser Mann" konnte zum ersten Mal 2016 auf "Phantastikon.de" gelesen werden.

Ein Psychoduell zwischen einem Doktoren und seinem Patienten.

Klasse Umsetzung des alten Themas: Wer ist eigentlich verrückt?

Michael Schmidt "Paulas neuer Freund" stammt aus der 2016 erschienen Anthologie "Nebelmelodie" aus dem Verlag p.machinery.

Richard versucht Paula zu helfen. Richard liebt diese Frau, doch sie scheint psychische Probleme zu haben, jedenfalls redet sie in aller Öffentlichkeit mit unsichtbaren Gesprächspartnern. Nach einer unbeschreiblichen Liebesnacht sieht Richard den Unsichtbaren, es ist ein Engel.

Handwerklich erstklassig umgesetzte Story.

Andreas Flögel "Gewächse in Sebsprawl-U" erschien 2011 online auf literra.info.

Der Roboter Skull züchtet in einem von den Behörden aufgegebenen unterirdischen Bereich der Stadt Pflanzen. Eines Tages kommt das drogensüchtige Mädchen Shena auf der Flucht zu ihm. Es stellt sich heraus, dass sie einiges von Pflanzen versteht und er bietet ihr an bei ihm zu bleiben.

Eine Geschichte aus der Seite von Alisha Bionda und Florian Hilleberg. Toll geschrieben mit überraschendem Schluss. Dazu gibt es eine Illu von Gaby Hylla.

Gustav Meyrink "Meister Leonard" stammt aus dem Jahr 1916.

Geschildert wird das bewegte Leben von Meister Leonard. Ein alter Familienfluch bestimmt sein Schicksal.

Eine Geschichte irgendwo im Spannungsfeld von Mittelalter und Neuzeit. Wieweit ist das Leben eines Menschen vorherbestimmt?

Friedrich Glauser "Der alte Zauberer" wurde erstmals 1933 veröffentlicht.

Wachtmeister Studer verhört den Bauern Leuenberger, der mittlerweile seine vierte Frau zu Grabe getragen hat. Wie und warum starb die junge Frau?

Wieder ein Psychoduell.

Willy Seidel "Das älteste Ding der Welt" erschien zuerst 1923.

Der achtzehnjährige Harald von Calmus-Dunkelstedt entflieht dem Prüfungsstress. In der freien Natur sucht er Ablenkung und Erholung. Dort macht er in einem abgelegenen Forst eine Entdeckung, die hinfort sein Leben bestimmt.

Willy Seidels berühmteste phantastische Geschichte. Mit einem Hauch von Lovecraft.

Die Artikel
Niels Gerrit-Horz "Zimmer frei"

In diesem Artikel geht es um das Motiv des Spukhauses im Werk von August W. Derleth. Der Verlag Arkham House und sein Beitrag zum Erhalt von Literatur tragen zu seiner Bekanntheit bei. Als Autor schrieb er etliche Beiträge zum Cthulhu-Mythos. Darauf baut auch der Artikel auf.

Kenntnisreich und voller Details.

Niels Gerrit-Horz "Wie erfuhr August Derleth von HPLs Tod?"

Behandelt das Beziehungsgeflecht um August W. Derleth, H.P. Lovecraft und anderen.

Ein Thema für Lovecraft-Kenner.

Karin Reddemann "Die dunkle Muse"

Wieder setzt Karin Reddemann zu einem Rundumschlag an. Es geht u.a. um Massenmörder, Hexenverfolgung und Filme.

Karin Reddemann setzt ihre Artikel-Reihe fort.

Meine Gedanken
Die fünfzehnte Ausgabe von Zwielicht Classic weiß wieder zu überzeugen. Seit nicht ganz 8 Jahren versorgt Herausgeber Michael Schmidt das Publikum nun schon mit kurzweiliger dunkler Phantastik. Diesmal hat er auf die ganz großen Namen und preigekrönten Geschichten verzichtet. Stattdessen setzt er auf thematische Vielfalt. Steampunk, Surrealismus, Cyperpunk und die Abgründe der Seele ergeben eine abwechslungsreiche Mischung, die wie bereits in den letzten beiden Ausgaben ergänzt wird durch drei Klassiker aus der Zeit Anfang des letzten Jahrhunderts. Dazu kommen dann noch drei informative Artikel. Karin Reddemann ist dem Zwielicht Classic Leser ja keine Unbekannte. Seit Ausgabe 10 ist jedes Mal mit dabei. Nicht vergessen werden darf Oliver Pflug, der dem Band wieder mit seinem Cover ein Gesicht verleiht. Auch er ist seit Band 10 jedes Mal mit dabei.

Mein Fazit:
Wieder absolut empfehlenswert für jeden Freund der Kurzgeschichte und ideal zum reinschnuppern für jeden, der sich einen Eindruck von deutschsprachigen Stories der letzten Jahre verschaffen möchte.

  • Zwielicht Classic 15 
  • Michael Schmidt (Hrsg.)
  • Cover: Oliver Pflug
  • 2019
  • 212 Seiten
  • ISBN 9781708069476
  • Euro 9,50

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