Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Eine »unheimliche« Mischung - Dämonenkiller – Die Taschenbücher: Einleitung

Eine »unheimliche« Mischung: Dämonenkiller – Die TaschenbücherEinleitung

Der kommerzielle Erfolg der Marke "Dämonenkiller" muss in der Tat beträchtlich gewesen sein. Nicht nur wurde die Serie bereits nach 17 Heften aus dem Vampir-Horror-Roman ausgekoppelt, um sich fortan allein auf dem Markt zu behaupten.

Innerhalb kürzester Zeit wurde die Serie auch auf wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt. Zeitgleich brachte man im März 1975 eine Taschenbuchreihe auf den Markt.


Eine »unheimliche« Mischung: Dämonenkiller – Die Taschenbücher - Blutige TränenDiese Taschenbücher wiesen allerdings von Anfang an ein gewaltiges Manko auf. Im Gegensatz zu Perry Rhodan und seinen Planetenromanen griffen sie keine Themen aus der Heftromanserie auf. Das kam erst ein paar Jahre später, als die Reihe bereits in Richtung Einstellung driftete. Am Anfang handelte es sich größtenteils um Übersetzungen aus England und Amerika; es war also das Vampirtaschenbuch nur mit dem Dämonenkillerlogo. Von Konzept keine Spur. Hauptkriterium für einen Ankauf der Originalrechte war offensichtlich, dass es was Horrormäßiges sein musste und  man die Romane auf 145 Seiten zurechtschneiden konnte. Das war allerdings zu dieser Zeit kein großes Problem, überschritten schon die Originale in der Länge nur selten den Umfang von 155 Seiten oder weniger. Außerdem hatte es Tradition, die Originale in der Übersetzung dann passend zu machen. Was die ausländischen Urheber möglicherweise darüber dachten, dass man ihren Roman kürzte, hat zu dieser Zeit niemanden interessiert.

Erst später nach dem abrupten Aus der Hauptserie versuchte man 1979 mit einer Handvoll Romanen der ursprünglichen Serienmacher Vlcek/Luif unter ihren bekannten Pseudonymen Wolf/Davenport thematisch an die Serie anzuknüpfen und eine Art Jugendserie über die Hexe Coco Zamis zu machen. Obwohl die Umstellung auf eine Reihe mit ausschließlich deutschen Autoren da bereits vollzogen war. Konzentrierte man sich in den ersten beiden Jahren auf ausländisches Material, dürfte der Vorrat bereits knapp geworden sein. Schließlich wollte auch das Vampir-Taschenbuch bedient sein. Und spätestens gegen Ende der 70er waren die ausländischen Märkte dazu übergegangen, bei ihren Autoren Romane mit größerem Umfang zu bestellen. Was die Pabel-Redaktion vor echte Probleme gestellt haben dürfte.

Daher konzentrierte man sich bereits seit 1978 auf Beiträge deutscher Autoren und verzichtete fast völlig auf Übersetzungen, während das Vampir-Taschenbuch primär eine Übersetzungsreihe blieb. Insofern war der Schritt, aus dem "Dämonenkiller" auch tatsächlich den "Dämonenkiller" zu machen, aus einer etablierten Einzelromanreihe also eine Serie zu machen, zwar recht einschneidend, aber folgerichtig. Auf lange Sicht das Ende verhindern konnte das auch nicht. Spätestens nach der Umstellung auf eine zweimonatliche Erscheinungsweise Mitte 1979 dürfte klargewesen sein, dass der Reihe kein langes Leben mehr beschert sein dürfte. Und im Mai 1980 war dann ja auch Schluss.  

Die Meinungen über die Qualität der Reihe sind geteilt. Aus heutiger Sicht haben sowohl das Vampir-Taschenbuch wie auch die Dämonenkiller-Taschenbücher keine Bestseller hervorgebracht. Der buchstäblich einzige Roman, der Jahre später eine Neuverwertung bei einem anderen Verlag erlebte, war James Herberts "Killer-Ratten". Der Rest ist sang- und klanglos in Vergessenheit geraten. Zweifellos waren ein paar Bücher dabei, die heute als Klassiker des Genres gelten und es vereinzelt bereits damals waren. Da fallen die Namen Leiber, Rohmer oder Merritt ein. Aber im Gegensatz zu beispielsweise Terra Fantasy hatte die Horrorredaktion kein Interesse daran, die Romane den Lesern mit Informationen näherzubringen. Hier ging es nicht um phantastische Literatur, die man pflegen wollte, sondern um ein monatliches Produkt, das nach dem Ärger mit dem Jugendschutz auch noch schwierig geworden war.

Dass die Vampir-Reihe in der Erinnerung der Fans vielleicht einen nachhaltigeren Eindruck hinterließ, mag auch an der besseren Titelbildgestaltung gelegen haben und der Tatsache, dass Vampir ein abwechslungsreicheres Programm bot, das durch viele Anthologien aufgelockert wurde. Aber die Inhalte sind zumindest anfangs oft deckungsgleich. Kurze englische Horrorromane, häufig von der New English Library.

Kommerziell erfolgreich waren wohl beide Objekte. Kein Verlag produziert 63 Bände, ohne dass ein Gewinn herausspringt. Und was die Qualität der Romane angeht, nun, das soll diese Artikelreihe näher beleuchten. In loser Reihenfolge werden die Romane unter die Lupe genommen. Es wird eine Mischung aus Inhaltsbeschreibungen, hemmungslos subjektiver und hoffentlich trotzdem fairer Rezensionen werden. Die Inhaltszusammenfassungen werden allerdings sehr spoilerlastig werden. Schließlich sollten alle wissen, worüber man redet. Bei Bedarf wird man sich die Übersetzung näher betrachten, Fakten über die Originalromane und die Autoren bieten und das eine oder andere Originalcover präsentieren. Die Länge wird variieren. Über manche Romane wird nicht viel zu schreiben sein. Oder eben eine ganze Menge. Man wird sehen.

Die weiteren ArtikelEine »unheimliche« Mischung: Dämonenkiller – Die Taschenbücher

Kommentare  

#1 Schnabel 2015-02-16 10:54
Mit deiner Kritik an der DK-Taschenbuch-Serie in Bezug auf keine Verknüpfung zu DK-Heftserie gebe ich dir vollkommen recht, aber nicht erst zum Ende der TB-Reihe gab es inhaltliche DK-Themen in der TB-Reihe.
Schon im November 1976 gab es den ersten Bezug zur Dämonenkiller-Heftserie, denn dann erschien mit der Nummer 22 „Die Folterkammer“ von Ernst Vlcek ein Michele da Mosto-Abenteuer (einem früheren Leben des DKs). Neben den Michele da Mosto-Teil gab es auch einen Handlungsteil, der in der aktuellen DK-Zeit spielte. (Auf dieses DK-TB wurde auf der Leserkontakt-Seite 115 + 117 wurde auf das TB hingewiesen)
Ein halbes Jahr später erschien im April 1977 als Nummer 28 „Coco und der Teufelsschüler“ von Paul Wolf das erste Coco Zamis-Jugend-Abenteuer im Taschenbuch. Dieser Roman hatte neben dem CZ-Jugendteil, der direkt an den CZ-Jugendteil aus DK-Heft 32 anschloß, auch einen Handlungsteil, der in der DK-Zeit spielt. (Hinweise auf DK-TB 28 fand man auf den LKS 128 + 129)
Eigentlich waren noch weitere Michele da Mosto-Abenteuer und Coco Zamis-Jugendabenteuer in der Taschenbuchreihe geplant, aber durch die zwangsweise Einstellung der DK-Heftserie im Mai 1977 wurden sie erstmal zu den Akten gelegt.
Das schon geschriebene und eingeplante Coco Zamis-Jugendabenteuer „Coco und der Magier“ erschien im Juli 1977 als Nummer 31. Es war ein komplettes Jugendabenteuer. Diesmal gab es keinen Bezug auf die DK-Gegenwart.
Für die Nummer 33 war vermutlich wieder ein Michele da Mosto geplant. Dieses Vorhaben wurde aber zu den Akten gelegt und es erschien ein Ernst Vlcek-Story-Anthologie.
Erst nachdem die Hexenhammer-Reihe ein Flop gewesen war, nahm der Redakteur Rainer Delfs, die Idee von weiteren Coco-Zamis-Jugendabenteuern wieder auf und es gab ab Februar 1979 (ab DK-TB-Band 52) weitere CZ-Jugendabenteuer .
#2 Thomas Mühlbauer 2015-02-16 13:38
Zitat von Andreas:
Der buchstäblich einzige Roman, der Jahre später eine Neuverwertung bei einem anderen Verlag erlebte, war James Herberts "Killer-Ratten".

...sowie die Romane The Burrowers Beneath von Brian Lumley, der 2004 bei Festa unter dem Titel Sie lauern in der Tiefe und Abraham Merritt's Burn, Witch, Burn, der ebenfalls 2004 bei Festa im Sammelband Hexen und Teufel neuveröffentlicht wurde.
#3 Thomas Mühlbauer 2015-02-16 23:35
Was eine Anmerkung von Andreas ("Was die ausländischen Urheber möglicherweise darüber dachten, dass man ihren Roman kürzte, hat zu dieser Zeit niemanden interessiert") betrifft, hat Rainer Delfs im VHR Bd. 443 geschrieben:

"Eine ganze Anzahl von Romanen, die für die Reihe VAMPIR-Taschenbuch vorgesehen waren, haben wir für die Heftreihe sichern können. Dies gelingt zum Glück auch weiterhin, das Einverständnis der Autoren und ihrer Agenten natürlich vorausgesetzt. Und bevor die gar nichts verkaufen können, sagen sie manchmal zähneknirschend ja."

Ansonsten freue ich mich auf Andreas' fachkundige Aufarbeitung dieser Taschenbuch-Reihe.
#4 Andreas Decker 2015-02-16 23:52
zitiere Thomas Mühlbauer:


...sowie die Romane The Burrowers Beneath von Brian Lumley, der 2004 bei Festa unter dem Titel Sie lauern in der Tiefe und Abraham Merritt's Burn, Witch, Burn, der ebenfalls 2004 bei Festa im Sammelband Hexen und Teufel neuveröffentlicht wurde.


Stimmt. Da hätte ich mich präziser ausdrücken sollen. Ich dachte an einen kommerziellen Massenmarktverlag mit einer hohen Auflage und Verbreitungsgrad. Und nicht an einen Kleinverlag wie Festa. Den Lumley gab es ja noch vorher als Heftnachdruck im Dämonenland.

Wie definiert man Erfolg? Vermutlich hat Herbert bei Heyne mehr verkauft als Lumley bei Pabel und Festa zusammen. Andererseits hat Lumley es auf drei verschiedene Ausgaben gebracht. Da hat er die Nase vorn. Und lieferbar ist keiner mehr davon :-)
#5 Thomas Mühlbauer 2015-02-17 14:42
zitiere Andreas Decker:


Und lieferbar ist keiner mehr davon :-)


Sic transit gloria mundi... ;-)
#6 Larandil 2015-02-18 11:32
zitiere Andreas Decker:

zitiere Thomas Mühlbauer:

...sowie die Romane The Burrowers Beneath von Brian Lumley, der 2004 bei Festa unter dem Titel Sie lauern in der Tiefe und Abraham Merritt's Burn, Witch, Burn, der ebenfalls 2004 bei Festa im Sammelband Hexen und Teufel neuveröffentlicht wurde.

Stimmt. Da hätte ich mich präziser ausdrücken sollen. Ich dachte an einen kommerziellen Massenmarktverlag mit einer hohen Auflage und Verbreitungsgrad. Und nicht an einen Kleinverlag wie Festa. Den Lumley gab es ja noch vorher als Heftnachdruck im Dämonenland.

Wie definiert man Erfolg? Vermutlich hat Herbert bei Heyne mehr verkauft als Lumley bei Pabel und Festa zusammen. Andererseits hat Lumley es auf drei verschiedene Ausgaben gebracht. Da hat er die Nase vorn. Und lieferbar ist keiner mehr davon :-)


Hmmm. Liege ich denn total falsch, wenn ich annehme, dass "Die Herrscher in der Tiefe" (Bastei, 1979) ebenfalls eine Ausgabe von "The Burrowers Beneath" war?
portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D790300109
#7 Gerd 2015-02-18 12:10
Liegst du. ;-)

Der Band, der in Basteis Horror-Bibliothek erschienen ist, war Band zwei "The Transition of Titus Crow". Damals habe ich eine Weile gehofft, dass die weiteren Titus-Crow-Bände ebenfalls in der Horror-Bibliothek kommen - nicht zuletzt, weil man ja sogar einen Lovecraft-Titel und die Berglund-Antho (in zwei Bänden) gebracht hatte -, aber dem war leider nicht so. Und nach zwei Jahren war der Spuk ja dann schon wieder vorbei ...
#8 Heiko Langhans 2015-02-18 12:37
Hm. Der Lovecraft-Titel, wie Du ihn nennst, soll zu mindestens zwei Dritteln von August Derleth stammen.
#9 Andreas Decker 2015-02-18 13:46
zitiere Thomas Mühlbauer:

Sic transit gloria mundi... ;-)


Wo ist Vincent Price, wenn man ihn braucht? ;-)

zitiere Heiko Langhans:
Hm. Der Lovecraft-Titel, wie Du ihn nennst, soll zu mindestens zwei Dritteln von August Derleth stammen.


Wohl eher mehr. Das sind nur ein paar HPL-Fragmente, wie Derleth selbst gesagt hat. Das Teil gab es ja später noch mal in einer Neuübersetzung bei Surkamp als "Das Tor des Verderbens". Ist ganz interessant, die beiden zu vergleichen. Suhrkampf ist bedeutend barocker und wortgewaltiger.
#10 Thomas Mühlbauer 2015-02-18 15:46
Hierzu gibt es von Lovecraft-Kenner S.T. Joshi recht konkrete Angaben. So wurden 1200 Wörter, die aus verschiedenen Fragmenten Lovecraft's stammten, von Derleth "aufgefüllt", bis am Ende das 50000 Wörter umfassende The Lurker at the Threshold geboren ward. 97,6 % Derleth und 2,4 % Lovecraft sind nicht gerade viel Lovecraft... :sad:
#11 Gerd 2015-02-18 17:11
Äh ... ja Jungs - und ihr habt das alle auch schon 1979, als der Roman auf Deutsch erschienen ist, gewusst, gelle? ;-)

Aber ich bekenne mich schuldig (und werde, wenn ich denn mal einen Tag Zeit habe, in Sack & Asche gehen), einen Roman, auf dem groß der Name H.P. Lovecraft (und etwas kleiner natürlich auch August Derleth) steht, im Rahmen der Beantwortung einer Frage, die sich nicht im Geringsten um diesen Roman gedreht hat, als Lovecraft-Roman bezeichnet zu haben, statt angemessen die Hintergründe aufzudröseln. Andererseits hätte es dann ja keinen Grund für euch gegeben, mit dem eigenen Wissen hinterm Knick vorzukommen ...
#12 Heiko Langhans 2015-02-18 17:43
Deswegen das Hm.
Ja, hab ich gewusst.
Steht Dir frei.
Heul doch. 8)
#13 Thomas Mühlbauer 2015-02-18 18:05
Da bitte ich doch vielmals um Entschuldigung, dass Ich/wir jemandem ungefragt mein/unser gefährliches Halbwissen aufgedrängt habe/n. Es gibt in einem Forum natürlich immer ein gewisses Grundrisiko, dass sich da diverse Naseweise tummeln (siehe Titus Crow) ;-)
#14 Larandil 2015-02-19 14:10
zitiere Thomas Mühlbauer:
Da bitte ich doch vielmals um Entschuldigung, dass Ich/wir jemandem ungefragt mein/unser gefährliches Halbwissen aufgedrängt habe/n. Es gibt in einem Forum natürlich immer ein gewisses Grundrisiko, dass sich da diverse Naseweise tummeln (siehe Titus Crow) ;-)

Ja, das war ein ganz spezielles Grauen. Bei Cthulhus nettem Bruder flog mir die Sicherung 'raus.

Gäste sind momentan nicht mehr berechtigt Kommentare zu schreiben, da täglich bis zu 200 Spamkommentare gelöscht werden mussten.

Bitte registriert Euch beim Zauberspiegel. Wir suchen nach einer Lösung.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles