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Crisis on Infinite Earths – Wehen einer Neugeburt

Heldenhaft - Die DC-KolumneCrisis on Infinite Earths
Wehen einer Neugeburt

1985 feierte DC Comics sein 50. Jubiläum. Aus diesem Anlass musste etwas Großes geschehen. Etwas, das die reiche Vergangenheit jener fünf Jahrzehnte noch einmal Revue passieren lassen, gleichzeitig aber auch Ausgangspunkt für die nächsten 50 Jahre werden sollte.

Von Januar bis Dezember 1985 (Cover-Datum April 1985 bis March 1986) - mithin also ein komplettes Jahr lang! - blieb folglich im DC-Universum kein Stein auf dem anderen. In der 12-teiligen Maxi-Serie von Marv Wolfman und George Perez wurde auf insgesamt 341 Seiten das bis dahin bestehende Multiversum mit den zahlreichen Parallel-Erden in seinen Grundfesten erschüttert. Genauer gesagt von Anti-Materie verschlungen - Mahlzeit!


Rundum-Cover der US-Ausgabe von COIE 1 Und diesen 341 Seiten Comic-Geschichte, sowie den unzähligen zusätzlichen Seiten vieler weiterer Comic-Hefte, die in jenem Jahr erschienen und ebenfalls die Auswirkungen dieses Großereignisses zu spüren bekamen, werden sich ab heute insgesamt drei Artikel meiner Kolumne widmen.

Um dem geneigten Leser etwas Orientierung zu bieten, sei gesagt, dass hier im ersten der drei Artikel zur COIE (so werden wir die ”Crisis on Infinite Earths” fortan nennen) grob die Vorgeschichte und Bibliographisches thematisiert werden wird.
Im zweiten Artikel (nächste Woche) werden wir uns ausschließlich der eigentlichen Handlung der COIE annehmen.
Im dritten Artikel (übernächste Woche) wird es eine Nachbetrachtung zum Event geben. Werden wir unter die Lupe nehmen, wie sehr die COIE auch Jahrzehnte später noch nachhallte, und wie doch nicht ganz aufgegangen die Absicht dahinter war. Außerdem wird es in jenem Artikel auch kurze Profile zu den beiden Vätern dieses Meilensteins der Superhelden-Comic-Geschichte geben, nämlich zu den Herren Wolfman und Perez.

Bevor wir an die Tat schreiten, möchte ich allerdings jenen, die vielleicht selbst nachlesen wollen, noch kurz sagen wie und wo sie das am besten können:

LEKTÜRE
Deutschsprachig findet sich die COIE gesammelt in zwei Bänden. Nachdem sowohl Ehapa (Superman Taschenbuch 71) als auch Norbert Hethke (Superman Klassik Album 4+5) bloß Stückwerk davon gebracht hatten, dauerte es bis 1999, bevor die komplette Saga bei Dino in den JLA-Sonderbänden #12 und #13 veröffentlicht wurde. Mit knapp eineinhalb Jahrzehnten Verspätung durften endlich auch Leser hierzulande an der Geschichte teilhaben. Beide Bände sind neu nicht mehr lieferbar, aber lassen sich antiquarisch oder in Online-Auktionshäusern ohne Schwierigkeiten erwerben.
Hilfreich mögen die ISBNs der beiden Bände sein: 3-89748-181-2 für JLA-SB #12 sowie 3-89748-182-0 für JLA-SB #13.

Englischsprachig gibt es das Werk (nach wie vor erhältlich) entweder relativ günstig im Softcover 978-1563897504, oder um viel Geld als übergroßen Nachdruck im Hardcover der ”Absolute Editions” 978-1401207120.

2005 (zum 20-jährigen Jubiläum der COIE) hat Marv Wolfman übrigens (hauptsächlich aus Sicht des Charakters Flash) eine Romanadaption der COIE verfasst. Wer also eher ”echte” Bücher statt Comics liest, dem mag mit 978-1596872905 (Hardcover), 978-1596873438 (Taschenbuch), oder gar 978-1599505978 (Hörbuch/Hörspiel-Hybrid) geholfen sein. Alle drei leider nur in Englisch. Deutsch nicht in Sicht.

Unvollständige deutsche Versuche einer VeröffentlichungWIE ALLES BEGANN
Autor Marv Wolfman war irgendwann 1980, als er von Marvel zu DC zurückkehrte, in einem Leserbrief zu Green Lantern auf gewisse Ungereimtheiten in DCs Kontinuität hingewiesen worden. Und wahrlich - derer gab es mehr als genug, dazu brauchte er keinen Leserbrief. Diese Logikfehler und Unvereinbarkeiten hatten sich angesammelt, seit er selbst noch Kind war.

In den 1960ern nämlich, also dem Silver Age, als die Superhelden ein Comeback feierten, waren es großteils neue Personen hinter den Masken. Der neue Flash damals war nicht mehr der aus den 1940ern, also nicht mehr der aus dem Golden Age. Green Lantern war auch neu besetzt. Superman zwar nicht, aber der war ja auch ein Außerirdischer, und man schrieb ihm seit dem ausgehenden Golden Age eine Superboy-Vergangenheit auf den Leib, die sein Alter als relativ junger Erwachsener in den Silver Age Comics plausibel wirken ließ.

Dennoch gab es zahlreiche Figuren, die man nie austauschte, wie etwa Wonder Woman, die aber dummerweise auch nicht magisch zeitlos waren wie besagte Amazone etwa, nämlich Batman als berühmtestes Beispiel.

Man wollte in den 1960ern doch zumindest auch auf die bunte Vielfalt der Schöpfungen des Golden Age zurückgreifen, und so schuf man in Flash #123 (September 1961) einen unheiligen Präzedenzfall. In der Geschichte „Flash of Two Worlds“ wurde zum ersten Mal die Idee ins Spiel gebracht, dass die Golden Age und die Silver Age Helden nicht auf der gleichen Erde lebten, sondern auf Parallel-Erden.

Die Silver Age Hefte, also die damals neuen, galten quasi als die nunmehr „wahre, echte“ Welt. Man nannte diese später Earth-1. Der Flash aus den 40ern hingegen war von Earth-2, wo die Helden auch entsprechend gealtert waren, in den 15-20 Jahren seit ihrem Verschwinden.

Die Idee kam an. So sehr, dass besonders die bald zu jährlicher Tradition gewordenen Crossovers zwischen der Justice League of America (JLA, das Heldenteam von Erde-1) mit der Justice Society of America (JSA, das Golden Age Team von Erde-2) wahre Begeisterungsstürme bei den Fans auslösten. Aber viel mehr noch bei den Autoren, die sich nun hemmungslos austoben durften in Geschichten, welche - empfand man sie für die Earth-1 als zu gewagt und die Kontinuität untergrabend - einfach als eine Geschichte aus einer Parallel-Erde erklärt wurde.

Bald gab es solcher Parallel-Erden zig. Auf der einen gab es etwa nur Superschurken, aber (außer Lex Luthor!) keine Superhelden. Auf einer anderen hatten die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Und dergleichen mehr.

In den folgenden Jahrzehnten wurde es für den DC-Kosmos nur noch schlimmer, da man die Rechte diverser anderer Comic-Verlage aufkaufte, die man - wenn man sie denn nun schon mal hatte - doch gefälligst auch in Comics benutzen wollte, wenngleich der Kauf meist als Untergrabung von Konkurrenz gemeint war.

So richtig passten die verschiedenen erworbenen Superhelden-Kosmen mit dem eigentlichen DC-Kosmos nie zusammen, und so wurde einfach auch dafür jeweils eine eigene Parallel-Erde erfunden, in welcher solche Geschichten dann spielen konnten.

Vollständig deutsch Teil 1 von Dino, und US-PaperbackUNGUTER LESERBRIEF
Was der Leserbrief von 1980 aussagte, war das Bestehen einer gigantischen Barriere. Nämlich einer Barriere, die es Neulesern zusehends verunmöglichte, einen Einstieg zu finden, ohne nicht von all diesen Parallel-Erden vollkommen verwirrt und folglich auch sehr schnell abgetörnt zu werden.

Der Brief wurde abgedruckt und rief ein großes Echo an zustimmenden Leserbriefen hervor, was die Verantwortlichen bei DC sehr ins Grübeln brachte.
Marv Wolfman entschied sich schließlich, eine Geschichte machen zu wollen, in welcher all diese Parallel-Erden verschmolzen und somit vereinfacht werden sollten. Er bekam in vier kurzen Tagen seinen Sanktus für das Projekt, selbst für die zu jener Zeit noch recht unübliche Form einer 12-teiligen Maxi-Serie.

Allein ... vom Greenlighting 1981 bis zum Erscheinen des ersten Bandes COIE sollten fast vier Jahre vergehen. Vier Jahre, in welchen Wolfman sich selbst erstmal durch all diese Welten lesen musste, die er da verschmelzen wollte.

Er musste einen Index anlegen, von so ziemlich jeder Figur, die es je in DC-Heften gegeben hatte. Und dies betraf nicht bloß die Superhelden-Comcis. Oh nein!
Auch „echte“ Science Fiction Comics oder etwa auch Western-Comics wurden da berücksichtigt. Auch Sgt. Rock und ähnliche Kriegs-Comics.
Es brauchte diese paar Jahre, um überhaupt erst den verworrenen Status Quo zu sichten. Um zu planen, wo er wen auf seine „Arche“ setzen würde.

Auch dämmerte den DC-Verantwortlichen das zunehmende Ausmaß dessen, was Wolfman da in der Mache hatte. Und bald wurde entschieden, erst 1985 damit raus zu kommen. Musste doch so ziemlich jede der laufenden Serien in gewisser Weise dahingehend angepasst und geplant werden.

UMWÄLZUNGEN
Viele der Serien fanden ein „Ende“. Nämlich in den Jahren 1985/1986, kurz vor, parallel zu oder bald nach den Ereignissen der COIE. Wonder Woman (die Golden Age-ige, die auf Erde-1 noch wirkte) durfte endlich heiraten (was sie 40 Jahre nicht gedurft hatte, war im letzten Heft plötzlich erlaubt, schickte man sie doch hernach über den Jordan). Nach der COIE wurde die Figur dann von Perez in einer anderen Inkarnation neu erfunden.

Der Flash (Barry Allen) wurde in einem krummen Gerichts-Prozess des Mordes angeklagt, flüchtete aber vor der Justiz in die Zukunft und fand in COIE seinen Tod. Danach kam der ehemalige Kid-Flash (Wally West) zum Kostüm, also auch hier wurde aufgrund der Ereignisse in COIE eine Neubesetzung durchgeführt.

Und jener Tod sollte nicht der einzige in COIE sein. Die Groß-reine-Machen-Aktion, die Wolfman da durchzog, ermöglichte so manche andere Fliege mit dem gleichen Schlag zu erlegen. Etwa Supergirl, die Ärmste, die der bereits in Planung seienden Neu-Schaffung Supermans in der post-COIE-Zeit im Wege gewesen wäre, da man ihre Existenz schwer bis gar nicht hätte erklären können, John Byrne als Autor des neuen Supermans auch seine eigene Vorstellung im Hinterkopf hatte, wie und wann man eine Figur "Supergirl" dann in sein Konzept wieder einlassen können würde.

In den Green Lantern-Heften hatte Silver Age-Lantern Hal Jordan den Hut drauf geschmissen, wanderte „aus der Bahn“ der Ereignisse in COIE, indem der Ring für diese Zeit kurz an Guy Gardner bzw. eigentlich an den Afro-Amerikaner John Stewart ging. Erst nach der COIE kam Jordan zurück und wurde die Serie zu einer Team-Serie namens Green Lantern Corps.

Superman wurde nach der COIE von John Byrne überhaupt ganz neu erfunden. Und in den letzten paar Bänden vor „Einstellung“ der Ursprungsserie durften sich die Autoren nochmal richtig austoben, etwa Alan Moore in der berühmten Geschichte „Whatever Happened to the Man of Tomorrow?“ (Nachzulesen in Ehapas Superman Taschenbuch 79). Auch Batman wurde im Handlungsstrang Year One zumindest neu definiert.

All das hatte langwierige Planung nötig gemacht, weshalb man auf die tatsächliche Umsetzung der COIE, also Wolfmans Versuch einer Vereinfachung und Vereinheitlichung derart lange warten musste.

Als es dann so weit war, hatte niemand einen Zweifel daran, dass der einzig in Frage kommende Mann fürs Artwork George Perez sein würde. Der hatte in der Vergangenheit mit einem sehenswerten Run der JLA aufhorchen lassen, und hatte zusammen mit eben jenem Wolfman schon bei der Neuerfindung der Titans, also The New Teen Titans (DCs Antwort auf die boomenden X-Men von Marvel) hervorragend mit dem Autor zusammen gearbeitet und beindruckendes Artwork abgeliefert gehabt.

"Missing Story" aus COIE von 1999, und der Roman des AutorsMEGA-EVENT ZUM ERSTEN
Die Maxi-Serie gilt als das erste richtige Großereignis in Superhelden-Comics. Und als solches musste es Weg bereiten. Als Wolfman (ab Band 6 unter der Plot-Mitwirkung von Perez) sein Mammutwerk schrieb, konnte er auf nichts in der Richtung zurück greifen. Alle Fehler bei solchen Dingen mussten hierin zum ersten Mal gemacht werden. Und derer gab es viele. Aber das sehen wir uns übernächste Woche genauer an.

Es gab viele „Nebenprodukte“, die aus COIE hervor gingen. Und damit sind jetz nichtmal die ca. 55 anderen Einzelhefte gemeint, welche während des Jahres 1985 auch mit dem Crisis-Schriftzug am Titelbild mal mehr mal weniger direkt mit den Ereignissen in der eigentlichen Maxi-Serie verwoben waren.

Vielmehr trug Wolfmans Arbeit zum entstehen des Who-is-Who bei, eines DC-eigenen (ursprünglich in Heftform, dann in Lose-Blatt-Form) enzyklopädischen Werkes.
Und 1986 gab es - quasi als Definition des neuen Status Quo - die zweibändige „History of the DC Universe“, in welcher Wolfman und Perez von Harbinger, einer der Schlüssel-Figuren der COIE, die nunmehr vereinheitlichte und neue Historie des derart bereinigten DC-Universums erzählen ließen. (Mittlerweile in einem Band nachgedruckt erhältlich unter der ISBN 978-1563897986.)

Ganz hat Wolfmans Vorhaben nicht funktioniert. Und „ganz“ im Satz zuvor ist sehr untertrieben. DC hat seit 1985 viele weitere Crisis-Events folgen lassen. Mit dem Resultat, dass wir heute ein noch viel „multiverselleres“ DC-Universum haben, als jenes, das Wolfman zu vereinen suchte. Aber heute wollen das die Fans so.

Und selbst Wolfman höchst selbst hat es sich 1999 nicht nehmen lassen, in einem Sonderband zur Reihe „Legends of the DC Universe“ zur ursprünglichen COIE nachzulegen, indem er auf weiteren 54 Seiten so manches dessen, was man in und um Band 4 der ursprünglichen Maxi-Serie erzählerisch nicht ganz genau verfolgt hat, nunmehr zu erzählen.

Die COIE war von den Machern gut gemeint. Zumindest auch. Natürlich war sie gleichzeitig eine Kommerz-Ausgeburt, aber DC hatte 50. Geburtstag und wollte feiern.

Heute steht das Werk außer Kritik. Es gibt sooo viel daran, das schlecht ist, aber eine Kritik an der Sache wirkt so albern, als wolle man Tolkiens Herr der Ringe kritisieren. (Und bei beidem läge man mit Kritik richtig, aber in beiden Fällen machte man sich lächerlich, weil die Sache zu groß geworden ist, als dass noch jemand ernsthaft daran herum kritisiert.)

Nächste Woche widmen wir uns minutiös der Handlung. Hauptsächlich jener in den zwölf Bänden der eigentlichen COIE-Maxiserie, aber mit vereinzelten Nebensätzen zu den vielen zeitgleich im DCU vorgefallenen Dingen.

Vielleicht lest ihr ja hier in einer Woche wieder rein. Bis dahin!  

Kommentare  

#1 Carn 2011-01-15 12:12
Ich fand damals die Multiversum-Idee von DC als das eigentlich Faszinierende im ganzen Konzept. Ich verschlang die Crossover der JSA und der JLA in den alten Gerechtigkeitsliga-Alben von Ehapa. Was so verwirrend daran war - keine Ahnung (?) Wahrscheinlich kamen manche Leser nicht damit klar, daß es da plötzlich mehre Supermänner, Batmänner etc. gab.
Daß Ehapa die Crisis in ein Mini-Taschnbuch stopfte und dann nicht mal beendete mag zu den dünkelhaften Redakteurentscheidungen der damaligen Zeit zählen - als Original-Leser war's einem damals wurscht, nur die des Englischen-nicht-mächtigen taten einm leid.Gut war natürlich, daß DC einen völligen Neuanfang starten konnte, und man frische Neuinterpretationen lesen konnte - aber das hätte man auch ohne Crisis bewerkstelligen können (siehe Ultimate-Universe von Marvel)
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#2 Wolfgang Trubshaw 2011-01-15 12:30
Ich bin da mit dir ziemlich einer Meinung. Ich habe mich auch immer gefragt, wo das große Problem gewesen ist an den seinerzeitigen Parallel-Erden.

Und wie man davon verwirrt werden kann, habe ich nie verstanden, da in jedem solcher Hefte in der ersten Caption etwas gestanden ist wie (sinngemäß) Meanwhile, on Earth-2 ...
Also man hat ja immer genau gesagt bekommen, in welcher Welt die Geschichte spielte.

Aber unsereins hatten eben vielleicht genug Vertrautheit mit der ganzen Sache, wohingegen ein Gelegenheitsleser (und die gab es damals noch!), der wirklich zum allerersten Mal vor der Erwähnung solcher Parallel-Erden stand, sicher die Stirn in Falten legte und sich fragte: Häääh?

Ich rechne Wolfman, Perez und DC den wohlgemeinten Versuch hoch an. Unnötig wie ich ihn auch fand und finde.

Für mich war es dennoch eine dankbare Sache, da ich zufällig zeitgleich mit dem nach der COIE erfolgenden Neustart ganz DCs in die US-Hefte einstieg, und ich konnte das damals quasi alles von Start weg mitverfolgen.

Dennoch hat IMHO jede der nachträglichen Krisen bestenfalls an der COIE verschlimmbessert.

Das heutige unüberschaubare "anything goes" Universum ist schlussendlich meiner Sicht nach der Grund, warum sich Comics heute (auch in den USA) so schwer tun, Leser zu finden.

Es fehlt die Nachhaltigkeit von Ereignissen. Und das nagt an Glaubwürdigkeit und Faszination der Materie...
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#3 Jürgen Höreth 2011-01-15 14:05
Ich gebe Dir recht, Wolfgang, wenn Du schreibst, daß es für den Nicht-regelmäßig-Comic-Leser schwierig ist, einen 'glatten' Zugang zu manchen Inhalten zu finden. Bei den X-Men bespielsweise ist nach diversen 'Wiedergeburten' und ultimaten Finals, Zeit-und Dimensionswandern alles vergackeiert was geht.
Trotzdem ist es für möglich Vorher-Nicht-Comic-Leser einen Einstieg zu finden. Beispielsweise bei JMS Superman-Earth-One - hier dürfte es problemlos möglich sein - wie auch halt bei allen neuen Origins.
Der augenblicklich noch große Erfolg von Superheldenfilmen liegt auch noch darin begründet, daß hier alles noch recht übersichtlich ist - auch hier wieder der Retell des Origins, gewürzt mit maximal 1-2 Schurken und einer Lovestory - alles im Rahmen, da kommt noch jeder mit. Bei der Erzählung des Origins hat also noch keiner Probleme (deswegen soll wohl auch das Spiderman-Franchise neu gestartet werden, also wieder von Stunde 1 an). Da kommt dann die Frage auf: Hat keiner mehr Lust sich in eine breitlaufende Handlung reinzuarbeiten? Beim Movie wohl nicht, da gehts dann wohl nur um die Zielgruppe der Popcorn-Teenager, wo's nur ordentlich krachen und fetzen muß. Schade. Daß es anders geht, hat ja THE DARK KNIGHT an den Kinokassen bewiesen (aber hier hat man vielleicht eine andere Ausgangssituation - keine tausend rumspringenden Mutanten mit 50 Paralleluniversen :O)
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#4 Carn 2011-01-16 12:11
Sicherlich war es die Initialzündung für viele interessante (und auch erfolgreiche) Neustarts - unter Byrne legte Superman seine Altherren-Patina ab, kam erhelblich frischer daher - sicherlich waren Byrnes Stories kein Titanenschritt in nächsthöhere Autorengefilde (hier hätte man Alan Moore schon freie Hand lassen müssen - aber keiner der Redakteure wäre wahnsinnig genug gewesen, um Moore Superman einen Miracleman-Anstrich zu geben), dennoch war es ein Schritt in dir richtige Spur.
Ich gebe Dir auf jeden Fall recht, daß es für totale Comic-Frischlinge schwierig ist, sich in manche Serien einzulesen. X-Men beispielsweise ist sicherlich für den Normalmenschen zwischenzeitlich unleserlich gewesen (und nicht nur durch Paralleluniversen, Zeitreisenden, Doppel-Doppelgängern und wat weiß ich noch alles). Aber es gibt auch genug Serien in die der Einstieg relativ leicht fällt (hier sei der Start der Ultimate-Reihe zu nennen oder auch Serien wie THE BOYS) - eine Problematik für Erwachsene ist das Zurechtkommen von Panel-Folgen in Comics. Als ich meinen Comicladen in Hof hatte, sagte mir mein Kumpel Alex, daß er einfach mit dem Lesefluß nicht klar komme und die verschachtelten Panels ihn verwirren (er kam dann eigentlich nur mit den hintereinander gesetzten Panels von Dillon in PREACHER klar.
Alex Ross und Paul Dini haben Ihre überformatigen Graphic Novels über Superman/Batman/CaptainMarvel/Wonder Woman auch deshalb gemacht, um die Grundstrukturen der Helden auch literarischen Lesern (und Comic-Neulingen) leichter zugänglich zu machen (ob Sie damit Erfolg hatten...wer weiß ;-)
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#5 Wolfgang Trubshaw 2011-01-16 13:37
Das mit den Panels ist schon schwerwiegend, ja.
Gerade ja auch Perez hier bei COIE (oder knapp davor in der seinerzeitig neu gestarteten New Teen Titans Serie) hat sehr heftig mit Panels und deren Platzierung und Verschachtelung gestaltet.

Vielleicht besteht irgendwie der Hang oder die üble Angewohnheit, ein Comic überfliegen, also gewissermaßen "quer" lesen zu wollen, nur das kann man bei vielen Zeichnern halt eben vergessen.

Man muss sich schon die Zeit nehmen, sich mit dem Graphischen auch auseinanderzusetzen. In den 80ern waren die Künstler dahingehend ja überhaupt extrem. Seitdem scheint sich die Sache wieder halbwegs eingekriegt zu haben. Wiewohl ich etwas bedaure, dass "richtige" Panels teilweise zu Gunsten von ineinandner greifendem Bleed-Hintergrundartwork bei manch neuerem Künstler beinahe schon ausgestorben sind.

Bin übrigens grade beim Schreiben der Handlungszusammenfassung und grad mit Band 1 der COIE fertig. Ist schon erstaunlich (oder in Anbetracht der Länge der Zusammenfassung wohl eher erschreckend), wieviel Handlung Perez auf 32 Seiten unterbringen kann, wenn er mit Panels jongliert. :-)
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#6 Carn 2011-01-16 14:36
Das war wohl auch einer der Gründe warum der Editor von COIE Perez wählte - weil er so viele Panels auf eine Seite und so dermaßen viele Charaktere in die Panels quetschen konnte (und auch, weil er wahrscheinlich der damals populärste Künstler bei DC war) - hier haben wir das Paradebeispiel bei der Panelverschachtelung, also ist COIE kein Einstiegstipp für Comicfrischlinge - hier müßte man eigentlich immer die Ligne-Claire-Sachen aus Frankreich empfehlen - immer mit Tintin anfangen - kann selten Verwirrung im Lesefluß auftreten.
Trotzdem hat Perez Stil eine geradezu hypnotische Wirkung - er zeichnet ja nicht gerade hyperrealistisch, trotzdem immer glaubhaft und dem Genre verhaftet. Seine Actionszenen können mit denen von Kirby konkurrieren und eine gewisse Eleganz ist unbestreitbar. Ich freue mich immer wieder über neue Projekte von ihm und war erfreut, als er die LegionOfSuperheroes im Final Crisis Abschnitt zeichnete - hierfür schien er geboren zu sein - ich würde ihm nur fähigere Autoren wünschen - Geoff Johns in allen Ehren, aber er ist kein Mark Millar, Warren Ellis oder Alan Moore. Ich hätte mir beispielsweise Transmetropolitan auch von Perez gut vorstellen können.
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