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Intercontinental-Express: Ungewöhnliche Zugbegegnungen

Intercontinental-Express
Ungewöhnliche Zugbegegnungen

Im Jahr 1965 wurde für das Norddeutsche Werbefernsehen eine Anthologieserie produziert, die rund um ungewöhnliche Begegnungen auf Zugreisen mit dem „Intercontinental-Express“ kreiste.
Im wahrsten Sinne des Wortes zugkräftig besetzt, ist die dreizehnteilige Schwarz-Weiß-Serie nun in einer Neuauflage auf DVD erschienen.

Gleich die erste dieser dreizehn rund 25minütigen Folgen stellt dabei bereits in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahme innerhalb der Serie dar. Zum einen ist „Reise an die Grenze“ insgesamt nicht ganz so unterhaltsam und kurzweilig wie die meisten anderen Folgen der Reihe, und zum anderen ist sie eine der wenigen Folgen, die ohne einen kriminalistischen Hintergrund auskommt.

Hier stehen in erster Linie die Liebesprobleme zweier Paare im Vordergrund, was die Episode ein wenig in die Nähe belangloser Soap-Opera-Serien rückt.

Denn Florence (Margot Trooger) reist nach Dänemark, um sich dort einer wichtigen, aber nicht ungefährlichen Operation zu unterziehen. Mit ihrem Ehemann Robert (Heinz Weiss) kommt es immer wieder zum Knatsch, zumal Florence chronisch eifersüchtig ist. Die Eifersucht spielt auch im Eheleben von Thomas (Kurd Pieritz) und Christine (Claude Farell) eine Rolle, hier hat sie aber Hand und Fuß.

Denn Thomas reist im gleichen Zug wie Florence und Robert nach Norden, um in seinem Ferienhaus einige Schäferstündchen mit seiner Sekretärin Ines (Marion Jacob) zu verbringen. Dass auch Christine mit im Zug ist, ahnt zunächst keiner der Beteiligten.

„Reise an die Grenze“ ist insofern erwähnenswert, weil die von Claus Peter Witt fürs deutsche Fernsehen inszenierte Folge noch einmal mit denselben Darstellern in einer englischen Version unter der Regie von Allan A. Buckhantz gedreht wurde, vermutlich, um die Serie auch einem internationalen Publikum schmackhaft zu machen.

Diese besondere Episode findet sich in voller Länge (27 Minuten) und wahlweise mit deutschen Untertiteln als Bonusmaterial auf der zweiten DVD dieser Edition.

Davon abgesehen sind aber, wie eingangs geschrieben, die meisten anderen Folgen von „Intercontinental-Express“ spannender und interessanter als diese Eröffnungsepisode. Mal geht es um ein Verbrecherpaar, das durch ein cleveres Kind (Stephan Kinkele) an Bord überführt werden kann, mal um einen ausgebrochenen Sträfling (Peter Neusser), der sich in seiner alten Position als Schaffner tarnt, mal um die Bestechungsversuche eines Kriminellen (Carl-Heinz Schroth), der von zwei Kriminalbeamten zu seinem Prozess eskortiert wird.

An anderer Stelle sind es zwei charmante ältere Schwestern (Flory Jacobi und Erna Nitter), die durch ihren Kriminalromankonsum dahinterkommen, dass sie von zwei Mitreisenden (Günther Jerschke und Benno Hoffmann) für illegale Zwecke eingespannt werden sollen, oder es sollen von einer Agentin (Sabine Bethmann) sogar ausländische Spione unschädlich gemacht werden, die vermutlich im „Intercontinental-Express“ geheime Daten miteinander austauschen.

Dass die Serie seinerzeit noch in Schwarz-Weiß gedreht wurde, erhöht rund 60 Jahre nach ihrer Erstausstrahlung fraglos noch den Charme der Geschichten, die dadurch irgendwo zwischen klassischem Edgar-Wallace-Grusel und moderneren Krimi- und Spionagegeschichten à la „Stahlnetz“ oder „Die fünfte Kolonne“ angesiedelt sind.

Die Drehbücher stammen zumeist aus der Feder von Fred Ignor („Frau Luna“) oder Christian Bock („Dreizehn Briefe“), auf dem Regiestuhl saß fast in jeder Folge ein anderer.  Dementsprechend heterogen ist die gesamte Serie ausgefallen, aber bis auf einige wenige etwas langatmigere Folgen wird man hier auch heute noch durchgehend kurzweilig unterhalten.

Die DVD-Wiederveröffentlichung auf zwei Scheiben, die nun bei One Gate erschienen ist, bietet ein gutes Bild (im Vollbildformat 1,33:1) und einen stets gut verständlichen deutschen Originalton (in Dolby Digital 2.0 Mono). Das einzige Extra ist die oben bereits erwähnte Auftaktepisode in ihrer englischen Fassung.

© by Frank Brenner (11/2023)

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