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Isau, Ralf: Der Mann, der nichts vergessen konnte

Ralf Isau - Der mann, der Nichts vergeessen konnteDer Mann, der nichts vergessen konnte
von Ralf Isau
erschienen: Sommer 2008 (Deutschland)
461 Seiten; 19,90 €
ISBN: 978-3-492-70141-9
Piper

Das Buch
Millionengewinner, Schachweltmeister, Egozentriker – Tim Lebin ist so einiges, nur eines bestimmt nicht: gewöhnlich. Tim ist ein Savant, einer jener seltenen Menschen, die über die so genannte Inselbegabung verfügen, also in einem gewissen Lebensbereich außerordentliche Leistungen vollbringen können. Tims Gabe ist die des unbegrenzten Erinnerns: Alles, was er je gesehen, erlebt, getan und sogar geträumt hat, speichert er unwillkürlich in seinem Gedächtnis ab.
 
Doch so unfehlbar sein Erinnerungsvermögen auch sein mag, einen schwarzen Fleck gibt es dennoch. Obwohl er als Neunjähriger den Tod seiner Eltern miterleben musste, kann sich Tim einfach nicht mehr an das erinnern, was damals vorgefallen ist. In der Hoffnung, die Erinnerung eines Tages wieder zurückzugewinnen, stellt es sich einer geistigen Herausforderung nach der anderen, um dadurch irgendwann die Mauern, die er um die dramatischen Erlebnisse aus seiner Vergangenheit errichtet hat, irgendwann einreißen zu können.

Der Brief eines Historikers sowie das Zusammentreffen mit der jungen Geschichtswissenschaftlerin JJ könnten Tim die Möglichkeit geben, sein Ziel endlich zu erreichen. Schon bald befindet sich der Savant inmitten einer Schatzsuche, die schon seit vielen Jahrzehnten im Gange ist – und die ihn das Leben kosten könnte...

Kritik
Geschichten von Personen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die großen Verschwörungen auf die Spur kommen und im Kampf für die Wahrheit Leib und Leben riskieren – sie sind das Markenzeichen des deutschen Schriftstellers Ralf Isau, dem er auch in seinem neusten Roman treu bleibt. Im Zentrum steht diesmal Tim Lebin, ein junger Mann, der die Gabe besitzt, sich alles, was er sieht, fehlerfrei und auf Dauer zu merken. Schon bald sieht sich der junge Savant mit einem Geheimnis konfrontiert, das die Welt für immer verändern könnte.

Was die Geschichte an sich betrifft, so hat man es hier mit dem sprichwörtlichen zweischneidigen Schwert zu tun. Einerseits entwirft Isau einen spannenden Plot, den er routiniert und äußerst wortgewandt in Szene setzt. Wie schon in Die Dunklen werden dem Leser eine Reihe von Rätseln geboten, deren Entschlüsselung einen guten Teil der Romanhandlung ausmacht. Während man bei Die Dunklen als Laie in Sachen Musik stellenweise große Probleme hatte, den Schlüssen, die die Heldin des Buchs zieht, zu folgen, hält sich dieses Problem in Der Mann, der nichts vergessen konnte, dankenswerter Weise in Grenzen, was die Lektüre deutlich erleichtert und angenehmer macht.

Andererseits wirkt der Plot des Buchs lange Zeit übertrieben dramatisch. Die Auswirkungen, die die Entdeckung von Tim und JJ haben könnten, werden übermäßig aufgebauscht und erscheinen doch recht abwegig (zumindest in dem Ausmaß, wie es von Isau angesprochen wird). Erst gegen Ende des Romans kehrt die Story wieder zu realistischeren Gedanken zurück und relativiert die vorangegangenen Spekulationen und Ereignisse. Wer dies allerdings nicht weiß, könnte sich in der ein oder anderen Szene zu ungläubigem Kopfschütteln geneigt sehen ob der doch recht reißerischen Theorien über die mutmaßlichen Auswirkungen der Entdeckung.

Mit Tim Lebin rückt Isau einen exzentrischen Charakter in den Fokus der Handlung, der es dem Leser nicht ganz einfach macht, sich mit im anzufreunden. Tim ist eingebildet, abweisend und leidet unter so mancher Phobie. Alles in allem wirkt er wie eine gemäßigte, jüngere Ausgabe des Privatschnüfflers Monk, der wöchentlich in der gleichnamigen Serie auf RTL sowohl Verbrechern als auch seiner Assistentin das Leben schwer macht. Man braucht so seine Zeit, um mit Tim warm zu werden und ihn und seine Marotten hinzunehmen.

Das Finale des Romans ist im Großen und Ganzen spannend und überzeugend, wirkt aber, was die Entwicklung der verschiedenen Protagonisten angeht, teilweise arg konstruiert. Ohne zu viel verraten zu wollen: Am Ende von Der Mann, der nichts vergessen konnte dürften sich die Geister der Leser scheiden.

Schade ist das Fehlen des Nachworts zum Abschluss des Romans. In seinen anderen Büchern für erwachsene Leser nutzte Isau dieses, um die Hintergründe der Ideen, die der Story zugrunde liegen, zu erläutern. Warum das Nachwort diesmal fehlt, ist mir unerklärlich; schade ist es allemal.

Der Mann, der nichts vergessen konnte, ist ein Buch für alle, die auf Verschwörungsthriller stehen und die dieses Genre nicht automatisch mit der Katholischen Kirche in Verbindung bringen. Isau legt einen spannenden Roman vor, der zwar nicht an sein Meisterwerk Der Silberne Sinn heranreicht, dem geneigten Leser von Büchern voll mysteriöser Rätsel und schattenhafter Gegner aber einige angenehme Lesestunden zu bieten hat. Wer Charaktere wie Adrian Monk mag oder gerne Romane im Stile von Das Kopernikus-Syndrom von Henri Loevenbruck sowie Diabolus von Dan Brown liest, der wird auch an Isaus neustem Buch Gefallen finden.

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