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Österreichische SF-Heftreihen von 1948 bis 1965: Alexander Niklitschek - Bärenbücher

Östereichjische SF Österreichische SF-Heftreihen
von 1948 bis 1965

Alexander Niklitschek - Bärenbücher

In den 50er und 60erJahren haben sich mehrere österreichische Verlage auch auf dem Gebiet der Science Fiction und Fantasy versucht, wobei diese Reihen und Romane im Laufe der Zeit weitgehend, meiner Meinung nach zu Unrecht, in Vergessenheit geraten sind. An diesem Thema Interessierte möchte ich auf den Artikel von D. Wrath über „Utopische Leihbücher und Romanhefte aus Österreich“ verweisen.


Ich will versuchen, einige dieser Romane wieder ins Gedächtnis zu rufen: Romane, die nur mehr teilweise, wenn sie überhaupt auf den Markt kommen, für uns Sammler zugänglich sind.

Als nächstem Objekt möchte ich mich einer weiteren Besonderheit zuwenden, der Romanreihe „Bärenbücher“ der Linzer Demokratischen Druck u. Verlags- Gesellschaft, bei der insgesamt 4 Bücher in den SF-Bereich hineinspielen. Davon möchte ich 3 Bücher eines auch heute noch bekannten Sachbuchautors vorstellen, nämlich von ...

Östereichjische SF Alexander Niklitschek - Bärenbücher
Alexander Niklitschek war ein altösterreichischer Autor, der 1892 in Kojetein, im heutigen tschechischen Mähren, geboren wurde und 1953 in Wien starb.

Nach dem Studium der Technik in Wien wandte Alexander Niklitschek sich der Fotografie zu und verfasste zwischen den Weltkriegen während seiner Zeit in Deutschland zahlreiche Handbücher und Anleitungen zur Fotografie.

Niklitschek ist Verfasser mehrerer Bücher zu biologischen, mathematischen, physikalischen und astronomischen Problemen, die er dem Leser allgemeinverständlich näherbringt.

Sein bis heute bekanntestes Werk ist neben dem Buch über Dampflokomotiven das 1938 erstmals verlegte Buch „Im Zaubergarten der Mathematik“. Die Nachfrage nach diesem Buch machte bereits in den ersten zwei Jahren nach der Veröffentlichung drei weitere Neufassungen nötig. Bis heute wurde das Buch in zahlreichen Neufassungen und Auflagen herausgegeben und in fünf weitere Sprachen übersetzt. Die letzte Neufassung erschien 2001 als PDFAusgabe und ist online abrufbar.

Östereichjische SF Zu seinen Büchern gehört auch „Wunder Überall aus Physik und Chemie", (Leipzig 1938, Brücken-Verlag 1947). Einige der darin beschriebenen Tricks verwendete er später auch in seinen Kriminalromanen, z.B die Auswirkung radioaktiver Strahlung auf Fotomaterial oder die Wirkung von Quecksilber auf Aluminium. Das Quecksilber zerstört die Oberfläche dieses Metalls, worauf die Luftoxydation das Metall zerbröseln läßt. Mit diesem Trick kann ein verrückter Wissenschaftler mit Hilfe eines Thermometers die Gitterstäbe zerstören und aus seiner Zelle ausbrechen.

Nach dem Krieg verbrachte er die letzten Jahre in Wien, wobei er für die Reihe der Bärenbücher 3 utopischtechnische Kriminalromane verfasste.

Die Reihe der Bärenbücher erschien auch in einer deutschen und schweizerischen Zweitausgabe mit anderen Nummerierungen. Weitere nützliche Informationen dazu findet man im Internet bei Trivialitas.

Doch nun zu den vorliegenden Büchern. Im Katalog der österreichischen Nationalbibliothek steht folgendes:

  • Niklitschek, Alexander: Mord an der Welt. Ein Kriminalroman.
    Linz : Demokrat. Druck u. Verl. Ges. ; 1949
  • Niklitschek, Alexander: Adam der Zweite. Ein Roman.
    Linz : Demokrat. Druck u. Verl. Ges. ; 1950
  • Niklitschek, Alexander: Die Gedankenwaage. Ein Roman.
    Linz : Demokrat. Druck u. Verl. Ges. ; 1950

Da diese Romane nicht sehr bekannt sind, möchte ich mich mit dem Inhalt etwas ausführlicher befassen.

Inhalt der Romane
Östereichjische SF Mord an der Welt.
(=Bärenbuch Nr. 10. In der dt. Ausgabe die Nr. 5)
Dieser Roman handelt von der damals neu entdeckten Kernspaltung, von Elementumwandlungen und von Atomzerfallsreihen.

Hauptfigur dieses Romans ist der durch Schicksalsschläge verwirrte Professor Ustron, der den Tod seiner Familie rächen will. Er hat mehrere Entdeckungen auf dem Gebiet der Atomforschung gemacht, so kann er Elemente umwandeln, Energie durch Kernspaltung und langsame Umwandlung erzeugen sowie den Elektronenfluss stören und damit jede Nutzung von Elektrizität verhindern. So erzeugt Professor Ustron künstliches Platin, das leider radioaktiv ist.

Die zweite Hauptfigur ist der Privatdetektiv mit dem sinnigen Namen Mycroft Robert Holmes.

Und der dritte Player ist eine Spezialeinheit von Scotland Yard, die mit Detektoren die illegale Nutzung von radioaktiven Elementen verhindern soll.

Holmes stößt bei seinen Ermittlungen bei einem Fotohändler auf verdorbenes Filmmaterial und macht sich auf die Suche nach der Ursache und stößt dabei auf das radioaktive Platin, mit dem Professor Ustron seine Forschungen finanziert.
Nachdem er Ustrons Wohnung entdeckt hat, informiert er Scotland Yard und die verhaften den Professor und beschlagnahmen seine Vorräte an radioaktivem Material.

Durch unsachgemäße Hantierung treten die Elemente in einen langsamen Kernzerfall mit enormer Hitze und tödlicher Radioaktivität. Während Scotland Yard abbrennt, flieht Ustron, indem er die Aluminiumgitterstäbe mit Quecksilber zerstört. Mit viel Mühe kann der Atombrand eingedämmt und gelöscht werden, da die radioaktiven Materialien aufgebraucht sind.

Nun droht Professor Ustron, die Welt mit Atombomben zu vernichten und wieder ist es Holmes, der seinen neuen Schlupfwinkel auf den Pribiloff-Inseln ausfindig machen kann. Ein militärischer Angriff gerät zum Desaster, da die Flugzeuge ohne Elektrizität hilflos abstürzen und Schiffe manövrierunfähig werden.

Schließlich ist es wieder Holmes, der den überlebenden Rest der Familie Ustrons ausfindig macht und zu dessen Insel bringt. Das klappt, da Schiffs-Dieselmotoren als Selbstzünder weiterhin funktionieren. Ustron liegt im Sterben, die Radioaktivität hat letztlich gesiegt. Vorher schaltet er noch die Zündung der Atombomben ab und Holmes samt Familie des Professors kann die Insel rechtzeitig verlassen, bevor Ustrons Anlage sich selbst zerstört und die Insel vernichtet.

Bis auf das radioaktive Platin ist Niklitschek mit seinen Voraussagen ganz gut gelegen, auch die Störung der Elektrizität funktioniert nicht in diesem Ausmaß. Alles in Allem ein spannender Roman.

Östereichjische SF Adam der Zweite.
(= Bärenbuch Nr. 16. Dt. Bärenbuch-Reihe: Nr. 8)
Hier beschäftigt sich der Autor mit einem soziologischen Experiment. Wie verhalten sich ein Mann und eine Frau, die in Abgeschiedenheit leben und nichts über Biologie wissen.

Der Held ist diesmal der Journalist John Haliburton, der die Spuren eines seltsamen Lords Ashton verfolgt. Er entdeckt, daß Lord Ashton seinen Tod vorgetäuscht hat und versucht ihn zu finden. Da Lord Ashton auf biologische Experimente spezialisiert war, sucht er nach ungewöhnlichen Ereignissen.
Er stößt auf seltsame Radiosendungen in den Ozark-Bergen und seltsame Erscheinungen in einem Eisenbahntunnel der Gegend. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf eine abgelegene Schlangenfarm und einen seltsamen jungen Mann namens Adam und ein Mädchen namens Eva.
Der junge Mann ist ein naturwissenschaftliches Genie, hat aber keine Ahnung von der Welt sowie Religion und Biologie. Wie Haliburton herausfindet, hat der mittlerweile verstorbene Lord Ashton ein Menschenpaar in völliger Abgeschiedenheit in einem sogenannten „Paradies“ mit selektivem Wissen aufziehen lassen, um ihr Verhalten zu erforschen.
Haliburton hat nun seine Sensation und veröffentlicht die Story von Adam und Eva. Das ruft Geschäftemacher auf den Plan, nämlich Ive Derrick, Boß und Inhaber der "South-Star-Filmgesellschaft. Er läßt Adam entführen, um eine Sensation für seinen neuesten Film zu haben.
Dieser flüchtet aber und irrt im Lande herum, findet sogar Zuflucht in einem Irrenhaus und stellt sich letztlich der Polizei, die ihn in sein Paradies zurückbringt.

Der Autor schildert hier die Durchführung eines hochinteressanten Menschenversuches, von dem schon seit dem grauen Altertum in der Literatur sagenhaft die Rede ist.

Erst am Schluß wird der Ausgang des kühnen Experimentes geoffenbart, das eine uralte Frage überraschend klärt; Adam und Eva haben trotz Unkenntnis in Biologie ein Kind gezeugt.

Östereichjische SF Die Gedankenwaage.
(= Bärenbuch Nr. 26 in Österreich. In der dt. Bärenbuch-Ausgabe nicht nachgedruckt.)
Hier beschäftigt sich der Autor mit der damals neuen Erkenntnis von den Gehirnströmen, die man als elektrische Impulse erkannt hatte.

Held dieses Romans ist Daniel Overton, der mit Hilfe des Mechanikers Arbuthnoth einen Detektor erbaut hat, die sogenannte „Gedankenwaage“, mit deren Hilfe er die Ströme in fremden Gehirnen erkennen und verstehen kann; also eine Art mechanische Telepathie.

Damit hilft Overton zwar der Polizei bei der Lösung schwieriger Fälle, weckt aber das Interesse fremder Mächte für diese Erfindung.
Da kommt die zweite Hauptperson ins Spiel, der Privatdetektiv Perkins. Dieser entdeckt zwei Spione fremder Mächte, die die Erfindung und die Pläne davon stehlen wollen. Außerdem verwendet Overton noch elektrische Energie, um den Verstand einer verwirrten Adeligen zu heilen.

Da die Spione Overton nicht zur Mitarbeit überreden können, schießen sie ihn nieder und verletzen ihn schwer. Beim Versuch, die Pläne der Gedankenwaage von Arbuthnoth zu stehlen, tappt einer der Spione in eine Infrarot-Falle und stirbt an Mikrowellenstrahlung, die sein Gehirn zerstört. Der andere vermeidet die Falle und kann die Pläne zwar stehlen, wird aber vom Detektiv ausgetrickst und muß mit leeren Händen abziehen.

Und als Happyend heiratet Overton die geheilte Adelige. Und er bleibt der einzige, der die Ergebnisse der Gedankenwaage interpretieren kann.

Hier hat der Autor zwar grundsätzlich recht, aber das Problem der Entzifferung der Gehirnströme ist auch heute noch nicht wirklich gelöst, ebenso die Beeinflussung der Gehirnströme. Lichtschranken und Mikrowellen sind aber heute alltäglich.


In seinen utopischen Büchern bleibt Niklitschek immer auf dem Boden der Realität, er extrapoliert lediglich die technischen Entwicklungen der damaligen Zeit. Und, rückblickend betrachtet, nach über 60 Jahren, ist er im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen mit seinen Themen und Methoden ziemlich richtig gelegen, da er nicht nur Autor sondern auch ein guter Wissenschaftler war.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann die Bücher für ein paar Euro im Internet bekommen.

Die Reihe der BärenBücher
(Auszug)
Nr. 1 Hans Possendorf / Gerbergasse 7
Nr. 2 Hans Possendorf / Damballa ruft
Nr. 3 Nick N. Nobody / Die Reise ins andere Ich
Nr. 4 Johanna König / Der Juvenil
Nr. 5 Edgar Williams / Die verschwundene Uräusschlange
Nr. 6 Hans Possendorf / Estrella und die Kröte
Nr. 7 Ullrich Haussmann / Der Chinesenkönig von New York
Nr. 8 Frank F. Braun / Die Lawine
Nr. 9 Florence Palfrey Das Geheimnis des Pavillons
Nr. 10 Alex. Niklitschek / Mord an der Welt (SF!!)
Nr. 11 Frank F. Braun / Die goldene Dreizehn
Nr. 12 Adelbert Muhr / Liebe auf dunklen Wegen
Nr. 13 MacWhymer / Die sechs Tabatieren
Nr.  14 Frank F. Braun / Ich habe Dubois erschossen
Nr. 15 Leopold Hackl / Ein Mörder verliert die Nerven
Nr. 16 Alex. Niklitschek / Adam der Zweite (SF!!)
Nr.  17 Inge Pittioni / Das Herz der Königin
Nr.. 18 Florence Palfrey / Das Porträt eines Toten
Nr.  19 J. Mario Simmel / Der Mörder trinkt keine Milch
Nr.  20 Adelbert Muhr / Die Türkengräfin
Nr. 21 J. Mario Simmel / Man lebt nur zweimal
Nr. 22 Erik N. Payer / Ein Kopf kehrt zurück
Nr. 23 Florence Palfrey / Mata Hari
Nr. 24 Erik N. Payer Professor / Mirrols Entdeckung (SF!!)
Nr. 25 Sherwood King / Das Geständnis des Laurence Planter
Nr. 26 Alex. Niklitschek / Die Gedankenwaage (SF!!)
Nr. 27 Helene Sergen / Die schwarze Glasmaske
Nr. 28 Hans Possendorf / Die Yacht KaiKai
u.s.w.
Insgesamt sind 83 Bücher der österreichischen Ausgabe erschienen!



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