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Der Dämonenkiller - Ingo Kirchhofs Lesereise - Der Folterknecht

0Der Dämonenkiller - Ingo Kirchhofs Lesereise
Der Folterknecht

Uwe Schnabel führt uns durch die Fakten rund um den Dämonenkiller … Er zeigt uns Exposés, stellt uns diesen oder jenen rund um diese einmalige Horrorserie vor. Was fehlt ist eine Würdigung der einzelnen Romane. Diese Aufgabe habe nun ich, Ingo Kirchhof, übernommen.

Folgt mir auf meiner Lesereise durch die Schöpfung von Ernst »Paul Wolf« Vlcek und Kurt Luif aka Neal Davenport …


Der Dämonenkiller erscheint "Im Zeichen des Bösen" (Vampir Horror Bd. 23)Der Folterknecht
Vampir Horror Roman # 59 [Dämonenkiller 10] von Ernst Vlcek / Paul Wolf
Dezember 1484

Auf einem Schloss nahe dem Eulenberg von Nancy lebt der Baron Nicolas de Conde. Er beschäftigt sich mit schwarzer Magie und eines Nachts schafft er es mit seinem erworbenen Wissen, den Teufel höchstpersönlich mit einer Beschwörung herbei zu zitieren. Er verhöhnt Asmodi, der in einem Bannkreis gefangen ist, und bezweifelt seine Macht. De Conde möchte die Unsterblichkeit von Asmodi verliehen bekommen. Asmodi ist nur unter einer Bedingung bereit, diesen Wunsch zu erfüllen: der Baron muss eine Prüfung bestehen, um sich als der Unsterblichkeit würdig zu erweisen. Auf einem Sabbat, der in der kommenden Nacht stattfinden wird, soll er seiner Frau und Kinder entsagen. Seine Familie soll während des Sabbats entweiht werden. Der Baron wittert eine Chance, den Fürsten der Hölle zu überlisten und an die Unsterblichkeit zu gelangen, und sagt zu. Früh am nächsten Tag besteht der Baron darauf, dass seine Frau und die Kinder verreisen; er will sie in der kommenden Nacht weit weg wissen. Der Kutscher wird vom Baron angewiesen, die ganze Strecke ohne Pause zu überbrücken, damit sie soweit als möglich vom Eulenbergsabbat entfernt sind. Um Mitternacht erscheint der Baron auf dem Berggipfel des Eulenberges. Viele bekannte adelige sowie bürgerliche Gesichter sind dort vertreten. De Conde wird in diesem obszönen Reigen aufgenommen. Auf dem Höhepunkt erscheint Asmodi. Mit einen frisch abgeschlagenen, blutigen Eselskopf in der Hand, schwört dieser den teuflischen Eid. Es folgen schreckliche Dinge, die der Baron tun muss. Zu guter Letzt empfämgt er unter höhnischem Gelächter die Unsterblichkeit von Asmodi. Zurück auf seinem Schloss ist de Conde sehr beschämt von seinen Taten und muss am Morgen erfahren, das seine Familie auf der Kutschfahrt noch nahe Nancy verunglückte. Die Leichen, buchstäblich in Stücke gerissen, waren wohl von Wölfen verstümmelt worden.

Gegenwart
Dorian Hunter hält sich in seinem Reihenhaus in der Abraham Road auf und hängt seinen Gedanken nach - selbst die keifende Miss Pickfort kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. Moch unter dem Eindruck seines letzten Abenteuers lässt Dorian das Haus von Don Chapmann und Phillip nach dämonischen Fallen durchsuchen. Phillip wendet sich Hunters Bibliothek zu und räumt reihenweise Bücher vom Regal herunter. Dorian entwendet Phillip ein kleines ledernes Buch. Nachdem Phillip sich beruhigt hat, setzt Dorian sich hin und schaut sich dieses Buch genauer an. Es handelt sich um die Tagebuchaufzeichnungen eines Baron Nicolas de Conde. In diesem Buch ist der Hexensabbat beschrieben, bei dem de Conde die Unsterblichkeit erhielt. Das Telefon klingelt, Dorian will erst gar nicht rangehen, tut es aber dennoch. Olivaro ist am Apparat und möchte sich umgehend mit Dorian Hunter treffen - er sei gerade in London und es wäre wichtig. Da Dorians Haus dämonenbannend gesichert ist, verabreden sie sich in Martha Pickforts ehemaligen Haus, das jetzt leer steht. Dorian fährt mit drei Agenten des Secret Service zum Treffpunkt - mit Don Chapmann, Marvin Cohen und Steve Powell. Die Agenten warten draußen und Dorian geht hinauf in den ersten Stock. Olivaro ist schon anwesend, begrüßt den ankommenden Hunter  und erklärt, warum er hier ist: Er habe Angst um Dorian Hunter, da er sich zu sehr der Vergangenheit widme und dies nicht gut für ihn wäre. Der verärgerte Dorian hält Olivaro vor, ihn behindern zu wollen in seinem Bestreben, Asmodi zur Strecke bringen. Olivaro antwortet, er wolle Dorian vor Furchtbarem aus der Vergangenheit schützen. Hunter schlägt vor, dass Olivaro in Miss Pickforts Haus bleiben soll; sein Haus in der Abraham Road ist wegen der Dämonenbanner für Olivaro nicht zu betreten. Die drei Agenten und Dorian machen sich auf dem Heimweg. Dort beziehen die Agenten Powell und Cohen im Vorgarten Posten; Dorian wendet sich wieder dem Tagebuch de Condes zu. Beim Lesen nimmt er plötzlich stöhnende Geräusche war, die aus dem Keller kommen; es ist Phillip, der sich eine mittelalterliche Zwinge an seinen Händen mit den Zähnen anzieht und dabei vor Schmerz stöhnt. Dorian nimmt Phillip das Folterinstrument aus der Zeit der Inquisition ab und führt den Hermaphroditen nach oben in die Wohnräume. Kopfschüttelnd wundert sich Dorian über das plötzliche Auftauchen von Phillip. Und erneut erfolgt eine Warnung, diesmal wieder von Phillip: Er will das Tagebuch de Condes zerreißen, als er es sieht. Dorian entwindet es ihm und verfrachtet ihn in sein Schlafzimmer, damit er sich zu Bett legt. Offensichtlich soll Dorian das Tagebuch nicht lesen. Hunter hat Blut geleckt und vertieft sich wieder in die Aufzeichnungen ...

Vergangenheit
Der Baron de Conde erholt sich nicht von dem schweren Fehler, der ihn die Familie gekostet hat, und sinnt auf Rache an der dämonischen Schar. Nach Neujahr erfährt er, dass der Papst zwei Inquisitoren für die deutschen Lande ernannt hat: die Dominikaner Heinrich Institoris und Jakob Sprenger. De Conde macht sich mit seinem Diener Eustache und einen Kutscher auf nach Konstanz. Sie steigen in einem guten sauberen Wirtshaus ab, das den Namen "Zum heiligen Kindlein" trägt. Hier macht ein Name die Runde. Es ist die Witwe Mengerdorf, die nach Ansicht fast aller Dorfbewohner Hexerei ausübt. Der Wirt ist aber ganz anderer Meinung und verteidigt die in seinen Augen ehrbare alte Dame. Ein paar Tage später erscheinen die Inquisitoren in der Stadt, um zwei Hexen ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Mitten auf dem Marktplatz werden die beiden "Hexen" abgeurteilt und sterben im Feuer des Scheiterhaufens. Nachdem de Conde mit Genugtuung den Schauprozess verfolgt hat, beschließt er bei den Dominikanern vorstellig zu werden und bittet schriftlich um eine Audienz bei den Inquisitoren im Dominikanerkloster am Bodensee. Zurück im Gasthaus erfährt er vom Dahinsiechen seiner Rösser und bemerkt am Hals der Gastwirtin zwei kleine Bißmale. De Conde befragt den Stallburschen des Wirtes wegen der Pferde, einen verunstalteten Menschen namens Equinusm der in Tränen ausbricht. Er wäre immer gut zu den Pferden und wisse wie man sie versorgt. Und wieder fällt der Name Mengerdorf: die Witwe hat am Morgen versucht ins Gasthaus zu gelangen, es war aber alles verschlossen und sie zog unverrichteter Dinge wieder ab. De Conde erfährt im Laufe des Tages von Eustache so einiges über die Witwe Mengerdorf, die es mit der Treue nicht so genau nimmt und deswegen ihren Ehemann der Hexerei beschuldigt hatte, damit sie ungestört ihr unzüchtiges Leben weiter ausleben kann. Es fallen auch noch Namen von ehrbaren Bürgern, welche auch mit dem Teufel buhlen sollen. Am nächsten Morgen ist die Wirtin tot. De Conde wird eingeladen, bei Sprenger und Heinrich Institoris vorzusprechen und erhält Gelegenheit sein Anliegen zu erörtern. In einer leidenschaftlichen Rede versucht er die beiden Inquisitoren zu einer gezielten Hexenbekämpfung zu bringen. Es reiche nicht aus, nur die Dämonen aufzuspüren und zu vernichten - man müsse Richtlinien zur Bekämpfung der dunklen Mächte und ihrer Diener schaffen. Seinen Pakt mit Asmodi und den daraus resultierenden Verlust seiner Familie verschweigt er geflissentlich. Er bietet den beiden zweifelnden Inquisitoren an, sie durch die Überführung eines Dämons zu überzeugen und seine Eignung als Inquisitor unter Beweis zu stellen. Tage später wird den beiden Inquisitoren und de Conde die Witwe Mengerdorf vorgeführt. Er befragt sie mit einem geweihten Kreuz. Es stellt sich heraus, dass die Witwe eine Vampirin ist, und de Conde pfählt sie mit einem Eichenpflock. Die beiden anwesenden Inquisitoren sind von de Condes Demonstration und seinem energischen Auftreten überzeugt. Es werden Richtlinien zur effektiven Bekämpfung der Dämonen beschlossen, die gedruckt und verbretet werden sollen.

Gegenwart
Fasziniert legt Dorian das Tagebuch beiseite; er ist sich im Klaren darüber, dass de Conde der Initiator für den Leitfaden zur Hexenverfolgung gewesen ist. Dies war die Geburtsstunde des berüchtigten Hexenhammers. In den kommenden Jahrhunderten sorgte der Hexenhammer für viel Leid unter der Bevölkerung. Als Phillip sich wieder an die Bibliothek heranmacht, fördert er eine Kassette zu Tage, in der sich alte Druckplatten befinden. Dorian reinigt diese und ist erstaunt. Auf einer befindet sich - da ist er sich ganz sicher - ein Portrait von Olivaro. Heinrich Cornelius Mudt steht auf diesem Kupferstich. Zwischenzeitlich meldet sich Olivaro und versucht Dorian vom Tagebuch abzubringen. Er solle nicht weiter in den Tagebuchaufzeichnungen stöbern. Es wäre nicht gut für ihn. Olivaro fragt auch, ob ihm der Knecht Equinus bekannt vorkäme?

Vergangenheit
Die Kirche genehmigt die Verwendung des Hexenhammers. Der Hexenhammer enthielt viele Kapitel mit Fragestellungen, um die Angeklagten überführen zu können. Dazu gehört auch der Gebrauch und die Nutzung von vorgesehenen Folterwerkzeugen. Wochen später hält de Conde ein Druckexemplar in den Händenm aber er wird enttäuscht; zwar sind alle Kapitel mit den dazugehörenden Fragen enthalten, aber es fehlen alle Hinweise, dass es sich um Dämonen handelt. Das kann bei Angeklagten schnell zu falschen Schlussfolgerungen verleiten und Unschuldige der Hexerei überführen. De Condes Diener Eustache erwirbt sich schnell den Ruf, ein ausgekochter Hexenjäger zu sein. De Conde ist ein gern gesehener Gast auf den Bällen und Empfängen der Adeligen von Konstanz. Der Großinquisitors Sprenger kündigt seinen Besuch an, um sich mit de Conde zu beraten. Eines Tages trifft er auf einen Adeligen, der Heidelberg wegen der Gerüchte um seine Person fluchtartig den Rücken kehrte. Es handelt sich um Cornelius Mudt. De Conde ist sich bei Mudt ziemlich sicher, das er ein Dämon ist. Er befragt den Adeligen ziemlich direkt und lädt ihn am Tag darauf zu einem Essen ins Gasthaus ein. Sie treffen sich im Gasthof Zum heiligen Kindlein. De Conde hat vorweg einen Kupferstecher ins Gasthaus bestellt, um sich heimlich ein naturgetreues Portrait Mudts in Kupfer stechen zu lassen. Mudt erscheint und speist mit de Conde. Die Zeit reicht aus, um ein Abbild in Kupfer zu ermöglichen. De Conde ist zufrieden und will die Gelegenheit nutzen, um sich bei Equinus zu entschuldigen. Equinus gesteht dem Baron de Conde, ein ehemaliger Dämon zu sein, den man mit körperlichen Makeln bestraft hat - er wurde zu einem Weiterleben als Freak verurteilt. De Conde verspricht Equinus' Geheimnis zu wahren, er würde ja ansonsten auf dem Scheiterhaufen enden. Als Mudt bei einem erneuten Treffen den Druck von sich erblickt, ist er beunruhigt. De Conde hat den Abdruck auf einen Tisch gelegt und klärt Mudt über seine erlangte Unsterblichkeit auf. Er verlangt von Mudt, ihm bei der Vernichtung Asmodis zu helfen. Andernfalls würde er die Druckplatte, welche gut versteckt ist, vernichten. Mudt möchte 24 Stunden Bedenkzeit und verschwindet. Kurz darauf taucht Sprenger mit einer berittenen Eskorte auf. De Conde ist über Jakob Sprengers zufälligen Besuch erfreut, und dennoch ein wenig irritiert. Beide reden über die Fortschritte die die Inquisition erlangt. Sprenger geht auch auf de Condes Vorschlag ein, Equinus zu einem Folterknecht zu ernennen, der den Beschuldigten schon allein durch seine Erscheinung Furcht einflößt. Urplötzlich wird de Conde von Sprenger und seinen Leuten mit Waffen bedroht; Sprenger will erfahren, warum er die Dämonen so sehr verfolgt. Er will ein vollständiges Geständnis. De Conde erklärt, das er die Dämonen jagt, weil sie seine Familie auf den Gewissen haben. Den Rest behält er vorsorglich für sich, aber Sprenger erklärt, eine verurteilte Hexe habe de Conde denunziert: sie habe ihn damals auf dem Hexensabbat erkannt und alles weitere berichtet. De Conde hat keine Wahl mehr und gesteht. Sein Handeln und der Hass auf die Dämonen ist schnell erklärt. Er berichtet von seinen Handel mit dem Satan der Unsterblichkeit willen und über den daraus resultierenden Tod seiner Familie. Dies habe ihn geläutert und zum Dämonenjäger - mit all seinem Wissen - gemacht. De Conde gesteht und versichert dem Satan abgesagt und sein Leben im Dienst der Inquisition gestellt zu haben. Sprenger hat Mitleid mit ihm und gewährt de Conde einen letzten Wunsch, bevor er der Inquisition übergeben wird. De Conde möchte in sein Arbeitszimmer ein letztes Mal um sein Seelenheil beten dürfen. Den letzten Wunsch erfüllend, kann er seine Tagebucheintragungen beenden und sein Tagebuch mit der Druckplatte von Mudt unter den Dielenbrettern verstecken. Danach wird er abgeführt.

Gegenwart
Dorian lässt Olivaro von Steve Powell abholen und richtet in seiner Bibliothek einen Tisch her. Der Kupferstich mit Mudt/Olivaros Portrait liegt auf dem Tisch, umgeben von dämonenbannenden Gegenständen, die jeglichen schwarzmagischen Zugriff verwehren. Ein Fläschchen mit Säure steht daneben. Olivaro taucht auf und Dorian konfrontiert ihm mit seinem Wissen aus dem Tagebuch. Er will wissen wie es mit de Conde weiterging und ob er von Olivaro der Inquisition ans Messer geliefert wurde. Olivaro bemerkt den Kupferstich und Dorian droht das Portrait zu zerstören. Aber Olivaro streitet alles ab und setzt noch einen drauf. Dorian sollte es wohl besser wissen. Letztendlich ist er eine Wiedergeburt de Condes. Bumms ... das saß. Dorian ist verblüfft. Dies erklärt seine Besessenheit darüber, mehr über de Conde und sein Schicksal zu erfahren. Dorian erinnert sich ...

Vergangenheit
Im Kerker wartet De Conde auf seinen Prozess. Er hat Angst, von seinen Mitgefangenen erkannt zu werden. Das Leid, welches er über so viele Unschuldige gebracht hat, lässt ihn fast verzweifeln - so hatte er das nicht geplant. Dämonen sollten der Inquisition zum Opfer fallen, keine unschuldigen Menschen. Tage später wird de Conde von Equinus - den Folterknecht - zum Verhör abgeführt. Hier macht de Conde die Hölle durch. Von Equinus körperlich misshandelt landet er mit drei weiteren Opfern auf dem Scheiterhaufen. Das Letzte was er nach seinem Tod verspürt, ist das Erlebnis der Wiedergeburt im Körper eines Neugeborenen. Asmodi hat sein Versprechen gehalten. Mit dieser Erkenntnis kommt das Vergessen ...

Gegenwart
Nun wird Dorian alles klar. Olivaro/Mudt steht in seiner Schuld und hatte ihm deswegen in Hong Kong geholfen. Als de Conde hätte er Olivaro/Mudt der Inquisition ausliefern können, tat es aber nicht - er wollte nicht noch mehr Leid verursachen. Dies muss Dorian erst mal verdauen. Er war in seinem ersten Leben der Mörder an seiner eigenen Familie gewesen. Somit erklärt sich sein Hass auf die schwarze Familie. Olivaro verabschiedet sich mit dem Versprechen, Dorian weiterhin so gut es geht zu unterstützen.

FAZIT
Spätestens nach diesem 10ten Dämonenkiller ist klar: dies ist eine mehr als außergewöhnliche Serie. Das Vergangenheitsabenteuer ist einfach bahnbrechend in seiner Umsetzung. Die Inquisition als Thematik ist sehr interessant, stellt sie doch ein wahrhaft dunkles Kapitel der Geschichte dar. Und es werden noch sehr viele Vergangenheitsabenteuer folgen. Dorian Hunters vergangene Inkarnationen sind die Highlights der Dämonenkiller-Serie.

Was mich ein wenig stört, ist die Tatsache, dass Dorian dieses Erlebnis relativ schnell verdrängt und zu den Akten gelegt hatte. Dieses Wissen hätte eigentlich einen Menschen (auch de Conde) brechen müssen. Es hätte der Serie bestimmt gut getan, wenn Hunter daran ein wenig zu Grunde gegangen wäre: vielleicht dem Alkohol verfallen, sich gehen lassend wenn oder ähnliche aufgebaute Szenarien den weiteren Fortlauf der Serie geprägt hätten.

Nun ja ... eine vertane Chance!

Vielleicht?


Ein wenig Background:
Die Hexenverfolgungen in Europa fanden von 1450 bis 1750 statt. Ihre Höhepunkte erreichten sie zwischen 1550 und 1650. Am stärksten waren West- und Mitteleuropa betroffen. Eine Anklage konnte auf Gerüchte, und auf Denunziation erfolgen. Untergebracht wurden die Beklagten in den berüchtigten Hexentürmen, meistens Türme der Stadtmauer. Waren die Befragten nicht geständig, wurden ihnen diverse Folterwerkzeuge vorgeführt. Gefragt wurde nach Buhlschaft mit dem Teufel bis hin zum körperlichen Geschlechtsverkehr. Wer da immer noch schwieg, dem wurde unter Folter ein Geständnis abgepresst. Zur Wahrheitsfindung wurden Daumenschrauben und Streckbänke benutzt. Gab es nach dreimaliger Folter kein Geständnis, hätte man den Angeklagten freilassen müssen. Und nun kommt der berüchtigte "Hexenhammer" ins Spiel. In diesem wurde dazu angeraten, die Folterungen bis zum Geständnis auszuweiten. Unter der Folter fielen auch "Besagungen", also das Preisgeben von Mitschuldigen bei Hexensabbaten etc. So entstanden Kettenprozesse. Hatte der Angeklagte gestanden, so wurde er später am Brandpfahl, mitten in einem Reisighaufen, gefesselt und dieser daraufhin entzündet. Das Feuer sollte die schwarze Seele reinigen. Wenn derjenige Glück hatte, wurde sie/er vorweg erwürgt oder enthauptet.

Ein paar Hexenproben:

  • ... bei der Wasserprobe, wurde der/die Beschuldigte gefesselt in ein Gewässer geworfen. Schwammen sie oben, waren sie der Hexerei überführt. Gingen sie unter - was eigentlich immer der Fall war -, waren sie/er in allen Anklagepunkten freigesprochen.

  • ... bei der Feuerprobe, musste der/die Beschuldigte über glühende Pflugscharen gehen oder ein glühendes Eisenteil über eine Distanz tragen bis hin zum Hand ins Feuer halten. So entstand u.a. auch die Redensart "dafür leg ich die Hand ins Feuer". Sollten nach dieser Prüfung keine eiternden Wundmale entstehen, war die Unschuld erwiesen.

  • ... bei der Hexenwaage, wurde der/die Beschuldigte gewogen, und durfte nicht unter 5 Kilogramm wiegen. Nach altertümlichen Vorstellungen waren Hexen/Hexer mit mehr Gewicht nicht flugtauglich (Hexenbesen reiten ect.) und nicht schwimmfähig. Bei dieser Probe kam man als Angeklagter am besten weg.

Die Inquisition war eigentlich nur für die Verfolgung von Ketzern zuständig und nur in einigen hundert Fällen direkt an Hexenprozessen beteiligt. Die vielen anderen Prozesse oblagen der örtlichen Gerichtsbarkeit. In Italien und Spanien fanden überhaupt keine Hexenprozesse statt. Ein offizielles Statement der kath. Kirche in bezug auf die Hexenverfolgung gab es nie. Die kath. Kirche war nicht wie angenommen die treibende Kraft dahinter. Martin Luther hingegen war überzeugt von der Möglichkeit des Teufelspaktes und der Zauberei. Der ach so berüchtigte "Hexenhammer" - Malleus Maleficarum, 1486 - war ein Werk von Heinrich Kramer (Institoris). Unter angeblicher Mitwirkung von Jakob Sprenger soll dieser Leitfaden entstanden sein. Beide waren mit inquisitorischen Vollmachten ausgestattet. Sprenger trat aber nicht groß in Erscheinung, bei Heinrich Kramer sah das schon anders aus. Es war wohl sein Ego, welches nach dem Debakel in Innsbruck angekratzt war. Er wurde des Landes verwiesen. Alle von ihm angeklagten Hexen wurden freigesprochen. Daraufhin schrieb er den "Hexenhammer". Mit einer beachtlichen Auflage von 30.000 Stück wurde dieses Machwerk vertrieben. Ein guter Nährboden für den Hexenwahn war auch die anhaltend schlechte wirtschaftliche und soziale Lage in dieser Zeit. Aus einer Neurose wurde ein Massenwahn. Zu vermehrten Hexenprozessen kam es während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648. Das durch den Krieg arg gebeutelte Land mit seinem verwüsteten Feldern und der dezimierten Bevölkerung taten - einhergehend mit den eingeschleppten Seuchen - ihr übriges dazu. Das ungebildete Volk glaubte in all den Schrecken und Katastrophen das Wirken von Hexen und Hexern zu erkennen. Der Denunziation war damit Tür und Tor geöffnet. Wurde die/der Angeklagte verurteilt, floss bis zu einem Drittel des Vermögens des Angeklagten in die Tasche des Denunzianten.

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2015-03-11 11:19
Schöne Aufarbeitung!

Ein wegweisender Roman, keine Frage. Er ist alles das, was man ein paar Jahre später aus der Serie rausgeschrieben hat. Auch wenn ich ihn erst zwei Jahre später oder so gelesen habe – ich bin erst bei 43 oder so eingestiegen und habe dann fleißig die Remittendenbände gekauft -, hat er doch Interesse für das historische Thema geweckt und den Gang zur Bibliothek inspiriert, so spärlich das Material über Hexenprozesse damals auf dem populären Sektor auch gewesen sein mag.

Aus heutiger Sicht sehe ich den Roman aber etwas zwiespältiger. So clever der Twist auch ist, die Idee in den Mittelpunkt zu stellen, dass der Held das Richtige wollte und das Falsche erreichte, wird der verbrecherische Wahn und die Männer, die ihn hoffähig gemacht haben, auf bedenkliche Weise im wahrsten Sinne des Wortes trivialisiert. Im Roman sind Sprenger und Kramer nur Stichwortgeber. Die im Kontext des Erzählers – also Dämonenjäger De Conde – genau das Richtige tun. Es ist keine Frage, dass man im Format Heftroman dem Leser ein so vielschichtiges Thema nicht mal annährend vernünftig beibringen kann. Trotzdem hinterlässt es einen schalen Beigeschmack, dass fundamentalistische, frauenfeindliche – hier ist das Wort zur Abwechslung mal angebracht - Irre wie Kramer und Sprenger hier so gut wegkommen. Es ist wirklich sehr schwach, dass Vlcek das mit seinen Gegenwartskapiteln nicht in den richtigen Kontext setzt.

Denn seinem Helden Hunter ist es eigentlich egal, was er ausgelöst hat. Klar, er ist erschüttert, heißt es da, aber richtig sauer macht ihn, dass er nach 450 Jahren Dämonenhatz noch immer keine richtigen Erfolge vorweisen kann und nicht, dass er ein geistiger Brandstifter war. Nachvollziehbare Auswirkungen dieser "Erschütterung" finden danach ja nie statt.

Nun könnte man argumentieren, dass er damit natürlich in seiner Rolle bleibt. Auch wenn das später bis zur Unkenntlichkeit verwässert wurde, ist Hunters Motivation in den ersten Bänden, bevor es noch zur Endlosserie umkonzipiert wurde, ja tatsächlich Hass. Und du hast völlig recht, wenn du kritisierst, dass Hunter das alles nicht kratzt.

Aber das ist nun mal der Heftroman. Fraglos ist Vlcek mit seinem Konzept weiter gegangen als alle vor und erst recht nach ihm, aber es mal konsequent bis zum Ende durchzuführen, das war in diesem Format nicht zu schaffen.

Ich will aber noch das "ungebildete Volk" etwas in Schutz nehmen. :-) Die Munition für den ganzen Irrsinn hat die gelehrte Oberschicht und die Kirche geliefert, und sie haben erst für das juristische Fundament gesorgt. Der Hexenprozess an sich war im Verständnis der Leute ja keine Willkürgeschichte, sondern ein Element der Ordnung. So krank und unverständlich das heute auch vielen erscheinen mag.
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#2 Ingo Kirchhof 2015-03-14 17:45
@ Andreas

das "einfache Volk" war nicht von oben herab gemeint. Ich wollte damit nur auf den Bildungsstand hinweisen.

Ich hatte die Woche viel zu tun, deswegen erst jetzt mein Kommentar.
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#3 Andreas Decker 2015-03-14 18:38
zitiere Ingo Kirchhof:
@ Andreas

das "einfache Volk" war nicht von oben herab gemeint. Ich wollte damit nur auf den Bildungsstand hinweisen.


Das habe ich auch nicht abwertend verstanden. Da waren Obrigkeit und Untertanen sich ja einig. Das ist ja das Schlimme.
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