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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Das Geheimnis des Totengräbers

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Das Geheimnis des Totengräbers

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?


Das Geheimnis des TotengräbersDas Geheimnis des Totengräbers
(Amazone de la mort)
von Maurice Limat

Vampir Horror-Roman Nr. 29
Aus dem Französischen übertragen von Seija Linterman
August 1973 / DM 1,-

Pabel Verlag
Mit einiger Skepsis hört sich Dr. Sorbier die Probleme seines jungen Patienten Cyrille Denizet an.Vor ein paar Monaten musste dieser einen schrecklichen Schicksalsschlag hinnehmen. An einem schönen, warmen Sommertag ging er mit seiner Freundin Christiane zum Schwimmen an die Oise. Die zwei waren sehr verliebt, doch dann tauchte sie leider nach einem Sprung ins kühle Nass nicht wieder auf. Ein angeborener Herzfehler hat sie in viel zu jungen Jahren aus der Mitte ihrer Lieben gerissen. Inzwischen ist einige Zeit vergangen und eigentlich hätte Cyrille so langsam wieder ins Leben finden müssen. Wären da nicht diese Träume, in denen Christiane dem jungen Mann erscheint und ihn bittet, ihr zu helfen. Angeblich lässt ihr jemand nicht die Ruhe, die  Tote normalerweise umgibt und hat sie aus ihrem Grab entführt. Für Cyrille der reine Horror, für Dr. Sorbier ein Grund den Privatdetektiv Teddy Verano einzuschalten, der auch schon mal mysteriöse Fälle übernimmt. Sorbier weiß, dass man nicht alles im Leben mit medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen erklären kann.

 Verano übernimmt den Fall sofort, denn hier riecht es wieder mal nach Okkultismus und Abenteuer. Mit Cyrille hat er etwas besonderes vor und fährt mit ihm zum Friedhof, auf dem Christiane begraben liegt. Er möchte seinem jungen Auftraggeber zeigen, dass sie noch in ihrem Grab liegt und seine Träume unbegründet sind. Die Schaufeln liegen im Kofferraum.

Es ist bereits Nacht geworden, als sie endlich auf den Sarg stoßen. Voller Spannung heben sie den Deckel  an, doch die Tote ist verschwunden. Die Träume scheinen  jetzt  realistischer zu sein als vorher und eiligst fahren sie nach Paris zurück. Als Cyrille im Wagen einschläft, träumt er erneut von seiner toten Freundin. Angeblich befindet sie sich jetzt an einem anderen Ort und bittet erneut um Hilfe. Vielleicht sollte man sich mal den Totengräber vorknöpfen, denn er ist ja schließlich der Platzwart und sollte im Idealfall für Ruhe auf dem Acker  in der Normandie sorgen.

In dem kleinen Dorf, welches zum Friedhof und der Kirche gehört, holt sich Verano ein paar Auskünfte über den Totengräber Halbin ein. Die Leute halten von dem Berufstrinker mit berauschender Vergangenheit überhaupt nichts. Diebstähle, Sittenvergehen und andere kleine Gaunereien haben ihn in seiner  Hütte am Rande des Friedhofs einsam werden lassen. Als sie gerade seine Behausung betreten wollen, bemerken Cyrille und Teddy eine dunkel gekleidete Person und können sich gerade noch verstecken. Eine zierliche Frau wird von Halbin hereingebeten und durch ein Fenster beobachten sie schließlich eine gespenstische Szene: Halbin redet mit der sehr bleichen, aber wunderschönen Frau und macht dabei einen unterwürfigen Eindruck. Scheinbar hat sie großen Einfluss auf ihn. Als sie wieder verschwindet, stürmen sie die Hütte und stellen den verblüfften Totengräber zur Rede. Natürlich hat dieser kein Interesse daran sein Geheimnis zu verraten, aber Teddy Verano ist in dieser Hinsicht sehr geschickt und setzt bei seinen Befragungen auf den Alkohol. Zuerst wütet Halbin noch ein wenig und verpasst Cyrille mit einer Schaufel eine Platzwunde, doch nach jedem Glas Rotwein, das der Detektiv ihm reicht, wird er gesprächiger. Er erzählt, dass er der „Bleichen“ hörig ist und sie ihm befohlen hat, die jungen verstorbenen Mädchen aus ihren Gräbern zu holen. Vier oder fünf von ihnen hat er so schon ihrer Totenruhe beraubt. Was die Unheimliche mit den Leichen macht, weiß er nicht. Seltsam ist nur, dass sie eine unnatürliche Kälte verströmt und sich wie ein Roboter bewegt. Dann hat der Wein seinen Zweck erfüllt und der Totengräber kippt aus den Latschen. Auf dem Rückweg zum Auto bemerken sie, dass Halbins Hütte Feuer gefangen hat.Teddy erfährt später, dass der Mann schwer verletzt überlebt hat.

Verano und Cyrille machen einen Abstecher zu Madame Anita, einer Hellseherin, die gleichzeitig auch eine Freundin seine Frau Yvonne ist. Nachdem man ihr den Fall geschildert hat, geht es auch schon los. Anita hat eine Verbindung mit der Geisterwelt hergestellt und sieht ein abgelegenes Haus in der Nähe eines Flusses, wo ein Mann eine Maschine bedient und von toten Frauen umgeben ist. Auch Christiane befindet sich dort auf einer Art OP-Tisch liegend. Dann taucht eine neue Szene vor ihren Augen auf, bei der eine Krankenschwester neben einer dieser schwarzen Frauen steht. Verano schwant Übles und er macht sich mit Cyrille auf den Weg zum Krankenhaus. Dem Totengräber soll es wohl an den Kragen gehen, doch bei aller Eile kommen sie zu spät. Halbin stirbt an einem Giftanschlag und nimmt sein Geheimnis mit ins Grab.

Im Haus der Veranos wird nun Kriegsrat gehalten und man macht den vermeintlichen Aufenthaltsort von Christiane zumindest bruchstückhaft ausfindig. Gerard, der Stiefsohn von Teddy, gibt den entscheidenden Tipp. Im Departement Eure liegt ein Fluss, der der Beschreibung von Madame Anita nahe kommt. Übermüdet verabschiedet sich Cyrille und Verano schickt ihm, vorsichtshalber, Gerard hinterher. Der beobachtet, wie Cyrille zwar zuhause ankommt, aber von einer Frau in schwarz abgeholt wird. Gerard folgt den beiden und über Walky-Talkie verständigt er seinen Stiefvater. In einem dunklen Waldstück endet die Fahrt. Gerard nimmt all seinen Mut zusammen und folgt den unheimlichen Gespann zu Fuß, immer noch durch das Funkgerät mit Verano verbunden. Doch es treiben sich noch mehr Gestalten im Gestrüpp herum, denn plötzlich sieht er fünf dieser Eisfrauen, die ihn langsam einkreisen. Auf der Flucht vor ihnen kommt er ins straucheln und verliert sein Funkgerät. Panisch und angsterfüllt fängt er an zu schreien und wird, glücklicherweise, er im letzten Moment von Verano entdeckt. Der gibt einen Warnschuss auf die Frauen ab und trifft, aus Versehen, eine von ihnen. Als sie näher kommen, liegt an der Stelle nur noch eine Skelett mit Damenbekleidung.

Sie sammeln die Überreste ein und bringen sie zu einem befreundeten Wissenschaftler der ein Labor leitet. Nach eingehender Untersuchung steht fest, dass es sich um die Knochen einer Frau handelt an denen noch pulverisierte Reste ihrer Organe zu finden sind. Das ist sehr ungewöhnlich, denn so schnell zerfällt kein totes Gewebe. Zudem entdecken sie noch Veranos Geschoss.

Cyrille Denizet hat ein seltsames Telegramm geschickt. Er sieht den Fall als abgeschlossen und bedankt sich noch einmal höflich bei dem Detektiven. Das scheint eher ein vorgeschobener Grund zu sein und Teddy Verano rüstet sich nun zum Endkampf. Er möchte seinen Stiefsohn Gerard als Rückendeckung mitnehmen, was ihm allerdings seine Mutter verbietet und so fährt er allein zu der Stelle, wo er die „Amazonen des Todes“ zuletzt gesehen hat. Informationen hofft er aus dem nahegelegenen Dorf zu bekommen. Nach kurzer Zeit weiß er, dass ein gewisser Monsieur Martin mit seiner bleichen Tochter in dem alten Chateau-Gaillard wohnt. Die zwei sollen sehr Menschenscheu sein. Das passt zu Veranos Vermutungen und so dringt er bei Dunkelheit in das kleine Schloss ein.

Im Haus selber ist es ebenfalls sehr düster. Nach einiger Zeit kommt er an eine Tür hinter der Licht durchscheint und späht durchs Schlüsselloch. Er sieht medizinische Geräte und eine junge Frau, die tot zu sein scheint. Christiane! Dann bemerkt er hinter sich eine Bewegung. Die Amazonen haben ihn entdeckt und nach einem kurzen, aussichtslosen Kampf wird er überrumpelt. Dann betritt Dr.Martin die Bühne, der den Schnüffler bereits erwartet hat. So ganz will er zwar sein Geheimnis wie er Tote wiederbelebt nicht verraten, doch Verano kann sich denken, dass eine gehörige Prise Okkultismus gemischt mit experimenteller Wissenschaft zu diesen Ergebnissen führt. Cyrille befindet sich ebenfalls in dem Labor. Er wartet auf die Wiederbelebung von Christiane und hat sich auf die Seite von Martin geschlagen. Verano wird nur lax bewacht und kann einen Kurzschluss verursachen. Das Experiment wird um ein paar Stunden verschoben.

Verano wird gefesselt, aber er kann seinen Bewacher Cyrille überreden ihn zu befreien. Das Leben an der Seite von Christiane scheint doch nicht so verlockend zu sein. Seine Freiheit kann der Detektiv allerdings nicht lange genießen, denn er wird abermals überrumpelt und gefesselt. Jetzt macht Martin ernst und hetzt eine Amazone mit einem Messer auf ihn. Teddy Verano schreit in seiner Not um Hilfe und wird erhört. Gerard ist ihm heimlich gefolgt. Zu zweit gehen sie jetzt gegen die Gegner vor, die allesamt im Labor versammelt sind. Mit einem Skalpell verursacht Verano erneut einen Kurzschluss und vereitelt so die Wiedergeburt Christianes. Martin verpackt die Niederlage nicht und gebärdet sich wie ein Irrer. die „Amazonen des Todes“ verwandeln sich in Skelette und verbrennen schließlich im Chateau. Der Spuk ist vorbei und erneut erkennt Teddy Verano, dass die Welt nicht nur aus logischen Erklärungen besteht.

Dirk und sein SenfMein Senf
Teddy Verano ist wieder da, und diesmal ganz ohne Tanzeinlagen. Teddy wer? Na dieser sympathische Schnüffler aus dem Vampir-Horror Roman Nr. 25 (Die Spinne), der ein Faible für seltsame Fälle hat und keine dummen Fragen stellt, wenn es mal unheimlich wird. Nur mit einer Pistole und einer gewissen Gerissenheit bewaffnet, schmeißt er sich den Horden der Hölle entgegen. Naja, bei seinem ersten Auftritt ging es  um eine bemitleidenswerte Spinne, die eine geistige Verbindung mit einer dunkelhäutigen Tänzerin eingegangen ist. Also eher keine Horden. Doch schon bei seinem zweiten Einsatz bekam er es mit Untoten zu tun. Limat traute sich jetzt wohl etwas mehr zu und wenn ich ehrlich bin, war das gar nicht mal so schlecht. Zumindest kam Verano ganz ohne christliche Symbole oder Beschwörungsformeln aus und wollte seine Gegner auch nicht unbedingt vernichten, denn wie in diesem Fall hatte der Bösewicht eher eine Schraube locker. Heulend und zeternd brach er zusammen als seine Apparaturen hinüber waren und ließ sich anschließend willenlos abführen. Für einen knallharten Detektiven hatte Verano doch noch eine Menge Verständnis  und Mitleid für die Gestrauchelten in Horror-Heft Romanen übrig. Zum Teil  lag es daran, dass er sich nicht für irgendwelche Sachen an der Höllenbrut rächen musste oder mit einem Fluch beladen war oder... Er ging die Sache mit dem Unheimlichen relativ locker an.  Am Schluss der  Geschichte kam sogar ein wenig Mitleid für den verkappten Möchtegern Frankenstein  auf. Vielleicht hatte er sich nur ein wenig überschätzt und wollte gar nichts böses. Haha, wer´s glaubt. Viele Tote (außer, sie waren vorher schon tot) gab es aber nicht, eigentlich nur diesen versoffenen Friedhofsgärtner der eh über war.

Beknackte Wissenschaftler aus allen Bereichen gab es schon zu Genüge bei den Vampiren und so ziemlich alle strebten sie die Herrschaft über die Welt an. Dr. Martins Absichten blieben dagegen im Dunkeln. Vielleicht wollte er sich nur mit hübschen (toten) Frauen umgeben und so eine Art Hugh Hefner der dunkleren Sorte sein. Die Frauen waren alle jung, sie hatte tolle Figuren und waren stets adrett gekleidet. Richtige Männerfallen also.  Auf Martins Methode zur Wiederbelebung von Toten ging Limat  nicht groß ein, aber er hatte Geschmack.  Dr. Martin baute halt einen Apparat und fütterte ihn mit ein wenig schwarzer Magie. Das musste als Erklärung doch reichen. Schließlich sind wir hier beim phantastischen Roman und nicht bei Dr. Soundso klärt auf. Von Teufel und Hölle war auch weit und breit nichts zu lesen. Noch nicht einmal ein niederer Dämon hat seine Nase aus dem Schlund der Unterwelt gestreckt.

 Die Amazonen des Todes hingegen waren schon „schön“ schaurig beschrieben. Sie traten wie dunkle Engel auf und verströmten eine Eiseskälte. Der Totengräber Halbin ist ihnen zumindest verfallen und hat den Spuk auch nicht überlebt. Wenn man den Romantitel ernst nimmt, hätte auf ca. Seite 30 die Story beendet sein müssen, denn hier hat der Titelgeber die Schaufel für immer aus der Hand gelegt. Das Geheimnis hat er ja auch recht schnell ausgespuckt. Zumindest war die Gier nach dem Rebensaft größer als die Panik vor den Eisfrauen. Das Erotik und die weibliche Schönheit bei Limats Romanen immer eine Rolle spielt, ist nichts neues, aber Tote, die man vorher aus ihren Gräbern gezerrt hat als Lustobjekte zu verkaufen, war schon eine gewagte Nummer. Das ist zwar auch exotisch, aber doch ganz anders als seine üblichen Flamenco tanzenden Grazien in irgendwelchen Bars.

Eigentlich gab es diesmal gar keine Tänzchen, wie ich es von dem Franzosen eigentlich schon gewohnt bin und jetzt ein klein wenig  vermisst habe. Zumindest hätte sich bei fünf Amazonen ein Zyrtaki oder ein afrikanischer Stampftanz angeboten, aber nichts. Eine kleine Gemeinsamkeit zu seinen bisherigen Veröffentlichungen bei Pabel gab es aber doch: Das Amazonasgebiet! Der erste Roman spielte in Brasilien, beim zweiten kam die Spinne nebst Anhang aus Brasilien und beim Totengräber gab es wenigstens noch die Amazonen im Originaltitel. Bin gespannt, was er sich beim nächsten Roman hat einfallen lassen um den Lesern das südamerikanische Land unterzuschieben.

 Jetzt bin ich neugierig geworden und schaue schon mal beim nächsten Maurice L.(VHR 36 Die Hand des Würgers) vorbei... und habe nichts gefunden. Kein Regenwald, keine exotische Tänzerin und kein Teddy Verano. Sollte der französische Geisterjäger eine Zweitagsfliege gewesen sein? Schade, denn diese Figur war durchaus ausbaufähig. Zumindest war er kein Dämonenvernichter, der einem nach   seinem zweiten Einsatz schon auf den Beutel ging. Auch eine Leistung. So manch  Autor hat das mit seiner Figur nicht geschafft.

 Dann war da noch Veranos Anhang, der auch recht sympathisch rüber kam. Besonders Geralds Figur war ein echter Gewinn für den Roman. Ein 21 jähriger „Jugendlicher“, der noch dem Wohlwollen und der Meinung seiner Mutter unterworfen war und um die Anerkennung seiner Volljährigkeit mit ihr kämpfte. Dieses klassisch italienische Modell gibt es  immer noch und scheint auch nicht aus der Mode zu kommen. Ständig stolperte er über seine eigenen Füße oder seine Zähne klapperten wie Kastagnetten (hier hätte Limat vielleicht doch noch eine Tanzeinlage unterbringen können). Er sollte im Roman eindeutig für die komischen Momente sorgen. Seine Mutter, Veranos Gattin, dagegen wurde als aufgeklärte Frau beschrieben, die keine Fragen hinsichtlich der mysteriösen Fälle stellt und sich scheinbar auf dem Gebiet des Okkulten super auskannte. Eine sehr moderne Frau, die auch in die amerikanischen Übersetzungen gepasst hätte. Überhaupt bereitete nicht eine Einzige Figur  rund um Verano dem Leser irgendwelches  Unbehagen, denn eigentlich reagierten sie immer recht besonnen und waren stets zur Stelle wenn es brenzlig wurde. An einigen Stellen wirkte dieses aber dann doch sehr zufällig: Zuerst rettet Verano Gerald „zufällig“ vor den Amazonen, dann rettete Gerald noch „zufälliger“ Verano vor den Amazonen und am „allerzufälligsten“ löste der Detektiv zweimal einen Kurzschluss aus, indem er etwas (zufällig) auf die medizinischen Geräte warf. Das Logik und Gruselromane nicht immer gut Freund sind, ist im allgemeinen bekannt. DGdT ist ein gutes Beispiel dafür.

Für mich ist  die Nr.29 von Limat bis jetzt sein Glanzstück innerhalb der Serie.  Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, ist die Geschichte  ohne nennenswerte Längen erzählt. Das Seija Lintermanns Aufarbeitung einen großen Einfluss auf den reibungslosen Storyverlauf hatte, kann ich mir aber gut vorstellen. Das Thema „Wissenschaftler baut sich künstlichen Menschen für eigene Zwecke“ ist selbst beim Vampir-Horror ein alter Hut, aber wieder einen Ticken anders interpretiert als sonst. Das Ende wirkte etwas hektisch und aus der Luft gegriffen (die Kurzschlüsse) und auf den reichlich vorhandenen und erwähnten Okkultismus wurde (aus Mangel an Kenntnissen des Schriftstellers?)  nicht groß eingegangen. Da war halt was unheimliches im Busch. Ob es mit Verano überhaupt weiter gegangen ist, bleibt für mich im Dunklen. Soviel hat das Internet, in einer für mich 100% verständlichen Sprache, nicht ausgespuckt.

Was gab es sonst noch?
Ein wirklich düsterer Thole. Wäre der Totengräber im Roman nur annähernd so unheimlich gewesen, hätte er ein ernsthafter Gegner sein können. Dem Typen würde man doch glatt zutrauen, die Toten für seine eigenen zwielichtigen Zwecke  auszugraben. Schön schaurig auch die junge Frau, die trotz Blauschimmel und sehr blasser Haut an manchen Stellen noch seltsam frisch wirkt. Zumindest hat der Hölländer mit dem Friedhofs Thema voll ins Schwarze getroffen und wieder mal bewiesen, dass er es drauf hatte.

Für die Filmbegeisterten Horror-Fans hieß es im Juli 1973: Auf nach Triest, denn dort fand zum 11. Mal das „Internationale Festival des Science-Fiction Films“ statt. Eine Menge westlicher Länder hatten ihre Beiträge am Start und sogar der Ostblock war mit der UdSSR, Bulgarien, DDR, Ungarn und Polen vertreten. Nur die Bundesrepublik wurde nirgendwo erwähnt. Scha(n)de. Die Filmemacher aus unseren Landen machten wohl lieber auf Lederhose und Dirndl und banden dort etliche Stars, die auch prima in Horror-Filmen ihre Rolle gefunden hätten.

Ein wenig humorlos war die Tatsache, dass man den Alfons Cartoon diesmal ersatzlos gestrichen hat.

Ausgleichen konnte das ein wenig der geschniegelte Arni und seine bemuskelten Freunde auf der Rückseite, deren Frisuren manchmal auch zum schreien waren. Bei den Preisen für die angebotenen Pülverchen und Pillen hätte ich damals lieber meine Otto-Normalverbraucher- Figur behalten, zumal 100 DM (und aufwärts) ein stattliches Sümmchen war. Ein wenig kamen die angebotenen Sachen auch wie Selbstversuche rüber. Muskelbeschleuniger, Tätoentferner oder diese Potenzpillen kamen wahrscheinlich direkt aus Dr. Martins Labor. Aber die meisten Frauen stehen eh nicht auf diese aufgeblähten Typen, habe ich mal gehört.  Das kann natürlich wieder einer dieser Frauenfakes sein, wenn sie das männliche Selbstwertgefühl nicht schädigen wollen. Peinlicherweise kam die Firma, die den  Anabolikapamps verschickt hat, aus Essen - der Stadt der dicken Buxe...

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-08-17 09:59
Zitat:
Die Filmemacher aus unseren Landen machten wohl lieber auf Lederhose und Dirndl und banden dort etliche Stars, die auch prima in Horror-Filmen ihre Rolle gefunden hätten.
Ach, das kann man so auch nicht sagen. Es gibt mehr deutsche Schauspieler als man denkt, die in diesen Jahren in solchen Filmen mitspielten. Herbert Fux, Udo Kier, Kinski, Doris Kunstmann, der Fuchsberger und sogar mal die Marianne Koch (in einer sehr spaßigen Rolle). Halt nur im Ausland. In Deutschland war und ist dieses Genre nicht existent. Da gab es bestenfalls mal eine zumeist unsägliche Parodie.

Die Franzosen haben schon eine interessante Idee vom Privatdetektiv. Autoren wie Limat haben in ihren produktiven Jahren eine Unzahl von Krimis und Agentenromanen geschrieben. Gruselromane waren da eher eine Nebenlinie, obwohl Limat zig SF-Romane schrieb. Die VHRs von Limat sind fast schon so was wie Spätwerke. Der hat schon vor dem Krieg veröffentlicht.

Das Blöde - oder vielleicht auch das Gute - an den VHRs ist ja, dass sie notgedrungen gekürzt sind. "Totengräber" hat im Original 256 Seiten. (Und ein nettes, wenn auch sehr,sehr biederes Cover. Da spielt der Thole in einer ganz anderen Liga. Wen es interessiert: www.noosfere.com/icarus/livres/niourf.asp?numlivre=1719363804 ) Mal auf den Autorennamen klicken, da gibt es eine ausführliche Bibliographie mit Titelbildern)

Bei Luther sind ein paar der Franzosen, auch Limat, im Taschenbuch erschienen, und ehrlich gesagt fand ich die Romane in dieser Länge ganz schön zäh. Ist halt eine andere Erzählweise.
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#2 Thomas Mûhlbauer 2016-08-17 14:03
Limat ist jetzt auch nicht unbedingt mein Vorzeige-Franzose im VHR, aber "Die Hand des Würgers" ist ihm schon sehr gelungen.
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#3 Toni 2016-08-17 19:34
Von 256 Seiten auf 65 zusammenkürzen und dann noch etwas brauchbares abliefern. Das hört sich nach harter Arbeit an. Da fragt man sich wirklich, was die Übersetzer/innen damals so verdient haben. Bei 65 auf 2 Seiten habe ich manchmal schon meine liebe Not, obwohl ich niemanden im Nacken sitzen habe. Leicht verdientes Geld war das mit Sicherheit nicht. Neben "Verschlimmbesserungen" gab es wohl auch Rettungsaktionen, was die Lesbarkeit von zähen Schmökern anbelangte

Stimmt Andreas, da gab es einige deutsche Schauspieler die man in internationalen Streifen zu dieser Zeit gesehen hat. Nur produziert wurde bei uns nix, obwohl das Publikum ja anscheinend da war. Da hatte unsere Filmindustrie/Produzenten wohl Ladehemmung oder Angst, Geld in den Sand zu setzen. Wenn ich an Ilja Richter und seine gefürchteten Sketche (trallalala humpa pum ping) bei DISCO denke, ist uns wohl auch einiges erspart geblieben. :D

Thomas: Da bin ich ja mal gespannt auf den "Würger". Der steht seit Jahren ungelesen bei mir im Regal. Limat wird von Roman zu Roman besser, aber vielleicht lag es ja auch nur an den Übersetzern. Mal schauen, was Lenis Sobez da zu bieten hat.
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#4 Thomas Mühlbauer 2016-08-22 20:59
In Deutschland ist Teddy Verano mindestens eine Viertagsfliege, denn auch in den beiden Horror-Expert-Taschenbüchern 20 ("Das blutrünstige Aquarium") und 21 ("Ich, der Vampir") wirkt er als "Geisterdetektiv".
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#5 Andreas Decker 2016-08-23 10:32
zitiere Toni:
Von 256 Seiten auf 65 zusammenkürzen


So kann man das nicht rechnen. Man müsste die Manuskriptlänge des Originals kennen bzw die Anschläge. Bei den Kürzungen der englischen Taschenbücher ist das manchmal gar nicht so viel, was wegfällt. Und ist es auch eine Sache des Formats. Ganz blödes Beispiel: die englischen Bücher der Zeit fingen neue Kapitel meistens auf einer neuen ungeraden Seite an, selbst wenn sie dann manchmal eine Leerseite davorsetzen mussten. Bei den VampirTbs und auch den Däkis geht es mitten im Text weiter, es wird nicht unterschieden zwischen Absatz und neuem Kapitel. Da kommen schon im Handumdrehen ein paar Seiten zusammen, die man zusätzlich bedrucken kann. 256 Seiten klingt viel, aber vielleicht war der Roman nur ein Drittel länger.

Und so schwer ist das mit dem Kürzen eigentlich nicht. Wenn im Original auf der ersten Seite erzählt wird, dass es regnet und dann das kleine Dorf beschrieben wird, in dem der Held gerade eintrifft, steht im Heft halt ein Satz. Und viel zu oft sind solche Straffungen in der Tat von Vorteil ;-)

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, zu der Zeit gab es meistens Pauschalhonorare für solche Übersetzungen mit genormter Länge.

zitiere Toni:
da gab es einige deutsche Schauspieler die man in internationalen Streifen zu dieser Zeit gesehen hat. Nur produziert wurde bei uns nix, obwohl das Publikum ja anscheinend da war. Da hatte unsere Filmindustrie/Produzenten wohl Ladehemmung oder Angst, Geld in den Sand zu setzen.


Auch wenn das jetzt Off-Topic wird :-) , ich glaube, die deutschen Filmemacher der Nachkriegszeit hatten und haben einfach keine Affinität für Horrorfilme. Das Thema konnte man nur parodistisch angehen. Sieh dir nur solche Heuler wie "Lady Dracula" oder "Die Schlangengrube und das Pendel" an. (Obwohl der Letzere eher unfreiwillig komisch ist.)

Und das "normale" Publikum wollte es auch nicht. Die meisten Horrorstreifen der Zeit liefen nur im berühmten Bahnhofskino.

Die Schauspieler konnten auch wenig mit den hauptsächlich italienischen Produktionen anfangen, in denen sie mitspielten. Da musst du dir mal anhören, wie Karin Baal heute noch den Giallo zusammenfaltet, in dem sie eine Hauptrolle hatte. "So was sehen sich nur Perverse an", meint sie da sinngemäß an einer Stelle. :lol: Auch Fuchsberger oder andere haben Fragen dazu stets nur höflich übergangen.

Nur die Leute, die für den Schund abonniert waren, sehen das was lockerer. Jürgen Drews kann sich heute noch über seine Teilnahme an diversen italienischen Horror- oder Polizeifilmen begeistern. Und auch wenn ich ihn als Entertainer grässlich finde, sind seine heutigen Audiokommentare sehr sympathisch und glaubwürdig. Er hatte Spaß. Ist auch viel Wert.

Du hast völlig recht mit Richter. Ich habe letztens mal in eine Wiederholung von DISCO reingesehen. Das ist so unwitzig, dass man sich fremdschämen möchte.
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#6 Thomas Mühlbauer 2016-08-23 14:47
Ich kenne keinen, wirklich KEINEN, dem diese Richter-Anti-Sketche am Bildschirm je gefallen hätten oder der sich positiv darüber geäußert hätte, und wenn man die verstörten Zuschauer im Studio sieht, hat es auch dort niemand verstanden. :-?
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#7 Thomas Mühlbauer 2016-08-24 14:50
Man muss es selbst gesehen haben,um es zu glauben:

www.youtube.com/watch?v=4QD14cIvdKQ

Besonders schlimm für Freunde der Les Humphries Singers, wenn sie hier so den Jordan runtergehen.
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#8 Toni 2016-08-24 15:23
Danke noch mal für die Infos Andreas und Thomas.

Die Zuschauer bei DISCO sahen wirklich sehr verstört aus. Da hat sich kaum einer von bewegt oder mal gelacht. Scheint eine ernste Sache gewesen zu sein oder pure Angst. Unklar ist, warum Richter (für mich ein Alien) so lange seine Späßchen unters Volk bringen durfte.

Wenn man sich die alten HITPARADE Sendungen ansieht, kann man, wenn die Kamera nicht schnell genug weggeblendet hat, Leute von der Sicherheit sehen, die ziemlich ruppig mit den Blümchenbringern umgegangen sind. Ich hätte an deren Stelle zurückgeschlagen... :D
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#9 Andreas Decker 2016-08-24 15:28
zitiere Thomas Mühlbauer:
Man muss es selbst gesehen haben,um es zu glauben:

www.youtube.com/watch?v=4QD14cIvdKQ

Besonders schlimm für Freunde der Les Humphries Singers, wenn sie hier so den Jordan runtergehen.


Das Grauen ... das Grauen ...
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#10 Toni 2016-08-24 15:35
:D Passt ja schon wieder auf diese Seite.
Vielleicht wollte man der Jugend etwas Kultur eintrichtern - Goethe und Schiller wurden ja oft erwähnt. Selbst bei der Musikauswahl standen einem zum Teil die Haare zu Berge. Adam und Eve waren da noch die Harmlosesten...
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#11 Laurin 2016-08-24 18:04
Ich glaube mal, die haben den Zuschauern im Studio bei DISCO damit gedroht, dass Richter bei ihnen privat Urlaub macht, wenn sie sich locker verhalten. Anders kann ich mir die Schockstarre da nicht erklären. :lol:
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