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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Die Hand des Würgers

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Die Hand des Würgers

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?


Die Hand des WürgersDie Hand des Würgers
(Le Manchot)
von Maurice Limat

Vampir Horror-Roman Nr. 36
Aus dem Französischen übertragen von Lenis Sobez
Oktober 1973 / DM 1,-

Pabel Verlag
Pascal ist der Dorfdepp in seinem Ort. Zumindest glaubt er fest daran, dass die anderen ihn nicht für voll nehmen. Natürlich gibt es auch Leute, die ihm wohlgesonnen sind und ein Auge auf ihn haben. Früher waren das die Nonnen aus dem Kloster, die ihn großgezogen haben, und heute hat der gütige Monsieur Feras des öfteren einen väterlichen Ratschlag für ihn. Er leiht ihm sogar Bücher, um Pascals Allgemeinwissen ein wenig auf Vordermann zu bringen. Arbeit hat er in der Sägemühle des Ortes gefunden und in Faraud, seinem Hund, hat er einen treuen Freund.

Eigentlich hat er keinen Grund zu klagen, wären da nicht diese seltsamen Gedanken, die sich hauptsächlich um Mädchen drehen. Er beobachtet oft die Dorfschönheiten, wie sie sich mit ihren Liebhabern in den Feldern und Scheunen vergnügen. Nur ihn beachten sie nicht und wenn, dann lächeln sie höchstens und gehen ihm ansonsten aus dem Weg. Manchmal ist Pascal darüber so sauer, dass er sie, samt den aufgeplusterten Galanen, am liebsten  eigenhändig erwürgen möchte. Er glaubt, dass seine rechte Hand ein Eigenleben führt und allmählich Gewalt über sein Handeln und Tun erlangt. Kurz, die Hand muss weg, um dadurch die kruden Gedanken los zu werden.

Wenig später ist es soweit. Pascal schiebt seinen rechten Arm unter das große Sägeblatt und mit einem sauberen Schnitt ist er die verfluchte Hand endgültig los. Oder doch nicht?

Nach ein paar Wochen im Krankenhaus geht es Pascal wieder besser. Im Sägewerk kann er jetzt natürlich nicht mehr arbeiten, aber bei Monsieur Feras und seinen Nachbarinnen hat er die Gartenarbeit übernommen und so ein Auskommen gefunden. Nach einiger Zeit kommt er mit nur einer Hand auch immer besser zurecht, doch die schlimmen Gedanken sind nicht verschwunden.

Als eines Tages die hübsche Loulou bei einem Schäferstündchen in einer Scheune erwürgt wird, fällt der Verdacht auch kurz auf ihn, aber die Abdrücke an ihrem Hals deuteten auf eine „rechte Hand“ hin. Angeblich hat sie im Schein eines Blitzes, draußen gewitterte es fürchterlich, den Mann ohne Hand gesehen. Renaud, ihr Freund, suchte kurz die Umgebung nach einem Spanner ab, konnte aber niemanden entdecken. Als er wieder in der Scheune war, fand er, die tote Loulou  und holte Hilfe. Da Renaud als einziger anwesend war, musste er der Polizei Rede und Antwort stehen, doch einen begründeten Verdacht gab es nicht.

Pascal ist weiterhin davon überzeugt, dass seine abgetrennte Hand der Mörder ist und  Jagd nach jungen Mädchen macht. Gesteuert von seinen schlimmen Gedanken, denn die hatte er ja immer noch.

Renaud bekommt sich mit Pascal in die Haare. Sie beschuldigen sich gegenseitig etwas mit dem Mord zu tun zu haben, bis schließlich Monsieur Feras dazwischen geht. Er glaubt, dass beide unschuldig sind und der wahre Würger noch sein Unwesen treibt. Da er das Geheimnis von Pascal kennt, schlägt er ihm vor, die Nacht an einer Kette in seinem eigenen Keller zu verbringen. Sollte noch jemand überfallen werden, kann er schlecht der Killer sein. Renaud wird ebenfalls eingebunden und übernachtet in Pascals Haus. Nach dem Renaud heimlich Damenbesuch bekommen hat, schläft er ein und wird prompt vom Würger überfallen. Pascal hört nur die Kampfgeräusche und kann nicht einschreiten, aber sein Hund Faraud schlägt den Angreifer in die Flucht. Pascal und Renaud scheiden als Täter jetzt endgültig aus.

Ein paar Tage später wird dann Corinne, die hübsche Schwiegertochter von Feras Nachbarin, überfallen und fast erwürgt. Die junge, leicht orientalisch wirkende Schönheit wurde schon früh Witwe und ließ die Männerherzen im Ort höher schlagen. Für Pascal wäre es ein Traum, wenn sie ihn nur einmal küssen könnte, aber zumindest würde er jetzt zusätzlich ein wachsames Auge auf sie haben dürfen. Schließlich war der Mörder noch nicht gefasst. Oder die Hand...

Eines Tages kam Monsieur Feras von einer Reise aus Paris zurück und brachte eine Schachtel mit. Pascal wurde neugierig was darin sei, doch die Gelegenheit einen Blick zu riskieren ergab sich einfach nicht. Als er Feierabend machen wollte fängt ihn Corinne ab und erzählt von einem schrecklichen Verdacht. Laut ihrer Auffassung ist ihr Nachbar Feras der Mörder und treibt jetzt sein Spiel mit allen Beteiligten. Ein Beweis wird er mit Sicherheit in dem Kästchen aus Paris verstecken. Kurz, sie bittet Pascal ihr den Kasten zu bringen. Zuerst lehnt dieser ab, aber durch einen „Kuss“ beeinflusst kommt er schließlich ihrer Bitte nach.

Feras hatte natürlich seine eigenen Pläne und lässt Pascal den Kasten mitnehmen, ohne dazwischen zu gehen. Er hat in Paris eine rechte Hand aus Wachs anfertigen lassen, um die Sache endgültig klären zu können. Schon länger hat er Corinne als Täterin ausgemacht, die ebenfalls heimlich eine Liebschaft mit Renaud hatte und in Loulou eine jüngere Konkurrentin sah. In der Nacht des Gewitters hat sie das Mädchen schließlich erwürgt. Nachdem Feras sie jetzt entlarvt hat und mit der Tat konfrontiert, dreht Corinne völlig durch und flüchtet mit Pascal in die Wälder. Als die Verfolger immer näher kommen verfällt sie in Panik. Seit ihrer  harten Kindheit, wo sie mit Schlägen und Drogen traktiert wurde, hatte sie einen psychischen Knacks, der schließlich in diesem schlimmen Eifersuchtsdrama endete. Da sie für sich keinen anderen Ausweg mehr sah, bittet sie Pascal mehrmals er möge sie doch erwürgen. Schließlich willigt er ein und nimmt ihr mit seiner Linken für immer die Luft zum atmen.

Monsieur Feras setzt sich erneut für Pascal ein, der ja nur einer eindringlichen Bitte nachgekommen ist, doch der wird tot in seiner Zelle gefunden. Man nimmt an, dass er sich selber erwürgt hat, denn wer sollte sonst durch die Gitter gelangt sein?

Dirk und sein SenfMein Senf
Jetzt hat mich Limat doch tatsächlich etwas überrascht. Nach seinen bisherigen Werken bei den Vampiren, die ja nicht unbedingt schlecht waren, lief er jetzt zur Hochform auf. Das ist zwar nach Marc Agapit der zweite Roman ohne Vampir, Werwolf und Dämonengetöse in Folge, aber die Spannung stimmte diesmal und der Erzählstil passte auch wieder besser zu einem verträumten Franzosen vom Land, oder so. Ich merke, es wird Herbst. Limat mausert sich so langsam zu einem Autor, den ich ganz gerne mag. Zumindest hat er schon, bei gerade mal vier Romanen, so einige Facetten seiner Schreibkunst gezeigt und ein wenig schmunzeln konnte man bisher auch immer. Der zweite Teddy Verano um den versoffenen Totengräber war ja schon fast (auch wenn ungewollt) ein Brüller, doch jetzt wurde es ernst... fast. Eine Horrorstory, naja wohl eher ein klassischer Kriminalfall mit mysteriösen Hintergrund, hatten wir in der Form bei Pabels Vampir Reihe noch nicht.

Der allseits anerkannte Dorftrottel Pascal hat Mordgedanken, und zwar immer dann, wenn er junge Mädchen sieht oder an sie denkt. Es ist aber nicht so, dass er damit seinen Trieb befriedigen will, in der Hinsicht scheint er ganz normal zu sein, sondern er kann es nicht leiden, wenn sie sich mit den anderen Jungs des Dorfes abgeben. Eigentlich ein Klassiker - was ich nicht besitzen kann, soll auch niemand anderes haben. Und weil er ja dumm ist (laut Limat), glaubt er, dass diese „bösen“ Gedanken von seiner rechten Hand ausgehen, mit der er dann tötet. Das gute Stück muss weg. Da trifft es sich super, dass er in einer Sägemühle arbeitet... es folgt die blutigste Szene des Romans, ansonsten wird nur gewürgt. Nun, das kann auch lästig sein, aber so richtig splattermäßig geht anders, nur damit hat es Limat ja eh nicht. Nachdem Pascal wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde merkt er, dass die Gedanken immer noch in seinem Kopf sind. Nun, scheiß auf die Hand, denn jetzt ist er der Dorfdepp mit körperlicher Behinderung und hat das Mitleid der Gemeinschaft auf seiner Seite, was ihm auch prompt einen Job bei einer seiner Angebeteten einbringt, die ihm gleichzeitig wohlgesonnen ist. Die hübsche und unschuldig wirkende Corinne hat es aber knüppeldick hinter den Ohren. So kann man sich täuschen. Überhaupt werden seine Gedanken immer berechnender und er fängt an, die Dinge für sich positiver zu gestalten. Für Mädchen interessierte er sich jetzt auch immer mehr.

Der Roman ist mal wieder in der Ego-Perspektive geschrieben, was eine Unzahl an Selbstgesprächen  möglich macht, ohne dass Andere sofort komisch rüber starren. Pascal hat  öfter mal einen Ratschlag bei sich selber geholt.  Folgt man seinen Gedanken, dann ist er gar nicht mal so  doof wie ihn Limat gerne hätte, sondern eher der Typ schlichter Charakter, hart an der Blutgruppe I vorbeigeschrammt. In Filmen und Büchern sind die Dörfer voll mit solchen Naturburschen, nur merken die meisten von ihnen nicht, dass sie  blöd sind. Pascal schon und deshalb versucht er, mit Monsieur Feras Büchern, ein wenig seinen Wissensstand aufzufrischen. Allerdings hat er aus einem dieser Schinken auch die geniale „Hand ab“ Idee, die ihn natürlich immens weiterbringt. Eigentor für Feras und seinen Bemühungen, etwas ordentliches aus seinem Schützling zu machen. Das versucht er mit seiner Aufklärungsarbeit rund um den Mord an Loulou (die einzige Tote im Roman) natürlich wieder auszubügeln und bringt die beiden Kontrahenten, Pascal und Renaud, geschickt  in ein Boot. Renaud ist übrigens auch nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen, nur dass er nicht durch die Hand denkt sondern eher durch seinen kleinen „Prinzen“. Die Dorfschönheiten stehen bei ihm Schlange, was natürlich für Eifersüchteleien sorgt und am Ende den Tod von Loulou zur Folge hat. Wie gesagt lenkt M. Feras die Ermittlungen und deckt den Fall anschließend sogar auf. Er ist der eigentliche Held der Geschichte.

Limat hat es diesmal klasse hinbekommen, den Leser bei der Stange zu halten. Die Handlung aus der Sicht eines geistig Minderbemittelten war genial. Wie stark Pascal jetzt wirklich betroffen war kann ich als Laie nur raten (also lassen wir das lieber), aber Limat hat einen ganz schön in die Gehirnwindungen seines Protagonisten kriechen lassen.

Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln sagt man ja, also muss Dummheit nicht unbedingt schlecht sein. Limat hat zwar das Klischee des tumben Dorfheinis mit Kacke an den Stiefeln und dem sieben Tage Pullover ( auch für Kirche und Disco) voll bedient, aber irgendwie hat er Pascal auch sympathisch rüber gebracht. Das volle Leid der Jugend um Liebe, Selbstfindung und Zukunft, gepaart mit einer geistigen Schwäche. Vielleicht wurde Pascal auch nur von seiner Mutter arg links liegen gelassen und hatte dadurch ein paar Bildungsdefizite und Anpassungsschwierigkeiten (ist das wirklich „ein“ Wort?). Zudem kam noch, dass in den 60/70 Jahren des letzten Jahrhunderts die Menschen, auch mit leichten Behinderungen, oft einen schweren Stand hatten. Da landete man schneller bei den Nonnen (zumindest war das Limats Meinung) als einem lieb war.  Ich glaube nicht, dass der Autor die Behinderten verhunzen wollte, denn der Roman kam eher wie ein schriftstellerisches, gelungenes Experiment daher. Vielleicht wollte er auch nur mal was anderes schreiben. Ein Klasse Roman, der zusätzlich den Beinamen „Mysterie -  auch für Männer“ tragen könnte.

Das Original  - Le Manchot - ist übrigens von 1965 und auf einer französischen Seite wird als Mitautor Pierre Golvan angegeben(?). Vielleicht lief es deshalb so gut. Ach so, bitte niemals einen Dorftrottel dich zu erwürgen, wenn du es nicht 100 prozentig ernst meinst.

Was gab es sonst noch?
Das Titelbild von Thole wurde eindeutig für diesen Roman gemalt. Schön schaurig und düsterer als die Geschichte selber. Die Tote scheint, nach Gesicht und Hautfarbe zu urteilen, schon länger dort zu liegen und die Hand wirkt eher wie abgeschlagen (siehe auch das Richtbeil auf dem Hauklotz im Hintergrund), aber eine schnöde Sägemühle auf dem Cover hätte wohl nicht die gleiche, gruselige Wirkung gehabt.

Manfred Knorr war für „Vampir Informiert“ auf dem fantastischen Film Konvent in Paris und hat den interessierten Lesern jede Menge Neuvorstellungen mitgebracht.

Wie gefährlich ein Job im Spielmannszug an der Pauke sein kann, zeigt uns Alfons mit seiner Zeichnung.

Wer starke Nerven hatte, für den lag Vampirella am Kiosk. Da habe ich mich als Knirps nicht ran getraut. Das Styling sah irgendwie so erwachsen aus. Ein paar Jahre später war das schon wieder was anderes.

Vampir 37 (DIE KLINIK DER VERLORENEN)  muss ich mir wieder mal bei meinem Kumpel Solo ausborgen, ansonsten wird übersprungen und nachgeholt. Die Vorschau hört sich schon mal spannend an und der Autor, Jose Michel, ist/war auch neu (freu).

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-10-29 11:07
Ein schöner Artikel. Das ist ein guter Roman. Ich bin ja auch kein Limat-Fan, aber der hat mir gut gefallen. Eigentlich schade, dass von seiner Serie Mephista nie einer in den Vampir geschafft hat. Keine Ahnung, worum es geht - außer um eine Serienheldin namens Mephista :-) - , da findet man keine Klappentexte, aber immerhin 11 Romane.

Kleine Korrektur: Pierre Golvan ist der Titelbildzeichner der Neuauflage von 85, nicht der Mitautor. Beim erstenmal war es der unvergleichliche Michel Gourdon, der Hunderte von Titelbildern gezeichnet hat, vor allem für den Krimi. Aber in diesem Fall können sie Thole nicht mal das Wasser reichen. Das gehört in die Top 10 seiner Werke.
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#2 Toni 2016-10-29 12:42
Danke für die Info zu Golvan. Da musste ich direkt mal nachschauen und gebe dir recht. An Thole kam er und Gourdon nicht ran. Das sind recht unterschiedliche Stile aus drei verschiedenen Titelbild-Epochen( wobei Thole für mich der zeitloseste ist). Thole traute sich bei der Vampiren einfach mehr zu, was aber auch, mit Sicherheit, ein wenig an der Zeit rund um Aufklärung und Erotikwelle lag und vom Verlag wohl auch so gewollt war. In der der Hinsicht hat Pabel damals an paar sehr brauchbare Leute an den richtigen Stellen gehabt. :-)

Ich gehe mal davon aus, dass bei Mephista viel getanzt wurde. Irgendwie geht mir Limats Vampir Nr.11 nicht aus dem Kopf - zumindest die Tanzeinlagen haben bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen :D
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#3 Andreas Decker 2016-10-29 14:59
Bei Thole lassen sich die Erstveröffentlichungen nur schwer, d.h. mit großem Aufwand nachweisen. Die meisten seiner VHR-Cover scheinen für Pabel entstanden zu sein, um ein paar Jahre später im restlichen Europa weiterverwertet zu werden. Hauptsächlich findet man seine Arbeit auf der italienischen Horrorcomicreihe I Sanguinari, wie beim hier vorliegenden Bild, das 1975 erschien.

Du hast völlig recht, dass es an der Erotikwelle lag. Pabel brachte damals ja auch viele Softerotik-Zeitschriften raus wie Schlüsselloch oder Sexy. Da wurde viel Freiheit erkämpft, die heute unbekümmert und naiv preisgegeben wird.

Aber es erstaunt trotzdem immer wieder, wie Pabel in der Anfangszeit ohne erkennbare Zurückhaltung aber auch jedes Motiv durchgehen ließ, bevor der Jugendschutz beim Romaninhalt dazwischengrätschte. Was garantiert auch Auswirkungen auf die Aufmachung hatte, obwohl Cover meines Wissens nicht für Indizierungen reichen.
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#4 Thomas Mühlbauer 2016-10-29 18:38
Bei den Thole-Originalen sind stets die Romantitel und Heftnummern angegeben, für die die Bilder geschaffen wurden; zudem gibt es Angaben, auf welchen Ausstellungen das Motiv gezeigt wurde.

Es gab in VHR 100 den Brief eines Lesers, der sich (kaum zu glauben) darüber beschwerte, dass "auf 53 von 67 Heften immer auf der Titelseite eine nackte Frau zu sehen" sei. Der Verlag gab darauf die einzig passende Antwort: "Was die Sache mit den nackten Mädchen betrifft: die Nackheit bei weiblichen Vampirgestalten, Werwölfen und dergleichen ist ein wirkungsvolles Darstellungselement, vergleichbar mit dem unvermeidlichen flatternden Umhang des männlichen Vampirs. Es ist auch ein Ausdruck der Entmenschlichung, bei der Gefühle wie Scham keine Rolle mehr spielen. Zudem geht eine teuflische Sinnlichkeit davon aus, die das Opfer anlockt."

Noch realistischer war die abschließende Einschätzung der Redaktion: "Ernst beiseite - Herrn Tholes Nackte sind die schönsten weit und breit". Persönlich denke ich, dass man das so stehen lassen kann. ;-)
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#5 Andreas Decker 2016-10-30 12:18
@Thomas
Das ist interessant.

Und eine schöne Antwort vom Verlag. :-)

Eigentlich ist es eine Schande. Aus dem Ausland kommt mittlerweile eine Flut von oft großformatigen Hardcovern, die die Titelbildkunst meist verstorbener Künstler feiern. Selbst über die Fumetti-Künstler gibt es zwei sehr schöne Bände.

Aber es ist unvorstellbar, dass es so etwas über Thole geben sollte. Und realistisch gesehen kann man da noch nicht einmal jemandem einen Vorwurf machen, weil man mit ziemlicher Sicherheit nicht mal die Kosten wieder reinbekäme.
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#6 Thomas Mühlbauer 2016-10-30 13:02
Ja, Andreas, das stimmt leider. Außer dem Band "Visionen des Unwirklichen" bei Heyne und einer Würdigung im ersten "Heyne Science Fiction Magazin" ist in Deutschland nichts in der Richtung erschienen. In Italien gab es zu Karel Thole Kalender, Kartensets, Ausstellungskataloge sowie vor vier Jahren ein großformatiges Paperback, das auf 1000 nummerierte Exemplare limitiert war; dieses Ausgabe war aber seiner Tätigkeit für Urania gewidmet - also kein Gruselzeugs...

Die 186 Titelbilder, die er für den VHR schuf, waren Auftragsarbeiten von Pabel (die Nummern 198, 201 und 213 bekanntlich nur Urania-Zweitverwertungen). Und in VHR 400 berichtet der damalige Redakteur Rainer Delfs:

Karel Thole, der geniale Holländer aus Mailand, malte die ersten Titelbilder. Der Meister des Pinsels war damals so stark beschäftigt, daß wir - weil die italienische Post schon unzuverlässig war, der Meister allerdings auch - schon mal nach Mailand flogen und warteten, bis wir das fertige Titelbild mitnehmen konnten. :D
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#7 Toni 2016-11-01 11:32
Klasse zu lesen, was die Leute vom Verlag rund um die Vampir Serie für einen Aufwand betrieben haben. Obwohl die wahrscheinlich ganz gerne mal nach Mailand flogen um "die schönen Toten"abzuholen. Das könnte übrigens auch der Titel seiner Ausstellung sein. Als Vorgruppe zu Hieronymus Bosch käme er auch nicht schlecht...
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#8 Paul J Hauswald 2017-02-04 20:14
"Le Manchot"...der gefiel mir auch!
Und Ich hätte auch gerne ein schönes Buch über Tholes Titelbildkunst ! Manche seinen covers für VHR waren auch benutzt vom Verlag Elvifrance im Bereich Horror Comics (wahrscheinlich via Italien).
Was "Mephista" anbelangt: ein title dieser Reihe war übersetz worden. "Mephista et la mort caressante" erschien im Luther Verlag unterem Title: "Der zärtliche Tod" (TopKrimi/Grusel Horror #13). Verano war auch dabei. Ich muss diese Titeln in meiner Bibliothek ausgraben um es fest zustellen aber, in meiner Erinnerung nach, war Verano in alle "Mephista" mitwirkend. Bald, mehr dazu.
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#9 Andreas Decker 2017-02-05 13:56
Das sind die italienischen Cover. Man kann davon ausgehen, dass der Weg dieser Tholebilder Deutschland-Italien-Frankreich war. In Spanien gab es glaube ich auch einige Serien von Edifumetto, die habe ich aber noch nie zu Gesicht bekommen..

Die französischen Zara (in Italien Zora) sind in den späteren Nummern in den Sexszenen zensiert worden. Ich konnte ein oder zwei Ausgaben vergleichen.

Den "Mephista" von Limat habe ich bei mir im Regal entdeckt. Ich hatte mal diverse Luther-Krimis gekauft, bin aber nie dazu gekommen, sie zu lesen :lol:
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#10 Paul J Hauswald 2017-02-05 18:12
Ja, stimmt alles, Andreas. In Spanien war es der Verlag Elviberia. Ich bezitze zwei spanishe "Zara la Vampira" (von 1976) aber der Inhalt ist ja garnicht Zara/Zora sondern "Jacula", die andere bekannte italienische Vampira !!! :lol:
Die Zensur gab Georges Bielec (Elvifrances Gründer & Direktor) vom anfang an viel Sorgen.

Die vorhandene "Die Hand des Würgers" cover illustrierte auch "La maison des fantômes" (Outre-Tombe #13, 2eSerie, 1980)
Obwohl dass alles anonym war, bin ich trotzdem überrascht das Karel/C.A.M.Thole in Frankreich so unbekannt geblieben ist (zB: Noosfere erwähnt ihn nur für eine einzige illustration...)

"Mephista": es gab 13 Bände (alle in der collection "Angoisse") und Teddy Verano war tatsächlich in alle dabei auserem letzte, "Mephista et le chien Hurlamor" (wo er nur erwähnt wird). Kommissar Farnese (auch eine uralte Figur von Limat) ermittelte manchmal, seinem Freund Verano zur Hilfe.

"Mephista"...da laufte Maurice Limat auf Volldampf! Zu mindest traute er sich etwas zu wie nie bevor, und an Referenzen fehlte es auch nicht.
Am Anfang, eine grosartige Idee: Mephista.
Und die gibt es gar nicht! Oder besser gesagt: es gibt zwei "Mephista" und/oder keine...
Es fing alles an als Edwige Hossegor, eine Schauschpielerin, die Hauptfigur in einem neuen Feuilleton spielen sollte. Der Film: "Les Vampires de Paris". Die Hauptfigur:"Mephista". Und dann lauft es aus der Bahn: Mephista scheint tatsächlich ans Leben zu kommen. Ist Edwige überschnappt oder hat sich Mephista in ihre Person wirklich verkörpert ? Hat die Figur überhand auf die Spielerien genommen... oder steckt was anderes dahinter?
Im zweiten Band (der erste ist abgeschlossen) passiert ungefähr das selbe. Diesmal soll es Olga Mervil sein die die Rolle von Mephista haben soll (Edwige ist noch total erschöpft) und da wird es noch schlimmer weil Olga ergeitzige Ziehle hat und bösartige Kräfte ins Spiel bringt. (Der Band ist auch abgeschlossen, wie jeder)
Und auf dieser Basis lauft die Reihe weiter. Verschiedene Themen, aber immer mit eine der "Mephista", entweder Edwige Hossegor (meistens, schlieslich scheinte sie das Seltsame anzusiehen) oder Olga Mervil. Verano ist Edwige's engen Freund, Vertraute und auch besondere Leibwächter also wird er immer zu Hilfe gerufen. Anderseits ist es Verano der Olga Mervil braucht um manche Fälle zu lösen.
In meinen Augen war "Danse macabre pour Mephista" ein Höhepunkt der Reihe. Ja, da wird noch einmal getanzt... :lol: ... und der Tanz (so gut wie der Roman ) war eine Zaubereï.
Mal nachlesen zu sehen wie es heute klingt...

Man kann verstehen das Limat die Einstellung von "Angoisse" bedauerte...Er hatte noch zwei grüsel Romanen auf lager (die erschienen später - ohne Mephista - in einem kleinen Provinz Verlag) Und ein Verano gab es auch noch später: Une morsure de feu erschien 1981, in der collection "Anticipation", das war dann Veranos endgüldigen Einsatz...
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#11 Andreas Decker 2017-02-06 10:28
@Paul

Wie immer vielen Dank für die Informationen. Interessante Dinge. Den relativ lahmen "Jacula" als "Zora" zu verkaufen ist schon eine heftige Täuschung :-) In Deutschland sind diese Serien nie gelaufen, einen oder zwei Versuche gab es, aber die hat der Jugendschutz sofort einkassiert. Diese lockere Mischung aus Splatterhorror und Pornocomics ist schon sehr verrückt. Zora und ihre Freundin Frau Mörderin :-) Wenn man bedenkt, dass die in Italien frei verkäuflich waren.

Es fällt auf, dass die "Angoisse"-Autoren teilweise schon ziemlich alt waren. Limat hat 1936 angefangen zu veröffentlichen, Bonnefoy/Bruss hat seinen ersten Roman mit 51 geschrieben, Agapit hat auch schon 1925 angefangen.

Eine Frage interessiert mich schon lange. In Frankreich wurde ja die amerikanische Richard Blade-Serie erfolgreich um ca 170 Bände fortgesetzt. Hat man eigentlich das Konzept ausgebaut, oder ging es weiter nur darum, den Helden per Computer in irgendeine Fantasy-Dimension zu schicken, wo er sich durchkämpfen und schöne Frauen beglücken konnte, um seinen Geheimdienstbossen davon zu berichten?
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#12 Paul J Hauswald 2017-02-09 22:07
Ja, manche von den "Angoisse" Autoren (les "Angoisseurs", wie man sie nennt) waren schon in einem gewissen Alter als sie in der Collection veröffentlichten...

Agapit veröffentlichte nicht viel vor dem 2e WK. Er hatte zwar viel geschrieben aber niemand wollte seine Arbeit veröffentlichen und eines Tages verbrannte er alle seine Manuskripte ! Nach dem Krieg - im Ruhestand (er war beruflich verfestigter Englishlehrer, seine These war über Bernard Shaw) - fing er wieder an zu schreiben und, als er die Kurt Steiner von "Angoisse" zu lesen bekamm, ging ihm ein Licht auf. Er erinnerte sich an seine verbrannten Manuskripte und verfasste alles wieder in Romanen, spezial ausgedacht dass sie für "Angoisse" passten.
Ohne "Angoisse" wären Agapit/Sobras Romanen wahrscheinlich niemals veröffentlicht worden.

BR Bruss schreibte und veröffentlichte schon vor dem Krieg, nur sagte ers nicht (es fragte ihn ja keiner danach also blieb er schweigend)

Für die "Blade" Serie: die 37 amerikanische Titlen sind von France-Marie Watkins übersetzt worden. Die Reihe war erfolgreich und französiche Autoren haben sie weiter geschrieben. Es war angegeben "adaptiert" aber es waren Original Romanen - zuerst von Richard Nolane und dann von anderen. So viel ich weiss, blieb das Konzept das selbe (Muss mal überprüfen, zB mit den Episoden die Nikola Tesla inszenieren)
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#13 Andreas Decker 2017-02-10 10:43
Danke! Das ist sehr aufschlussreich. Ich lese gerade Agapits "Gas" (La Ville hallucinante) , ein unglaubliches Buch, und jetzt wundert mich der George Bernard Shaw auch nicht mehr. :-)

Es wird deutlich, dass "Angoisse" in vielerlei Hinsicht ein ganz anderes Verständnis von phantastischer Literatur hatte als zb die Engländer oder Amerikaner. Oder die Deutschen, die auf dem Sektor ja nun wenig oder gar nichts Eigenständiges produziert haben. Und selbst wenn ein deutscher Autor so etwas geschrieben hätte, wäre er es kaum losgeworden.

Und danke für den Blade. Interessant zu wissen.
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