Schwert & Magie Kurt Luifs Geschichte eines Sub-Genres (Teil 5)

Franz Rottensteiner, der bekannte SF-Fachmann schreibt über The Worm Ourboros: Dieses Buch ist ein völlig für sich stehendes, originelles Werk der Literatur (wenn auch von Sagas beeinflußt) und für meinen Geschmack der Höhepunkt dieser ganzen Untergattung der phantastischen Literatur. In einer durch und durch phantastischen Welt Merkur, die mit dem Planeten dieses Namens nichts gemein hat, tragen grandiose Rittergestalten einen epischen Kampf aus: Lord Juss, Goldry Bluszco und Spitfire, drei Brüder aus dem Dämonenland, streiten mit ihrem Vetter Brandoch gegen die Herren des Hexenlandes. Das Buch steckt voller Heldentaten und mitreißender Rhetorik, und nach dem Sieg über das Hexenland beginnt die ganze Geschichte wieder von vom. Der Sieg des Guten über das sogenannte Böse interessiert Eddison nicht, ihn fasziniert das Ergebnis des Kampfes an sich. Geschrieben ist der Roman in einer höchst artifiziellen, altertümlichen Sprache, aber mit unleugbarer Würde."
E. R. Eddison wurde 1882 in Adel in England geboren. Er war wohl eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten, die je Fantasy-Werke geschrieben haben. Sein Haar war hellbraun, seine Augen blaugrau, und er war mittelgroß.
Er war Staatsbeamter und galt als ein typischer Bürokrat. Zur Arbeit ging er mit Melone und zusammengerolltem Schirm. Täglich nahm er sein Mittagessen im Club Athenaeum ein. Eddison war voll mit Vorurteilen und größeren Abneigungen. So konnte er es gar nicht leiden, wenn Frauen kurze Haare hatten. Seiner Frau hatte er ausdrücklich verboten, sich ihr Haar kürzen zu lassen. Zeit seines Lebens war er ein hoffnungsloser Romantiker, der viel lieber zu Zeiten Elisabeths oder in Homers Griechenland gelebt hätte.
Schon als Kind hatte er sich brennend für Sagen interessiert. Seine Begeisterung war so groß, dass er isländisch lernte, um die Sagas im Original lesen zu können. Außerdem sprach er Griechisch, Latein und Französisch. 1908 heiratete er Winfried Grace Henderson, mit der er bis zu seinem Tode glücklich zusammenlebte. Dieser Verbindung entsprang eine Tochter: Jean.
Eddison war ein großer Tierliebhaber und ein begeisterter Bergsteiger. Seine Sommerurlaube verbrachte er zusammen mit seiner Familie in den Bergen in Italien, Frankreich, Österreich, Deutschland etc. Er interessierte sich sehr fürs Ballett, Theater und liebte Musik. Ferner sammelte er Bilder und Kamee-Siegelringe.
Nach The Worm Ourboros schrieb er einen historischen Roman: Styrbiorn the Strong (1926). Dieses Werk spielt zur Zeit der Wikinger, in das er einige der alten skandinavischen Sagen hineinverwoben hatte. Danach übersetzte er die Egills-Saga ins Englische (1930).
Recht eindrucksvoll ist auch seine Zimiam-vian-Trilogie, die aus folgenden Bänden besteht: Mistress of Mistresses (1935), A Fish Dinner in Memison (1941) und The Mezentian Gate (nicht vollendet, erst 1958 posthum veröffentlicht). Angeblich sollen Eddisons Werke in Deutsch bei Heyne erscheinen.
Eddisons Werk war nie so populär wie das Dunsanys, aber er beeinflusste zahlreiche Autoren mit seinen Romanen, so auch James Branch Cabell (1879-1958), dem nach Edgar Allan Poe und Ambrose Bierce wichtigsten amerikanischen Fantasy-Schriftsteller.

Von seinen 52 veröffentlichten Büchern ist der Großteil Fantasy. Zwanzig gehören dem Zyklus Biography of the Life of Manuel" an. Der Held ist der Prinz Dom Manuel, der seine Abenteuer in Poictesme erlebt, einer mittelalterlichen Phantasieprovinz in Frankreich.
Cabell starb am 5.5.1958. Anfang der siebziger Jahre wurden einige seiner wichtigsten Romane neu aufgelegt; vielleicht erscheinen auch demnächst einige auf Deutsch.
Bis in einer Woche!

Zimiamvische Trilogie:
1. Die Herrin Zimiamvias. Heyne, München 1982
2. Ein Fischessen in Memison. Heyne, München 1982
3. Das Tor des Mezentius. Heyne, München 1982
Es gab zwei Übersetzungen von The Worm Ourboros. Die erste erschien bei Heyne, die war offenbar nicht sehr gelungen. An die zweite wagte sich Helmut Pesch, der da eine wahre Meisterleistung hinlegte!
Und bei Lübbe ist auch der Wikinger-Roman erschienen.
de.wikipedia.org
matzer.de
helmutwpesch.de
mysite.ncnetwork.net
de.wikipedia.org
en.wikipedia.org
warr.org
google.at
Nachtrag zu James Cabell:
Bibliotheka-phantastika.de
de.wikipedia.org
en.wikipedia.org
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