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Der Heftroman: Österreichische SF-Heftreihen (1948 bis 1965) - 1. Tom Sharg

Österreichische SF-HeftreihenÖsterreichische SF-Heftreihen(1948 bis 1965)
1. Tom Sharg

In den 50er- und 60er-Jahren haben sich mehrere Wiener Verlage auch auf dem Gebiet der Science Fiction und Fantasy versucht - wobei diese Reihen im Laufe der Zeit weitgehend, meiner Meinung nach zu Unrecht, in Vergessenheit geraten sind. Sie dürften letztlich der übermächtigen Konkurrenz des Pabel Verlages (Utopia-Hefte) und des Moewig-Verlages (Terra-Reihen) erlegen sein, jedenfalls haben später die meisten heute bekannten SF-Autoren bei diesen Verlagen publiziert.

 

Es war diesen österreichischen SF-Reihen meist nur ein sehr kurzes Leben beschieden, lediglich zwei Publikationen erreichten mehr als zehn Nummern und nur zwei Serien hatten eine durchgehende Handlung. An diesem Thema Interessierte möchte ich auf den Artikel von D. Wrath über 'Utopische Leihbücher und Romanhefte aus Österreich ' verweisen.

Ich will versuchen, einige dieser Heftreihen wieder ins Gedächtnis zu rufen: Reihen, die nur mehr teilweise, wenn sie überhaupt auf den Markt kommen, für uns Sammler zugänglich sind.

Als erstem Objekt möchte ich mich einer besonderen Kuriosität zuwenden, der meines Wissens ältesten österreichischen SF-Heftreihe, die sogar um einige Jahre älter ist als die deutschen Reihen Utopia und Terra, nämlich der utopischen Heftreihe

Tom Sharg.
Diese Heftreihe ist laut Informationen der Österreichischen Nationalbibliothek in den Jahren 1948 bis 1950 in insgesamt 6 Heften erschienen. Als Autor scheint Ernst A. Dolak auf.

Der Herausgeber der ersten 4 Bände war Josef Schweidlenka, der beiden anderen Bände sein Interlit-Verlag. Der Autor scheint noch mit einigen Abenteuerromanheften im Hauptkatalog der Nationalbibliothek auf.

Die Romane mit Tom Sharg erschienen damals im Rahmen einer als "Hawaii-Abenteuer-Roman" bezeichneten Heftreihe und umfassten jeweils 32 Seiten. In dieser Reihe gab es auch Kriminal-, Piraten- und Abenteuerromane sowie Nachdrucke von Rolf Torring.

Bei Tom Sharg handelt es sich um folgende Titel:

  • 1. Die Arktis in Flammen (1948)
  • 2. Nordland stirbt (1948)
  • 3. Atlantis steigt auf (1948)
  • 4. Kampf im Weltraum (1949)
  • 5. Der gelbe Kobold (1949)
  • 6. Fahrt zu fremden Planeten (1950)

Die Romane sind zeitlich im 21. Jahrhundert angesiedelt, wobei Tom Sharg als Sicherheitschef eines europäischen Mammutkonzerns zusammen mit seinem Freund und Gefährten Rolf Hansen die tollsten Abenteuer zu bestehen hat.

Da diese weitgehend unbekannten Romane praktisch nicht mehr erhältlich sind (es gibt aber spätere Repliken der Hefte), werde ich daher versuchen, etwas über den Inhalt dieser Romane zu erzählen.

Die Arktis in Flammen Band 1: Die Arktis in Flammen   
Tom Sharg ist Sicherheitschef des europäischen Industriekonzerns X00. Dieser Konzern will künstliche Nahrung herstellen, um die Menschheit zu ernähren.

Dazu wird Energie benötigt, die Uranerz unter dem Grönlandeis liefern könnte. Zur Gewinnung des Urans sollen Atomöfen Schächte in das Eis schmelzen.

Tom Sharg und sein Freund Rolf Hansen entlarven einen chinesischen Werksspion und verfolgen ihn bis nach Grönland. Wer als Erster das Uranerz fördern kann, besitzt die Energie und damit die Herrschaft über die Welt.

Bevor der Spion von Grönland flüchtet, wirft er eine Atombombe ab, um das Eis zu sprengen; mit katastrophalen Folgen. Ein Atombrand und ein EMP legen alle Kommunikationseinrichtungen lahm.

Nordland stirbt Band 2: Nordland stirbt
Tom Sharg versucht, den Atombrand zu löschen und bricht mit einer Flotte nach Grönland auf. Der begleitende Wissenschaftler wird als Spion entlarvt, der das Vorhaben sabotieren soll. Letztlich gelingt es mithilfe eines 'Zyklotrons', die Umwandlung des Meerwassers zu stoppen und den Atombrand zu verzögern.
     
Atlantis steigt auf Band 3: Atlantis steigt auf
Der Atombrand soll endgültig gelöscht werden. Um Grönland vom Eis zu befreien, werfen alle Nationen Sprengmittel ab und der Brand kann dann tatsächlich mit Hilfe des 'Zyklotrons" gelöscht werden.

Als Nebenwirkung steigt im Atlantik eine Insel auf, das verschollene Atlantis.

Die Helden fliegen zur Insel, landen dort, entdecken UFO-artige Flugobjekte und beschließen, nach dem Rückflug ihrem Chef darüber zu berichten.     

Kampf im Weöltraum Band 4: Kampf im Weltraum
Tom Sharg fliegt mit Rolf zurück, dabei werden sie von den UFO-artigen Flugobjekten angegriffen. Im Luftkampf kann Tom Sharg ein Flugobjekt aus der Nähe abschießen, muss aber notlanden und mittels U-Boot zurückkehren.

Nach der Rückkehr mit einer Flugstaffel und Ausschaltung eines Saboteurs wird ein Flugobjekt erobert: es ist ein neuartiges chinesisches Luftfahrzeug mit Atomantrieb. Sie fliegen das Gerät zum Mammutwerk, und ein verbesserter Neubau soll danach konstruiert werden.
   
Der gelbe Kobold Band 5: Der gelbe Kobold
Ein raffiniertes Spionagesystem, das diese Pläne für den Raumschiffbau an China liefern soll, wird entdeckt, aber die Methoden der Spione bleiben erst einmal unbekannt.

Das System wird von Tom Sharg enthüllt und der chinesische Anführer nach einer Hetzjagd in der Kanalisation gefasst.

Schließlich wird auf Basis dieser Pläne der Raumschiffneubau beendet.
     
Fahrt zu fremden Planeten Band 6: Fahrt zu fremden Planeten
Nach dem Start des Raumschiffes zum Mars gibt es Probleme mit einem weiteren Saboteur, der das Schiff beschädigt, die Mannschaft aufhetzt und damit zum Rückflug zwingt. Der Saboteur wird schließlich entdeckt und getötet. Der Flug muss wegen der Beschädigungen des Schiffes abgebrochen werden und die Expedition kehrt zur Erde zurück.

Tom Sharg ist neben der im Mauerhardt Verlag erschienenen 14-bändigen Fantasy-Reihe 'Torgo, Prinz von Atlantis' die einzige österreichische fantastische Heftpublikation mit einer durchgehenden Story.

Warum die Serie nicht fortgesetzt wurde, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Es könnte aber daran gelegen haben, dass die Zeit für derartige Romane 1950 noch nicht reif war.

Leider gab es keine Fortsetzung der Abenteuer mit Tom Sharg. Vielleicht waren die Romane auch für den Umfang von nur 32 Seiten bei einem Preis von 1,20 Schilling zu teuer, wenn man berücksichtigt, dass ein Kilo Brot in der Nachkriegszeit ebenfalls ca. 1,00 Schilling kostete.

Somit bleibt die Reihe ein Unikat im Rahmen der österreichischen SF.


Die weiteren Artikel
Torgo, Prinz von Atlantis (31. März 2012)

Kommentare  

#1 Yugoth 2012-02-24 11:58
Warum muss ich jetzt bei Atomöfen an Flash Gordon denken? :D
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#2 Sarkana 2013-04-13 14:10
Was ist das mit dem Hawaii-Abenteuer-Roman denn? Hab ich noch nie von gehört und der Österreich-Katalog schweigt sich dazu aus. Dafür sieht er Sharg als eigenständig erschienen. Wie nu?
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#3 Heinz Mohlberg 2013-04-13 20:23
Wie schon vor dem >Absturz< mitgeteilt, haben wir die Komplettausgabe in einem Band in limitierter Ausgabe in zwischen herausgegeben 85.25.136.73/HMV01-p1590h1s8-UWS-28-Ernst-A-Dolak.html
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#4 hapi 2013-04-14 17:00
Leider sind Heftromankataloge nicht immer vollständig. Der Begriff Hawai-Roman stammt aus der Werbung des Schweidlenka Verlages in den Tom-Sharg Heften.
Ob es ein österreichisches Verlagsprodukt gibt, ist relativ einfach festzustellen. Man geht auf die Homepage der österr. Nationalbibliothek und gib die Suchbegriffe Ernst Dolak und dann Schweidlenka ein. Für Dolak wird Tom Sharg und Einaug der Pirat ausgeworfen, bei Schweidlenka sind die ersten beiden Einträge: Hawai-Abenteuer-Magazin. Abenteuer. Kriminalistik. Sensationen. (Bd) 1.2. und Hawai-Kriminalroman. (Hrsg.: Josef Schweidlenka.) Nr [1.] 5.. Zumindest 2 Kriminalromane von Toni Hilar (Toni Hild) gehören zu dieser Reihe. Tom Sharg ist hingegen eine eigenständige Reihe.
In der ÖNB gibt es jedenfalls Belegexemplare der Hefte.
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