Lucys Baby - »Der Teufel in ihr«
Dass „Rosemaries Baby“ einen solch großen Einfluss hatte und auch mehr als fünfzig Jahre nach seiner Erstaufführung ein großer Klassiker geblieben ist, der nichts von seiner Faszination eingebüßt hat, liegt vor allem an zweierlei: Der Film basierte auf einem cleveren und spannenden Roman, den Ira Levin 1967 zu Papier gebracht hatte, und Roman Polanskis kongeniale Inszenierung setzte zu weiten Teilen auf die Imagination des Publikums und zeigte nur wenig tatsächlich im Bild. Mehr als zehn Jahre nach der Uraufführung der Levin-Verfilmung blieben besessene Kinder in Horrorfilmen eine sichere Bank. Auch William Friedkins „Der Exorzist“ war noch eine Romanadaption (nach William Peter Blatty), die auch inhaltlich noch einiges zu bieten hatte. Schon wenige Monate später ließ Larry Cohen mit „Die Wiege des Bösen“ einen weiteren Kinderhorrorfilm folgen. Das Baby ist seiner Geschichte ist bereits kurz nach der Geburt außergewöhnlich groß und aggressiv. Cohen selbst schrieb und inszenierte auch die beiden Fortsetzungen zu seinem Erfolgsfilm. Im Jahr 1975 schließlich inszenierte Peter Sasdy („Das Dunkel der Nacht“) seine Version dieser Idee, die im englischsprachigen Raum u.a. als „I Don’t Want to Be Born“, „The Devil Within Her“, „Sharon’s Baby“, „It Lives Within Her“, „The Monster“ oder „The Baby“ bekannt ist. Hierzulande wurde der Film erstmals 1992 auf Tele5 ausgestrahlt und hat deswegen (bislang) nur einen einzigen deutschen Titel: „Der Teufel in ihr“.
Die Geburt von Lucy Carlesis (Dame Joan Collins) erstem Kind ist ein wahrer Kraftakt, der behandelnde Arzt Dr. Finch (Donald Pleasence) merkt deswegen noch im Kreißsaal an: „Dies hier will nicht geboren werden.“ Erste Aggressionen des Babys bekommt die Mutter bereits im Krankenhaus zu spüren, und auch zu Hause bei ihrem Ehemann Gino (Ralph Bates) und der Haushälterin Mrs. Hyde (Hilary Mason) reißen die seltsamen Vorkommnisse nicht so schnell ab. Mal ist das Kinderzimmer völlig verwüstet, mal werden neugierigen Besuchern die Nasen blutig gebissen. Lucy kann sich weder erklären, warum ihr Sohn so riesig, noch, warum er so gewalttätig ist. Ihrer besten Freundin Mandy (Caroline Munro) vertraut sie schließlich an, dass sie in ihrer Stripshowvergangenheit mit ihrem kleinwüchsigen Kollegen Hercules (George Claydon) aneinandergeriet, der sie daraufhin mit einem Fluch belegte. Darüber hinaus deutet Lucy an, dass vielleicht auch ihr ehemaliger Chef Tommy Morris (John Steiner) der Vater von Nicholas sein könnte. Als Ginos Schwester Albana (Dame Eileen Atkins) zu Besuch kommt, die als Nonne in einem Kloster lebt, verstärken sich die Sorgen, dass das Baby besessen sein könnte.
Peter Sasdys „Der Teufel in ihr“ ist kruder Horrorhumbug, bei dem den Machern die Präsentation blanker Busen wichtiger gewesen zu sein scheint als der Aufbau einer handfesten Gruselstory. Die Inszenierung ist platt und weitgehend langatmig. In zwei Dritteln des Films wird nur barer Nonsens geredet, was auch Sasdy selbst in der Retrospektive eingesteht, da er Stanley Prices Drehbuch gerne einer kompletten Umschreibung unterzogen hätte. Im restlichen Film sehen wir ein Baby, das wie der unschuldigste Engel aussieht, nichtsdestotrotz aber den Teufel in sich zu haben scheint, weil es andere Menschen zerkratzt, ihnen die Nasen blutig boxt oder sie gar aufhängt oder köpft… Ein billiger und offensichtlich schnell heruntergekurbelter Horror-Rip-Off, dem höchstens Fans der mitspielenden Stars etwas abgewinnen können dürften. Die BluRay-Erstveröffentlichung bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 1,66:1) und einen Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo, optional mit englischen Untertiteln), an dem es ebenfalls nichts auszusetzen gibt. Die Extras umfassen drei Interview-Features aus dem Jahr 2021 (jeweils nur im englischen Originalton ohne Untertitel), „Holding the Baby“ mit der Skriptüberwacherin Renée Glynne und der Garderobiere Brenda Dabbs (14 Minuten), „The Excisist“ mit Editor Keith Palmer (10 Minuten) und „Sasdy’s Baby“ mit Regisseur Peter Sasdy (22 Minuten), den englischen Originaltrailer, den Alternativ-Vorspann „I Don't Want to be Born“ (3 Minuten, variiert aber lediglich in der Titeleinblendung), die TV-Folge „Dinner bei McGill“ aus der Serie: „Orson Welles erzählt“ mit Joan Collins in der Episodenhauptrolle (23 Minuten), eine kleine animierte Bildergalerie sowie das Drehbuch (159 Seiten) als PDF-Datei im DVD-ROM-Teil der Scheibe.
Kommentare
@Friedhelm: Es geht ja auch nicht um den Gehörnten, sondern um Kinderhorror.