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Lasst die Nachrichten zu mir kommen versus feste Veröffentlichungszeiten

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneLasst die Nachrichten zu mir kommen ...
... versus feste Veröffentlichungszeiten

Braucht man heutzutage eigentlich feste Veröffentlichungszeitpunkte für das Internet? Das war in der Nussschale zusammengefasst die Frage, die in meiner Timeline landete. Und die Argumentation klang ja erst mal sehr, sehr stimmig: Wenn Nachrichten für mich wichtig sind, dann erreichen die mich per Twitter und Facebook - von RSS war schon gar nicht mehr die Rede - und außerdem ist es doch besser, der Blogbetreiber hab etwas zu sagen als dass er sich ständig zu einem Zeitpunkt verzweifelt versucht Themen aus den Fingern zu saugen.

Jetzt ist es so wirklich so, dass ich meine Zeitverläufe - ob bei Twitter, Facebook oder Instagram - mir ja selbst zusammengestellt habe. Denn im ersten Schritt habe ich ausgewählt, welchen Quellen ich folgen möchte oder welche Unternehmen mir interessant genug erscheinen, damit ich von denen regelmäßig Neuigkeiten bekomme. Wer also ständig darüber jammert, dass seine Filterblase ihn nicht interessiert, der sollte sich daran mal erinnert fühlen - er kann sie ja jederzeit ändern. Was Mensch allerdings ungerne tut, weil das unbequem ist. Und wenn eine gewisse Größe von Follower erreicht ist, dann kann das auch schon mal dauern, das Lichten der Quellen.

Das heißt also im nächsten Schluss, dass sicherlich Nachrichten zu mir kommen. Vielleicht sollte man eher sagen: Informationen. Denn nicht alles, was wir als Nachrichten bezeichnen sind ja welche. Oder hat jemand schon mal die Morgengrüße mit Kaffebildern als Nachrichten auf Facebook empfunden? Eher nicht. Ebensowenig wie Postings, die eher ein Essay sind - auch aufgrund der Länge her - oder Gedichte, Aphorismen etc. pp. Das sind ja keine Nachrichten, sondern eher Informationen.

Informationen, die bunt durcheinandergewürfelt werden weil der Algorithmus entweder gelernt hat, was ich sehen möchte. Oder weil der Algorithmus verzweifelt darum bemüht ist mich so lange auf der Plattform zu halten, wie es nur irgend geht, weil eine längere Verweildauer ja auch heißt, dass ich mehr Werbung zu Gesicht bekomme. Und hier liegt ein Knackpunkt des Problems: Es gibt Nachrichten, die mich interessieren, die mich aber wegen des Algorithmusses nicht erreichen.

Denn wie gesagt: Der Algorithmus springt auf diversen Faktoren an. Wie oft ich mit jemanden interagiere. Ob ich kommentiert habe oder nicht. Ob ich etwas geteilt habe. Und das sind ja nur Faktoren, von denen man ungefähr weiß, dass sie einen Einfluss haben. Die anderen Faktoren kennen wir ja nicht, wir wissen nicht, wie Youtube etwa seine Topcharts zusammenstellt oder wie Facebook mir meine Nachrichten sortiert. Und Twitter ist da nun auch nicht besser, auch wenn man da die Option hat auf die chronologische Timeline umzustellen: Wenn ich im entscheidenen Moment nicht draufschaue, verpasse ich die Nachricht. Wir sind ja nicht alle ständig online.

Dass einige Nachrichten dann so wichtig sind, dass sie von den anderen Quellen nochmal aufgegriffen werden: Keine Frage. Wenn Ursula von der Leyen ein hohes Amt in der EU bekommen soll, dann rauscht es halt durch den Zeitungswald und wird auch online öfters erwähnt werden. Das kommt aber nun mal nur bei wichtigeren Meldungen des Weltgeschehens vor. Wenn meinen Nachbarn die Katze wegläuft, dann postet er das vielleicht ein- oder zweimal auf Facebook, erwähnt es dreimal auf Twitter und das war es dann. Bin ich als Nutzer nicht rechtzeitig zur Stelle, werde ich diese Meldung nicht lesen und wenn keiner sie erneut postet dann schwirren die an mir vorbei - was bei Nachrichten passiert, die meinem Weltbild entsprechen oder bei Nachrichten, die mich aufregen, es ist ja eher selten, dass ein Grüner AfD-Nachrichten toll findet, soll vorkommen, aber eher nicht die Regel.

Insofern: Selbst, wenn Facebook und Twitter eine chronologische Timline nutzen ist das kein Garant dafür, dass alle Nachrichten der Welt zu mir zu den passenden Zeitpunkten geliefert werden. Im Gegenteil: Die Algorithmen sorgen ja eher dafür, dass ich Nachrichten bekomme, die mir gefallen. Wenn daher jemand eine ganze andere Meinung hat als ich, wird diese wohl kaum in meine Timeline gespült werden. - Etwas, was man bei Twitter dank der Listen immerhin ein wenig eindämmen kann, denn dann folgt man Leuten nicht direkt, sondern sieht nur, was diese gepostet haben. Abgesehen davon, dass es immer noch die Möglichkeit von RSS-Readern gibt. Nur haben leider nicht alle Webseiten mehr einen.

Aber noch ein anderer Punkt spricht gegen das Veröffentlichen, wann ich Lust habe. Nehmen wir mal an diese Kolumne erscheint nicht an einem festen Tag, sondern dann, wenn ich Lust und Laune habe. Manchmal fällt sie dann komplett aus, manchmal gibts dann zwei, drei Stück in einer Woche. Würde ich mir dann eine konstante Fangemeinde erarbeiten können, falls das der Fall sein sollte? Unwahrscheinlich. Würde ich als Unternehmen so handeln, wären meine Kunden wohl eher erbost als erfreut.

Verlässlichkeit gehört zu bestimmten Dingen im Leben dazu. Verlässlichkeit und Regelmäßigkeit erwarte ich von Firmen oder Marken. Der Vertrauensvorschuss, den ich da leiste, bekomme ich durch eine regelmäßige Erscheinungsform wieder ausbezahlt. Wenn Firmen nur dann posten, wenn es ihnen passt, dann habe ich als Kunde nicht den Eindruck, dass sich da jemand wirklich bemüht und wenn die schon ihre Postings nicht auf die Kette bekommen, ja, wie arbeiten die dann sonst im normalen Leben? Es ist daher wichtig, dass Inhalte zu bestimmten Zeiten veröffentlicht werden, wenn ich mir eine Fangemeinde erarbeiten möchte - nicht umsonst haben die meisten YouTuber, die eine große Community haben feste Veröffentlichungszeiten.

Insofern: Es mag auf den ersten Blick stimmen, dass die Nachrichten mich erreichen, wenn sie für mich wichtig sind. Im Tohuwabohu der Social-Networks scheint das auch eine Wirklichkeit zu sein. Wenn man aber weiß, dass Algorithmen sortieren, dass bestimmte Nachrichten mich auch deswegen nicht erreichen, obwohl sie interessant sein könnten, dann ist das wieder in Frage zu stellen. Feste Publikationszeitpunkte haben zumindest den Vorteil, dass ich weiß, wann mein Lieblingsformat kommt und ich mich auch schon darauf freuen kann. Oder dass, wenn ich einige Tage später erst drauf kommen, dass da doch noch was war - dass ich dann genau weiß, zu welchem Tag ich zurückblättern muss. Ein Zurückblättern bei Twitter oder Facebook ist zwar machbar, aber normalerweise füllt sich Facebook dann schon wieder mit neuen Inhalten. Und jeder, der die Suchfunktion des Dienstes genutzt hat, wird meinem Urteil zustimmen: Die ist einfach beschissen, was aber natürlich daran liegt, dass Facebook gar nicht daran interessiert ist, dass man Dinge aus der Vergangenheit wirklich findet. Der Augenblick ist denen viel wichtiger.

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