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Assassination Classroom: Zeit zum Töten, Zeit zum Leben

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneAssassination Classroom
Zeit zum Töten, Zeit zum Leben

Dass Animes experimentierfreudiges Fernsehen sind, das sollte in unserem Bewußtsein auch schon angekommen sein. Natürlich: Es gibt Sailor Moon, Digimon, Pokemon und all die anderen netten freundlichen Kinderanime-Serien. Daneben aber produziert das Genre des Animes auch Neon Genesis Evangelion, bei dem man immer noch rätseln darf, was das Anime eigentlich gegen Ende einem sagen möchte.

In Jin Roh geht es um Moral und Pflicht angesichts einer totalitären Gesellschaft. Oder es kommt wie aus dem Nichts ein sehr eigenwilliges Assassination Classroom auf die Bildschirme auch der westlichen Welt.

Eigenwillig in jeder Hinsicht: Das Anime kann man nämlich nicht direkt in eine Schublade pressen. Ja, es hat jede Menge Action. Ja, es hat Monster. Ja, es hat komödiantische Aspekte, dann spielt das Ganze auch noch in einer japanischen Mittelschule, die übliche Regierungsverschwörung gibt es auch und jede Menge Killer. Abgesehen von Charakteren, die eigentlich gestorben sind, aber dann doch nicht - man kann das ja. Das ist ein recht unüblicher Mix und bei jedem anderen Anime ginge das mit Sicherheit nach zwei, drei Folgen in ein regelrechtes Handlungschaos über.

Chaos herrscht zu Beginn des Animes, wenn knapp siebzig Prozent des Mondes von einer ›überlegenen Lebensform‹ zerstört werden, die dann den Regierungen auch noch droht innerhalb eines Jahres die Erde zu vernichten. Gleichzeitig aber lässt sich genau diese Lebensform - sie ähnelt einem Oktopus mit einem kreisrundem gelbem Kopf und bewegt beim Sprechen kaum mal die Lippen - dazu herab die Verliererklasse einer japanischen Mittelschule zu unterrichten. Bis Ende des Jahres sollen diese ihn nämlich getötet haben. Das ist der Deal, den die Lebensform namens Koro-sensei eingegangen ist und in zwei Staffeln folgen wir als Zuschauer nun also den Versuchen der Schüler - und der Regierung beziehungsweise anderen Killern - Koro-sensei um die Ecke zu bringen.

Zu Beginn des Animes rätseln wir genauso wie die Schüler*innen der Mittelschule, die in der sogenannten Verliererklasse gelandet sind und auf denen nur rumgehackt wurde, was um alles in der Welt was für ein Deal das sein soll. Welche Gründe hat Koro-sensei für sein Verhalten? Vor allem, da er tatsächlich nach und nach die Schüler in ihren besonderen Talenten bestärkt und die Lektionen, die während der Tötungs-Versuche gelernt werden, auch etwas für deren Leben außerhalb der Schule sind. Also nicht, dass die Schüler*innen jetzt Konflikte mit Messern und Bomben austragen sondern die moralische und ethische Botschaft Koro-senseis besteht gerade darin Schüler*innen Selbstvertrauen und Mut in ihre eigenen Fähigkeiten und in das Zusammenarbeiten mit Anderen zuzusprechen.

Wenn daher die Schüler*innen mal wieder einen Anschlag auf Koreo-sensei vollführen hofft und bangt man einerseits, dass es klappt, andererseits hofft man, dass es nicht gelingen würde. Denn so infantil dieser Koreo-sensei auch stellenweise sein mag - bevorzugtes Sammelobjekt Erotikheftchen, hüstel - so sehr wächst dem Zuschauer dieser ungewöhnliche Oktopus auch ans Herz. Gerade auch weil er nicht perfekt ist. Zwar mag Koro-sensei mit seinen Fähigkeiten den Anderen überlegen sein, aber so wie die Schüler*innen von ihm lernen, so lernt er auch von ihnen.

Sicher, »Assassination Classroom« ist ein Anime, das eine Vielfalt von Themen in sich vereinigt. Der verrückte Wissenschaftler fehlt nicht, die verschwörungsfreudigen Politiker ebenso wenig, in einer Folge wagen die Schüler eine Ausflug zur ISS, zur Klasse stösst dann noch eine intelligente Maschineneinheit aka AI … und ja, das ist manchmal harter Tobak, der dem Zuschauer, der Zuschauerin dort vorgesetzt wird. Vor allem, wenn Koro-sensei sich mal wieder aus einer Zwangslage manövriert, in dem er Fähigkeiten zeigt, die man vorher nicht wusste. Da sind die Autor*innen tatsächlich ab und an ein wenig faul. Glücklicherweise hält sich das aber im Rahmen.

Trotz dieser Vielfalt von Themen aber - zu denen auch die Ungerechtigkeit eines Bildungssystems gehört, das auf elitärem Denken beruht - verliert der Anime dann erstaunlicherweise den Blick für das Wesentliche nicht. Dass Lehrer*innen nicht nur Stoffvermittler*innen sein sollten, sondern ermutigend bei der Erziehung unterstützend sein sollten. Dass dabei nicht alle so enorme Fähigkeiten wie Koro-sensei haben werden - logisch. Wir sind ja auch schließlich in einem Animee, in dem eine Schule einem Vorstandsvorsitzenden als Direktor hat und der Sportlehrer der Klasse die Schüler*innen in der Tötung ihres Klassenlehrers unterrichtet …

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