Das Breite und das Alte - Wie Erzählungen sich ziehen
Das Breite und das Alte
Wie Erzählungen sich ziehen
Betrachten wir die Textinhalte, so erkennen wir das inhaltliche Alter der Serie. Frische und Vorwärtstürmen, wurden ersetzt durch Larmoyanz, Quengeln, zuviel negative besetzte Tendenzen, zuviel Schilderung von Opfern. Viel zu breit und sämig kommt der Text heutzutage daher, wenn auch mitunter etwas originell aufgepeppt als Sahne auf dem kalten Kaffee. Das macht das Lesen auch nicht unbedingt erträglicher. Einige Autoren/innen verwechseln hier SF mit Familienserien, andere packen zuviel Zeitgeist hinein, koppeln die Reihe mit einem Übermaß an Sozialkritik zu sehr an die Gegenwart. So etwas schreibt sich besser außerhalb des Perry-Kanons. Es gab ja eine Zeitlang auch eine Sicht auf die SF von bestimmten Gruppen, die nur die Lesart als wirklich akzeptable SF zuließ, wenn Sozial-oder Gesellschaftskritik drin war, also starker Gegenwartsbezug, weil das dann politisch war.
Eine gute SF-Serie kann aber auch ohne … Eskapismus ist nichts per se Schlechtes. Tief hinein getaucht in die fernen Weiten des Weltraums. Hoppla, hier kommt der Terraner und will das Universum verbessern.Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel, aber Ab und zu muss eine Raumschlacht her. Handlungs-und erzähltechnisch gut beschrieben. Vom Kanonendonner der Transformgeschütze bis zur funkelnden Abwehr durch Schutzschirme. Von Rettungskapseln sollte nicht die Rede sein, außer in einem Nebensatz.Früher wurde gehandelt, heute wird nur noch gedacht und der Berg kreiert dann eine Maus.Von wahrer und richtiger SF, die expokratisch durchaus angedacht ist, ist dann in den fertigen Heften nicht mehr viel zu sehen. Aktion wird ersetzt durch Familiengedöns, kosmische Handlung durch Kinderquengeln. Die Frische, die Schnelligkeit in Stil und Inhalt früherer Jahre fehlt.Die Serie altert also auch inhaltlich wahrhaftig mit ihren Lesern. Reife aber ist nicht immer gut; ein überreifer Käse neigt zum Stinken und auch die logischen Fehler in der Handlung nehmen zu. Flugs werden sie dann extern erläutert, als marginal übergangen oder einfach zum neuen Kanon erklärt. Man kann sich‘s ja leicht machen und den Leser versch …
Einschub:
Hitchcock, der Filmemacher, verstand seine Zuschauer. Er wusste, dass diese Erklärungen im Film wollten, klare Handlungsfäden, die sich logisch auseinander ergeben. Keine Fragen offenlassen, war seine Meinung. Er wusste um die Aufmerksamkeit des Kino-Zuschauers.
Einschub Ende.
Nun eine Heftserie mag kein Film sein, hat aber doch gewisse Ähnlichkeiten. Ich hoffe, es wird klar, was ich damit sagen will. Wenn der Leser ernst genommen werden soll, muss der Inhalt der Reihe überzeugend herüberkommen: nicht nur die Essenz, auch die Form und die Klarheit der logischen Zusammenhänge. Fehler sollte man korrigieren, nicht einfach unter den Tisch wischen oder zum neuen Kanon erklären, weil es ja nun geschrieben steht. Der sorgfältige Umgang mit dem Leser, der ja auch der Käufer ist, wird hier angemahnt. Der Leser ist Stammleser seit Jahren, dadurch hält man den Verkauf relativ hoch. Klar, die Serie wandelt sich mit dem Zeitgeist … und wenn die Welt nur noch aus larmoyanten Hypochondern besteht, die vor sich hin jammern und sich selbst leid tun in ihrer Nabelschau, dann zeigt auch Perry sein Zipperlein. Dann wäre Einstellen besser. Es gibt übrigens Fans, die vormachen, wie man eine solche Serie lebendig hält … durch frisches Blut von außen, durch Erzählfreude einer Science-Fichtion-Darstellung, durch schnellen, lebendigen Stil, der wieder Freude beim Lesen gibt …als Fanserie, keine breitmäulige, gewalzte Darstellung, durch die sich der Leser mit dem Löffel fressen muss wie durch den Brei der Schlaraffenlandgrenze. (Bei Ren Dhark geht das ja auch).
NEO ist übrigens kein Ersatz für die geforderte Schnelligkeit und Frische. NEO hat einen ganz anderen Ansatz als der klassische Perry, auch sehr zeitgeistverhaftet, sehr persönlich, familiesk, sehr sozialarbeiterhaft und sehr gesellschaftskritisch. Das mag die moderne Serien-SF sein, in die eben das Familienleben der Protagonisten hauptsächlich einfließt. Selbiges gab es natürlich auch im klassischen Perry, man denke nur an Cardiff oder den jungen Danton. Aber hier war die Problematik in den kosmischen Überbau eingebettet; die familiären Angelegenheiten wurden nicht nur so nebenbei beschrieben, um den Haupthelden als menschlich darzustellen.Daran krangt die heutige Serien-SF. Sie will immer den ganzen Menschen in seinen Umtrieben erfassen, anstatt sich auf das wesentliche zu konzentrieren: Science Fiction nämlich.
Der Anglo-SF der 50er und 60er (vor der New Wave) wurde, vor allen Dingen im technischen Bereich der Campbellianer, das Gleiche vorgeworfen, das ich nun als Gegenteil moniere. Sie sei zu sehr technisch-wissenschaftlich geprägt, die Entwicklung der Charaktere würde fehlen usw. Dafür aber haben wir ja Entwicklungsliteratur außerhalb der SF. Eine SF-Serie wie PR jedenfalls sollte sich auch vom Zeitgeist so weit wie möglich bewusst verabschieden und wieder phantastische Abenteuer im Weltall in Stil und Inhalt beschreiben, bei denen die Terraner wieder aktionsmäßig im Vordergrund stehen … handeln - und nicht über ihre Pension nachdenken.Ich möchte ja nicht übertreiben … aber zu viele reale Linksliberalität kann einer solchen Science-Fiction-Reihe einfach auf Dauer nicht gut tun, für manche Erzählweisen ist ein gutes Stück Konservatismus besser. Man muss ja nicht gleich zu Scheer und Darlton zurückkehren ...
© 2018 by H. Döring
Kommentare
Edit: Ich reihe mich um der Harmonie Willen selber in die Clowntruppe ein.
Und der Leser fühlt sich völlig wohl dabei.
Außer dir natürlich, aber du bist ja auch kein normaler Leser, weil deine Vorstellungskraft auf gewisse Weise wohl ein wenig eingeschränkt ist.
(Das, was eine fiktive Person sieht, kannst du dir vorstellen. Aber bei dem, was eine fiktive Person denkt, versagt deine Vorstellungskraft.)
Daran sind aber ganz gewiss nicht die Autoren schuld.
Und der Leser fühlt sich völlig wohl dabei.
Außer dir natürlich, aber du bist ja auch kein normaler Leser, weil deine Vorstellungskraft auf gewisse Weise wohl ein wenig eingeschränkt ist.
(Das, was eine fiktive Person sieht, kannst du dir vorstellen. Aber bei dem, was eine fiktive Person denkt, versagt deine Vorstellungskraft.)
Daran sind aber ganz gewiss nicht die Autoren schuld.
Vom logischen Standpunkt her:
Einige Punkte von Holger kann ich hier nachvollziehen. Aber wenn dies soooo streng eingehalten werden würde, wäre letztlich kaum eine Erzählung möglich. Der (neutrale) Erzähler (woher kommt dieser?) müsste den Leser direkt ansprechen, da ansonsten selbst die geforderte geschilderte Außenansicht von allen anderen gedanklich (also: böse!) wahr genommen werden müsste, was streng der Logik folgend nicht passieren dürfte.
Tagebücher, Brief wurden bereits angesprochen - eine mitunter gute Methode, aber dann doch ein wenig einseitig, wenn dies dann die einzige bleibende Option ist. Zudem wären dann Erzählungen, wo die Hauptcharaktere sterben und niemand davon erfährt, grundsätzlich nicht mehr möglich.
Und wenn dann tatsächlich die Brief- oder Tagesbuchform gewählt wird: Hier ist dann die Perspektive jenes Menschen, der die liest (was ja meist nicht der Leser des Buches ist), dann ja auch wieder unmöglich.
Aber eigentlich wollte ich mich wegen einem anderen Punkt äußern:
Diese engstirnige, Literatur-als-Kunstform-ablehnende Haltung mag legitim sein. Das muss jeder für sich selbst entscheiden; die eigenen Grenzen seines Gedankengebäudes muss jeder selbst ziehen und wer zumauert, braucht sich über die Betonwüste nicht beschweren. Hier hast Du dich, Holger, in den Kommentaren ja ebenfalls so geäußert.
Aber:
Die In den Kommentaren als Ergänzung zum Beitrag geäußerte Meinung, dass eine Autorin bei Perry Rhodan nicht mehr mitschreiben sollte, nur weil sie nicht mit deiner engstirnigen Betonwüste konform geht, ist ein Tiefschlag, der den Charakter des Schreiberlings bloß stellt.
Ich bin da bei Kaffee-Charly: Ernst nehmen konnte ich die Beiträge Holger Dörings nie. Aber auf diese Tour Autor/innen hinauszugrämen ist unterste Schublade.
Die Welt um eine Mauer ist meist größer als jener Fleck, den sie umschließt.
(PS: Ich habe die Kommentare jetzt nur einmal durchgelesen und werde mich jetzt nicht mehr daran beteiligen bzw. endlose Diskussionen führen, wo was genau steht.)
Ergänzend schlage ich, zur allgemeinen weiteren Anhebung der guten Stimmung, vor, dass Aarn Munro einfach mal eine kleine PERRY-Fan-Story hier im ZS veröffentlicht, die voll und ganz nach seinen Vorstellungen geschrieben ist.
Wir cleveren Leser brauchen keinen Zauberspiegel.
Wir haben Fantasie und Vorstellungskraft.
Wir sind nämlich nicht so dumm, unsere Fantasie und Vorstellungskraft durch unsinnige und völlig überflüssige Mauern einzuschränken.
zitiere Martin Baresch:
Da bin ich voll deiner Meinung.
Volle Punktzahl für den Heizer !
zitiere Martin Baresch:
Ein sehr guter Vorschlag.
Dann kann Herr Döring mal zeigen, ob seine blasierte Besserwisserei (die mich am meisten an seinen Beiträgen stört) überhaupt eine echte Basis aufzuweisen hat.
(Sein "Wingman" hat mich nicht sehr beeindruckt.)
So - und jetzt klinke ich mich hier aus, denn ich hab' noch 'was Besseres zu tun:
Muss an meinem fünften Colossus-Buch weiterschreiben. (Einige meiner Leser fangen schon an zu drängeln.
Darin dürfen meine Leser nach Herzenslust auch an den Gedanken meiner Pro- und Antagonisten teilhaben !!!
PS: Mein Kommentar Nr. 64 ist versehentlich doppelt gemoppelt.
Wenn's geht, bitte löschen.
Ihr braucht keinen Zauberspiegel? Was soll ich denn davon halten
DIESEN Zauberspiegel brauchen wir natürlich wie die Luft zum Atmen.
Nur einen döringschen Zauberspiegel - den braucht niemand.
Offensichtlich habe ich hier einen Nerv getroffen ...wegen der persönlichen Angriffe von Karl-Heinz.Vielleicht ist diese ganze Diskussion doch nicht so überflüssig Ich versuche ja immer, sachlich zu bleiben, sonst könnte ich mich getroffen fühlen und sagen: Kaffee-Charlie-Romane ... die braucht auch niemand. Aber ich sage das ja nicht.
@ Aarn Munro: PN
Stimmt !!!
Ich schreibe tatsächlich Romane, die keiner braucht.
Trotzdem gibt's Leute, die sie kaufen.
zitiere VM:
Dieses Auftreten unter zwei Namen finde ich auch ziemlich nervtötend.
Im Übrigen finde ich, dass Avatarname und Klarname doppelt doch typisch sind für das Web ...und in so einigen Foren vorkommen. Das ist doch nicht anders als klassisches Autoren-Pseudonym. Da weiß oft auch jeder, wer dahintersteckt.