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Defäitismus oder Optimismus - Antiutopien im Perryversum

1Defätismus oder Optimismus
Antiutopien im Perryversum

Der frühe Perry, sowohl die Person, als auch die Serie, strotzt vor Optimismus. Hoppla! Hier kommen die Terraner und mischen die Galaxis auf. Binnen weniger Jahrhunderte sind sie die Nummer Eins in der Milchstraße und foppen die Springer und drehen den Akonen eine lange Nase. Arkon wird immerhin eine Zeitlang hilfreich unterstützt, nachdem der Robotregent besiegt ist. Selbst Halut lacht über die Streiche der Terraner (wenn sie auch wahrscheinlichb planhirnmäßig dort durchschaut werden).

Die Frische der frühen Serie erinnert an Doc Smith oder Edmond Hamilton und ihre Art, Space Operas zu schreiben. Trotz der Eddorier  oder anderer Zwilniks ist auch hier der grundlegende Optimismus zu spüren. Eric Frank Russell scheint durch mit seinen Geschichten (etwa „der Stich der Wespe“, Ullstein), in denen ein einziger Terraner ganze galaktische Völker verwirrt: („Sie werden die Wespe sein“). So kommt auch die frühe Serie PR  daher, die Fans und Leser sind raumfahrtbegeisterte Enthusiasten und nicht alle sind Oberprimaner oder Lehrlinge von sechzehn Jahren. Es gibt auch bereits damals ältere Fans und Leser. Doch hat die Serie wegen ihres halben, militärischen Charakters in der Frühzeit natürlich auch den Ruf des Landsers im Weltall, den sie dann spätestens bei Voltz' kosmischen Visionen los wird. Perrys Alleinstellungsmerkmal in politischer Hinsicht als Großadministrator steuert dem auch nicht unbedingt entgegen. (Jetzt muss ich leider etwas politisch werden). Deshalb wird die Serie auch von den linken Medien (etwa dem AST und der SF-Times) als „faschistoid“ abgelehnt. Gut sei eben nur, was problematisch für Menschen herüberkommt als soziologische Anti-Utopie oder komplizierte Seelenschauen liefert, etwa P.K. Dick, der ja zeitweise von einigen Fans richtig ideologisch vergöttert wird. Zweifellos hat Dick einige gute SF geschrieben.

Der Deutsche (um jetzt mal zu verallgemeinern) darf ja ohnehin die Dinge nur gut finden, wenn sie problematisch sind. Das ist seit der Mystik und Meister Eckhardt so. (Benn: "Das Denkerische über das Denken"). Kommt einmal eine Geschichte launenhaft daher, ohne gleich große Probleme für die Menscheit aufzuwerfen, so muss sie ja schlecht sein. Damit wir uns nicht falsch verstehen, auch die frühe Perryserie hat ja ihre Bedrohungen der Menschheit, aber diese können eigentlich immer abgewendet werden, sogar die Uleb oder der Sonnensatellit, denn der Terraner packt immer alles tatkräftig an und gewinnt durch seinen (fröhlichen) Optimismus. Das ist, bei aller Bedrohung durch äußere Mächte, die Intention bei Scheer, Gehrmann und Mahn.

Erst mit Willi Voltz (dessen eigene Antihelden ja auch eher die zögernden Zweifler und Grübler sind) kommen die dunkleren Bereiche in die Serie. Das Solare Imperium wird zerschlagen, die Reihe wird kosmischer, aber auch dunkler. Schon die Aphilie bietet die erste längere Antiutopie, nachdem die selbsternannten Homo Superior im Schwarmzyklus ja eher ein Seitenhieb auf gewisse Gruppen der Realität waren und jedenfalls nicht wirklich durchsetzungsfähig für die Umsetzung  ihrer Ideen. Außerdem starben sie bald ab mit der Feinanpassung der Gravo-Konstante, die auch ES angeblich zu schaffen machte.

Nach den Stummhäusern  der Aphilie, der ja auch Bully unterlag, weil es Perry als Leitfigur nicht sein durfte, traten die Terraner nur noch gebremst auf. Die Liga der „freien“ Terraner wurde gegründet, sie wollten so lieb sein zu allen Galaktikern, dass sie nicht einmal eine eigene Flotte anstrebten im Militärbereich. Zunächst jedenfalls. Zum Glück wurde dieser Irrtum wieder korrigiert, denn die Serie muss erzählerisch bleiben und dazu gehören eben auch große (und schwer bewaffnete) Raumflotten, bei aller Liebe zum Transmitter akonischer Bauart. Aber die Serie ist eben nicht STAR GATE, sondern hier sind fette, große Kampfschiffe vonnöten, insbesondere als Prototypen oder Flaggschiffe. Das ist so seit den Zeiten der STARDUST II. Breitseiten müssen in Raumschlachten abgefeuert werden. Das ist eben das Raketenheftambiente und muss so sein. Doch der Defätismus wuchs weiter.

Die Terraner waren, auch weil Expokratie und Autoren wechselten, nicht mehr die Nummer Eins in der Galaxis. Zwar eine Zeitlang noch Erster unter Gleichen, wie der römische Princeps Augustus, doch spätestens mit der Zeit der Cantaro und des Monos wurden die Terraner negativ zurückgedrängt. „Der Teufel in Terras Hallen“ und die „Simusense“ sorgten dafür, dass düstere Zeiten für die Terraner  eintraten. Vielleicht gab es Leser dafür. Vielleicht begrüßten viele auch diese Themen. Das sollte die Serie wohl seriöser, erwachsener machen und mehr im qualitativen Sinne als etwas höherwertig aufstellen. (Guckt mal, ihr Kritiker, wir beschäftigen uns auch mit ernsthaften Themen). Immerhin gab es ja nun auch vielerlei kosmische Bezüge. Statt dessen wurden nach meiner Meinung die Dinge nur immer fader. Doch die Hanse konnte immerhin bereits viele galaktische Völker kooperativ einbinden … ganz im Sinne der Vision Perry Rhodans über das Galaktikum und darüber hinaus … etwas, das wir auch heute in der LFG beobachten, wo es nicht wirklich bevorzugte Völker gibt, sondern alle gleichartige Rechte (und sicher hoffentlich  auch Pflichten) haben. Einst zerfiel das Vereinte Imperium und Terra konzentrierte sich auf sich selbst und das eigene Schicksal der Menschheit. Dies tat dem Reich auch damals gut, als  man die dekadenten Arkoniden und die intriganten Akonen endlich los war.

Selbstbesinnung Terras ist gut, es bündelte trotz allen Sense of Wonders  über faszinierende Fremdvölker die Identifikation des Lesers mit den Inhalten der Serie. Andererseits ist niemand allein im Weltall (des Perryversums zumindest) und (inter)-galaktische Kooperation ist nicht nur notwendig sondern hinreichend. Wie in der Wirklichkeit gilt: kosmische Probleme müssen auch kosmisch gelöst werden, darüber darf ein Terraner aber eben auch nicht seine Identität verlieren und seinen Hintergrund, wie ganz aktuell beschrieben: Terra ist verschwunden, oder hat es nach der Meinung einiger Personen und Völker  in der Galaxis nie gegeben. Perrys Aufgabe ist es nun aktuell, die Erde wiederzufinden und den Terranern, die wieder einmal verstreut leben, ihre alte Identität als Erdmenschen zurückzugeben. Perry hat nun sogar  ein Mandat für die Suche …  ganz offiziell ... hoffen wir nur, dass dadurch wieder mehr Optimismus in die Serie einzieht, die Terraner voranstürmen wie noch unter Feldhoff und nicht defätistisch in die Ecke gedrängt werden, nur weil man glaubt, nur so lasse sich qualitativ hochwertige SF erzählen. Natürlich ist die heutige Serie nicht die von früher und kann anders erzählt werden. Aber alte Tugenden wie Optimismus und terranische Überlegenheit sind ja nicht per se schlecht und werden gerne gelesen (sicher nicht von jedem …), wenn man für zwei Stunden in der Woche als Leser  eskapistisch abtaucht. Der optimistische Terraner sollte eben in Gestalt von Perry voranstürmen.

© 2019 by H. Döring

Kommentare  

#1 Larandil 2019-06-20 08:33
Ich muß da mal mit einem hartnäckigen Irrtum aufräumen. Die Akonen gehörten der Galaktischen Allianz an, aber nicht dem Vereinten Imperium. Die Galaktische Allianz wurde geschlossen, um der Bedrohung durch die Posbis Herr zu werden, und Perry Rhodan selbst hat ihr in die Kniescheiben geschossen - damals, als die Posbis den Terranern die Konstruktionspläne für ihre gefürchtete Transformkanone übergaben und "der Chef" entschied, dieses Wissen nicht mit den Partnern der Allianz zu teilen.
Und was geschah denn, als die nächste große Gefahr auf die Allianz zurollte in Gestalt von gatasischen Schlachtschiffen mit (zunächst) unkaputtbaren Molkexpanzern? Die Raumflotten der Terraner und Arkoniden konzentrierten sich auf M 13 und ließen die Akonen im Regen stehen.
Kein Wunder, dass die dann einen für sie kostspieligen Separatfrieden mit den Blues abzuschließen suchten. Auch kein Wunder, dass sie dann Tombstone mit einer Arkonbombe zerstörten, den Rückzugsort der letzten Schreckwürmer und Quelle für Molkex, und dass sie den Rivalen der Gataser hochmoderne Waffentechnik verkauften - solange die Bluesvölker der Eastside einander mit Leidenschaft die Hälse umdrehten, bestand immerhin keine Gefahr, dass sie akonische Planeten angreifen würden.
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#2 AARN MUNRO 2019-06-22 09:30
#1:Richtig. Der erste Teil der Aussage ist korrekt, denke ich. Der zweite Teil mit den Akonen aber doch sehr interpretativ.Tombstone wurde erst zerstört, als die Bluesgefahr vorbei war. Und die Schreckwürmer hatte man eigentlich im GriffMan hätte ja keine bewohnten Planeten nehmen müssen für die Hornschreckenplage.Aber so gab es immerhin eine "saubere" Lösung im Sinne des Zyklus.
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