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Ein ›Funkspiel‹ nach Karl May - Der blaurote Methusalem

1Ein ›Funkspiel‹ nach Karl May
Der blaurote Methusalem

Neben seinen weltberühmten Reiseromanen schrieb Karl May von 1887 bis 1897 acht Romane für die Jugendzeitschrift „Der Gute Kamerad“.

Diese Romane trugen entscheidend zu seinem Durchbruch als Schriftsteller bei. „Der blaurote Methusalem“, der dritte dieser Romane, präsentiert uns das ferne Kaiserreich China in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.


1Von Deutschland aus machen sich der Langzeitstudent Fritz Degenfeld, wegen der Farbe seiner Nase „Blauroter Methusalem“ genannt, und der Gymnasiast Richard Stein auf den Weg nach China, um Richards verschollenen Onkel zu suchen. Mit „an Bord“ sind Degenfelds „Mädchen für alles“ Gottfried von Bouillon und ein Neufundländer, dessen besonderes Kennzeichen es ist, Degenfelds Bierglas in der Schnauze zu tragen.

Auf dem Schiffsweg schließt sich ihnen Kapitän Heimdall Turnerstick an, der sich als ein universelles Sprachengenie versteht und für viele komische Situationen sorgt. In Hongkong stößt noch der schwergewichtige, aber liebenswerte und immer hungrige Holländer Mijnherr Willem van Aardappelenbosch zu ihnen. Nach spannenden Abenteuern – u. a. auf einer Dschunke und in einem Göttertempel – gelingt es dem blauroten Methusalem, die Familie seines Teehändlers Ye-Kin-Li wieder zusammenzuführen und das Erbe von Richard Stein zu sichern. (1)

Lange bevor Karl May auch einen seiner romantischen Western geschrieben hat, widmete er sein Talent dem Jugendroman. Mit "Der blaurote Methusalem" lieferte er einen für ihn typischen Stoff ab, der einer Reiserzählung gleicht, die mit allerlei Abenteuern angereichert ist. Zu seinen Helden zählt neben Fritz Degenfeld auch ein treuer Begleiter namens Gottfried und ein Hund. Später gesellt sich ein Holländer dazu. Ebenso typische Heldengestalten finden sich in seinen anderen Geschichten. Austauschweise ist der Holländer auch mal ein Belgier oder Franzose. May liebte das Spiel mit den Helden verschiedener Nationalitäten.

Das Hörspiel selbst ist in vier Teile gefasst mit einer Gesamtspielzeit von ca. 2 Stunden. Natürlich wurde es damals (1965) erstmals im Radio gespielt und war schon allein wegen des Namens May beliebt. Damals bezeichnete man das ganze sogar noch als "Funkspiel". Nettes Wort - fremdes Wort. Der Ton ist wieder dem Alter entsprechend. Leider ist der Hörgenuss dadurch etwas getrübt. Dennoch schwärmen alle Nostalgiker und wünschen sich das Hörspiel im Regal.

Produziert wurde das Ganze von keinem geringeren als Kurt Vethake. Kurt Vethake (* 5. August 1919 in Berlin; † 12. April 1990 in Berlin) wirkte an weit über 100 Hörspielen als Produzent und Regisseur mit. Neben seinem Namen verwendete er die Pseudonyme Patrick Hampton, Teddy Parker, Axel Busch und Peter Ott. Vethake hatte an der Universität Greifswald Medizin studiert, verschrieb sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aber verstärkt der Literatur. Für die Vertonung des Buches „Der blaurote Methusalem“ verfasste er 1965 das Manuskript. Rund zehn Jahre später vertonte Kurt Vethake das Hörspiel als Produzent erneut. Zwei Versuche, das Buch zu verfilmen, misslangen. Den zweiten Anlauf, Mitte der 1960er-Jahre, stoppte Produzent Arthur Brauner sogar erst kurz vor Drehbeginn, obwohl bereits Stars wie O. W. Fischer und Joachim Fuchsberger für die Hauptrolle im Gespräch waren.

Der blaurote Methusalem
mit Helmut Wöstmann, Alexander Golling, Frank Scholze, Hannes Tannert, Rudolf Siege, Annette Roland, Curt Reich, Robert Rathke, Alfred Querbach, Schumacher, Eberhard Krug, Hans Ulrich Bach, Wolfgang Reinsch, Herbert Schimkat, Hans Goguel, Gert Keller, Hans Röhr, Eberhard Steib, Werner Kusch, Wolfram Ortmanns, Ernst Schröder u.a.
Cover: Claudia Brandt
Autor: Karl May
Regie: Kurt Vethake
Laufzeit ca. 176 Min. (mp3)
SWR2/Pidax 1965/2014

Kommentare  

#1 Alter Hahn 2014-10-06 00:59
Funkspiele - in den 50er Jahren waren das "Hörspiele" - und die gab es in der "Kinderstunde" am Samstag Nachmittag (das konnten wir hören - unsere Kinderfilme - heute würde man sagen, üble Räuberpistolen der B-Klasse - liefen im Kino ja erst Sonntags). Da habe ich viele Hörspiele aus bekannten Abenteuerromanen gehört - erinnern kan ich mich an die vertonten Bücher von Astrid Lindgfren, die ich besonders gern mochte. "Pipi Langstrumpf" beispielsweise, für mich damals zwar "nur ein Mädchen".. aber was für eins. "Karlson vom Dach" war dagegen echt nervig. Aber der Teufel hätte mich selbst vom Radio nicht weg bekommen, als die Fantasy-Story "Mio, mein Mio" kam. Das war etwas, was ich gar zu gern gelesen hätte.

Aber die Bücher waren zu teuer... der Weg bis in die Innenstadt zur städt. Bibliothek zu weit - und die in unserer Pfarrei hatte so etwas nicht. Dafür aber die meisten Bücher von Karl May... und die habe ich dann gelesen. Also neu sind Hörspiele nun wirklich nicht...
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#2 G. Walt 2014-10-06 13:32
Einer der die Funkspiele noch live erlebt hat. Herrlich.
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#3 Alter Hahn 2014-10-08 13:25
G. Walt
Ich bin in den Trümmern des zweiten Weltkrieges groß geworden - mit dem Holzschwert in der Rechten und dem Sigurd-Heft in der Linken. In den 66 Sommern, die ich erlebt habe, kann ich ca. 61 davon sehr konkret zurück blicken - früher kommen mir manchmal jetzt im Alter Bilder zurück. Was ich erlebt habe, reicht eigentlich für drei Leben - und wenn es mal so weit ist, werde ich mit einem Lächeln gehen, weil ich mir alle die Träume, die ich als Junge hatte, in gewisser Weise verwirklichen konnte. Die Hörspiele im "Kinderfunk" waren nur eine der prägenden Erinnerungen einer UZeit, indem durch Piccolo-Comics wie Sigurd, Akim, Nick oder Silberpfeil, Wild-West-Romanen in Heft-Form, Jugend-Büchern über Hannibal,Arminius, Cäsar, Störtebecker, Dschingis-Khan etc. und Bücher mit deutschen und griechischen Sagen, dazu Filme wie "Die Wikinger" als Historie oder "Sindbads 7. Reise" für die Fantasy die Grundlagen zu dem gelegt wurden, was ich später dann geschrieben habe.

Und in vom Steinhagel halber Backsteine, die aus den Ruinen der zerstörten Häuser gebrochen wurden. begleiteten "Straßenschlachten" der damaligen Zeit kam das die "Praxis" und das "hautnahe Erleben" eines Schwertkampfes - wir haben wirklich voll drauf geschlagen - in dem alten s/w Film "Krieg der Knöpfe" kann man ungefähr sehen, was damals abging. Eltern der heutigen Zeit würden entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Dennoch hat es nie wirklich ernsthafte Verletzungen gegeben - und Platzwunden und Abschürfungen waren normal. Wenn wir zu Hause Dresche bekamen, war die durch die Stockhiebe aufgesprungene Haut meistens schlimmer und schmerzhafter. Aber das musste man eben abkönnen - Jungen weinen doch nicht und ein Indianer kennt keinen Schmerz - auch wenn es noch so weh tut.

Tja, es war eine schöne Zeit - das Leben in den tollsten Abenteuerspielplätzen, die kein Pädagoge erfinden kann - die damals schon mit Gras, jungen Bäumen und´Büschen bewachsenen Trümmern der zerbombten Häuser...
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