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Mein Zeit bei Marken - Krimis, Westmann und Mardicke

Der Heftroman nach HübnerMeine Zeit beim Marken Verlag
Krimis, Westmann und Mardicke

Nach dem Tode von Horst Hübner am 6. Februar 2009 veröffentlichen wir die letzten Fragmente der Texte, die er zum Thema Heftromane  auf Band gesprochen hat und die von Jörg Bielefeld bearbeitet wurden.
 
Leider muss diese Serie ein Fragment bleiben. Doch das uns noch zur Verfügung steht, soll publiziert werden.  

Im Jahre 1965 wurde Horst Hübner fest angestellter Autor, Lektor, Redakteur und technischer Produktionsleiter beim Marken-Verlag in Köln.

Nach einer kurzen Pause in den Jahren 1970 und 1971 kehrte er wieder als fest angestellter technischer Produktionsleiter zum Marken-Verlag zurück.

Von 1973 bis 1986 war er als freiberuflicher Autor und Redakteur einiger Reihen beim Marken-Verlag tätig, schrieb in dieser Zeit aber auch Romane für den Bastei-Verlag.


Ich wurde bei Marken technischer Produktionsleiter und Redakteur für Western und Krimi. Dort fand ich wieder ein Pendant zu Jerry Cotton namens McCormick vor. Das war der Versuch, sich an den abzeichnenden Erfolg des mit seiner Auflage steigenden Jerry Cotton anzuhängen. Aber es blieb beim Versuch, man hatte gar nicht die geeigneten Autoren. Die Cotton-Autoren waren wirklich klasse. Die Autoren, die dem Mc Cormick zur Verfügung standen, die war eben nicht klasse.

Irgendwann hatte der Verleger, Heinz Noster, das eingesehen. Dann wurde beschlossen, dass wir das Ding umbenennen. Dieser McCormick war Inspektor beim FBI. Dort gab es allerdings keine Inspektoren, sondern nur Agenten.

Dann wurde McCormick in Glenn Collins umgebaut. Da war der Namensgeber ein Zwitter zwischen FBI- und CIA-Agent, aber ein ganz Stück besser. Die Reihe Glenn Collins ist auch ein ganzes Stück erfolgreicher gelaufen, aber natürlich lange nicht so gut wie die Krimis im Bastei-Verlag. Der Bastei-Verlag hatte ja einen funktionierenden Vertrieb.

Und die Unterschiede zu Bastei und Pabel Verlag waren eben: A die Autoren, B der Vertrieb. Der Erfolg einer Heftserie fiel und stand mit dem Vertrieb. Wenn der schlecht war, konnte aus der Roman-Reihe nicht viel werden, denn diese Selbstläufer, das waren Perry Rhodan und Jerry Cotton, waren so selten wie ein Goldkörnchen auf einem Markt.

Die Autoren waren bei Marken nun mal andere, ich habe mich ja schon dazu geäußert. Mir ist es aber gelungen, den Rolf Kalmuczak als Autor für Mc Cormick zu gewinnen. Damals hat er sich gerade als Autor selbständig gemacht und gab sein Lektorat im Bastei-Verlag auf. Er hat dann einige sehr gute Romane geschrieben, aber leider nicht genug bzw. so viel, wie ich gerne gehabt hätte.

Dann hat Rolf ein anderes Metier entdeckt und das über seine kleine Tochter, genannt Flocke. Die hörte wahnsinnig gerne Kassetten-Hörspiele. Als Kalmuczak die Kassetten anhörte, ist er über einige Dinge gestoßen, die waren ihm zu flach.

Er nahm Kontakt mit dem Verlag auf und hat diesem ein Konzept für eine Jugendserie angeboten. Der Rolf war ja genial. Der Verlag ließ sich darauf ein und es stellte sich heraus, dass dieser einen guten Griff getan hatte. Rolf Kalmuczak, sein Pseudonym war Stefan Wolf, hat die TKKG-Bücher und insbesondere die kurze Zeit später veröffentlichten TKKG-Hörspiele [bei EUROPA erschienen, Anm. J.B.] zur Spitze geführt, genauso wie es ihm zuvor mit Jerry Cotton gelungen war. Leider ist er im Jahr 2007 in seiner Wahlheimat Garmisch-Patenkirchen gestorben, viel zu früh.

Mc Cormick ist damals praktisch als Pendant zu Jerry Cotton konzipiert worden. Der Name war, was Umfragen ergeben haben, etwas schwierig auszusprechen, deshalb ist dann Glenn Collins ins Programm aufgenommen worden. Man versuchte damals, an die Riesenerfolge von Jerry Cotton und an Kommissar X anzuknüpfen. Das ist aber doch nicht in dem Maße gelungen, weil eben auch die Zahl der Käufer nicht beliebig vermehrbar war.

Und wer sich mal auf eine Serie festgelegt hatte, der wechselte höchst ungern zu einer anderen. Es mussten schon mehrere sehr gute Romane in Folge erscheinen, um Leser zum Abspringen zu bewegen.

Der Marken-Verlag war ja nur ein Verlag in einem Konglomerat von Verlagen. Hier wurden Zeitschriften (Sportzeitschriften, Kundenzeitschriften), Auftragsproduktionen, aber auch edle Sachen für den Rennsport und sogar für die indische Botschaft verlegt. Letztendlich war es ein Sammelsurium an Produkten.

Wenn der Vertreter kam, hat er erstmal seine Hits runter gebetet. Ganz unten auf dem Bestell-Zettel stand der Marken-Verlag mit seinen einzelnen Reihen. Was darf ich jetzt hier notieren?

Während der ganzen Zeit, die ich beim Marken-Verlag war, fiel und stand alles mit dem Vertrieb. Leider ist dabei mehr gefallen als es gestanden hat. Mit etwa 3 bis 3,5 Vertretern kann man nicht so ein Gebiet beackern, das von der Konkurrenz, also von Bastei, mit zwanzig Vertretern bearbeitet wurde.

Aber etwas Erfreuliches hatte ich beim Marken-Verlag angekauft, den Westmann. Den kannte ich noch als Erdball-Westmann-Roman, seinerzeit noch von Fritz Mardicke ediert und redigiert. Fritz Mardicke hatte ja den Marken-Verlag in Hamburg gegründet und war dann nach Darmstadt gezogen. Er hat auch für seine eigenen Romanreihen dann und wann unter dem Pseudonym Wolfgang Marken geschrieben.

Das hat diesem Verlag den Namen gegeben, es war einfach der Wolfgang-Marken-Verlag.

Der Kölner Verleger Heinz Noster, Inhaber des Deutschen Sport-Verlages und anhängender Verlaggrüppchen und Gruppen kaufte seinerzeit Fritz Mardicke den Marken-Verlag ab und holte diesen nach Köln. Bedingung war, dass Fritz Mardicke ab und zu noch einen Roman schreiben konnte. Seine Tochter sollte noch davon profitieren, sie war prozentual an den „Einspielergebnissen“ beteiligt.

Ein Verlag braucht ein oder zwei Zugpferde, Serien, die Spitzenauflagen erzielen und davon galoppieren und dabei alles andere hinter sich herziehen. Das schwebte seinerzeit schon dem Lübbe vor. Das ist ihm auch gelungen, z.B. durch Jerry Cotton und mit der einen oder anderen Arztroman-Reihe.

Der Fritz Mardicke hatte das schon zuvor gehabt, und zwar mit dem Lore-Roman. Alle Liebesromane, egal, ob die von Moewig, von Zauberkreis, von Pabel, von Kelter oder von sonst wem waren, die Dinger hießen im Deutschen Lore-Romane. Das war ein Markenzeichen im Marken-Verlag. So etwas hätte auch der Rocky Steel bei Bastei werden sollen, aber das war eben nicht so.
Einer der Langläufer war auch dieser Westmann-Roman, also nicht Western, sondern Westmann-Roman. Bei Fritz Mardicke nannte sich der am Anfang Erdball-Westmann, weil die Serie Erdball-Romane im Marken-Verlag hieß.

Und dieser Westmann war schon eine alt gediente Western-Serie mit immer hervorragenden Auflagen. Mir ist es dann im Laufe der Zeit gelungen, sehr gute Autoren anzusprechen und ihnen ihre Überschuss-Produktion abzuknöpfen. Das Leihbuch war zu dieser Zeit schon am Absterben, die Autoren mussten dafür ein Manuskript pro Monat abliefern. Das haben viele Autoren aber in zehn Tagen geschrieben, sodass sie noch Kapazität für zwei weitere Romane hatten. Davon wollte ich mindestens einen von den guten Autoren haben, und das ist mir auch meistens gelungen.

Der Westmann-Roman ist zu dieser Zeit die am längste laufende Western-Serie Deutschlands gewesen. Das lag letztendlich an der sehr guten Arbeit, die von meinen Vorgängern an dieser Serie geleistet worden ist, die durch mich über zwei oder drei Jahre hinweg weitergeführt und durch meinen Nachfolger, den Werner Dietsch, fortgeführt wurde.

Wir haben das mal ausgerechnet und sind auf eine Laufzeit von etwa vierzig Jahren gekommen. Als der Westmann dann nach Köln kam, wurde die Nummerierung fortgesetzt, der Westmann ist fast bis zur Nr. 1700 gekommen [letzte Nummer war die 1629, Anm. J.B], bis der Marken-Verlag seine regelmäßigen Publikationen eingestellt hat. Den Marken-Verlag als Heft Verlagselbst gibt es ja immer noch, aber der beschränkt sich auf die Verwertung von Rechten, die noch aus der Vergangenheit herrühren. Das sind arzttitel in den Niederlanden.

Fritz Mardicke war ein Autor der alten Schule, der hatte noch das Metier von der Pike auf gelernt, er hatte den großen Erzählerbogen heraus. Seine Romane waren, ganz egal was er schrieb, ganz tolle Erzählungen, die einen Anfang und ein Ende hatten. Wenn man den Roman zur Seite legte, war man mit dem zufrieden, was man gelesen hatte und man war auch zufrieden mit dem Autor.

Der Name Erdball ging dann natürlich verloren. Beim Westmann war man darauf angewiesen, was die Autoren herein brachten. Unger war nicht zu kriegen, der war ja vertraglich bei Bastei gebunden und hat auch nur für diesen Verlag geschrieben.

Aber es waren andere Autoren da, wie der erwähnte Lex Lane alias Grossmann oder Gerhard Friedrich Basner, der unter G. F. Barner oder Howard Duff geschrieben hat. Es gab andere Autoren, die noch aus dem Leihbuchgeschäft bekannt waren.

Da die Redakteure das Schreiben ja gelernt hatten, ich hatte es zumindest im Bastei-Verlag gelernt, habe ich dann auch den ein oder anderen Roman für den Westmann verfasst, das ist dann irgendwann mein Haupt-Arbeitszweig geworden. Ich habe wahnsinnig viel dafür geschrieben, damals schon unter Ringo Clark. Als dann Serien wie Western-Wolf und andere kamen, da habe ich dann auch unter dem Pseudonym Ringo Clark geschrieben.

Der Lektor des Western-Wolf war Werner Dietsch, der mich mindestens einmal die Woche angerufen und gefragt hat, wo mein neuer Roman bliebe und welchen ich gerade in Arbeit hatte. Er fragte auch nach meinen Ideen, da er auch planen musste.

Die Serie konzipiert hatte van Buggenum, der war damals nämlich auch vom Bastei-Verlag zum Marken-Verlag gekommen und hat da einige gute Ideen eingebracht. Dietsch und van Buggenum hatten damals den Western-Wolf, Colt 45 und wie die Reihen alle hießen, konzipiert.

Die Autoren hatten da so ihre Freiheiten. Dietsch selber hat für seine Western-Reihen geschrieben, Heinz Squarra von der Bergstraße hat viele Romane verfasst, aber auch Dietmar Kügler hat sehr viele Romane für den Western-Wolf und andere Serien geschrieben.

Im Dezember 1986 war der Marken-Verlag dann am Ende, obwohl er dem Namen nach noch heute existiert.

Etwas Neues wird dort aber nie aufgelegt werden, denn, was Horst-Hermann von Allwörden schon geäußert hat, der Heftroman ist tot. Er ist genauso tot wie die  klassischen Kinos, deren Sterben schon längst begonnen hat. Das Dahinsiechen wird noch einige Jahre dauern und so, wie das Heft gestorben ist, wird auch das Kino sterben. Auch die Leihbücher, die Vorgänger des Heftes, die man sich für zwanzig oder dreißig Pfennig in einer Straßenleihbücherei ausgeliehen hat, sind damals gestorben. Sie verschwanden von der Bildfläche.

Wenn man sich das Verlagswesen anguckt, sind fast alle Heftroman-Verlage verschwunden. Eines Tages wird es zumindest keine kleinen Kinos mehr geben.

Wenn man sich eingehend mit der Unterhaltungssparte befasst, fällt auf, dass es Trends gibt. Es hat alles eine gewisse Zeit der Blüte, eine gewisse Zeit der Beständigkeit und eine gewisse Zeit des Sterbens. Dann ist es aus.

Kommentare  

#1 Manfred Richter 2019-04-19 19:20
Eine eher...traurige...Geschichte!
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