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Verflochten

Vampira - Die WiederholungVerflochten

»Vampira« war am Anfang die Jagd der Vampire von Sydney auf Lilith Eden. Dass sich dies in den vergangenen sechs Bänden deutlich geändert hat, tut der Serie sehr gut. Denn die Vampira von Sydney konnten als Gegner nie überzeugen, andere Kontrahenten Lilith können das schon. Außerdem sorgt eine weiter gespannte Handlung dafür, dass es zunehmend offene Fragen gibt, denen Lilith nachgehen kann. Das hält natürlich nicht nur Lilith beschäftigt, sondern motiviert auch zum Weiterlesen.

Es begann mit einer Reise nach Indien. Auch wenn Lilith dort als Person nicht gerade glänzte, war der dortige Dreiteiler eine interessante Lektüre. Die Umgebung wirkte angemessen fremdartig, ein lokaler Kult wurde gelungen aufgeklärt und der „Feind“ im Tempel war auch nicht sofort durchschaubar. Lediglich die Tatsache, dass mit dem Dreiteiler Landru nicht mehr besonders gefährlich wirkte, ist etwas bedauerlich. Denn nun fehlt Lilith ein wenig ein bedrohlicher Vampir. Landru ist zwar noch immer sehr mächtig, doch in dem Dreiteiler traf er eine Reihe unkluger Entscheidungen, die sein angeblich überragende Intelligenz doch ein wenig in Zweifel stellen.

Antrieb für die Indien-Reiche war die Suche nahc dem Lilienkelch. Mit ihm soll es gelingen, dass Vampire wieder Nachwuchs erschaffen können. Zur Zeit sorgt das Beißen eines Menschen lediglich dafür, dass er sich in eine Dienerkreatur verwandelt. In dem Folgeband der Indien-Reise erfährt der Leser zudem, dass die Vampire degenerieren. Das ist ein kluger Schachzug.

Über die zwei Jahrhunderte, die der Lilienkelch ungefähr schon weg ist, konnten keine neuen Vampire geschaffen werden. Die Alten, so scheint es, werden hingegen gereizter und nicht klüger. Das erklärt eine Menge über das Verhalten der Vampire von Sydney. Außerdem ist natürlich die Frage, ob der Degenerationsprozess schleichend einsetzt oder ob die Vampire die Präsenz des Lilienkelches einfach brauchen, um ihr geistiges Niveau zu halten. Wenn Letzteres zutrifft, dann haben die derzeitigen jungen Vampire, die nie längere Zeit unter dem Lilienkelch gelebt haben, den Großteil ihres Lebens in Dummheit verbracht. Auch das würde eine Reihe ihrer Handlungen erklären.

Interessant ist hingegen die Frage, ob es den Lilienkelch dann noch gibt. Denn früher strahlte er auf die Vampire der ganzen Welt aus. Jetzt tut er das nicht mehr. Das heißt er ist entweder stark abgeschirmt, nicht mehr auf dieser Welt oder zerstört. Die letzten beiden Alternativen würden die Suche nach dem Kelch ganz schön langweilig machen.

Hinter den SpiegelnNach dem Indien-Abenteuer kehrt Lilith erst einmal nach Sydney zurück. In Sydney geschieht eigentlich nicht viel. Es gibt eine amoklaufende Dienerkreatur und die Suche nach alten Landkarten. Dennoch gibt es drei für die Haupthandlung interessante Ereignisse.

Die Vampire von Sydney haben sich aus dem Staub gemacht. Sie fürchten sich also vor irgendetwas. Lilith wird auf ihrer späteren Reise nach England nicht von Vampiren belangt. Das war auf der Reise nach Indien noch anders. Kann es also sein, dass die Vampire global etwas fürchten? Oder brauchen die Vampire eine Warnung von Landru, um Lilith zu erkennen? Die Vampire als Gegner werden mit diesem kleinen Hinweis zwar noch mehr geschwächt, aber als Leser fragt man sich natürlich, wo die Vampire nun stecken.

Der ehemalige Polizist Warner kehrt von Liliths altem Haus zurück. Er gibt ihr den Hinweis nach England zu fahren, um dort den Lilienkelch zu suchen. Nach dem Ende des letzten Bandes, „Hinter den Spiegeln“, wird klar, dass das Haus auch sein eigenes Spiel spielt. Der Lilienkelch steckte gar nicht in den Dörfern, die Warner genannt hat. Stattdessen erfuhr Lilith, dass ihre Mutter aus dem Dorf kommt. Diese eigenmächtige Aktion wirft ebenfalls Fragen auf. Hat das Haus eigene Pläne oder handelte es sich hier lediglich um eine Art Programm von Liliths Mutter, die wollte, dass ihr Kind nach 100 Jahren Schlaf auf diese Art und Weise über ihre Herkunft informiert wird.

Zuletzt erlebt Lilith in Sydney einen Vampir, der sich selbst umbringt. Das könnte natürlich eine mögliche Erklärung sein, warum die anderen Vampire ebenfalls verschwunden sind. Die Frage, warum sich der Vampir umgebracht hat, bleibt zwar ungeklärt. Doch Lilith verspürt kurz danach ebenfalls den Drang, sich mit einem Messer zu töten. Sie wird in letzter Sekunde von Beth gerettet. Dieser Selbstmorddrang unter Vampiren ist natürlich interessant. Da er ebenfalls im vergangenen Band noch einmal angesprochen wird, ist zu vermuten, dass hier noch etwas folgt.

Das Schicksal der Vampire, die Pläne von Liliths Haus und der merkwürdige Drang nach Selbstmord. Neben Liliths aktuellem Abenteuer, der Suche nach dem Lilienkelch in England, gibt es also noch genügend Nebenhandlungen, die immer mal wieder angesprochen werden können. Damit fixiert sich die Serie nicht auf eine Handlung, sondern bietet auch Platz für Romane abseits der großen Suche. Und wer weiß, vielleicht haben letztendlich Liliths Haus und der Selbstmorddrang etwas mit der Suche nach Lilienkelch zu tun.

Kommentare  

#1 Manfred Weinland 2011-10-05 07:34
Ganz schön verflochten, dieser Beitrag. ;-)
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#2 Jonas Hoffmann 2011-10-05 08:42
Zitat:
Interessant ist hingegen die Frage, ob es den Lilienkelch dann noch gibt.
hmm, ich gehe mal davon aus, dass es ihn noch gibt. Ansonsten würde uns der Autor ja viele, viele Romane lang einer nichtexistierenden Karotte nachhetzen lassen. Das fände ich doof.
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#3 Manfred Weinland 2011-10-05 15:43
zitiere Jonas Hoffmann:
Das fände ich doof.


Ich auch.
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