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Das vergessene Jubiläum? - Des Gruselheftromans 50. Jahrestag verpuffte

50 Jahre HorrorheftromanDas vergessene Jubiläum?
Des Gruselheftromans 50. Jahrestag verpuffte

Vor dreißig oder gar noch vor zwanzig Jahren hätte man sich so ein Jubiläum nicht entgehen lassen. Am 23. Juli 1968 (oder 25.08.68) erschien der erste Gruselheftroman in Deutschland. Es war gleichzeitig der Startschuss für einen Serienhelden neuer Art. Larry Brent war geboren. Zunächst noch zaghaft ermittelte er inkognito im Krimigenre in der Silber-Krimi-Reihe des Zauberkreis-Verlages. Vieles ist längst Geschichte.

Der Zauberkreis-Verlag ebenso wie Larry Brent. Sein Erfinder und Autor Dan Shocker alias Jürgen Grasmück ist längst verstorben.

Doch der Mann hat so einiges hinterlassen. Vor allem eine treue Leserschaft, deren Anzahl sich jedoch von Jahr zu Jahr verringerte. Die jährlichen Fantreffen vom Ende der 70er bis Ende der 90er Jahre lockten im Laufe der Zeit immer weniger Anhänger an. Und doch gibt es noch eine Handvoll Interessierte und Leute, die sich an alte Zeiten erinnern.

Zu allen Jubiläen wird irgendwas gemacht. Es gibt Essays, Artikel, Aktionen, Angebote. Nicht so bei Larry Brent. Ein starkes weiteres Indiz dafür, dass der Heftroman in seiner Gänze gestorben ist. Und das Thema Larry Brent ist so durch wie vieles. In den tristen Achtziger Jahren war es meine Welt zwischen AKW-Demos, Kalter-Krieg-Modus und all den sonstigen Nachrichten von Glasnost, Perestroika, Margret Thatcher oder Solidarnocz. Mitte der 80er änderte sich augenscheinlich alles. Der Heftroman verschwand allmählich. Neben Larry Brent noch viele andere. Es war wie eine Säuberung, eine Reform an den Heftständern. Und mit diesen Dingen, die mir 80er Jahre versüßten, verschwanden irgendwann auch diese bekannten Nachrichten. Der eiserne Vorhang wurde löchrig und verschwand später auch.

In den 90er Jahren wurde die Welt zunehmend bunter und vielfältiger, aber eben ohne die alten Helden. Die zogen nicht mehr an. Damals waren sie das Ventil, der Türöffner in eine andere Welt. Ob Larry Brent, Tony Ballard oder wer auch immer. Als die Türen offenstanden, verschwanden die Schlüssel. So in etwa könnte man das metaphorisch auch betrachten.

Aber warum feiern wir unsere Helden heute nicht einmal mehr? Sind sie uns so fremd geworden? Sie haben uns soviel gegeben und sind vergessen? Nicht einmal ein Fantreffen (Marlostrefen) in alter Tradition fand zum Jubiläum der Selbigen im Jahr 2017 statt.

Aber nein, die Helden sind nicht vergessen. Dank dem Internet, indem munter weiter darüber diskutiert wird. Jedenfalls ab und zu. Und dank des Internets ist der alte Held Larry Brent in Hörspielform noch immer unterwegs. Übrigens genauso wie Tony Ballard. Doch das ist eine andere Welt. Auch wenn es heute wieder Tony Ballard-Romane zu lesen gibt, ist das eine andere Welt. Irgendwie.

Die Interessenten von heute reichen nicht mehr, um Begeisterungsstürme losbrechen zu lassen wie einst. Der Glanz ist matt geworden und er wird zunehmend matter. Es gibt den Gegenpol in der Realität nicht mehr. Denn diese Realität ist mitunter zum Teil auch weit grausamer geworden, als es jede Phantasiegeburt sein könnte.

Also wenn man schon kein Jubiläum mehr zelebriert, so lasst uns an jenen Tag wenigstens im Stillen ein Glas erheben und sagen „Danke“. Dank an die Helden und ihre Erschaffer für den Glanz in einer matten Zeit. Wir brauchen Euch heute nicht mehr. Jugendliche von heute haben andere Ventile. Viel mehr, viel mehr Möglichkeiten. Die Welt glänzt für sie heute so hell, dass es jeden Heftromanhelden ermatten lässt.

Kommentare  

#1 Laurin 2018-08-25 10:30
Nun ja, ich könnte jetzt unter jedem der Artikel zu Dan Shockers "Larry Brent" etwas schreiben, aber ein Kommentar sollte in dieser Größenordnung reichen. Seinen ersten Roman hielt ich erst in den Händen, als die Serie schon lange Geschichte war. Mit Larry Brent kam ich auch nicht zuerst auf Tuchfühlung durch den Kauf eines Romanheftes, sondern durch meine Schwester, welche wusste, dass ich die Vampirfilme aus den englischen Hammer Studios mochte und mir somit die damalige Taschenbuchausgabe der zwei "Dracula" Hefte ausgeliehen hatte. Dieses hatte ich dann auch regelrecht verschlungen und ich fand es durchweg genial, wie Dan Shocker da den Vampir-Grafen wieder auferstehen ließ. Da nicht wenige mein Hobby wie auch mein bevorzugtes Genre kennen, kommt man natürlich auch in so manches vertiefte Gespräch und wenn ich da dann irgendwann den Namen "Larry Brent" oder Dan Shocker ausspreche, bekomme ich zumeist nur ein hilfloses Schulterzucken zu sehen. Den Namen Dan Shocker hat man eventuell noch vom höheren Sagen irgendwie im Kopf behalten, aber "Larry Brent", die erste Gruselserie in Deutschland scheint zunehmend in der Finsternis versunken zu sein. Manchmal frage ich mich da auch, ob auch der Heftroman an sich als "billiges" Medium etwas damit zu tun hat, dass diese Serie bereits so tief dem Vergessen anheim gefallen ist. Der Heftroman war schließlich für die Masse der Leser der 70er und 80er Jahre ein Produkt schneller und kostengünstiger Unterhaltung und damit leider auch ein Wegwerfprodukt. Nicht für den Fan und Sammler, welcher sich intensiv mit seiner Serie, dem Autor und damit dem gesamten Umfeld der Serie beschäftigte und eventuell noch heute beschäftigt. Aber waren diese Fans nicht schon damals in den 70er und 80er Jahren ein überschaubarer Kreis? Gut, Fans in einem bestimmten Sinne gab es damals bestimmt eine Menge, nur lag hier bei den meisten das Alpha und Omega eher darin, dass sie der Serie "Larry Brent" die Treue damit hielten, dass sie regelmäßig den jeweils neuen Roman kauften und konsumierten, dieser danach jedoch ebenso schnell wieder entsorgt wurde, oder im Bekannten- und Freundeskreis weiter gereicht wurde (oder für ein paar Groschen weiter verkauft wurde). Also eine Art Zweit- und Drittverwertung anheim viel.
Dieses Schicksal trifft allerdings nicht nur die Serie "Larry Brent", denn wie ich schon mal so bin, stelle ich aus Neugierde schon manchmal seltsame Fragen (aus einem bestimmten Hintergrund heraus). Frage ich da nämlich zum Beispiel nach der Serie "John Sinclair", weiß fasst jeder, dass es sich hier um eine Heftromanserie handelt. Den Namen Jason Dark kennt auch jeder, steht ja schließlich groß auf den Romanen drauf. Aber frage ich dann mal nach dem richtigen Namen des Autors, wird es zu 70 Prozent schon ziemlich dunkel, auch wenn es nur eines eingegebenen Suchbegriff im Internet bedarf, um diesen zu erfahren. Dabei hatten nicht wenige durchaus zumindest einmal in ihrem Leben einen "John Sinclair" in Händen gehabt und auch gelesen (zumindest in ihrer Jugendzeit). Man sieht anhand solcher kleinen, zugegeben hinterlistigen Fragen recht schnell, dass das Vergessen, wenn auch ein leise schleichender, doch schneller Prozess ist.
Schade eigentlich, denn "Larry Brent" und Co. hatten zumindest in unserer Jugendzeit uns doch so viele spannende und schöne Momente geliefert und unser Leben damit auch um einiges bereichert.
In diesem Sinne (und weil ich an sich kaum Alkohol trinke) erhebe ich mal meine Tasse Kaffee und sage ebenfalls Danke für die schöne Zeit, die ich früher mit so manchem Gruselroman aus dem Heftbereich hatte und damit eben auch der Serie "Larry Brent" und seinem Autor Dan Shocker aka Jürgen Grasmück, welcher diese Tür der Phantastik für uns damals geöffnet hatte.
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#2 Mikail_the_Bard 2018-08-25 20:39
Zitat:
Aber warum feiern wir unsere Helden heute nicht einmal mehr? Sind sie uns so fremd geworden? Sie haben uns soviel gegeben und sind vergessen? Nicht einmal ein Fantreffen (Marlostrefen) in alter Tradition fand zum Jubiläum der Selbigen im Jahr 2017 statt.
Nein wir feiern sie zwar nicht, aber vergessen tun wir (die Marlos-Bürger) unsere Helden nicht. LB, Macabros haben uns ein weites Stück des Lebens beleitet und zu der aktiven Zeit hätten wir den Teufel getan und kein Marlos-Treffen versäumt. Heute ist das leider (bei mir ja auch) so, das wir "uns" nicht mehr unter einen Hut bekommen. Termine, andere Cons auf die man als Verleger muss, etc.
So stauben bei mir gerade die Larry Brent, Macabros und Dämonenkiller Hefte der Original Verlage zu, aber die bleiben im Buchregal und wenn die Hölle zufriert,
Prost Jürgen, und danke für die tolle Zeit.
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