Kopenhagen - ein Theaterstück
Die allerersten Sätze setzen den Ton des Stückes fest, welches neben den beiden Wissenschaftlern lediglich Bohr Frau Margarethe als Protagonistin einbezieht.
Margarethe: Aber warum?
Bohr: Denkst du immer noch darüber nach?
Margarethe: Warum ist er denn nach Kopenhagen gekommen?
Bohr: Ist das denn jetzt so wichtig, meine Liebe, jetzt, wo wir alle drei tot und begraben sind?
(Frayn, Michael „Kopenhagen. Stück in zwei Akten“, Göttingen 2001, S. 7)
Das Stück enthält keine Regieanweisungen, der Text besteht ausschließlich aus Dialogen. Die unausgesprochene Frage (Wie könnte es gewesen sein?) wird von den drei Figuren versucht zu beantworten, indem sie verschiedene Möglichkeiten der Ereignisse durchspielen.
Wollte Heisenberg Bohr, der möglicherweise Kontakte zu den in Amerika befindlichen Physikern hatte, über die brisante Thematik aushorchen? Wollte er ihn um Rat fragen?
Ein Ausschnitt aus dem zweiten Akt zeigt die Arbeitsweise Frayns:
Bohr: Mit vorsichtiger Beiläufigkeit beginnt er die Frage zu stellen, die er vorbereitet hat.
Heisenberg: Hat man als Physiker das moralische Recht, an der Nutzung der Atomenergie zu arbeiten?
Margarethe: Der große Zusammenprall.
Bohr: Ich bleibe stehen. Er bleibt stehen.
Margarethe: Das ist ihre Arbeitsweise.
Heisenberg: Er starrt mich an, entsetzt.
(ebenda, S. 82)
Die Reflexion über die Vergangenheit und das Nachspielen derselben werden vermischt.
Das Thema von Frayns Stück ist eine offen gebliebene historische Frage aus dem Umfeld der Atomforschung.
Die Situation der Physiker vor der Entwicklung der Atombombe wird beleuchtet. Bohr und Heisenberg, Mentor ünd Schüler und sehr vertraut miteinander, können in der Situation des Jahres 1941 mutmaßlich nicht offen über dieses Thema reden.
Die menschliche Komponente, die besondere Situation des in Deutschland verbliebenen Heisenberg und die Suche nach einer Annäherung an die unbekannte historische Wahrheit bestimmen den Inhalt des Stückes.