Sheffield, Charles: Der wundersame Dr. Darwin

Charles Sheffield

DER WUNDERSAME DR. DARWIN (The Amazing Dr. Darwin)

Bastei Lübbe Taschenbuch Fantasy 20495

ISBN:  3-404-20495-X

Originaljahr:     1997                deutsch:  2004             461 Seiten

Übersetzerin:    Beke Ritgen

Titelbild:           Jim Burns

England im späteren 18. Jahrhundert:  Erasmus Darwin, Doktor der Medizin,

naturwissenschaftlich interessierter, liebenswerter Menschenfreund, gilt als einer der

bemerkenswertesten Menschen im Lande (und würde auch für die Nachwelt noch

hochgerühmt und –bekannt sein, hätte ihm sein Enkel Charles nicht den Rang

abgelaufen). Kein Geheimnis, kein Rätsel bleibt seinem analytischen Verstand lange

verborgen, und so reist er denn mit seinem alten Freund Oberst Jacob Pole über

die britische Insel zu Plätzen, an denen Interessantes, Bizarres und Übernatürliches

zu finden sei:

-         zu einer Bucht an der schottischen Westküste, wo ein Meeresungeheuer eine

spanische Armadagalleone mit einem Riesenschatz, für den sich auch ein

dreihundertjähriger deutscher Magier zu interessieren scheint, bewacht und zudem

noch ein politisch-historisches Geheimnis zu klären ist

-         nach London, wo ein Dieb bei Versuch, einen ausgestellten Edelstein aus Persien

zu stehlen, durch dessen Fluch  tödlich niedergestreckt wird

-         nach Exeter, wo ein Verstorbener als Wiedergänger seine frühere Braut vor einer

neuen Hochzeit warnt

-         nach East Anglia, wo in einem alten Steinbruch noch aus der Römerzeit ein behaartes

Monster immer zur Vollmondzeit auftaucht und unvorsichtige Menschen zerfleischt

-         zur Kanalküste, wo ein genialischer Professor nicht nur eine unglaubliche mechanische

Rechenmaschine erfunden hat, sondern auch noch seiner gönnenden Burgherrin die

Lebenskraft auszusaugen scheint...

-         und zum höchsten Gipfel der Pennines, wo die Teufel direkt aus der Hölle

hochsteigen und tanzen sollen

Dieser Band erscheint in der Fantasy-Reihe der Bastei-Luebbe Taschenbücher..

Was ist Fantasy? Wurde ein Mensch von einem Blitz getroffen, schrieb man das früher dem

Unwillen Zeus’ oder Thors zu, später dem gerechten Zorn des einen christlichen Göttes. Doch letzteres

glauben zur Zeit des späteren 18. Jahrhunderts selbst die etwas weniger Gebildeten in England kaum

noch, geschweige denn Dr. Erasmus Darwin, der ja bereits mit Benjamin Franklin korrespondiert

und weiß, dass ein Blitz nur eine naturwissenschaftlich-erklärbare Kraft und mithin nichts

Übernatürliches darstellt; genauso der Leser, der sich dennoch angenehm-gruselig in diese zunächst

-phantastischen Fälle einführen lässt und selbst aus heutiger Sicht noch überrascht wird durch die

ungewöhnlichen Lösungen. Denn unter dem rasiermesserscharfen Verstand von Erasmus Darwin

wird alles gelöst, alles an phantastischen Elementen abgeschält, es verbleiben letztlich nur deren

zwei: eines wird zerstört, bevor Erasmus sich auch ihm widmen kann; beim zweiten teilt er mit dem

Leser die Erklärung, verrät sie jedoch seinen Zeitgenossen nicht, um die Betroffenen zu schützen.

Alle Fälle haben in etwa den „Fantasygehalt“ der bekannten Geschichte um „den Hund von Baskerville“:

was zunächst als übernatürlich erscheint, wird alsbald erklärt. Eben so ist auch (und angedacht); statt

Holmes und Watson halt Erasmus Darwin und Pole, ein ganzes Jahrhundert früher. Und nebenbei bemerkt

ist die „Deduktion“ beim (historischen) Erasmus noch wesentlich stärker ausgeprägt, hätte er es doch

kaum nötig, Hunderte von Tabakwaren zu Asche zu verbrennen und dann erst Schlüsse zu ziehen.

Die Geschichten dieser Sammlung sind sehr schön erzählt, mit einer großen Portion historischen

Lokalkolorits aus dem England um 1770, spannend und überraschend, jederzeit zu empfehlen.

 

Nur eben keine Fantasy.

 

 

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Diese Rezension erschien zuerst in der Publikation des Fantasy Clubs (F.C.) e.V.

„Magira -. Jahrbuch zur Fantasy 2005“. Ich möchte hiermit auf diese regelmäßige, sehr empfehlenswerte

Publikation hinweisen. Siehe auch unter www.magira.com

 

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