Alisha Bionda Die Begegnung - und andere düstere Winterlegenden
Düsteres zur Jahreszeit
Bionda (Hrsg) Die Begegnung
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Ebenso wie das Cover vermitteln sie dem Leser die kalte, düstere und winterliche Atmosphäre. Jede Geschichte wird mit einem passenden Bild eingeleitet.
Die Kurzgeschichten sind thematisch weit gestreut. Mal werden alte nordische Sagen aufgegriffen, ein paar mal geht es um Vampire, mal um eine fürsorgliche Ehefrau, zwei mal um einen alten Fluch, mal um eine Schiffsreise. Andrea Gunscheras "Winterfalke" geht stark in Richtung Fantasy, Bernd Rümmeleins "Winterjagd" orientiert sich an klassischen Vampirgeschichten á la Dracula. Tanya Carpenters "Feenkatzen" und Alf Leues "Torrbjörn und die Rache des Axvalle Tings" sind von alten nordischen Sagen geprägt.
Eindrucksvoll ist zum Beispiel die Geschichte "La Serenissima" von Ascan von Bargen. Die Mailänderin Lucrezia di Corvini kommt auf Einladung einer Freundin nach Venedig, um dort ein paar einmalige Tage zu verbringen und an einem Maskenball teilzunehmen. Sie nimmt den Leser mit auf ihrer Fahrt durch die Kanäle der altehrwürdigen Stadt. Aber der Trip nimmt einen anderen Verlauf als sie sich vorgestellt hatte.
Zigeuner stehen dagegen im Mittelpunkt von Carola Kickers "Niemandsland". Großmutter Saphira und ihre Enkelin sind vom Schnee überrascht worden und in einer einsamen Gegend eingeschneit. Das Ende vor Augen erzählt die Großmutter der jungen Frau von ihrer Jugend im Wanderzirkus, wo sie als Wahrsagerin arbeitete. Und von den beiden Männern, die sie umwarben, Roman der Magier und Damir der Dompteur. Die damalige Entscheidung der Großmutter für einen der beiden Verehrer wird das weitere Leben der Enkelin bestimmen.
Züge einer Kriminalgeschichte hat dagegen "Northern Gothic" von Andreas Gruber. Im Philadelphia des Jahres 1954 soll der Privatdetektiv Jericho Moses Fisher den Fall eines verrückt gewordenen Malers und seiner verschwundenen Frau aufklären. Nur aus akutem Geldmangel akzeptiert er den Auftrag, denn die Spur führt ihn zurück zu seinen eigenen Wurzeln in einer Amischgemeinde. Einst hatte er bei Nacht und Nebel unter Mitnahme der Küchenkasse seine Familie verlassen, jetzt erhofft er sich dort Hinweise auf den Aufenthaltsort der Verschwundenen, deren Wurzeln ebenfalls bei den Amisch liegen.
Dieser Band zeigt wieder die liebevolle und sorgfältige Aufmachung, die zum Kennzeichen der von Alisha Bionda herausgegebenen Reihe Ars Litterae geworden ist. Kurzinformationen zu den Autoren sowie biografische Informationen zur Herausgeberin und dem Künstler Andrä Martyna gehören genauso selbstverständlich dazu wie die Innenillustrationen und sowie ein optisch angenehmer Text und ein entsprechendes Layout.
Alisha Bionda stellt mit dieser Anthologie wieder eindrucksvoll unter Beweis, was ein guter Herausgeber leisten kann. Sie versteht es wie kaum ein anderer, Text und Bild zu einem harmonischen Ganzen zu vereinen. Wenn sie als Herausgeberin zeichnet, steht hinter jeder Anthologie ein übergreifendes Thema, das von den einzeln Geschichten auf unterschiedlichste Art und Weise beleuchtet wird. Und so handelt es sich auch hier wieder um weit mehr als nur eine einfache Zusammenstellung spannender Geschichten.
Ein absolut empfehlenswertes Buch, aufgrund seiner winterlichen Atmosphäre ideal für diese Jahreszeit.
Umfasst folgende Kurzgeschichten:
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