Tragedy of Errors - Der Fall Charles Dexter Ward
Tragedy of Errors
Der Fall Charles Dexter Ward
Erzählt wird die Geschichte des jungen und ambitionierten Genealogen Charles Dexter Ward, welcher im Verlauf seiner zunehmend exzentrischen Forschungen und ausgedehnten Streifzüge durch das alte und unbekannte Providence auf die Spuren eines aus den Annalen der Geschichte getilgten Vorfahren stößt, der aus der Vergangenheit Gewalt über ihn zu gewinnen scheint.
Der in Verruf geratene Hexenmeister Joseph Curwen sieht sich in unheiliger Voraussicht gezwungen, schon zu Lebzeiten einen Nachfolger in späteren Zeitaltern zu suchen und zu designieren, in welchen er – so mag die Zeit gekommen – zu schlüpfen vermag. Sein perfider Plan schlummert über die Jahrhunderte hinweg, bis der Titelheld der Geschichte von ihm angezogen wird und immer mehr in den Bann des Wahnsinns aus der Vergangenheit gerät, die ihn den Verstand und letztlich auch das Leben kostet.
Langsam aber stetig verschwimmen die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sowie zwischen Wahn und Realität mehr und mehr.
Die Geschichte spielt sowohl in den Zwanziger Jahren des 20ten Jahrhunderts, sowie in Rückblenden im Siebzehnten Jahrhundert. Schauplatz ist Providence in Neuengland, eine Gegend also, in der die Geschichte der Vereinigten Staaten mit am ältesten ist.
Dem Leser eröffnet sich die vordergründig simple Geschichte nach und nach.
Der Autor führt seine Hauptakteure in die Irre, und zunächst ahnt nur der Leser langsam, wohin die Handlung eigentlich führt.
Er muss allerdings sehr genau aufpassen und ständig mitkombinieren, denn ansonsten verliert man sehr schnell den Überblick. Lovecraft verschachtelt seine Story nämlich immer mehr bis sie ein wenig sogar an eine klassische Detektivgeschichte erinnert:
In welcher Verbindung steht Charles Dexter Ward zu dem rätselhaften und scheinbar wie aus dem Nichts aufgetauchten Dr. Allen? Was haben beide mit dem längst zu Staub zerfallenen Joseph Curwen zu tun?
Wie erklären sich die seltsamen Stimmungsschwankungen und widersprüchlichen Verhaltensweisen der Titelfigur?
Diese Tragedy of errors treibt die Romanfiguren ganz langsam und allmählich, aber gleichsam unaufhaltsam in die Kulminanz des ultimativen Schreckens, der nicht mehr durch bloßes Wegsehen oder Ignorieren aufgehalten werden kann.
Die Geschichte endet letzten Endes dank des wackeren und tapferen Arztes Dr. Willett leidlich gut, obwohl die Hauptfigur nicht überlebt.
Der grässliche Schrecken der Vergangenheit erleidet sein gerechtes Schicksal ebenso, wie die tragische und unglückliche Titelfigur ihr verdientes Ende findet.
Nikol bringt diese klassische Horrorerzählung auf ca. 240 Seiten in einem sehr schönen gebundenen Büchlein heraus.
Neu übersetzt von Ailin Konrad, die sich dem Quelltext unbefangen nähert und ihn erstaunlich geschickt und unbefangen ins Deutsche überträgt.
Das Büchlein liest sich flüssig und fesselnd bis zur letzten Seite, obwohl es zuvor bereits in anderer Übersetzung erschien.
Fr. Konrad als Übersetzerin vermeidet es aber sehr geschickt und gekonnt, mit ihren Vorgängern gemessen zu werden. Ihre Version liest sich – trotz aller lektorischen Nachlässigkeiten – bis zur letzten Seite fesselnd und spannend.
Fazit:
Ich vergebe 5 von 5 Custodes
Der Fall Charles Dexter Ward
Kommentare
PS: mein eigener Cthulhu-Roman ist gerade als e-book erschienen: "...und fürchthet keyne Finstherniß..."
Und das Buch sieht auch sehr schön in der Sammlung aus. Bei Nikol sind bisher nur zwei Lovecraft-Bände erschienen. Dieser eben und "Berge des Wahnsinns", dessen Übersetzung ich nicht so gelungen fand.
Ich persönlich bevorzuge ohnehin die Suhrkamp-Übersetzungen. Habe neulich erst wieder "Das Ding auf der Schwelle" gelesen.
P.S.: wo gibt´s denn den Cthulhu-Roman? Im Netz habe ich bei - flüchtiger - Suche nur einen Roman von J. Haldeman gefunden.
In "Berge" habe ich nur reingelesen, ich fand es zu holprig. Ein schönes Beispiel, wie gut die Hermstein-Übersetzung von Suhrkamp ist.
"Ward" ist eine gute Geschichte. Ich habe sie letztens noch mal als Hörbuch gehört. Ist immer noch unterhaltsam.
Gib "Aarn Munro" zusammen mit dem Titel " ..und fürchthet keyne FInsterniß..." ein, dann findest Du es, falls Du elektronisch liest. Gedruckt ist es nicht.
Jedenfalls werde ich mir auch mal diese Übersetzung von Ward zulegen, Danke für die Besprechung, Ringo.