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Existierende Wasserscheide: Analoges und digitales Leben

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneExistierende Wasserscheide
Analoges und digitales Leben

Etwas von dem Barcamp, auf dem ich letztes Wochenende war, schwingt in mir noch nach. Nämlich, dass das Digitale und Analoge zwei verschiedene Welten wären - dass es immer noch eine Wasserscheide gibt, an der sich die Welten trennen oder teilen. Damit ist nicht der Unterschied zwischen Nutzer*innen oder Nichtnutzer*innen von Facebook gemeint - es ist eine grundlegende Grenze, die immer noch existiert. Und die mit dem Alter nun nichts zu tun hat.

Die Digitalisierung, so Tobias Sauer, ist mehr als nur die digitalen Produkte. Dass wir alle mit der Digitalisierung zu tun haben, egal ob wir die Geräte und Technik nutzen oder nicht, ist erstmal eine steile These. Wer sich der Technologie verweigert, kein Smartphone nutzt und kein Internet hat, der hat doch mit der Digitalisierung nichts am Hut? Wer noch per Papier überweist, wer am Morgen seine Zeitung beim Frühstück knistern lässt, wer weder Siri noch Alexa im Haus hat, der hat doch nichts mit der Digitalisierung zu tun?

Auf dem ersten Blick schon, aber sobald er oder sie ins Auto steigen, aktiviert er oder sie Computerkomponenten, die sich dann beim Hersteller melden und wenn etwas kaputt ist, kann der Techniker, die Technikerin in der Werkstatt heute nicht mehr eben so mit ölverschmierten Händen in den Eingeweiden des Fahrzeuges herumfuhrwerken. Die Werbesäulen im Hauptbahnhof sind längst digitalisiert. Im Supermarkt weichen allmählich die normalen Preisauszeichnungen digitalen kleinen Schildern. Und digitalen Warensysteme sorgen im Hintergrund dafür, dass immer genügend Ware bereitsteht, wenn wir einkaufen gehen. Wer heutzutage noch eine analoge Uhr am Handgelenk trägt, der gehört schon zu einer Minderheit. Das Internet ist längst das Betriebssystem des Lebens geworden und taucht auch an Stellen auf, an denen man es nun nicht unbedingt vermutet - und ohne das Netz wäre bisweilen das ein oder andere Gut aus dem Hafen längst nicht so schnell im Laden wie wir es gewohnt sind.

Dennoch: Zwei Welten. Hier die wahre Realität, dort der Cyberspace. Hier das Echte, dort das Falsche. Diese vorgenommene Trennung hat mit dem Alter dabei nichts zu tun, die Digitalen Eingeborenen - die Digital Natives - sind eh ein Mythos, der gern hergenommen wird, damit man sich selbst nicht mehr mit der Technik beschäftigen muss. Sollen das die Jungen machen, wir stehen ja längst vor der Pensionierung, da brauchen wir das neumodische Zeug nicht. Jedoch: Die Digitalisierung ist mehr als nur die Technik. Wer sich ihr entziehen möchte, der könnte höchstens den Robinson machen und mit seinem Freitag auf einer idyllischen kleinen Inseln leben, fernab der Zivilisation. Doch so richtig den Annehmlichkeiten der Modernen Zeit entsagen ist auch etwas, was schwierig ist. Selbst wenn man sich eine Blockhütte zurückzieht und wie damals ohne fließendes Wasser und Strom leben würde - man würde doch von der Digitalisierung umgeben sein. Während man freudig über Wiesen tollt, fliegen über Einem die Drohnen der Förster.

Es ist also eher eine Frage der Geisteshaltung: Sehe ich den digitalen Fortschritt als etwas Positives? Oder etwas Negatives? Bin ich der Meinung, dass ich für mein Leben dieses neumodische Zeug nicht brauche? Oder erleichtert es mir nicht doch den Alltag? Bin ich eher pragmatisch, sehe ich die Chancen und Gefahren? Letzten Endes ist das eine Frage, die man für sich selber klären sollte. Aber dass es diese Wasserscheide immer noch gibt, das sollte man akzeptieren. Ob man seine Zeit dann damit verbringt, das Gegenüber von seiner eigenen Meinung zu missionieren oder ob man nicht doch eher Energie darin investiert, sein Leben nach seiner eigenen Fasson zu leben - auch das entscheidet jeder selbst.

Kommentare  

#1 VM 2019-09-20 00:42
Ich habe jetzt erst mal recherchiert, was ein Barcamp ist. Ich glaube, Schulunterricht läuft heutzutage auch so ähnlich ab; deshalb sinkt auch immer mehr das Bildungsniveau. :-*
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