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Das Spiel mit den Erwartungen – Die Sucht des Lesers nach neuen Themen

1Das Spiel mit den Erwartungen
Die Sucht des Lesers nach  neuen Themen

Perry ist ja eine Science-Fictionserie (wenn auch manchmal für manche der „Fantasyanteil" überwiegt, das ist dann der sogenannte „Sense-of-Wonder“.) Eine solche Reihe  hat natürlich einen gewissen Anspruch an die Phantasie, einmal von der Seite der Serienmacher aus, von den Expokraten und auch von den Autoren her, die ja eine Expose mit Inhalt füllen müssen. Das ist nicht immer leicht, denn die Erwartungshaltung der Leser ist hoch.

Allzuviel Neues kommt selten hinzu -  vielmehr muss man die Variation des Althergebrachten als ästhetische Aufgabe betrachten. Gewisse Grundzüge müssen selbstverständlich immer dabei sein: fremde Aliens, Bedrohungen aus dem Weltall oder aus fremden Dimensionen oder Hyperräumen, Raumschlachten usw. Wie diese Gefahren aber geschildert werden, dass hängt nun von der genauen Konzeptuierung ab. Der Leser (das bin natürlich immer „ich“) winkt gähnend ab, wenn die Erde zum x-tenmal bedroht wird von gewalttätigen Extragalaktikern oder wieder einemal den Verschwindibus gibt.Wenn die Milchstraße wieder einmal bedroht oder invasioniert wird, was gefühlt durchaus alle Nase lang vorkommt, tritt die große Langeweile ein, jedenfalls grundsätzlich, und  die große Leere ...

Dann sieht es so aus, als ob den Erfindern der Themen anscheinend keine neuen Ideen oder Begriffe mehr einfallen. Im Großen nimmt der Leser das hin, weil er, wie gesagt, die Ästhetik der Variation toleriert: „wie werden Perry und seine Freunde denn diesmal das Problem lösen?“. Im Kleinen aber ist man enttäuscht, denn die wirklich neuen Ideen oder großen Sprünge bleiben aus, alles ist konventionell, nur Wiederholungen der Ideen von früher: alter Wein in neuen Schläuchen. Das ewig Gleiche zieht uns nun gar nicht hinan.Wieder einmal wird, nach hoher Anfangserwartung, die künstlich gesteigert wurde, nur eine Superintelligenz eingeführt, von denen man bereits als grundlegende Begriffsstruktur Dutzende kennt. Neue Technologien tauchen im Kleinen natürlich auf, das sind die Erfindungen in der Kleinteiligkeit aber nicht die großen, übergeordneten Visionen, die ich als Leser erwarte.

Dieses Thema ist also eigentlich zur Genüge abgetan.Anstatt wieder einmal langfristig Erzählungen in der Ferne spielen zu lassen, auch über halbe oder ganze Zyklen hinweg, eben so entworfen, gibt es nur noch sporadische „Nadelstich-Expeditionen“ mit einem einzigen Fernraumschiff; natürlich ein Prototyp. Ein-zweimal kann man so etwas erzählen … danach kommt dann die große Leere oder das große Gähnen. Anscheind sieht es doch so aus, als ob die Gesamtmenge  der grundlegenden Ideen begrenzt ist und nur noch  mehr oder weniger schematisch einer Variation unterworfen wird.

Die wirklich großen, neuen Ideen bleiben  also aus.Auch, wenn der Leser sie radikal fordert ... manchmal und mancher, nicht jeder. Zur Ehrenrettung muss aber auch gesagt werden, dass solche Ideen, wenn sie denn radikal eingeführt werden wie etwa „Thez“ am Ende des Multiversums, nicht alle Leser mit solchen übergroßen, kosmischen Visionen einverstanden sind. Zum Glück aber war dies Idee nur ein Handlungswerkzeug, um die Serie mehr oder minder frei vom sogenannten Zwiebelschalenmodell zu machen, das seit Willi Voltz und Kurt Mahr als Überbau in der Serie herumspukte. Nicht nur das Solsystem ist jetzt frei von Schwarmschiffen oder der Erde, die gerade einmal wieder weg ist, Urlaub machen oder so … (… ich bin dann mal weg …) , sondern die ganze sogenannte „Mächtigkeitsballung“ ist frei von Superinzelligenzen oder deren Pendants.

Hatte der Leser sich also neue Ideen gewünscht oder erhofft, wird er aber in seiner noch vorhandenen Lesebeharrlichkeit nur mit der Variation des Bisherigen  konfrontiert. Dass dann so mancher Langleser gelangweilt die Hefte nichtlesend  weglegt oder nur noch sammelt oder andere aussteigen (vielleicht nur vorübergehend), ist deshalb durchaus verständlich. Vielleicht braucht man als Leser manchmal einfach eine Pause vom Perry. Zum Glück aber gibt es nur ein Heft pro Woche und auch andere SF-Lektüre.

Beginnt jedoch ein neuer Zyklus, so erwartet der Leser auch einfach neue Ideen, und nicht nur die alltägliche Variation des Immergleichen.Nun hat es die Expokratie gewiss nicht immer leicht: es gibt ja Rückopplungen  mitt den Lesern im einschlägigen Forum; einige der monierten Fakten sickern also sicher auch bis zu den Entwerfern der Ideen durch. Diese sehen sich sicher mit einer Vielfalt von Wünschen konfrontiert, die von „Superneuphantastisch, bitte!“ wohl bis zu „weiter konventionell“ reichen. Dazwischen einen kosmischen Kurs zu fahren, ist nicht immer leicht … und verlangt schon sehr genaues Navigieren im virtuellen Ideenweltall der Serie.Nicht immer einfach, das Ganze.Einerseits muss man die  Dauerleser bei der Stange halten durch Wiedererkennungseffekte, andererseits sind neue Ideen gefragt, um die Serie auch weiterhin attraktiv zu halten.

Dass eine solche Reihe wie Perry, mit immerhin über dreitausend Heften, nicht in jedem Band kleinteilig wirklich Neues bieten kann, ist ersichtlich … große Entwürfe, die über das Konventionelle hinausgehen, sind eben nicht immer in Sicht. Außerdem darf man auch nicht vergessen, dass solcherart Langzeitserien mit Bausteinen arbeiten, die sich, nur leicht variiert, eben immer wieder einbauen lassen.(Ein klassisches Beispel dafür war der von lebenden Plasmamassen bewohnte Planet, der, nur leicht variiert, sicher ein halbes Dutzendmal vorkam.

(Von Band 101 über den Posbiplasma-Urplaneten bis zu den verformten „gelben Eroberen“ im Schwarm, den kranken Karties.).Der Leser erkennt die Bausteine also wieder, sie sind nur minimal verändert und in neuen Kontext eingebaut, behalten also ihren Wiedererkennungseffekt.as gilt übrigens auch für Autoren; selbst diese wiederholen sich in ihren Grundzügen. Trotz der Variation des immer Gleichen Alten, als ästethische Aufgabe wünsche ich mir aber durchaus manchmal radikal neue Ideen.Die hatte ich ja im neuen Zyklus erwartet, nachdem etwa zwanzig Hefte lang nur kleine Geheimnisse gelöst wurden. Man dachte, endlich wird das schwarze Tuch des Zauberees=Expokraten weggezogen und der Leser staunt jetzt über das ganz neu Erdachte, frisch Erfundene, die großen Ideen. Fehlanzeige ... und Enttäuschung. Die Erwartungshaltung wurde nicht erfüllt ... vorher aber wurde der Leser  fast ein Fünftel des Zyklus auf die Folter gespannt.Neue Ideen wurden erwartet ... und kamen nicht wirjklich. Dwr Berg kreißt ...und gebiert keinen Mausbiber.Man hatte angenommen, es würde mehr kommen.Es ist ja SF und der erzählerische  Zukunftshorizont kann prinzipiell beliebig weit ausgedehnt werden.Schade,  denn hier qwurde wirklich eine Chance vertan.

© 2019 by H. Döring

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