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Überkommenes und Überholtes ... - Es geht ums Geld ...

Zauberwort - Der Leit(d)artikelÜberkommenes und Überholtes ...
... und nur dem ›Fan‹ und ›Sammler‹ fehlt's

Die Hörspielfirma Europa verkündete in einer Pressemeldung das »Aus« für die Produktion der von Fans heiß geliebten Musikkassetten, kurz »MC« ... Für manche Fans und Sammler hört damit das Universum auf zu existieren. Es geht um die üblichen sentimentalen Gefühle des Fans und Sammlers. Solche Nachrichten erschüttern diese Spezies bis ins Mark und lassen Verzweiflung aufkommen. Oft genug werden dann Kampagnen gestartet, um das beliebte Objekt der Begierde zurückzubekommen. Zumeist vergebliche Liebesmüh oder ein Strohfeuer.

Es gibt unter den über 30-jährigen sicher keinen, der nicht mit »MC's« beschenkt wurde, der die Märchen der Grimms oder Hauffs hatte, den Hörspiele in den Schlaf gemurmelt haben. Ein Stück Kultur- und Gesellschaftsgeschichte der 70er- bis 80er-Jahre.
 
Für Europa (der Hersteller, nicht die ›Wirtschaftszone‹ oder gar Kontinent) geht es dabei nicht um die Technik oder moderne Vertriebs- und Speicherformen (CD, Download, Podcast, mp3 etc), mit denen das Medium ›Hörspiel‹ vertrieben wird. Europa würde heute noch Schellack- oder Vinylplatten herstellen und in die Läden bringen, wenn sie diese in einer entsprechenden Stückzahl absetzen könnten, die den Gewinnerwartungen der Herrschaften bei Europa-Eigentümer Sony BMG entsprechen. Es geht eben nicht um Fragen der Innovation oder überholter Medienträger - eben der »MC«, der Schellack- oder Vinylplatte -, sondern schlicht um Geld.
 
Denn hinter solchen Entscheidungen steht immer nur eine Frage: Ist damit noch genug (oder überhaupt) Geld zu verdienen? Und genau das wird dann auch im zweiten Teil der Pressemeldung Europas deutlich. Denn es gibt eine Ausnahme, eine Art ›gallisches Dorf‹ des Medienträgers bei Europa. Die »MC«-Produktion wird eben doch nicht komplett eingestellt, denn die Abenteuer der »???« wird es weiterhin auch auf Kassette geben. Nicht weil die Damen und Herren bei Europa die Fans und insbesondere Käufer der »???« mehr lieben als die anderer Hörspielserien, sondern weil es gerade hier noch den entsprechenden Markt gibt.
 
Geld stinkt nicht (wussten schon die alten Römer) und daher ist der Käufer jedes x-beliebigen Hörspiels bei Europa sehr willkommen. Jedweder, der bereit ist, den Kaufpreis zu entrichten, ist mit Sicherheit herzlich willkommen. Vielmehr ist mit den »???« auf »MC« ganz offensichtlich noch (richtig) gutes Geld zu verdienen. Daher werden die Freunde der Musikkassette weiterhin die drei Ermittler in ihrem Kassettenrekorder abspielen können. Gäbe es auch genügend Käufer für Wachsrollen, Tonbänder, Schellack- und/oder Vinylplatten, dann würden die »???« (und andere) auf Phonographen, Tonbandgeräten, Grammophonen und Plattenspielern laufen. Genauso wäre es, wenn auch von den anderen Erzeugnissen Europas auf diesen (teils ausgestorbenen) Medienträgern genügend verkauft würden. Aber genau dies passiert eben nicht. Dann stoppt man eben an dieser Stelle die Produktion. Denn weder Europa noch ein anderes Label (Verlag oder TV-Sender) tun das, was sie tun, um den Fans eine Freude zu machen. Am Ende müssen ›schwarze Zahlen‹ zu Buche stehen. Wenn nicht, dann kommt das ›Aus‹. 
 
So einfach ist das.
 
Also: Zu wenig Käufer - keine »MC«-Edition mehr. Die Buchhaltung kennt die Zahlen. Wenn es sich nicht mehr lohnt, wird es aufgegeben. Video, Tonbänder, Super8 und so manch anderen (einstmals beliebten) Medienträger hat es ja schon erwischt. Weg vom Markt.  

Da können Fans tausend Kampagnen starten, Lichterketten (virtuell oder real) veranstalten oder zum Boykott aufrufen. Es hilft nichts. Finden sich nicht genug Fans an den Ladenkassen ein, um zu kaufen, wars das eben. Die Entscheidungen, ob ein Medienträger vom Markt verschwindet, fallen eben genau dort. Da zeigt sich dann, ob die Fans (in diesem Falle der »MC«) eine (kommerziell) relevante Gruppe sind - oder eben doch nur ein zu vernachlässigendes Häuflein, das zwar in Foren (früher in Fanzines) meinungsstark ist, aber ansonsten keine große Rolle spielt. Erst recht nicht bei der Absatzplanung.

Die »MC« wird nicht der letzte Medienträger sein, den es erwischt. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit wird es noch andere erwischen. Die DVD und die CD sind schon heiße Kandidaten für den ›Medienträgerfriedhof‹. Das Buch könnte sich fast als langlebiger erweisen.

Damit wären wir wieder beim Heftroman. Noch lohnt es sich in einem - verglichen mit den Sechzigerjahren - eher geringen Umfang, Hefte zu produzieren. Bastei muss noch (hinreichend) Geld verdienen mit seinen durchschnittlich 11.000 verkauften Romanen pro Titel. Kelter muss mit seinen ewigen Nachdrucken im Bereich Western und seinen diversen Frauenromanen noch genug verdienen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. VPM hat zwei Erfolgsfranchises am Start. »Perry Rhodan« und der »Landser« räumen ab.

Noch ...

Doch fallen seit Jahrzehnten die Auflagen. Solange verdient wird - läufts. Dann ist Schluss. Irgendwann erscheint der letzte Heftroman. Dann ist der Schwund mit Produktivitätssteigerungen und Kostensenkung nicht mehr aufzufangen. Auch hier werden die Fans murren und sich fragen, was passiert ist. Es wird sich wieder herausstellen, dass die Gruppe der beständig kaufenden Fans dieser Publikationsform nicht zahlreich genug waren, um den Fortbestand des Medienträgers Heftroman (oder eben auch »MC«) zu gewährleisten. Immerhin gibt es Kleinverlage, die diesen oder jenen Titel fortbestehen lassen. Aber von »Phönix aus der Asche« kann hier nicht die Rede sein. Dazu sind es zu kleine Auflagen, zu geringe. Das ist eher ein Nischen- und Minderheitenprogramm, um einem kleinen Personenkreis zu bedienen. Eine Serie wie »Larry Brent«, die in den Siebzigern noch über 100.000 Exemplare verkaufte, wird in einer ›limitierten‹ Neuauflage von 275 Exemplaren verkauft (der Clubletter des »Dan Shockers Fantastik Club ›Marlos‹« in den Achtzigern hatte eine deutlich höhere Auflage). Auch die neuen Bände dürften nur das ›Ghetto der Fans und Sammler‹ erreichen und damit eine Auflage, die unter 1.000 Exemplaren liegt.

Das Gesetz greift: Was vom Kiosk verschwindet, ist aus den Augen und aus dem Sinn. Nur wenige Interessierte (rekrutiert aus der Gruppe der Fans und Sammler) kaufen dann noch. Kein größerer Verlag kann daraus noch was machen. 

Doch: Es wird weiter schnell zu lesende Unterhaltungsliteratur geben (über die Inhalte unterhalten wir uns ein anderes Mal).
 
Und ähnlich wird es bei der »MC« sein. Man findet sie seit Langem kaum noch in den Großmärkten, zunehmend weniger in den Elektromärkten. Der größte Teil der Neuproduktionen geht nur noch über CD und (in deutlich geringerem Maße) Downloads. Es wird auch weiter Hörspiele geben. Nur die Medienträger werden vielleicht andere sein, vermutlich wird die MC nicht mehr lange darunter sein, weil sie es kommerziell endgültig ›nicht mehr bringt‹.

Da kann es dem Fan das Herz zerreißen, und ein Stück Kultur löst sich in Plastikmüll auf. Wenns kein Geld mehr bringt, ist es erledigt ...
 
ss

Kommentare  

#61 Laurin 2011-10-06 10:39
Genau, Wolfgang Trubshaw, du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht. :-)
#62 karl 2011-10-06 11:10
zitiere Wolfgang Trubshaw:
Es ist bloßer Wunsch der Rechteinhaber, möglichst oft und in immer kürzerer Folge erneut abzuzocken.

Ich habe ein Problem mit der willentlichen "Entscheidung" der Industrie, physikalische Medien prinzipiell auszurotten und alles nur noch digital per Netz aus der Cloud zu bekommen.

Gegenfrage: Ist es nur die "Industrie"? Oder ist es auch der Kunde? Ich sehe nicht mehr so viele Kunden vor den CD-Regalen und in den DVD-Abteilungen wie noch vor 10 bis 15 Jahren.
Der Großteil der Kunden und Käufer ist "freiwillig" in die Internet-Cloud abgetaucht.
Die "Industrie" würde sicherlich noch ganz gerne DVDs um 15 bis 20 Euro verklopfen, wie noch vor 10 Jahren. EUROPA würde auch noch gerne massig Musikkassetten verkaufen, da bin ich mir sicher. Nur der Kunde und Käufer pfeift der Industrie aber mittlerweile halt was, weil es diverse Contents auch umsonst, gratis und für lau gibt. Da tut "Illegalität" auch gar nicht so weh. Da haben die Kunden dann so ein feines "Robin Hood"-Gefühl in der Magengegend.

Die Industrie wäre doch schön blöd, wenn sie jetzt nur noch an physischen Medien fest halten würde, die vom Endverbraucher gar nicht mehr gewünscht werden.

So argumentieren ja unter anderem auch die Piraten, daß sie die Unterhaltung für jedermann frei zugänglich haben wollen. Und physische Datenträger wie CDs und DVDs sind längst Relikte aus der Vergangenheit.

Am Buchsektor muß man da leider noch warten. Was könnten Verlage Kohle machen, wenn sie mal anfangen würden, ihre vergriffenen Romane, die sicher keine physischen Neuauflagen mehr erfahren werden, alternativ als E-Book zur Verfügung zu stellen. Mir würden unzählige Beispiele einfallen.

Man muß sich schon als Kunde auch mal ein bißchen entscheiden, was man wirklich will.
Und es ist im Endeffekt eine Generationenfrage. Der Großteil hier im Forum hat vier Lebensjahrzehnte hinter sich und "trauert" gewissen Dingen nostalgisch hinterher. Eine neue Käufergeneration interessiert das aber nicht die Bohne.
#63 Pisanelli 2011-10-07 00:48
Im Buchsektor sind doch auch schon längst die Lockangebote unterwegs. Bei Amazon z.B. gibt es hunderte von Klassikern umsonst und das auch noch ganz legal. Für mich ist das ein Grund, mir zu überlegen, ob ich mir nicht das Kindle-Gerät anschaffen will, denn ich möchte mir nichts illegal runterladen, aber natürlich so wenig Geld wie möglich ausgeben. Die Klassiker hätte ich gerne - aber dafür viel Geld auszugeben und dann mein Wohnzimmer damit vollzupfropfen, das will ich nicht. Umsonst und als Datei - super!
Ich denke, wir Kunden sind in hohem Maße dafür verantwortlich, was verkauft wird und was nicht. Aber natürlich weckt die Industrie auch die Bedürfnisse. Beides bedingt einander, beides beeinflusst einander.
Ich finde übrigens MCs nicht so toll, denn wenn die Bandsalat kriegte, war im schlimmsten Fall nicht nur die Kassette kaputt, sondern auch der Rekorder. Irgendwann fing er auch immer an zu leiern. Das kann mit DVDs nicht passieren und die Klangqualität ist auch besser.
#64 Wolfgang Trubshaw 2011-10-09 00:08
Die Content-Industrie will auf digital hinaus, will also physikalische Datenträger abschaffen, weil sie damit meint, das "Problem" des zweiten Marktes aus der Welt zu schaffen.

Hast du einen physikalischen Datenträger, kannst du den weiterverkaufen. Hast du den nicht, kannst du das nicht. Es ist ganz einfach.

Sie wollen von einem System, in welchem tatsächliche Ware tatsächlich Besitzer wechselt hin zu einem reinen Nutzungsrechts-System.

Und dass die das wollen, verstehe ich schon. Nur ich will das nicht. Und ich weiß schon, dass nicht alle Leute wie ich sind, und es vielen am Arsch vorbei ginge.

Aber ich kriege mich nun mal ums Verrecken nicht dazu, es mir erfolgreich am Arsch vorbei gehen zu lassen. Dazu bin ich lebenslang schon viel zu sehr Zweitmarkt-Käufer. Nicht exklusiv, aber eben immer wieder auch.

Alle mögliche Medien betreffend, hauptsächlich auch Bücher oder Hefte/Magazine.

Bei Büchern nun ist es noch viel komplexer. Der Buchmarkt hat vielleicht mehr als sonst ein Unterhaltungsmedium immer schon gewisse autohygienische Gesichtspunkte gehabt.

Wenn ein Buch ein Rohrkrepierer war, haben es nur wenige Exemplare über den Tresen geschafft. Manches des Rests ging dann als Mängelexemplare vergünstigt noch weg, der große Rest wurde vernichtet.

Und siehe: Nix mit ewiger Erhältlichkeit.

Meiner Auffassung ist das gut so. Ist ein "aus dem Druck fallen" von Schlechtem das, was (neuem) Gutem Platz macht.

Dank eBooks hast du jeden noch so großen Scheiß neuerdings "ewig" erhältlich.

Und allfällig Gutes geht im Sumpf des Schlechten unter.

Bei den Klassikern, Pisanelli, bin ich leider auch nicht "bei dir".
Ich habe mir anfangs selbst gedacht, (als ich vor einigen Tagen die Amazon-Informationsseite für deren neues Kindle-Modell angesehen habe) dass das sicher ein Pluspunkt ist, dass du dann schlagartig alle Klassiker aus der Cloud griffbereit hast.

Aber bei längerem Nachdenken hat sich diese Sichtweise sehr rasch verabschiedet. Wieviele dieser Klassiker würdest du denn wirklich lesen?

Gut, du kommst aus der Germanistik. Würdest wohl wesentlich öfter als meinereins dort zugreifen. Aber ehrlich: Wie oft denn?

Bei wirklich langem Nachdenken habe ich die Nennung dieser "Klassiker-Library" sogar als heftig armseligen Punkt in der Werbung dort zu betrachten begonnen. Ich meine: Das soll ein Pro-Punkt sein? Fallen denen keine anderen Pro-Punkte ein?

Du kriegst Reclams bergeweise um einen Euro auf eBay nachgeworfen. Die sind physisch. Die haben oft erläuternde Texte mit bei. Und selbst die hole ich mir kaum je. (Und ich betrachte das nichtmal als "kaufen", wenn ich für einen Euro ein Dutzend Reclams haben kann, sondern wirklich als "aufklauben" und mehr nicht.)

Mal ganz zu schweigen davon, dass das meiste davon ohnehin seit Jahren auf Project Gutenberg u.Ä. vorhanden ist. In einer Form, mit welcher auch heutige Reader etwas anfangen können sollten.
#65 Jonas Hoffmann 2011-10-09 02:35
Das schöne an diesem ganzen Szenario mit den Digitalen Medien ist ja eigentlich folgendes. Wenn es dan doch mal zur Selbstauslöschung unserer Spezies kommt, denn werden wohl nur noch die "harten" Medien, wie Keilschriften in Stein überleben. Was eigentlich Perry Rhodan und Lemuria wieder wahrscheinlich machen könnte, denn warum finden wir nichts mehr von echt hochstehenden Zivilisationen auf der Erde? Klar, weil sie all ihr Wissen in der Cloud speicherten ;-) 8) 8) 8)
#66 Kerstin 2011-10-10 17:09
Ich habe immer gern mal ein reduziertes oder gebrauchtes Buch gekauft und solange das noch geht, bleibe ich auch dabei. Die Bücher sind ja auch nicht gerade billig.

E-Book ist für mich auch noch lange kein Thema. So einen nicht eben kleinen Betrag ausgeben, nur um lesen zu können? Nee, muss ich nicht. Ich starre den ganzen Tag in einen Bildschirm, bis mir die Augen flimmern. Muss ich das in der Freizeit dann auch noch? Ich lese mit Vorliebe in der Badewanne. Ist das für das Gerät da nicht zu nass? Und wenns gar mal ins Wasser fällt? Noch mal das viele Geld ausgeben für ein neues Gerät? Sind dann die Dateien auf dem alten auch alle kaputt? Was ist überhaupt, wenn es mal einen Systemabsturz gibt oder der Speicher voll ist? Lacht sich dann wieder einer ins Fäustchen, weil ich alles neu kaufen muss? Bücher leihen und verleihen, ist dann ja wohl auch nicht mehr möglich, oder? Dann müsste man gleich das Gerät mit verleihen.

Ja, schöne neue Welt, man kann immer mehr Sachen erfinden, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen! Und dann gibt es sicherlich immer welche, die dazu begeistert Hurra! schreien und sofort losstürmen, sich das alles zu kaufen, weil sie ja unbedingt up to date sein wollen.

Nur mal ein Beispiel für diese Technikhörigkeit:

Seit Juli dieses Jahres akzeptiert der Gesetzgeber den Vorsteuerabzug bei elektronischen Rechnungen, sofern die auf eine besondere Weise auch elektronisch gespeichert und bei Bedarf einem Prüfer zugänglich gemacht werden können. Diese Möglichkeit ist aber davon abhängig, ob der Empfänger der Rechnung sich damit einverstanden erklärt.

Schon wollen mich einige Lieferanten davon überzeugen, diese Methode wäre auch für unsere Firma ein großer Fortschritt. Nee, ganz bestimmt nicht. Diese Zustimmung verweigere ich strikt weg. Wer dann nicht mehr liefern will, soll seine Ware behalten. Der Vorteil liegt beim Absender, der Papier, Umschlag und Porto spart. Auf unserer Seite wäre der Nachteil, weil wir in die Technik investieren müssten, um die Dinger auch vorschriftsgemäß speichern zu können. Ausdrucken (was ja auf unserem Papier mit unserem Toner passieren würde) reicht nicht, da muss man neue Technik kaufen, die sich jetzt auch noch nicht wirklich bewährt hat und im Laufe der Jahre sicher nur billiger wird. Drucken müsste ich es aber doch, weil es bisher noch keine Methode gibt, wie ich diese Rechnungen, die per Mail kommen, in das Buchhaltungsprogramm eingespeist kriegen könnte. Vorteil für uns? Pah, wo denn? Ich sehe nur Nachteile. Die vollmundigen Schreiben, in denen mir das schmackhaft gemacht werden soll, sind auch dermaßen schwammig formuliert, dass man das Kotzen kriegen könnte.

Solange es möglich ist, werde ich auf einer Papierrechnung bestehen.

Umgekehrt würde es uns auch keinerlei Vorteil bringen, wenn wir unsere Ausgangsrechnung elektronisch verschicken würden. Zunächst mal müsste sich ja jeder Kunde einzeln mit der Methode einverstanden erklären. Ein Wahnsinnsaufwand! Unser Rechnungsprogramm kooperiert nicht mit dem E-Mailprogramm, also ausdrucken und wieder einscannen. Von wegen Papier gespart! Umschlag und Briefmarke sparen wir auch nicht, weil ich die Begleitpapiere ohnehin im Original an die Kunden schicken muss.

Mit Sparsamkeit und geringerem Aufwand kann man mir also derzeit nicht argumentieren. Trotzdem wird genau das immer als Totschlagargument gebracht.

Ein anderes Totschlagargument ist die Sicherheit. Onlinebanking ist mir demnächst nicht mehr möglich, weil die Bank die TANs nur noch an die Handys oder an speziell zu erwerbende Decoder versenden will. Ich habe beides nicht und will sowas auch nicht anschaffen. Kann mir auch keiner weismachen, dass das sicherer wäre als die Papierliste mit TANs, die es früher gab. Die muss man eben gut aufbewahren. Und noch was: Was klaut ein Räuber seinem Opfer als erstes? Das Handy. Es dauert sicher nicht lange, bis die ersten dann raus haben, wie sie auf dem Wege auch noch ans Geld kommen können.

Diese Sache könnt ihr ruhig auf das ständige Umstellen bei der Technik im Unterhaltungssektor oder auch anderswo umsetzen. Wenn alle ein Gerät und die Tonträger nach Technik XY haben, ist der Markt erst mal gestättigt und die Verkaufszahlen sinken. Also muss was Neues her, was dann wieder alle kaufen sollen.

Natürlich kann dann auch eine Firma wie Europa das nicht aufhalten, wenn nur noch wenige Leute Hörspielkassetten kaufen. Die müssen eben das anbieten, was sich verkaufen lässt, damit sie am Leben bleiben.
#67 Pisanelli 2011-10-10 19:52
@ Kerstin: Du bist hier jetzt zwar ziemlich Off Topic, aber die Umstellerei auf papierloses Arbeiten in der Businesswelt wirst Du spätestens dann leisten müssen, wenn es das Finanzamt verlangt, die auch immer mehr auf papierlos umstellen und schon anfangen, Bilanzen und Geschäftsvorfälle auf Dateien entgegenzunehmen und die Steuererklärung am liebsten über das Internet abwickeln würden. Und da kann ich Dir nur raten: stell' nicht zu spät um, sonst kann es Dich in den Ruin treiben.

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