Ich bin ein deutscher Autor, bringt mein Buch heraus! - Februar 2014
Ich bin ein deutscher Autor, ...
... bringt mein Buch heraus!
Andreas
Witzig, denn ich habe zufällig auch genau diesen Artikel gelesen. Und interessant daran finde ich vor allem, dass Paul Maar genau das sagt, was damals auch der Tenor war, als ich angefangen hatte zu veröffentlichen, und was auch der Anlass zur Gründung von Fabylon war. Mein zweites Buch lag bei Heyne, hatte ein sehr lobendes Lektorat, also eigentlich alles kein Thema – und doch erschien es dort nie, weil die Programmplätze für deutschsprachige Autoren auf 0 heruntergestrichen wurden. Ich rede hier vom SF&F-Bereich – bin also einigermaßen erschüttert, dass dasselbe offenbar auch für Kinder- und Jugendbücher gilt, und auch noch heutzutage? Dann wird es nicht mehr lange dauern, bis das wieder auf die Fantastik übergreifen wird. Aus welchem Grund auch immer, denn die Verlage schaffen sich ihre Probleme schlichtweg selbst. Ein Titel, von dem die Leser keine Ahnung haben, dass es ihn gibt, kann nun mal nicht verkauft werden. Wenn nicht einmal das Minimum eines Werbebudgets dafür aufgewendet wird, die Neuerscheinungen nicht mal auf Messen mitgenommen werden, weil sich sowieso alles nur auf die ausländischen Bestsellerautoren konzentriert, warum ist dann der Autor schuld, dass sich sein Buch nicht verkauft, und fliegt aus dem Programm?
Kultur? Ich weiß nicht, was damit gemeint ist, ganz ehrlich. Solange voyeuristischer Dreck wie Dschungelcamp und „Rooooooooooooooooooooooobeeeeeeeeeeeeert“ zur Kultur zählen, möchte ich das Wort lieber nicht mehr in den Mund nehmen. Und nein, das ist auch nicht Kult.
Die Großverlage hecheln immer nur vermeintlichen Trends hinterher, glauben zu wissen, was die Leser wollen, und orientieren sich alle an denselben Themen. „Mut“ zum „Risiko“ hat so gut wie keiner, es gibt nur ganzganz wenige Ausnahmen. Niemand will Verantwortung übernehmen, denn die Geschäftsleitung interessiert nur der Saldo, aber nicht, wie er zustandekommt. Klar, die Leser wollen viel Unterhaltung. Romanzen, Komödien, Krimis gehen immer gut. Aber sie wollen eben nicht nur das, sondern ein breit gefächertes Spektrum und durchaus auch mal anspruchsvollere Erzählungen. Und sie lesen durchaus deutschsprachige Autoren, wenn man sie ihnen denn mal nahebringen würde! Schließlich ist alles ganz einfach: Lesereisen, Veranstaltungen, Interviews – die Autoren sind zum „Anfassen“ erreichbar, und sie sind interaktiv auf Facebook & Co., machen Verlosungen, Gewinnspiele – der in dieser Hinsicht verwöhnte Leser könnte also all dies zum Buch dazu bekommen und sich viel intensiver damit auseinandersetzen. Aber nein, die Verlage schieben einen Riegel vor. Sie gehen den bequemen Weg: Was im englischsprachigen Raum gut gelaufen ist – also das Sahnehäubchen – davon könnte man eine Lizenz günstig erwerben, einen Übersetzer beauftragen, der heutzutage nur noch einen Hungerlohn bekommt, dann noch mal ein Korrektor im Verlag, und gut ist. Da es ein Bestseller oder ein bekannter Autor ist, kann ja nichts schiefgehen. Und wenn doch, kann man nichts dafür, es war schließlich ein Bestseller. Fertig, nächster Titel.
Wie gesagt: Es war damals so und es wird heute wieder so, nachdem die Verlage sich ein paar Jahre lang darauf besonnen hatten, dass es sinnvoller ist, deutschsprachige Autoren aufzubauen. Daraus sind ein paar Bestseller geworden, und das genügt dann offenbar, dass man wieder umschwenkt, weil der Markt angeblich „übersättigt“ ist.
: Die Quoten in den Radios sind Schwachsinn, vor allem in Verbindung mit „so und so viel Kultur muss gebracht werden“ in einer Sendung – also, dann machen wir eben den dreimillionsten Telefonstreich, der so unlustig ist wie alle anderen zuvor, machen Gewinnspiele, Verlosungen, Raterunden, und dann noch ein bissl Comedy obendrauf, und wir haben alles fast durch und brauchen nicht viel nachzudenken. Was noch übrig bleibt an Zeit verwenden wir für Nummer-1-Hits oder Push-Hits, die wir in jeder Stunde so oft spielen, bis wirklich auch noch der größte Fan das Kotzen kriegt. Ich höre ja nur im Auto Radio, und da geht es mir genau wie beim Fernsehen: Anschalten, würgen, ausschalten.
Auf dem Buchsektor kann man ganz einfach der Entwicklung entgegenwirken, indem a) deutsche Autoren publiziert werden und b) deutsche Autoren dem Leser nahegebracht werden. Das geht mit simplen Mitteln, die gar kein so großes Budget erfordern, denn die meisten Autoren sind ja ohnehin von sich aus aktiv und bereit, für ihr Buch Werbung zu machen.
Aber gut, wenn kein Umdenken stattfindet, so wird eines Tages dann eben gar kein Autor mehr einen Verlag brauchen, sondern alles selbst machen. Die Tendenz dahin ist ja schon ordentlich vorhanden.
Kommentare
das zu lesen habe ich jetzt sehr genossen. Danke dafür!
Ich habe mein Auto jetzt fünf Monate. Das Radio war nur einmal an, als der Händler mir bei der Fahrzeugübergabe vorführen wollte, dass das Ding funktioniert. Die inzwischen fast 4000 Kilometer bin ich ohne Berieselung mit den ewig gleichen Liedern und Reklamesprüchen gefahren.
Bei den Büchern kriege ich solche Abstinenz nicht hin, auch wenn es immer schwerer fällt, mal was zu finden, was nicht der übliche Einheitsbrei ist. Eine gute Story von einem deutschen Autor würde ich gern öfter lesen. Aber das Angebot ist dünn.
Regionalkrimis und Bergromane, ja die gibt es. Aber die Krimiautoren haben dafür meist nicht allzuviel Zeit in Recherchen gesteckt. Sonst wären nicht so viele sachliche Fehler passiert, wie sie bei der Mehrzahl der Autoren in Reihe vorkommen. Es sieht jedenfalls nicht danach aus, als ob die Verlage ihrerseits in diese Literaturgattung allzuviel Mühe investieren würden. Solche Fehler müssten doch moniert und verbessert werden, bevor die Schwarte in Druck geht.
Kürzlich habe ich einen Krimi eines kanadischen Autoren gelesen. Soweit ganz gut, bis mir aufstieß, dass der offenbar Russen und Nazideutsche des 3. Reiches nicht auseinander halten kann und alles in einen Topf wirft. Also wirklich, da hätte ich kotzen können!
Aber mit sowas müssen wir wohl leben, wenn wir nur die Literatur anderer Länder aufgewärmt bekommen!
Nur ein Blick auf die aktuelle Spiegel-Bestenliste.
Taschenbuch: Unter den ersten 20 sind 8 deutsche Autoren vertreten, bei den Sachbüchern sind es 15.
Bei den Kinderbüchern sind es 10 von 10, bei den Jugendbüchern ist es in der Tat nur 1 im Moment, Panem und ein Roman über ein krebskrankes Kind fanden da mehr Zuspruch.
Bei den Hardcovern sind es 6 von 20, bei den Sachbüchern 19 von 20.
Das ist nur eine Momentaufnahme, keine Frage, aber doch ein recht starkes Indiz, dass deutsche Autoren größtenteils anscheinend außer den üblichen Problemen wie Themen und potenzieller Verkaufserfolg der ausländischen Konkurrenz bei den "Großverlagen" ziemlich gleichberechtigt sind.
Und beim Publikum auch, sonst würden sie es ja nicht kaufen.
Die Genres lassen sich wohl nicht so ohne weiteres vergleichen.
Dass in Deutschland Sachbücher deutscher Autoren gut ankommen, liegt wohl auch daran, dass die Leser eben vor allem Sachbücher kaufen, die einen Bezug zu Deutschland haben. Grob gesagt: Wenn ich was über das Mittelalter suche, gibt es auch nicht viele amerikanische Autoren und Verlage, die da etwas Brauchbares auf den deutschen Markt gebracht haben.
Und auch wohl logisch, dass Bücher über die Vogelwelt am heimischen Futterhäuschen mehr Absatz finden als ein Buch über exotische Piepmätze in fernen Ländern. Das hat sicher auch seine Berechtigung, wird aber nie die Verkaufszahlen erreichen wie Amsel, Meise und Fink.
Ähnlich sehe ich das bei Kinderbüchern. Kinder müssen darin ihre eigene Welt wiedererkennen und allenfalls von da aus zu gedanklichen Abenteuern aufbrechen.
Aber ich sehe keinen einzigen Grund, warum es kaum einen guten deutschen Autor für Fantasy oder SF geben sollte! Ich lese mich gerade durch die Bücher von Andreas Eschbach und genieße es richtig, wenn die in einem Umfeld spielen, wie ich es aus dem eigenen Erleben kenne. Wo nicht jeder Passant eine Pistole unter der Jacke trägt, die er vielleicht im nächsten Moment zieht und wahlweise den Guten oder Bösen damit abknallen will. Dadurch müssen die Protagonisten sich wirklich was einfallen lassen, haben auch nicht mehr Möglichkeiten als jeder von uns.
Davon abbesehen: Die Bestsellerlisten können ja nur das enthalten, was wirklich auf dem Markt ist. Vielleicht hätte manch einer lieber etwas anderes gekauft, wenn es denn im Laden vorhanden gewesen wäre.
So wie man eben Erdbeerjoghurt kauft, wenn es keinen mit Kirsch gibt, obwohl einem Kirsch besser geschmeckt hätte. Daraus kann der Händler doch auch nicht automatisch ableiten, dass alle Welt die Erdbeeren bevorzugen würde und es sich gar nicht mehr lohnt, auch Kirschjoghurt anzubieten.
"Kaum" trifft es eigentlich nicht. Bei den Autoren, die sich auf dem Erwachsenenmarkt verkaufen, gibt es neben Eschbach noch Hennen, Heitz, Meyer, Peinkofer, Crozerius, Hohlbein, Felten, Schwartz, Brandhorst, Isau und viele andere, die mir jetzt nicht einfallen, dazu kommen noch Dutzende, die keinen Erfolg haben und mehr als Dutzende, die auf dem Jugendbuchmarkt verlegt werden. So gut wie das ganze aktuelle Ueberreuter Fantasyprogramm besteht nur aus deutschen Autoren. Da ist schon eine Auswahl vorhanden, würde ich sagen. In den Siebzigern und Achtzigern gab es das nicht, von ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.
zitiere Kerstin:
Ja, sicher. Real existierende Bücher von deutschen Autoren, die zu tausenden reale Käufer gefunden haben. Über potenziell tolle Romane zu spekulieren, die vielleicht jemanden interessiert hätten, wenn sie denn einen Verleger gefunden hätten, das bleibt nie mehr als Spekulation.
Dass die Verlagsszene in vielerlei Hinsicht von einer Angebotsszene zu einer "Kümmert euch selbst drum, für Marketing haben wir kein Geld"-Szene geworden ist, das halte ich auch für kontraproduktiv. Aber das ist letztlich ein anderes Thema.
Bei Hohlbein-Büchern denke ich jedes Mal: Grundidee für den Plot ganz gut, aber bei der Ausarbeitung höchstens 75 % von dem rausgeholt, was drin gewesen wäre. Aus dem Grunde habe ich noch nicht allzu viele gelesen. Warum der so erfolgreich ist, verstehe ich nicht. Kommt mir so vor, als wenn die Verlage den allein wegen dem bekannten Namen so pushen. Wenn was Neues von ihm rauskommt, kann man sich ja auch vor Werbung kaum retten, während man von vielen anderen Neuerscheinungen gar nichts hört und Infos mühsam aus dem www raussuchen muss.
Genau dieses Ungleichgewicht stört mich.
Und zur Vergangenheit: Rolf Michael hat oft genug von Verlegern zu hören gekriegt: Geniale Idee! Wenn das aus Amerika käme, würde es ein Bestseller. Aber weil es nicht aus Amerika kam, haben sie es nicht mal angenommen.
Andere deutsche Autoren haben sich dann damit geholfen, ein englisches Pseudonym für die Veröffentlichungen zu wählen. Teilweise erschien dann der echte Name unter: Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von ....
Pfui, wie erbärmlich von den Verlegern!
So ist das mit den guten Romanen und Büchern die es nicht bis zu Leser schaffen, da sie dem Verleger vielleicht zu niveauvoll sind, oder er die Gefahr sieht das der Leser seine eigene Imaginationskraft aktivieren müsste. Manchmal aber hat der interessierte Leser aber das Glück diese Perlen trotzdem lesen zu können... z.B. bei einem nicht komerziellen Onlinemagazine.
zitiere Kerstin:
Ach so lief das... mal wieder was gelernt.
momentan gibt es in der Fantasy bei den großen Verlagen (Heyne, Blanvalet, Bastei usw.) noch einen klaren Trend zu deutschen Autoren. Übersetzungen sind gerade in den letzten ein bis zwei Jahren deutlich zurückgefahren worden, und es wird verstärkt auf deutsche Autoren (oft mit Auftragsarbeiten) gesetzt. Man muss sich nur mal die aktuellen Vorschauen ansehen.
Wie es bei Kinderbüchern aussieht, weiß ich aber nicht.
Gruß Pogopuschel
@Mikail: Ja, das haben einige Autoren mit Erfolg praktiziert. Das berühmteste Beispiel dürfte Walter Ernsting sein, der Clark Darlton "übersetzt" hat. Der Trick funktioniert heute natürlich nicht mehr
Wenn sich aber Autoren nicht auf den Main konzentrieren (da gibt es Regeln, die man beachten sollte)dürfen sie sich nicht beklagen! - Und Main heisst nichts anderes als im Genre neues schaffen!
Ist deine Idee, der Roh - Entwurf, wirklich für eine Zielgruppe geschaffen? Und wenn, in wie fern erneuert es das Genre? Das sollten sich Autoren fragen, wenn sie erfogreich verkaufen wollen!