Harris, N. & Lee, B. - Auf der Ritterburg & Eine Straße im Wandel der Zeit
Auf der Ritterburg /
Eine Straße im Wandel der Zeit, Illustationen: Brian Lee
Manche Bücher für Kinder (wie diese beiden, die für Kinder ab 4 Jahren gedacht sind) schaut man sich auch als Erwachsener gerne an. Die Straße im Wandel der Zeit und die Ritterburg sind solche Bücher.
Sie haben ein bisschen was von einem Adventskalender: Auf fast jeder Seite finden sich aufklappbare Fenster, Schießscharten, Türen, eine Zugbrücke ... Ich saß mit dem Mädchen da und gemeinsam entdeckten wir erst einmal wo genau denn die Fenster und Türen waren und welchen Einblick in das dahinter liegende Zimmer oder Gebäude sie eröffneten.
Dabei fanden wir in der Burg den offensichtlich unaufmerksamen Diener, der in das Fass stürzt, das küssende Pärchen in einer Kemenate.
Zusätzlich zu den Öffnungen lassen sich die Seiten zu Panoramabildern ausklappen, die eine beeindruckende Breite von knapp 80cm haben. Hier wird dann - klar - das "Innenleben" der Burg und ihrer Räume, Zimmer, Verliese abgebildet.
Dabei werden auch die weniger romantischen Dinge im Alltag einer Burg nicht ausgeblendet. In einem Kellerverlies, der Oubliette, hängt ein vergessenes Skelett in Ketten, ein Mann der Wache macht sich einen Spaß daraus die Gefangenen ein Verlies weiter durch das Loch in der Decke mit einer Flüssigkeit zu überschütten. Am anderen Ende des Wohnbereichs sieht man die Latrinen und wie sie geleert werden - was für eine Arbeit.
Den Abschluss bildet die Darstellung eines Turniers.
Auf jede Darstellungsdoppelseite folgt eine Doppelseite mit kurzen Erläuterungen einzelner Szenen.
Das gleiche Prinzip verfolgen Illustrator und Texter im Band über die Straße im Wandel der Zeit. Auch hier wird mit großer Detailverliebtheit dargestellt. Ich persönlich fand gerade diesen Band besonders ansprechend, da er die Veränderungen einer Straße durch die Jahrhunderte einfach nett thematisiert. Aus der mittelalterlichen Schmiede wird im 18. Jahrhundert eine Schule, das Haus des Kaufmanns wird zu einem repräsentativen Steinbau, der im 19. Jahrhundert die Annehmlichkeiten der Zeit erhält (zum Beispiel ein Badezimmer). Ebenso wie die Häuser und ihre Nutzung verändert sich das Getriebe auf der Straße. Etwas traurig wirkt auf mich das letzte Bild der modernen Straße.
Auch hier folgen auf die Klappseiten Doppelseiten mit Erläuterungen, die hier den Alltag der jeweiligen Bewohner kurz schildern - auch hier werden Entwicklungen deutlich.
Die Fülle an aufklappbaren Fenstern ist schon fast übergroß und teilweise etwas "niftelig", so dass ich es gerade für jüngere Kinder durchaus sinnvoll finde wenn man es zu Beginn gemeinsam mit ihnen "liest".
Sicher ist es nicht damit getan so ein Buch ein Mal anzuschauen, man entdeckt immer wieder Neues, das man beim letzten Lesen noch nicht gesehen hat.
Die beiden Bücher sind für Kinder ab 4 Jahren empfohlen, ganz ohne Zweifel genau richtig. Ich nehme es nächstes Mal wieder mit wenn ich meine Freundin besuchen gehe, und vielleicht lasse ich es auch da, wenn die Augen der Kleinen wieder so glänzen.