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Ringo´s Plattenkiste - Fleetwood Mac: Rumours

Ringo´s PlattenkisteFleetwood Mac: Rumours

»Music was my first love« sang John Miles anno 1976. Meine auch, sieht man von Uschi L. mal ab, der blonden Nachbarstochter, mit der ich im zarten Alter von 6 Jahren fast täglich zusammen war. Bis sie wegzog. Mit ihren Eltern natürlich.

Aber um die geht es hier nicht, sondern um Musik. -

Einzig und allein.

Fleetwood Mac: RumoursFleetwood Mac sind eine 1967 von Mick Fleetwood und Peter Green gegründete britisch-amerikanische Band. Ursprünglich im Blues verwurzelt, wandelte sich ihr Stil im Laufe der Jahre mit wechselnder Besetzung nach und nach zum eingängigen Rock. Die Band hatte bereits in frühen Jahren beachtenswerte Hits wie „Black Magic Woman“ oder dem gefühlvollen Instrumental „Albatros“. Ihren absoluten Höhepunkt allerdings erreichten sie mit dem 1977 erschienenen Album „Rumours“, das in die Geschichte als eins der meistverkauften Alben der Musikgeschichte einging.

Nach etlichen Um- und Neubesetzungen fand sich Mitte der Siebziger schließlich die endgültige Fleetwood Mac Inkarnation zusammen, die aus dem Gründungsmitglied Mick Fleetwood (Drums), John McVie (Bass) und seiner Frau Christine (Keyboards & Vocals), Lindsey Buckingham (Guitar & Vocals) und Stevie Nicks (Vocals) bestand.

Nach dem bereits sehr erfolgreichen Album „Fleetwood Mac“, das übrigens schon zweite Album mit diesem Namen ist, begann es innerhalb der Band zwischenmenschlich zu kriseln. Der langjährige Bassist John McVie und seine Frau Christine ließen sich nach 8 Ehejahren scheiden und sprachen fortan kein Wort mehr miteinander, es sei denn es ging um musikalische Belange. Lindsey Buckingham und Stevie Nicks trennten sich ebenfalls, und auch Mick Fleetwood, der mit keinem der Bandmitglieder liiert war, trennte sich ebenfalls von seiner Frau, nachdem diese ihn mit einem seiner Freunde betrogen hatte. Trotz all dieser emotionalen Probleme und Spannungen, trennte sich die Band jedoch nicht, sondern blieb zusammen, komponierte und spielte stattdessen das beispiellose Erfolgsalbum „Rumours“ ein, das 1977 erschien und sich seitdem 40 Millionenfach verkaufte. Den Erfolg dieses Albums konnten sie leider nicht wiederholen, was nicht verwundern dürfte.

Zurück aber zu „Rumours“
Die Probleme der einzelnen Bandmitglieder beeinflussten natürlich auch das Songwriting, das sich Buckingham hauptsächlich mit Christine McVie und Stevie Nick teilte. Lediglich auf einem Track – „The Chain“ – sind alle Bandmitglieder als Urheber genannt. Dieser Track sollte sich übrigens zu einem der beliebtesten Titel im Live-Programm der Band entwickeln: Das Ending mit John McVies´ legendärem Basspiel ist seit Jahrzehnten der Kracher der Konzerte, glaubt man Drummer Mick Fleetwood: „Die Leute würden uns killen, würden wir den Song nicht spielen!“

„Go your own Way“ ist einerseits wohl eine ziemlich deutliche Anspielung auf Buckinghams partnerschaftliche Probleme mit Stevie Nicks und die bevorstehende Trennung. Es dürfte wohl für Spannungen während der Aufnahmen gesorgt haben, da Stevie Nicks ja die Harmonieparts im Refrain zu Lindsey Buckinghams Lead-Vocals beisteuerte. Nicks hingegen war hinsichtlich der Beziehung mit Buckingham optimistischer, was sich in ihrem Song „Dreams“ niederschlug. Allerdings konnten auch ihre Träume das Ende der Liaison nicht verhindern.

Buckingham schrieb nach einer kurzen Affäre den Song „Never going back again“.

„You make Loving Fun“ schrieb Christine McVie nach ihrer Trennung von ihrem Mann und hat scheinbar ihre neue Beziehung zum Inhalt, was John McVie wohl sehr auf den Magen geschlagen haben dürfte.

Ebenfalls von ihr stammt der Hit „Don´t stop thinking about Tomorrow“ und beschreibt ihr neu gefundenes Lebensgefühl nach ihrer Scheidung. Schenkt man dem Booklet der Anniversary-Edition Glauben, schrieb sie den Song aber für ihren Ex-Mann John, quasi als Abschiedsgeschenk.  Man sieht, wie unterschiedlich die Interpretationen wohl sein können, vor allem, wenn einige Dekaden ins Land gezogen sind. John McVie bekam es bei den Aufnahmen anscheinend knüppeldick ab!

Man sieht also, die einzelnen Stücke sind beileibe nicht einfach nur Gute-Laune- und Schmuse-Songs, sondern haben teilweise sehr schmerzliche Hintergründe.

Auch die restlichen Songs waren ebenfalls sehr persönlich und reflektierten das Innenleben der Musiker. „Oh Daddy“ war ein Song Christine McVie´s für Mick Fleetwood, dessen Spitzname „The big Daddy“ war. Gerüchten zufolge hatte dieser auch eine Affäre mit Stevie Nicks nach der Trennung von Buckingham. Ein Hinweis darauf dürfte auch sein, dass Fleetwood und Nicks auf dem Cover – das dem Vorgängeralbum mehr als ähnlich war -abgebildet waren.

Das Album wurde 1976 unter dem Arbeitstitel „Yesterday´s gone“ mit einem 24-Spur-Bandgerät größtenteils im Record-Plant-Studio in Sausalito, Kalifornien aufgenommen. Der endgültige Albumtitel bezog sich auf diverse Gerüchte, die über die Band im Umlauf waren. So wurde über eine bevorstehende Auflösung der Gruppe, als auch über eine Rückkehr des Gründungsmitglieds Peter Green spekuliert.

Die Ansprüche der Band an sich selbst waren sehr hoch gesteckt: man wollte ein No-Filler-Album, dessen einzelne Songs, ein jeder für sich, potentielle Hits waren.

Dass ihnen dies gelang, haben die Verkaufszahlen bestätigt!

Dank eines schier unbegrenzten Budgets der Plattenfirma konnten es sich die Musiker erlauben, sich soviel Zeit für die Aufnahmen zu nehmen, wie sie wollten. Die Aufnahme-Sessions müssen für die Musiker dennoch sehr schwer gewesen sein, standen sie ja mit ihren Ex-Partnern gemeinsam im Studio und mussten mit diesen zusammenarbeiten.

Wie sich Christine McVie erinnert, waren die Aufnahme-Sessions wie Cocktailpartys mit einer unüberschaubaren Menge an Leuten, die permanent anwesend waren. Die Band kam oft erst abends ins Studio, feierte ausgiebig und nahm allerhand Drogen – vornehmlich Kokain – zu sich und begannen anschließend mit den Aufnahmen. Danach ging man getrennte Wege, was kaum verwunderlich gewesen sein dürfte. Besonders John und Christine waren – wie sie es ausdrückte - „nicht die besten Freunde, wie man sich wohl denken kann“. Besonders Stevie Nicks bekam das ausschweifende Leben nicht, denn sie wurde danach schwer drogenabhängig.

Die Band schuf die besten Aufnahmen, als sie in ihrer schlechtesten Verfassung war. Insgesamt belegten Fleetwood Mac das Record Plant für ca. 2 Monate!

Die Songs des Albums wurden zu zeitlosen Klassikern und sind seither oft gecovert worden. Die Originalversionen sind IMHO allerdings unerreicht

Fleetwood Mac: RumoursPünktlich zum 40-jährigen Jubiläum des Albums erschien 2017 dann auch eine wunderschöne 40th Anniversary Deluxe-Edition mit einer 4 CD´s, einer DVD, sowie einer dem Original nachempfundenen Vinylausgabe im Klappcover.

Auf CD 1 …
… ist das remasterte Original-Album vertreten, das hier aber statt der ursprünglichen 11 Tracks nun 12 aufweist. Der Song „Silver Springs“ der es seinerzeit nicht mehr auf´s Album schaffte und stattdessen als Single-Flipside Verwendung fand, findet hier seinen ihm gebührenden Platz.

CD 2 …
… präsentiert einen Live-Mitschnitt der 1977er Rumours World Tour in sehr guter Klangqualität. Die Aufnahmen zeigen, dass Fleetwood Mac eine erstaunlich gute Live-Band waren.

CD 3 …
… beinhaltet 16 Tracks mit Outtakes und alternativen Versionen. Herausragend ist Christine McVie´s Song „Keep me there“, eine energische und dennoch gefühlvolle Rockballade, die fast schon Hymnencharakter besitzt, es leider nicht auf´s Album schaffte. Vorhanden ist dieser Track in verschiedenen Versionen – mal mit, mal ohne Vocals. Erwähnenswert ist bei diesem Song vor allem das an Kruder & Dorfmeister erinnernde Keyboardspiel, sowie das Ende des Songs, das letztendlich Aufnahme im Album fand, und zwar als Ausklang von „The Chain“.

CD 4 …
… führt  dies weiter und präsentiert 18 Tracks von Demos, Outtakes sowie 2 Jam-Sessions.

Die DVD …
… schließlich ist dem „Rosebud Film“, einer Dokumentation über die Band von Michael Collins gewidmet, der für Promotionzwecke gedreht wurde. Zu sehen sind Aufnahmen und Interviews mit der Band, sowie Live-Aufnahmen. Diese sind besonders interessant, zeigt sie doch die Band von ihrer besten Seite, sowie die schier  unglaubliche Menschenmenge im Stadion.

Die LP …
… steckt wie das Original in einem Klappcover, in das die 5 Silberlinge eingesteckt sind. Das komplette Set findet zusammen mit einem 36-seitigen Booklet in einem schönen Schmuckschuber Platz.

Eins der (zurecht) am meisten verkauften Alben der Musikgeschichte in gediegener Aufmachung mit viel Bonusmaterial, das im Gegensatz zu ähnlichen Veröffentlichungen auch zu überzeugen versteht. Eine klare Kaufempfehlung für Freunde der gepflegten Rockmusik der Siebziger!

Eins meiner absoluten Lieblingsalben, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde.

 

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