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»Schön war die Jugend?« - Ausflüge in die Romanheftvergangenheit: Stepp auf heißem Eisen (Hello Amboss 12)

Schön war die Jugendzeit? -  Ausflüge in die RomanheftvergangenheitAusflüge in die Romanheftvergangenheit:
»Stepp auf heißem Eisen«
Hello Amboss 12 von ev. Gerhard Friedrich M. Basner oder Hellmut-Hubertus Münch

Nur die Harten komm‘ in Garten!

Das gilt sowohl für knüppelharte amerikanische Agenten wie für deren Widersacher, vierschrötig und tödlich bewafft.

Und natürlich auch für arme Rezensenten, die sich im ärgsten Gottvertrauen trotz gegenteiliger Erfahrungen einem Kelter-Helden zuwenden, in der irrigen Hoffnung, sie könnten da an eine ganz ordentlich zu konsumierende und recht harte Unterserie geraten, die man mittels einer netten Rezension vor dem Vergessen retten könnte.

Vergesst das!

Was da eher passt, ist, dass ich da in was reingetreten bin und ich mir das wider besseren Wissens daheim noch ein wenig genauer angesehen habe – was aber wieder mal an der liebenswerten Verpackung notorischer Heftromanverleger liegt, die historisch echt angejahrte Grütze mit einem flotten „Neu! Und noch besser! Jetzt mit Huhn und Thunfisch!“ in Dekadenabständen immer wieder in den Handel bringen, wenn man gerade nichts anderes auf der Pfanne hatte.

Ich darf also vorstellen: der hier präsentierte kuschlige Roman aus der Reihe „Kelter Thriller“ stammt ungefähr aus dem Jährchen 1980, was eigentlich (noch) ein ganz guter Jahrgang für deftige Ware gewesen wäre. Was dem Uneingeweihten jedoch entgeht, ist, dass sich diese Portmanteau-Serie, die wie so viele Kelter-Reihen nicht über eine niedrige zweistellige Ausgabenzahl hinaus kam, sich aus zwei Unterserien zusammensetzte.
Die ungeraden Nummern waren für einen Polizeireporter namens „Toby Gin“ reserviert, die geraden Nummern für den harten „Hello Amboss“. Mit diesem Rezept und zwei entsprechend völlig unterschiedlichen Titelzeilen funktionierte das für 32 Ausgaben.

Aber auch dieses autorenlose Angeordne ist natürlich schon ein historischer Etikettenschwindel, denn die Romane wurde allesamt schon in den seligen 60ern in der Reihe „Kelter-Krimi“ veröffentlicht, speziell der vorliegende im Jahr 1961. Das geht für einen normalen (also nicht professionellen) Interessenten leider unter, denn das war eine Reihe, die seit ihrer Entstehung ständig das Erscheinungsbild wechselte, in die man dauerhaft wechselnde Unterserien einbaute und man es auch mit Genres nicht so genau nahm.

Und auch das wiederum ist nicht die historische Wurzel des hier agierenden Agenten, sondern die urdeutsche Sitte der Leihbuchverlage, die nach dem zweiten Weltkrieg diverse Autoren beschäftigten, um die Nachfrage nach Pferdeopern, Sex und Crime zu befriedigen.

Was qualitativ dabei heraus kam, war, vorsichtig gesprochen, enorm wechselhaft, wie auch bei meiner Vorlage noch zu lesen sein wird. Wann genau „Stepp auf heißem Eisen“ in die Tasten gehauen wurde, ist nicht so ganz klar, aber da gewisse Amboss-Publikationen (bzw. damals „Amboß“) bis 1953 zurück gehen, kann ich da eine leichte Affinität zu den nach Germany tröpfelnden „Film noirs“ sehen, die hier mit Agenten- und Gangstersujets eine flotte Symbiose eingingen.

Den wahren Autoren kann ich leider nicht nennen, weil uns in diesem Fall vorgegaukelt wird, der Held sei sein eigener Erzähler, was leider – aus heutiger Zeit – ziemlich nach hinten losgeht.

Geschrieben von dreiköpfigen Autorenkollektiv konnte ich aber nur halbwegs festmachen, dass Hans E. Ködelpeter, später sehr erfolgreicher und routinierter Romanautor in allen möglichen Genres und von mir bereits besprochen, diesen Roman NICHT verfasst hat, so dass also die o.a. Herren Barner oder Münch hier vor der Schreibmaschine gesessen haben müssen.

Es ist aber auch egal, denn diese First-Person-Erzählung aus einer Zeit von echtem Schrot und Korn, ist an wechselhafter Albernheit, bemühter Härte und mentaler Grobkörnigkeit schwer ernst zu nehmen.
Aber so heißt es jetzt: Hallo…hier spricht Hello Amboss…

Stepp auf heißem Eisen»Ich zerschlug das Büro in einige hundert kleine Bestandteile. Ich leistete ganze Arbeit! Es war vielleicht nicht auf den ersten Blick gesetzmäßig, doch konnte ich dies in diesem besonderen Falle schon tun. Ich war Angehöriger der Central Intelligence Agency, also Agent des us-amerikanischen Geheimdienstes, im Einsatz. […] Ich griff zu diesem Mittel, um ihm noch einmal zu demonstrieren, dass er besser daran täte, meine Kreise künftig nicht mehr zu stören.« (Ich höre immer nur „ich“, „ich“, „ich“…)
Ja, äh, tatsächlich!

Falls jetzt noch irgendwelche Zweifel bezüglich kreativer Zurechnungsfähigkeit hatte: der Held heißt wirklich „Amboss“ und mit Vornamen „Hello“.

Nein, das ist kein Tarnname und der Serientitel auch kein Wortspiel von locker-flockigen Synchrodimensionen. Der heißt wirklich so.
Konnte ich zunächst auch nicht glauben, bis er sich selbst so titulierte und ab da geisterten – ich bitte meine Kindheit in den 80ern zu entschuldigen – nur noch otto-affine „Amboss – der Kontrollator“-Gags durch mein Hirn, wann immer der Name erwähnt wurde.

Damit ist die Grenze zur trashigen Satire natürlich – ungewollt durch deutsche Autoren, die das „Amerikanische“ wohl betonen wollten – durchbrochen worden, wobei unser Held eigentlich nicht der Typ ist, der sieben unmögliche Dinge schon vor dem Frühstück macht, sondern ein bodenständiges Agentenkerlchen, der sich im Dienste von Onkel Sam…tja…wie sag ich es meinen Kindern…etwas deppert anstellt.

In diesem Plot ist er jedenfalls enorm inkognito unterwegs, so inkognito, dass er, als freier CIA-Agent der Spionageabwehr (Orrr…erste Dosis Morphium bei mir…) seinen eigenen Namen als Privatdetektiv benutzt, um einen Job bei Oliver Newston, Chefchen der All-Steel-Company zu ergattern. Mr. Newston ist sein Töchterlein abhandengekommen, allerdings nicht per Entführung, sondern durch aktives Durchbrennen mit einem anderen Mann.
Die beiden haben ein Flugzeug bestiegen und sind dann im nördlichen Texas vom Radar verschwunden.

Hello hat aber überhaupt kein Interesse, die Holde wieder zu finden, schließlich spielt er den „private dick“ nur (aber das sehr gut, speziell den Teil mit dem „dick“), muss es aber tun, um bei All-Steel ein Bein in die Tür zu bekommen.
Die stehen nämlich unter irgendeinem nebulösen Verdacht, Kartellgesetze gebrochen zu haben und illegal Stahlaufkäufe getätigt zu haben, um eine spezielle Legierung zu gießen, die man dann an illegale Drittstaaten verticken könnte. Wer das jetzt nicht verstanden hat: es ist auch nur der McGuffin und ein dazu enormer Kokolores, der den CIA-Einsatz im Inland rechtfertigt. Es hätte auch um Popcorn mit Blausäure aus Russland gehen können.

Präsentiert wird diese Begründung allerdings so steif, als hätte der Autor die Idee direkt aus einem Werbeprospekt der stahlerzeugenden Industrie abgepaust, als Hello seinem Chefchen Connaks Bericht erstattet.
Wie das klappen soll, dass ein findiger Privatdetektiv nach Beendigung eines Auftrags Einblick in die Firmenunterlagen seines Auftraggebers bekommen sollte, wird übrigens nie geklärt, aber das ist ja auch nicht so wichtig…

Anschließend wird unserem US-Proto-Bond noch Gelegenheit gegeben, die problematische Beziehungsführung eines toughen Agenten zu thematisieren. Einerseits hat er nämlich eine patente Sekretöse/Aushilfskarateklopperin namens Inge am Huf, die so ziemlich alles drauf hat inclusive Eigeninitiative, die er aber auf keinen Fall ehelichen oder mittels offizieller Pressemitteilung als festes Mäuschen akzeptieren möchte, weil die CIA-Kollegin Eileen, die immer mal für ein flottes Abenddate reinschaut, auch ganz knusprig ist.

Knusprig sind übrigens auch viele andere Mädels, vorzugsweise Vorzimmerdamen und Sekretärinnen, die sonst – und hier legt sich der Autor bei der Auswahl fest – nur Aussichten auf brutale Schläger, picklig-schwächliche Jünglinge oder schräge Hinterwäldler haben. Angesichts eines offenbar gigantösen Hulkamaniacs wie Amboss nun mal einer ist, fällt die Auswahl da wohl leicht und so sind auch seine Interessen gelagert. Immerhin wurde anno 1960 noch nicht permanent ans Pflügen gedacht, aber anklingen sollen die sexuellen Untertöne schon. Vor allem, wenn man sich bei einer Rettungsmission dem Chef gegenüber mehr vom Aussehen der Betreffenden getrieben zeigt, als von der hehren Aufgabe.

Daheim darf Kollegin Inge erst mal hübsch aussehen, Essen bereit stellen und sich dann in der Folge auch noch Kritik anhören, denn als plötzlich zwei brachiale Schläger mit Pistolen im Auftrag des Schrotthändlers Noel Jackson auftauchen, ist unser Held gezwungen, Kleinholz aus den Vierschrötigen zu machen und Inges ergänzende Handkantenschläge saßen heute gar nicht gut.

Gut gelaunt liefert er den „Schrott“ (hohoho!) wieder beim Schrotthändler Jackson ab, macht kesse Sprüche, prügelt dann den eigentlich wehrhaften Boss zusammen und lässt ihn mittels Pistolenmagazin sogar noch ein Tänzchen aufführen.
Als er endlich damit fertig ist, fällt ihm dann auch wieder ein, dass Taten mitunter Folgen haben und nun im Falle einer Racheaktion Inge in Gefahr sein könnte, die er bittet, nach Michigan abzudüsen. Weil aber kein Flug für ihn zu bekommen ist, vergeht zunächst ein Tag. Dann geht’s zum Flugplatz, doch kaum hat er einen Flug gebucht, schlagen ihn zwei Angreifer in der Telefonzelle bewusstlos. Flug verpasst, neuen buchen! Weil er aber noch zwei Stunden Zeit hat, fährt er nochmals zu Jackson (der nicht da ist) und schlägt wegen seiner neuen Beule dessen Büro kurz und klein!

In Nord-Texas gelandet, gibt er sich erst mal betont unauffällig, erzählt jedem, der es nicht wissen will, abendfüllend von seiner „Profession“ und plaudert Details seines Auftrags aus. (!!!) Dann kontaktiert er den hiesigen Militärflugplatz, wo er aus einem ganz gewöhnlichen Gespräch heraus intuitiv argwöhnisch wird (...ja, ich weiß doch auch nicht…). Sein Gesprächspartner erklärt aber, sowieso mit einer Gruppe von Leuten per Dakota (ein Kleinflugzeug) das Städtchen Watah in Kürze anzufliegen.
Freundlichst frisst Hello dann das Flughafenlokal leer, bis die Dakota landet und sieben Strahlemänner aus „Top Gun“ auftauchen.

Die verhalten sich seltsamerweise leicht distanziert bis einschüchternd und halten ihn offensichtlich hin. Also verabschiedet er die Gruppe, um dann aber den befehlenden Captain der kerosinreichen Sieben aus dem Stand mit Waffengewalt zu zwingen, ihn zu dessen Flugzeug quer über das Rollfeld zu bringen. Unter allerlei Gejammer und dem Niederschlagen eines Zwergenaufstands („Er war eben doch ein schlechter Menschenkenner, sonst hätte er mir an der Nasenspitze anmerken müssen, dass ein Bursche wie ich nie ins Stolpern kommt.“) klappt das Unterfangen und man düst in die Weite der Wüste.

In der Luft zwingt Amboss Captain Lows (jetzt kriegt der Mopp nach einem halben Dutzend Seiten auch mal einen Namen!), die Maschine dorthin zu steuern, wo dieser seiner Meinung nach das Liebespaar versteckt hält und verblüfft ihn mit einigen Detailkenntnissen über modernste Triebwerke (die eigentlich reine Poserei sind und eigentlich zu nichts führen, außer dass sich die Männer irgendwie verbunden fühlen sollen).
Schließlich gibt Lows zu, dass er den „Entführer“ kennt, einen Flugkameraden und Ex-Offizier der Air Force namens Pat Millan.

Als sie schließlich am Versteck landen und Millan wie auch Töchterlein Mary sich zeigen, folgt Hello seinem ursprünglichen Plan: sozusagen präventiv würgt er Millan bewusstlos. Gemeinsam mit Mary (die den überwiegenden Teil des Weges wahlweise schweigt, jault oder seltsam hoffnungsbefreite Beinaheaussagen bezüglich ihres Daddy macht) kapert er die Maschine und fliegt zurück.

Natürlich klappt das nicht wie gewünscht und er muss samt Mary auf einem Acker aus Treibstoffknappheit landen. Als es dann nicht weitergeht und Mary sich dann auch noch auf dem Weg den Knöchel verknackst, wird es nicht besser (vorsorglich scheißt er das Mädel unter Simulantenverdacht erst mal zusammen, bevor er sich den Knöchel ansieht!).
Schließlich kommen sie in einem Gasthaus einer kleinen Ansiedlung unter.

Ab da wird es dann zunehmend unzusammenhängend: Hello klingelt telefonisch – mitten in der Nacht – seinen Auftraggeber Newston aus dem Bett und macht seitenlang Andeutungen, wie viel der Herr Papa dann zahlen würde, wenn er, Amboss, schnell liefern würde; leiert dann seinem Arbeitgeber zehn weitere Riesen aus dem Kreuz (die er dann, laut introspektiver Erklärung, angeblich einem Waisenhaus spenden möchte) und gibt erst dann zu, dass er die Holde bereits hat. (Das schafft bestimmt Vertrauen, diesem Mann die Firmenunterlagen zu zeigen! Erpresst einfach ein zehnfaches Honorar, diesem Vater würde ich bis zum Ende der Welt folgen.).

Newston empfiehlt, die Tochter bei den Narras Brothers im nahe gelegenen Canson-City zwischen zu lagern. Die Erwähnung besagter Geschäftsleute sorgt nicht gerade für Begeisterung bei Mary. Tatsächlich aber kommt er nicht mehr dazu, Mary abzuliefern, denn wieder taucht ein fieser Schläger in Leder (olala) auf, der ihm seinen Scheck bringt und Mary abholen möchte. Obwohl der Typ bis dahin einfach nur unhöflich ist, wird er von Hello daraufhin erst mal zu Klump gehauen, weil beide „wohl sowieso nicht miteinander auskämen“.
Erst im Anschluss kommt ein Telegramm von Newston zum Tragen, in dem erwähnt wird, dass Amboss sofort aus Newstons Diensten zu entlassen ist (logo!).

Das gefällt Hello natürlich nicht und er möchte die Schöne dann doch behalten (obwohl er mit ihr noch auf keinen grünen Zweig gekommen ist), doch kaum hat er einen der Typen rausgeschmissen, wird er von dessen Kollegen mittels Schusswaffe überwältigt und Mary wird abtransportiert.

In aller Hast begibt sich Amboss nun nach Canson-City und holt Auskünfte ein (mangels Internet via „Auskunftsbüro“). Dann fährt er zu der Firma und bewirbt sich beim Werksschutzchef, wo er allerdings mitten in der Bewerbung von dem Schläger aus dem Gästehaus aufgestöbert wird. Wieder gibt es Kloppe, diesmal mit Feueralarm, den Hello jedoch dazu nutzt, die beiden Narras-Brüder zu überwältigen und Mary wieder in seine Gewalt zu bringen.

Nach allerlei Flieherei und Sabbelei (der drölfzigste Versuch, Mary zu überzeugen) gibt die Tochter schließlich Andeutungen preis, dass ihr Dad irgendwelchen Murks mit seiner Stahlfirma gemacht hat (der am Anfang beschriebene), zu dem er halb gezwungen und zu dem es ihn halb gezogen hatte. Nun liegt diese Speziallegierung (die der Geheimdienst schon im Uferschlamm irgendwo vor der Küste teilweise gefunden hatte) also vor und ihr Vater steht unter Druck von zwei Seiten, den Behörden und seinen Mitverschwörern.
Bis all diese Details aus der Holden rauskullern, überzeugt Hello die Schöne jedoch mit einer schier wahnwitzig formulierten Szene mit plötzlichem Hoseöffnen (in der nicht sofort klar ist, ob er sie vergewaltigen, sie auspeitschen oder ihr seinen geheimen CIA-Ausweis präsentieren will), von der Lauterkeit seiner Motive, wenn sie denn schon weiß, dass Daddy Dreck am Stecken hat.

Soweit, dass Mary aussagen würde, ist sie aber immer noch nicht, also kachelt er mit ihr per Auto zurück nach Washington. Dort sieht er sich in seinen schlimmsten Befürchtungen bestätigt, als Inge daheim nicht aufzufinden ist.
Obwohl es keinen Fingerzeig bezüglich einer Entführung gibt, macht Amboss, Geistesriese der er ist, den Schrotthändler Jackson dafür verantwortlich. Obwohl genau in dieser Sekunde – Seite 56 – Mary endlich die Torpedorohre bezüglich Auskunftsbereitschaft flutet, tiltet Hello das Thema, bis er am Schrottplatz angekommen niemanden vorfindet. Offenbar gab es eine Razzia.
Am Telefon erreicht er zwar weder seinen Chef noch seinen Oberchef, erfährt aber, dass Inge offenbar alle Beteiligten hat einkassieren lassen und dann nach Michigan gefahren ist, wie eben gewünscht. Und die ebenfalls absente Eileen ist im Einsatz. Schöner Mann, schön blöd!

Überglücklich lässt er sich nun erzählen, wie die geheime Legierung mit der familiären Privatyacht „Mary-Lou“ verklappt und verschifft wurde.
Gemeinsam fahren sie zur Küste, stöbern aber Captain samt Besatzung in einer Bumsspelunke am Hafen auf, wo es dann zum großen Finale kommt, welches zu einer Saalschlacht ausartet. Mit dabei ist Eileen (deren Einsatz genau die Überwachung dieser Kneipe war), die als Steptänzerin (ach, daher der Romantitel…) mit einem Schwert auftritt, welches in der Prügelei und Schießerei dann noch zum schnittigen Einsatz kommt, ehe die CIA die Bude stürmt.

Wie sich später heraus stellt, war sogar schon Pat Millan ein CIA-Mann, der sich aber in seinen Auftrag verliebte und beauftragt wurde, sie zu „entführen“, so dass Newston einen Privatdetektiv benötigen würde, um ihn zu finden. (Ja, das ist wirklich so umständlich und deppert, wie es klingt.)

»Ich brachte den Wagen zum Stehen.
›Ich will ihnen mal etwas sagen, Mary. Jetzt will ich Ihnen mal was sagen!‹
Ich löste den Gürtel meiner Hose! «
(Naja, wenn es der Vertrauensfindung dient…)
Ja Freunde, nach gefühlten sieben Gin-Tonic und dem Ausziehen MEINER Hose (in Jogginghose schreibt es sich besser) habe ich mein inneres Gleichgewicht wieder gefunden (das äußere ist ein wenig schwankend) nach diesem Leihbuchklassiker der alten Schule, aus einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat.

Ich habe zwar schon beknacktere Romanbeiträge lesen dürfen, aber generell bin ich mit älteren Beiträgen eigentlich immer ganz gut gelitten gewesen, aber welche Ansprüche hier an die Autoren gestellt wurden, ist mir immer noch nicht ganz klar.
Die Herren konnten schreiben, trotz ihrer „Neigung zum kurzen Hauptsatz“ (das hab ich, sehr vergnügt, im Netz in einer Rezension zu einem anderen Amboss-Roman gefunden), die auch hier vielseitige Verwendung findet. Sie konnten schreiben, aber vielleicht nicht gerade bei diesem Roman oder dieser Reihe.

Andererseits hatten sie auch eine Neigung zum gedrechselten Geschwurbel, wenn plötzlich eine Figur  uns dem Roman, die kriminellen Hintergründe und seine Motivation erklären muss und dann wohlfeil ins Wirtschaftskriminalitätsdetail gegangen werden darf. Die Einordnung des Geschehens zu Beginn des Romans (Geheimnisse der Stahlindustrie) hatte mich schon halb abgeschreckt, was da wohl auf mich zukommen möge, bis ich im Anschluss verstand, dass nicht nur der Plot halbwegs hirnrissig ausfallen würde, nein auch der Protagonist tut noch sein Möglichstes, um ihn noch beknackter ausfallen zu lassen, weil die Substanz gegen Actionübergewicht eingetauscht wird.

Dreh- und Angelpunkt ist immer der Titelheld und Ich-Erzähler „Hello Amboss“ (als Name, diese Migräne…argh…), der als so eine Art frei flottierender Agent der CIA/Spionageabwehr (haben die überhaupt zwingend miteinander zu tun?) agiert, sich aber sonst gibt wie ein klischeehafter Privatdetektiv (komplett mit patenter Tippse) – der sich hier dann als angebliche Tarnung wie die Parodie des selben Privatdetektivs benehmen muss.

Unser aller Kumpel Hello ist behauptet in seinem Off-Kommentar zwar immer fleißig, seinen Bregen zu bemühen, zieht jedoch meistens die falschen Schlüsse und neigt in allen übrigen Fällen dazu, etwaige Konflikte präventiv mit brutaler Gewalt zu lösen, was – wie schon erwähnt – in Sachen Kundenbindung und Vertrauensschöpfung eher kontraproduktiv wirkt.
Als ob er sich in das Herz seines Auftraggebers prügeln könnte, ohne dass der überhaupt von diesen seinen Methoden erfährt und dennoch dann seinen Safe und seine Geheimdokumente mit ihm teilt, weil sie ja so gute Kumpels sind!

Noch schlimmer die Idee hinter dem ganzen Stuss: die komplette Entführung/Flucht des Mädchens ist also schon CIA-gesteuert, was würde also sicherer sein, als Amboss einfach gleich zu stecken, dass er nur so tun muss, als müsste er das Mägdelein noch finden. Gott, man hätte ihm ja sogar den Ort des Verstecks verraten können.
Aber nö, der Typ rollt halb Washington und halb Texas auf wie die fünfte Kolonne, zerstört Büros aus Frust, haut Typen vorsichtshalber die Fresse ein oder weil sie ihm nicht hübsch genug sind und rechtfertigt das auch noch im inneren Monolog als gut und richtig. Notfalls entschuldigt er (siehe erstes Zitat) seine offensichtlich fehlende Impulskontrolle mit seiner Arbeit für die US of A, in deren Diensten man sich offensichtlich in reiner Willkür suhlen kann.

Darüber hinaus hat er einen ausgeprägten Neandertalerkomplex und schaut meistens auf weniger wohlgeformte und muskelbepackte Menschenwesen als ekles Kroppzeug herab und sucht bei den Damen um ihn herum meistens die offensichtlichen Reize, wobei „arglos“ dabei immer gern gesehen ist.

Der Held tritt hier also als empathischer Volldepp auf, der meistens das Falsche tut, um dann alles auf der Suche nach dem richtigen Weg wieder platt zu walzen.
Will er erst nur das Vertrauen des Auftraggebers, wird daraus bald daraus die Notwendigkeit, die Tochter zum Reden zu bringen – allerdings erst, als er sie so in Angst und Schrecken versetzt hat, dass sie nun gar nichts mehr sagen will. Zwischendurch bemüht er sich dann wieder, ein enorm netter und konstruktiver Typ zu sein, was natürlich auch nicht überzeugender wirkt. Da haben die Jungs hier einen ziemlich unangenehmen Borderliner geschaffen, mit dem man sich schwerlich identifizieren kann.

Soviel Inkompetenz fällt unangenehm auf, denn es ist gleichzeitig auch noch Streckungsmittel, welches zu enorm und überflüssig langen Szenen wie der Überwältigung des Captains und dem anschließenden Dakota-Flug zu den Flüchtigen führt. Zwischendurch ist da unser Held einerseits bemüht, sein Incognito zu wahren, gibt sich aber sonst alle Mühe, in den Augen der Geisel als kompetenter und gut gebildeter Ex-Militär oder Ingenieur zu erscheinen, was zu der Profession als Detektiv natürlich kaum passt. Aber nachdem Hello erst ziemlich viele Vorurteile gegen den Anführer geschoben hat, ist er in der Maschine dann plötzlich ein feiner Kerl, sofern er des Helden Arbeitsideologie halbwegs teilt. Derlei Unentschiedenheit gilt auch für die späteren, langatmigen und wenig überzeugenden Überredungsversuche, von dem Mädel Infos zu bekommen, die er sowieso schon erahnt.

Dazwischen geriert er sich als selbstverliebtes Abrisskommando, welches mit seinen Urinstinkten immer noch auf Du und Du steht und nur insofern positiv rüberkommt, als er während der vollen 64 Seiten niemand umbringt.

Aber offenbar hatte der Mann genügend Fans für weit über 40 Heftromane, die zumeist aus Leihbüchern zusammengekürzt wurden (von denen wiederum einige indiziert waren), insofern gibt es immer Bedarf an etwas rohen Kerlen.
Tatsächlich hab ich nichts dagegen, das Florett mal gegen die Bazooka zu tauschen, aber der Versuch einer Symbiose aus brachialen Urinstinkten und feinsinniger Ermittlungsarbeit, den fahren die Autoren hier gehörig an die Wand.

Am besten sollte ich mir bei Gelegenheit jetzt auch noch einen Toby Gin genehmigen, ich werde mal danach Ausschau halten. Für den Moment bin ich aber ganz froh, dass dieser Stilmix hier später eine klare Abgrenzung seiner Zutaten erfahren hat und ich mich nicht durch das gesamte Amboss-Oeuvre arbeiten muss.
Falls ihr von besseren Beiträgen der Figur wisst, mein Ohr ist immer offen…

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Kommentare  

#1 JLo 2019-03-18 15:45
Nicht zu vergessen ist die ebenso schreckliche Schwesterreihe "Lucky Hello"; außer durch den "glücklichen Vornamen" gibt es keinen Unterschied zu "Hello Amboss".
Die Erstausgabe im Leihbuch wird von Kalbitz & Kästner auf 1959 beschätzt. Und mit dem Datum 15.02.1962 wurde er indiziert. Da war der Nachdruck als Kelter-Krimi #247 schon fast ein Jahr her.

Freue mich schon auf die Besprechung des Toby-Gin-Romans!!!

Schöne Grüße und bitte weiter so!! John
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