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Plüschige Perversionen - »The Happytime Murders«

The Happytime MurdersPlüschige Perversionen
»The Happytime Murders«

Die meisten Kindergenerationen der letzten Jahrzehnte sind mit den knuffigen Monstern aus Plüsch aufgewachsen, die Jim Henson „Muppets“ taufte. Nach seinem frühzeitigen Tod im Jahr 1990 ist sein Sohn Brian Henson in die Fußstapfen des Vaters getreten und hat u.a. mit „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ einen der gelungensten Kinoableger der Fernsehstars geschaffen. „The Happytime Murders“ bricht nun mit einer jahrzehntelangen Tradition.

The Happytime MurdersSubversiv und anarchisch waren die „Muppets“ eigentlich schon immer, viele der zynischen und makabren Gags und Anspielungen gingen aber schlichtweg oft an der Wahrnehmung der kindlichen Zuschauer vorbei und machten die tierischen Puppen auch bei einem erwachsenen Publikum beliebt. Geschmacklosigkeiten und Perversionen blieben aber freilich schon immer komplett ausgeklammert, haben aber nun Einzug in „The Happytime Murders“ gefunden, der in Deutschland die Tagline „Kein Sesam. Nur Straße“ trägt. Mit der Entscheidung, Melissa McCarthy („Brautalarm“, „Taffe Mädels“) als Produzentin und Hauptdarstellerin mit an Bord zu holen, hat Brian Henson ein Stückweit schon die Marschrichtung vorgegeben – denn die übergewichtige Komikerin, die es immerhin schon auf zwei Oscar-Nominierungen gebracht hat, ist nicht gerade für ihre Subtilität oder einen feinfühligen Humor bekannt. Hier tun sich wahrlich Abgründe auf im „Tal der Puppen“.

The Happytime MurdersVor einigen Jahren noch zählte die Puppe Phil Philips (in der deutschen Fassung gesprochen von Craig-Bond-Stimme Dietmar Wunder) zu den besten Cops von Los Angeles. Doch ein fataler Fehler führte nicht nur zu Phils Suspendierung, sondern auch zu einem Gesetz, das es Puppen künftig unmöglich machte, in den Polizeidienst einzutreten. Philips schlägt sich nun als Privatdetektiv durch und hat gerade einen Auftrag der liebreizenden Sandra White (Nana Spier) übernommen. Bei seinen Recherchen gerät er mitten hinein in eine Schießerei in einem Pornoladen, der u.a. Augustus Bumblypants (Oliver Rohrbeck) zum Opfer fällt. Der war einst einer der Stars einer erfolgreichen Puppenfernsehserie. Ebenso wie Phils Bruder Larry (Hans-Jürgen Dittberner), der als nächstes einem Mordanschlag erliegt. Phil vermutet, dass dies kein Zufall ist, sondern ein ausgeklügelter Plan dahintersteckt, der auch noch weiteren Stars der Serie das Leben kosten könnte. Lieutenant Banning (Leslie David Baker), der den Fall von Phils ehemaliger Partnerin Detective Connie Edwards (Melissa McCarthy) untersuchen lässt, entschließt sich dazu, auch Phil selbst als Berater wieder mit dazu zu holen.

The Happytime MurdersNein, „The Happytime Murders“ ist sicherlich kein Film für Kinder geworden. Ähnlich wie der gleichermaßen sexistische und zotige „Sausage Party“, ein vollanimierter Film für ein erwachsenes Publikum, bricht auch dieser Henson-Film mit allem, was in diesem Genre bislang Usus war. Wir sehen Puppen beim Rauchen, Saufen und Ejakulieren, was einerseits als Tabubruch tatsächlich interessant und spannend ist. Andererseits ist es aber schade, dass das Niveau der Gags und Seitenhiebe selten über Stammtischfrotzeleien hinauskommt. Da wäre durchaus Potenzial vorhanden gewesen, wenn man bessere Autoren mit der Aufgabe betraut hätte. Immerhin gibt es einige gelungene Anspielungen auf aktuelle Rassismus- und MeToo-Debatten, herrlich schräge neue Puppenfiguren und ungewöhnliche Situationskomik. Für ein etwas nerdigeres Publikum sicherlich eine Entdeckung. Die BluRay-Erstveröffentlichung wartet mit gutem Bild (im Widescreen-Format 2,40:1) und Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 5.1, optional mit Untertiteln auf Deutsch und in Englisch für Hörgeschädigte) auf, die man nicht beanstanden kann. Als Extras gibt es einen Audiokommentar mit Brian Henson und Puppenspieler Bill Barretta, ein Making Of (4 Minuten), ein Featurette (3 Minuten), eine kleine animierte Bildergalerie, den deutschen und zwei amerikanische Kinotrailer zum Film, sechs geschnittene Szenen (zusammen 14 Minuten), ein Gag Reel (3 Minuten), ein B-Roll (6 Minuten), drei Behind-the-Scenes-Clips (zusammen 9 Minuten) sowie Interviews mit Melissa McCarthy (5 Minuten), Elizabeth Banks (2 Minuten), Maya Rudolph (1 Minute) und Brian Henson (10 Minuten).

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