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Alf Tjörnsen Männer der Zukunft - Nachschlag

Männer der Zukunft - nachschlagAlf Tjörnsen

Richard Johannes Rudat wurde wurde 1922 geboren, lebte zeitlebens in Schleswig-Holstein und verstarb im Jahr 1980. Er war Zeuge Jehovas.

1953 erschien im Pabel Verlag die erste deutsche Heftromanreihe, die ausdrücklich unter dem Label ›Science-Fiction‹ agierte. Ihr Name war Utopia.

Tatsächlich handelte es sich dabei in den ersten Jahren eigentlich um eine Serie.


Strafkolonie MondDies verriet der Untertitel "Jim Parkers Abenteuer im Weltraum".

Die ersten 43 Romane gehörten nämlich ausschließlich zu dieser Serie. Erst mit Band 44 gab es den ersten unabhängigen Einzelroman. Alle 43 Romane stammten aus der Feder von Alf Tjörnsen. Bis Utopia 61 folgten sechs weitere Titel zu Jim Parker. Danach übernahmen zunächst Axel Nord (6 Romane) und zuletzt Bert Horsley (4 Romane) die Serie. Jim Parker war also die erste deutsche SF-Serie und Alf Tjörnsen damit der erste deutsche SF-Autor. Held der Serie war Jim Parker, ein amerikanischer Pilot, der im Auftrage des Staatlichen Atom-Territoriums agierte, als Freund und ständiger Begleiter fungierte der Deutsche Fritz Wernicke.

SOS CeresParker erkundete das Sonnensystem, beginnend mit Mond, Venus und Merkur. Der Wettstreit der Nationen, die beginnende Besiedlung der Venus und verrückte Wissenschaftler waren die Themen der ersten Romane. Später stieß man auch auf Außerirdische. In mancherlei Hinsicht stand Jim Parker noch in der Tradition der utopischen Romane der Vorkriegszeit. Vielen damaligen SF-Fans war die Serie nicht "amerikanisch" genug. Und die späteren Perry-Rhodan-Autoren setzten sich bewußt von Jim Parker ab und hielten sich beispielsweise gar nicht erst lange mit der Erkundung des Sonnensystems auf. Obwohl Jim Parker schließlich auf 59 Titel kam und über 5 Jahre lief, geriet die Serie später weitgehend in Vergessenheit, hatte wohl auch nie einen so eingeschworenen Fankreis wie der Erbe des Universums. Vor kurzem ist die Serie als Nachdruck im Mohlberg Verlag erschienen. Dabei hat sich herausgestellt, dass möglicherweise die letzten unter Alf Tjörnsen erschienen Serienromane von einem anderen Autoren verfasst worden sind.

Sternenstaffel SilbermondAb 1956 erschienen auch etliche Einzelromane aus der Feder von Rudat. Beginnend mit "Sternenstaffel Silbermond"  (Utopia 56) und endend 1961 mit "Wettfahrt zum Mond" (Utopia 256). Darunter befanden sich auch drei Romane um Captain Wilkens (Utopia 231,235 u. 249) sowie drei Bände um John Palmer, die möglicherweise ursprünglich als Jim Parker Romane geschrieben worden sind (Utopia 94, 96 u. 98). Insgesamt handelt es sich um 12 Titel.

Planet der FinsternisDanach gehörte Tjörnsen zum Autorenteam der zweiten Sciencefictionserie aus dem Hause Pabel: Mark Powers. Anders als bei Jim Parker handelte es sich dabei nicht um eine Endlosserie mit Rotem Faden. Jeder Autor schrieb seine eigenen Geschichten, was oft zu eklatanten Widersprüchen führte. J.E. Wells, einer der Autoren brachte gar etliche seiner bereits erschienen Titel in der Serie unter, indem er einfach die Namen der Hauptpersonen in Jim Parker und Fritz  Wernicke änderte. Und auch bei einigen Romanen von Alf Tjörnsen fällt auf, dass sie vom Inhalt her sehr an einige seiner früheren Einzelromane erinnern (Mark Powers 33/34 und Utopia 231/235). Ein anderer Romantitel gleicht stark einem der Jim Parker Romane (Mark Powers 19 und Utopia 23). Erster Serienbeitrag von Tjörnsen war Mark Powers 17 "Uran und Gespenster", letzter Nummer 45 "Tod den Terranern".

Uran und GespensterÄhnlich wie früher Jim Parker erschien Mark Powers zunächst im Rahmen der Utopiareihe, für zwei Jahre dann als eigenständige Heftserie und die letzten Romane wurden dann wieder innerhalb von Utopia gebracht. Insgesamt kam man so auf mehr als 70 Nummern und eine Laufzeit von 4 Jahren. Die letzten drei Romane waren innerhalb von Utopia gar nicht mehr als Mark Powers gekennzeichnet. Nach neuesten Erkenntnissen hat Tjörnsen für kurze Zeit van Holk als Chefautoren der Serie abgelöst, bevor Manfred Wegener zuletzt diese Rolle übernahm. Bei Mark Powers schrieb mit Freder van Holk, der in der Vorkriegszeit die beiden Romanserien "Sun Koh" und "Jan Mayen" verfasst hatte, ein prominenter serienerfahrener Autor, der Anhänger der sogenannten Hohlwelttheorie war, was ihn in Widerspruch zu den damals aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen brachte. Ebenfalls Serienerfahrung konnten W.W. Shols (Perry Rhodan), Helmut K. Schmidt (Rah Norten) und Axel Nord (JimParker) vorweisen. Dazu kamen etliche Newcomer, die in den nächsten Jahren die deutsche SF bereichern sollten. Dies waren H.G. Francis, (Rhen Dhark, Begründer von Rex Corda und Ad Astra,  Perry Rhodan, Atlan), Manfred Wegener (Rhen Dark, Rex Corda und Commander Scott), Peter Theodor (Ren Dhark und Raumschiff Promet) und Hermann Peters (Ren Dhark, Raumschiff Promet). Erfarungen als Leihbuchautor gesammelt hatte schon Jay Grams (Jürgen Grasmück), aber auch für ihn war Mark Powers die erste Serie, auf die Beiträge für Rex Corda und Ad Astra folgten.

57 Serientitel (möglicherweise ein paar weniger, s.o.) und 14 Einzelromane umfasst Alf Tjörnsen Bibliografie. Er war gewissermaßen ein Hausautor des Pabel Verlages. Alle seine Romane erschienen dort. Beeindruckend bleibt seine Leistung, ohne eigentliches Vorbild die erste deutsche SF-Serie konzipiert und geschrieben zu haben. Bemerkenswert ist, dass es keine Leihbücher von Tjörnsen gibt, alle seine Romane erschienen nur als Heft. Dankeswerterweise hat sich der Mohlbergverlag in letzter Zeit seiner Werke angenommen und Jim Parker neu herausgebracht. Tjörnsen größtes Manko war, dass er im Gegensatz zu Clark Darlton und K.H. Scheer über keinerlei Verbindung zum entstehenden Fandom hatte. Während jene ebenso wie W.W. Shols und William Voltz aktiv im SFCD und anderen Konkurrenzclubs mitmischten blieb Alf Tjörnsen als Person ein völig Unbekannter, wurde lange Zeit sogar für ein Verlagspseudonym wie Ted Scott gehalten.

Heimkehr voin transplutoUtopia- Jim Parker: 49 Titel
(1953-1956)
1 Strafkolonie Mond
2 Die Macht des Unheimlichen
3 Panik im Weltall
4 Auf dem künstlichen Mond
5 Kurierflug nach Orion-City
6 Kampf zwischen Erde und Venus
7 Kampf um den Vulkan
8 Das lautlose Grauen
9 Flucht vor dem Kometen
10 Abenteuer in Alaska
11 Wettflug zum Abendstern
12 In den Dschungeln der Venus
13 Entscheidung in Sydney
14 Siedler auf fremden Stern
15 Das Rennen der Raketenfahrer
16 Planetoid Luzifer
17 Bazillus L 13
18 Verräter im Mondwerk
19 Spione vom Mars?
Das Sanatorium des Teufels20 Der Wettermacher von Teneriffa
21 Der schwarze Mond
22 Sturm über In-Salah
23 Das Sanatorium des Teufels
24 Gespenster im Weltraum
25 Station Olivia
26 Schiffbruch im Sonnensee
27 Jagd auf Mexas
28 Uranfieber
29 Hölle Merkur
30 Atomspionage
31 Katastrophe am Nil
32 Atombomben im Weltraum
33 Absturz im Morgengrauen
34 Unternehmen Titan
Jenseits von Pluto35 Das geheimnisvolle Raumschiff
36 Robotflugzeuge XM-9
37 Stern der Wunder
38 Signale aus dem All
39 Angriff auf Orion City
40 Der Kriegsplanet
41 Marsfeuer
42 Angriff auf Luna IV
43 Verbrechen auf Japetus?
48 Der Sturz in die Unendlichkeit
51 Jim und seine besten Jungen
54 Die Kugeln der Uraniden
56 Geheimstadt Großer Bär
59 Todesrakete X 17
61 Der Sohn des Sirius

Heimkehr vom TransplutoUtopia: 14 Titel
(1956-1961)
55 Raketenstaffel Silbermond
57 König der Roboter
58 Weiße Hölle Mond

60 Flammen im Atlantik
94 Geheimauftrag Abendstern (UWS 46)
96 In den Wüsten des Mars (UWS 46)
98 SOS Ceres (UWS 46)
109 Atomstadt Plutonia
152 Wildnis auf Ganymed (UWS 49)
197 Uranrausch
223 Boten des Teufels
231 Jenseits von Pluto (UWS 24)
235 Heimkehr vom Transpluto (UWS 24)
249 Captain Wilkens wird Pirat (UWS 24)
284 Wettfahrt zum Mond
Das Institut des Satans
Mark Powers: 8 Titel
(1962-1963)
17 Uran und Gespenster
19 Das Institut des Satans
21 Feuerprobe
22 Aufruhr auf der Venus
29 Stützpunkt Kallisto
33 Planet der Finsternis
34 Transpluto schlägt zu
45 Tod den Terranern

Richard J. Rudat *1922
Pseudonym: Alf Tjörnsen

Kommentare  

#1 Postman 2016-10-08 10:52
Lt. Wiki hätten auch mehrere Autoren unter diesem "Pseudonym" geschrieben, u.a. auch dieser:
de.wikipedia.org/wiki/Raymond_F._Jones

Dies sollte ggf. auch mal einer berichtigen ...
Zitieren
#2 Harantor 2016-10-08 11:12
zitiere Postman:
Lt. Wiki hätten auch mehrere Autoren unter diesem "Pseudonym" geschrieben, u.a. auch dieser:
...

Ob das so stimmt wissen wir nicht (auch in der Wikipedia steht schon mal Falsches). Heinrich Stöllner schreibt dazu in seinem Artikel vorsichtig:Zitat:
Das Pseudonym Alf Tjörnsen gehört auf jeden Fall Richard J. Rudat, möglicherweise steckt aber auch ein zweiter Autor hinter diesem Pseudonym, denn in den späteren Bänden verändert sich der Schreibstil der Romane merklich.
www.zauberspiegel-online.de/index.php/phantastisches/gedrucktes-mainmenu-147/29110-sub-und-miniserien-in-terra-und-utopia-flaggschiffe-flottenkadetten-und-flops-folge-1-jim-parker-startet-nach-utopia
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#3 Hermes 2016-10-08 17:08
Bisher kenne ich keinen Titel von Tjörnsen, der Raymond F. Jones zugeschrieben wird.

Andere Quellen vermuten auch Hans K. Kaiser hinter Tjörnsen. Aber handfeste Belege gibt es bisher auch dafür nicht.
www.sf-leihbuch.de/static/buch1364.htm
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#4 Heiko Langhans 2016-10-08 17:10
Der mutmaßliche Fehler steckt im Jones-Eintrag der DNB, wo Tjörnsen als Pseudonym von Jones genannt wird (allerdings ohne Werksnennung). Weiß jemand, ob übersetzte Texte von Jones unter Tjörnsen veröffentlicht worden sind?
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#5 Henry Stardreamer 2016-10-08 17:51
zitiere Postman:
Lt. Wiki hätten auch mehrere Autoren unter diesem "Pseudonym" geschrieben, u.a. auch dieser:
de.wikipedia.org/wiki/Raymond_F._Jones

Dies sollte ggf. auch mal einer berichtigen ...

@ Postman
Das Problem dürfte im Utopia Heft Nr. 58 liegen: Raymond F. Jones/Weiße Hölle Mond. Irgend jemand hat kolporiert, dass dieses Heft von Alf Tjörnsen stammt. Möglicherweise steht das im Inneren des Heftes. Ich habe das Heft nicht, auf dem Titelblatt steht richtig als Autor Jones. Tatsächlich handelt es sich um eine Übersetzung der Geschichte "The Moon is Death" von Raymond F. Jones, erschienen im Original im Magazin "Future" vom März 1953. Das Titelbild des Magazins wurde übrigens für das Utopia-Heft wiederverwndet.
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#6 JLo 2019-11-17 16:54
Eventuell kann ich etwas mehr Klarheit beisteuern:
Raymond F. Jones Kurzgeschichte 'The Moon is Death' ist im Original 10 Seiten lang und geht von Seite 27 bis 36. Abzüglich Illustration und Werbung auf Seite 36 sind es Netto 9 Seiten.
Utopia #58 hat 45 Textseiten und die Geschichte 'Weiße Hölle Mond' hat mehr als doppelt soviel Text wie Jones' Kurzgeschichte,
Auf der Titelseite von Utopia #58 ist angegeben: Utopischer Zukunftsroman nach Raymond F. Jones "The Moon ist death" - inklusive des Schreibfehlers im englischen Storytitel.
Der TExtvergleich zeigt, dass sich Tjörnsen von Jones hat sehr frei inspirieren lassen und ein eigenständiges Werk geschaffen hat.
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#7 JLo 2019-11-17 16:56
Im übrigen verhält es sich mit Utopia #57 'König der Roboter' ebenso: Auf dem Cover steht zwar Robert Sheckley als Autor. Die Titelseite des Heftes nennt allerdings Alf Tjörnsen als Autor der Geschichte, die wiederum eine Neuinterpretation von Sheckleys Geschichte 'Ultimatum!' darstellt. Der Textvergleich zeigt, dass keine direkte Übersetzung vorliegt.
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#8 Hermes 2019-11-18 17:43
Danke für die Info. Habe die beiden Titel jetzt in die Liste aufgenommen.
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