Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Die phantastischen Welten des Karl-Ulrich Burgdorf: Abattoir

Die phantastischen Welten des Karl-Ulrich BurgdorfDie phantastischen Welten des Karl-Ulrich Burgdorf
»Abattoir«

Anfang November 2018 überraschte Verlagschef Christian Dörge in Facebook mit der Begrüßung von Karl-Ulrich Burgdorf im Apex-Verlag: »Neu im Apex-Verlag: Heftroman-Veteran Karl-Ulrich Burgdorf«, so ein Post vom 05. November 2018. Es folgten zwei verschiedene Werbeseiten.

Die Werbung zündete – ich war angefixt -  ich bin auf einer Lesereise.

Die Eltern mit Tochter besuchen den 17 jährigen Sohn bzw. Bruder Tom, der ein College-Jahr in Amerika verbringt, um seine Englischkenntnisse zu verbessern. Bevor die Gasteltern aufgesucht werden, wird eine mehrtägige Rundfahrt unternommen.  Dabei fällt Horrorfan Tom eine Werbetafel auf: The Horror Ranch Museum. Natürlich lässt sich der Rest der Familie schnell überreden.

Und natürlich entwickelt sich der Besuch des Museums anders, als von der Familie erwartet.

AbattoirBei ABATTOIR handelt es sich um eine Kurzgeschichte, die bereits 2015 als eigenständiges E-Book veröffentlicht wurde. Ich habe die Story als 2. Station meiner Lesereise gewählt, da ABATTOIR in mehrfacher Weise ein Kontrast zu dem bereits besprochenen DELTA OMICRON darstellt: Horror  statt Science Fiction, zudem entstanden in der aktuellen Schreibphase des Autors.

Die Story entwickelt sich wenig überraschend: Familientreffen, Besuch des Horrormuseums – dann die Action. Obwohl inhaltlich so weit vorhersehbar hält die Kurzgeschichte von Anfang an die Spannung: Als Leser spekuliert man, wie der Autor die erwarteten Ereignisse umsetzt, wann der normale Ablauf eines Museumsbesuchs durchbrochen wird, wie die Charaktere mit der Situation umgehen, und die Story endet.
Um die letzte Frage zu beantworten: Mit einem bösen, originellen Schluss!

Obwohl die Story nur knapp 20 E-Book-Seiten umfasst, nimmt Karl-Ulrich Burgdorf sich Zeit. Der ich-erzählende Vater berichtet von dieser Reise, von seinem Sohn und dessen Horrorfilmvorliebe. Bereits hier liest es sich sehr intensiv. Die Geschichte hätte sich zu diesem Zeitpunkt jederzeit glaubhaft zu einem Familienroman oder Roadmovie entwickeln können. So kurz die Story auch sein mag, sie verdeutlicht erst einmal eines: Ein guter Horrorautor (oder Phantastik- bzw. SF-Autor) muss Alltagssituationen beschreiben können, um dann das Genrespezifische daraufsetzen zu können. Dies versteht Karl-Ulrich Burgdorf.

Obwohl inhaltlich etwas ganz anderes als der bereits besprochene SF-Roman DELTA OMICRON gibt es doch Gemeinsamkeiten: Die Charaktere agieren nicht nur, sondern sind fest in der Gegenwart verankert (beim SF-Roman natürlich die Gegenwart der geschilderten Zukunft). Und, besonders hervorzuheben: Das Spiel mit der Erwartungshaltung des Lesers.

Der Schäms-Scheuß-Virus und andere unwahrscheinliche Geschichten“Gibt es an der Kurzgeschichte etwas zu kritisieren?
Ja, durchaus.

Und zwar den Epilog nach dem bösen originellen Schluss. Dieser gibt noch eine zusätzliche Antwort, die aber in meinen Augen sehr viel zerstört (insbesondere den bösen originellen Schluss). Hier mehr erläutern zu wollen, hieße, den Verlauf der Geschichte und die Pointe erläutern zu müssen, weswegen ich meine Kritik jetzt als meine subjektive Meinung hier so stehen lasse.

Allerdings: So ganz alleine scheine ich damit nicht zu sein – bei der Paperback/Hardcoverversion wird es bei dem von mir gelobten Schluss belassen, der kurze Epilog nicht gebracht. Die Story gewinnt dadurch.

Die ausführliche Besprechung einer relativ kurzen Geschichte mag ein wenig verwundern, zumal sie ja auch Bestandteil der parallel erhältlichen Storysammlung ist. Ich muss gestehen, dass ich ein wenig neugierig auf den Verlag „Hary Production“ war, der bereits seit Jahren zahlreiche E-Book-Reihen veröffentlicht (z.B. „Star Gate – das Original“, „Herr der Welten“, „Garson Gate“) und weiterführt, diese Romane auch als Druckwerke vertreibt. Während diese Printausgaben oft den Anschein erwecken, 'bessere' Fanzines zu sein (ich mag mich irren!), überzeugt mich das vorliegende E-Book ABATTOIR.

Bei E-Books ist mir die Titelbildgestaltung nicht so wichtig, hier kann ich grundsätzlich gut damit Leben, wenn sogar nur Text (Autor, Titel, ggf. Reihe) stände oder bei einer Serie nur eine gleiche Grafik für jeden Band verwendet würde. Das Titelbild dieses E-Books sagt mir jedoch überhaupt nicht zu: 3 verschiedene Schrifttypen, der Text einmal sogar um 90 Grad gedreht – es wirkt wie eine mit einem Programm der 80er Jahre gestaltete Computergrafik. Das Autorenportrait (eigentlich gut getroffen) als Titelbild einer Horrorstory zu verwenden – nun ja … gewöhnungsbedürftig. Da geht mir dann doch die Einlegelasche eines Schutzumschlages ab.

Die grundsätzliche Idee, eine Einzelstory als E-Book zu veröffentlichten, gefällt mir. Als Leser kann man sich dadurch einen ersten Eindruck verschaffen: Liegt mir die Schreibe des Autors? Mag ich mich von diesem  Autor in weitere Leseabenteuer entführen lassen? Dafür ist diese Publikationsform bestens geeignet.

Fazit:
Eine gelungene Story. Interessanter Kontrast zu den SF-Romanen des Autors – und dennoch kann man Karl-Ulrich Burgdorf darin wieder erkennen.

Besonderheit:
Amazon bietet die Möglichkeit der Kundenrezension. ABATTOIR wurde hier von Martin Baresch (früher: Martin Eisele) besprochen, dem die Kurzgeschichte ebenfalls sehr gut gefallen hat.

Mit Martin Eisele und Wolfgang Hohlbein schrieb Karl-Ulrich Burgdorf die siebenbändige Jugend-SF-Serie „Sternenschiff der Abenteuer“.

Martin Eisele war zusammen mit Wolfgang Hohlbein Stammautor der Serie „Damona King“ (2. Serienhälfte). Für diese Serie schrieb Karl-Ulrich Burgdorf kurz vor Serienende einen Gastroman.

Bei der E-Book-Neuauflage von „Damona King“ bei Bastei Entertainment wurden nur die Romane von Wolfgang Hohlbein berücksichtigt.


ABATTOIR
„Der absolute Horror – mit Garantie“
2015 BookRix GmbH & Co.KG / Hary-Production: E-Book (als „Ebook Mystery 8“)

2016 Westfälische Reihe, Münster: Enthalten in „Der Schäms-Scheuß-Virus und andere unwahrscheinliche Geschichten“: Hardcover und Paperback mit 29 weiteren Kurzgeschichten (Abattoir: geänderte Version zur E-Book-Ausgabe)

Stand: 27.01.2019

 

Zur EinleitungZur Übersicht

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.
Mehr Infos Ok