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Männer des Grauens: Wolfgang Rahn

Männer des GrauensWolfgang Rahn

Nur wenige Autoren können von sich in Anspruch nehmen, sie hätten den Horrorheftroman geprägt. Es gab auch nicht viele Autoren, die den Horrorheftroman als ihren Traum bezeichnen würden. Jürgen ›Dan Shocker‹ Grasmück ist einer der wenigen, die beides von sich sagen konnten. Viele der Verfasser von Horrorheftromanen waren einfach Autoren, die die Horrorromane schrieben, um ihren Lebensunterhalt verdienen. So sind auch einige der besten und/oder Erfolgreichsten zum Horrorroman gekommen, wie etwa Helmut ›Jason Dark‹ Rellergerd oder Friedrich ›A. F. Morland‹ Tenkrat.

Zu diesen Autoren gehörte auch Wolfgang Rahn...

 

Wolfgang RahnWolfgang Rahn wurde 1938 in Berlin geboren und besuchte dort die Realschule. Nach einer abgeschlossenen Feinmechaniker-Lehre besuchte er eine Techniker-Abendschule und erhielt dort nach der Zwischenprüfung ein Stipendium für die Ingenieurschule Richtung Feinwerktechnik. Danach verschlug es ihn nach Oberbayern, wo er mehr als eineinhalb Jahrzehnte lang in einem Betrieb für feinoptische und elektronische Mess- und Steuersysteme arbeitete. Noch während dieser Zeit begann er nebenbei zu schreiben. Diese Nebentätigkeit wurde immer umfangreicher und das Verhältnis zum Chef stimmte nicht mehr. Die logische Folge war der Wechsel in den riskanten Beruf des Autors. Er hat diese Entscheidung nie bereut. Seit 2001 lebt er südlich von München mit seiner Frau im Ruhestand...

Diabolons grausiges StreichelnEigentlich wollte Rahn Krimis schreiben, aber in den siebziger Jahren nahm der Bedarf an Krimis immer mehr ab. Reihen und Serien verschwanden vom Markt. Dafür boomte der Horrorroman. Und Wolfgang Rahn war dabei. Mit »Diabolons grausiges Streicheln« (Silber-Grusel-Krimi 121) debütierte er unter dem Sammelpseudonym ›Marcos Mongo‹ dann sowohl als Autor als auch im Horrorgenre. Dieser Roman war einer der besten, die die zu Dan Shocker und Fisher hinzugekommenen Autoren bis dahin geschrieben hatten. Rahn nahm seinen Job ernst. Die innere Logik seiner Romane musste stimmen. Manch einer schluderte schon mal vor sich. Nicht so Rahn. Er stellte Ansprüche an sich und seine arbeit. Etwas, dass ihn über seine ganze Karriere hinweg auszeichnete und seine Romane (gleich welchen Genres) qualitativ über manch anderen ›Mist‹ hervorhob und es zu einem Vergnügen machte, Rahns Romane zu lesen.

Die untoten RächerIn der Folge schrieb er diverse Romane als Marcos Mongo für die Zauberkreis-Reihe. Er erschuf sich noch keinen (Sub-)Seriencharakter. Dafür waren aber Romane dabei, in den zum Beispiel Untote bzw. Geister die Helden waren, wie nachzulesen in »Silber-Grusel-Krimi« 143 »Die untoten Rächer«. Ob er mit einem Seriencharakter überhaupt zu diesem Zeitpunkt Erfolg im »Silber-Grusel-Krimi« hätte haben können ist fraglich. Da war Dan Shocker, dessen »Larry Brent« als Flaggschiff kommerziell der Reihe lief, so erfolgreich, dass er der unangefochtene Star (dazu als zweiter Mann an Spritze der erfahrene Robert »Bob Fisher« Atkinson mit seinen »Nebelgeister«-Romanen) war, so dass für einen weiteren großen Seriencharakter erstmal keinen Platz geben konnte und mehrere Anläufe anderer etws zu etablieren versandeten nach wenigen Nummern. Daher war es wohl logisch sich mit Einzelromanen zu etablieren...

Scharze TodesengelDas änderte sich später – und nach einer Schaffenspause. Er arbeitete für eine gewisse Zeit verstärkt bei Pabel (und dann auch für Marken) unter dem Pseudonym Joe Dunhill, weil dort besser gezahlt wurde. Aber als der »Vampir Horror Roman« dann eingestellt wurde, kehrte er in Sachen Horror zurück zum Zauberkreis Verlag. Wolfgang Rahn konnte nun sein eigenes Pseudonym Mortimer Mortmain durchsetzen. Er schrieb zunächst weiter Einzelromane für den »Silber-Grusel-Krimi«. Doch er trug schon seine Idee für eine eigene Serie im Kopf. Dan Shocker hatte sich – samt seines Helden – aus dem Silber-Grusel-Krimi verabschiedet und auch Atkinsons »Nebelgeister« gehörten der Vergangenheit an. Nun wäre die Zeit reif für eine Sub-Serie, zumal Rahn unter anderem bei »Kommissar X« im Allgemeinen und bei »Gordon Black« im Speziellen bewiesen hatte, dass er auch in ›Serie ‹ konnte...

... und in der Tiefe lauert das Ungeheuer1984 war es soweit. Mit »... und in der Tiefe lauert das Ungeheuer « (Silber-Grusel-Krimi 418) erschien der erste Roman seiner Serie um »Milton Sharp«. Rahn selbst sagt zu der Serie in einem Zauberspiegel-Interview:
»Mein Konzept wurde nur unter der Bedingung akzeptiert, dass jeder Roman in sich abgeschlossen sein musste. Das war für mich ohnehin selbstverständlich. Darüber hinaus musste es aber einen roten Faden geben. Es gab also einen Hauptgegner, vor allem aber Miltons gespaltenen Bruder, den es zu retten galt, ohne ihn endgültig zu vernichten. Ich legte großen Wert auf Glaubwürdigkeit und menschliche Gefühle. Deshalb war auch Liebe im Spiel. Milton besaß keine Superwaffe. Im Gegenteil: Sein Heptagon konnte sich durchaus auch gegen ihn richten. Ich hatte weltweite Schauplätze vorgesehen, vor allem aber sollte die Logik nicht zu kurz kommen, ein Hauptanliegen bei allen meinen Romanen.
Schlecht war, dass die Redaktion die von mir geplante und auch eindeutig gekennzeichnete Reihenfolge der Romane nicht einhielt und dadurch beim Leser für Konfusion sorgte. Und natürlich war es für eine Serie alles andere als optimal, das nur alle paar Monate eine Folge erschien.«
Die Agen des DämonenIn der Schlussphase des »Silber-Grusel-Krimi« waren Rahns Romane die Highlights, aber die Reihe hatte mit dem Abgang »Larry Brents« zuviel verloren, so dass das Ende vorhersehbar wurde. Schon der Grund für de Auskopplung der ›Shocker‹-Romane war die Diskrepanz der Verkaufszahlen gewesen. Zudem hatte längst die serie über die reihe triumphiert. »Vampir Horror« und »Geister-Krimi« waren schon weg. Der »Gespenster-Krimi« lag in den letzten Zügen und wurde nur noch von Sub-Serien gefüttert. Und so fiel auch das einstige Flaggschiff des Horrorheftes, der »Silber-Grusel-Krimi« den veränderten Lesegewohnheiten zum Opfer. Immerhin brachte es die »Milton Sharp«-Subserie auf 19 Bände. Jedoch schaffte es der Zauberkreis Verlag nicht, wie der Autor oben ausführt, die Serie in der vom Autor vorgesehenen Reihenfolge zu bringen.

Neben den ›Sharp‹-Romanen ist noch die Mitarbeit Wolfgang Rahns an den Serien des Marken-Verlags hervorzuheben. Dort gestaltete er zusammen mit Horst Hübner »Gordon Black« (dazu trug er acht von zwanzig Romanen bei) und »Mac Kinsey« (vier Romane von sechzehn). Leider standen der Verlag und dessen Verleger Noster auf dem Standpunkt, dass es nicht nötig sei, dass Autoren zusammenarbeiten. So wurde aus dem Rechtsanalt Gordon Black dann der Detektiv Gordon Black in der Nummer 2 von Rahn. Und auch beim ›Ehrentitel‹ gab es Diskrepanzen. Beim Rahn war Black der »Dämonenbzwinger« bei Hübner der simplere »Geisterjäger«. Dennoch waren die Romane keinesfalls schlecht und aufgrund des fehlenden roten Fadens hinterließen diese Widersprüche keine bleibenden Schäden.

I Bann des schwarzen MönchsHorst Hübner erklärt dies alles so:
„Es hatten bei Marken zu viele Leute etwas zu bestimmen. Diese haben sich auch ausbedungen, mit den Autoren selbst zu verhandeln und das ist den Serien, wie man heute weiß, gar nicht bekommen.
Das erklärt auch Widersprüche zwischen den Autoren, z. B., dass Gordon Black in Band 1 Anwalt und in Band 2 Detektiv war. So etwas hätte nicht passieren dürfen, es ist aber leider vorgekommen. Nein, es war bei Marken untersagt, die Autoren untereinander bekannt zu machen, damit sie sich austauschen konnten. (...) Aber vom Verlag aus wurde das nicht unterstützt, im Gegenteil, es wurde unterdrückt.“
Dennoch brauchen sich Rahns Beiträge keineswegs zu verstecken. Sie können mit denen Hübners mithalten. Was hätte aus der Serie werden können, wenn diese beiden wirklich guten Autoren zusammengearbeitet hätten.

Bei »Mac Kinsey« litten Rahns Beiträge nicht ganz so extrem unter dem Widerspruch, dass zum einen »Mac Kinsey« so eine Art Superheld war und den Szenen, ohne den Helden. Aber auch hier sind seine Beiträge schwächer als die zu Gordon Black.

Wolfgang Rahn konnte den Horrorheftroman nicht prägen. Zunächst stand er bei Zauberkreis im Schatten Shockers und später hatte er das Pech mit seiner eigenen Sub-Serie bei Zauberkreis zu spät zu kommen. »Gordon Black« und »Mac Kinsey« litten unter den Fehlern der Verlage. Dennoch sind seine Roane fast durch die Bank lesenswert...
 
Zur Ergänzung: 

Kommentare  

#1 Thomas Langes 2010-10-29 21:36
Was hat Rahn seit 1986 gemacht? Halbe Information ist keine Information! Gilt auch für alle anderen Artikel.
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#2 Harantor 2010-10-29 21:43
Sorry, da fehlt der Link zum Interview, den ich mal jetzt hier bringe. Um es vorwegzunehmen: Er aht für Zeitschriften geschrieben. Und das hatte nix mehr mit dem Mann des Grauens zu tun.

Hier also der Link zum letzten von drei Interviews (die beiden vorangehenden sind verlinkt): www.zauberspiegel-online.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1081&Itemid=15
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#3 Sarkana 2011-04-29 00:04
Könnte denn evtl. mal jemand die Milton Sharp in die korrekte Reihenfolge bringen? Das wäre mal was genaues ...
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