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Sympathische 65 Minuten - DARK INVASION - Sie sind nicht von dieser Welt

Dark Invasion - Sie sind nicht von dieser WeltSympathische 65 Minuten
»Dark Invasion - Sie sind nicht von dieser Welt«

Ich muss zugeben, dass mich das Cover der deutschen DVD-Veröffentlichung von THE CORRUPTED nicht sonderlich angesprochen hat, doch irgendwie habe ich eine Schwäche für Filme, auf denen deutlich lesbar „UNCUT“ prangt. Zu vieles, das man auf dem heimischen Markt findet, ist nämlich genau dies nicht. Der Ungeschnitten-Hinweis ist denn auch bitter nötig, vermutet man doch genau das, wenn man eine Laufzeit von nur 72 Minuten angekündigt bekommt.

Filmplakat The CorruptedDass es für die Kürze eines Filmchens noch andere Gründe - etwa ein begrenztes Budget - gibt, wird einem dann im Verlaufe des gruseligen Abends klar.

Was hätte man hier aber auch schneiden sollen, wo zwecks Wirtschaftlichkeit mit Blut und Glibberkram äußerst bedacht umgegangen wird? So hat die Not das kleine Werk zu einer Tugend gemacht, die sich ohne größere Bedenken auch Neulingen des Genre und zartbesaiteteren Zeitgenossen empfehlen lässt - zumindest wenn ein etwas rauherer Umgangston, wie ihn die jungen Leute im Film pflegen, nicht peinlich berührt. Die FSK-16-Freigabe halte ich jedenfalls für richtig gewählt.

"Wenn der Halbmond seinen Zenit erreicht, fangen wir an, die Trommeln zu spielen. Dann reißen wir uns die Kleider vom Leib. Und dann beginnt das Blutopfer!“
„Trent, erzähl keinen Scheiß.“

In der Tat bekommen Genrefremde hier eine schöne Lehrstunde erteilt, was an klassischen Elementen in so einen Gruselslasher reingehört. Twens aus der Stadt in der nordamerikanischen waldreichen Einöde, die einfach gestrickten Einheimischen, das langsam heraufziehende, lauernde, immer präsente Unheil. Eine Mischung aus unbeschwerter Witzelei und plötzlich umschlagender Stimmung, die Gefahr verheißt. Es hat fast den Anschein, als konzentriere sich all dies bereits in der die Partyleute begrüßenden Figur des Officer Brick. Der Ordnungshüter als Fleischwerdung der gesamten Gegend.

Körperlich sehr präsent: KizzyDer See, welcher sich vor den Freunden ausbreitet, scheint ein trügerisches Idyll, die Schönheit von Natur und spärlich bekleideten Camperinnen, die um Stoff betteln, nur Fassade. Ich gebe zu, mich hat selbige dermaßen beansprucht, dass ich mit einigen Figurenverwechslungen zu kämpfen hatte: So wunderte ich mich, wieso die Hütte zur abendlichen Party derart voll war, wo man zu Beginn doch nur zu fünft relaxte. Beim zweiten, konzentrierteren Schauen (und stellenweisem Mitlesen des Untertitels) des Werkes konnten sich meine Befürchtungen jedoch zerstreuen; weder hier, noch an anderen Stellen waren Logikfehler zu entdecken. Es waren einfach zu viele Eindrücke auf mich eingewirkt.

Die Charakterisierung des Films mit „H. P. Lovecraft trifft auf Springbreak“ auf der Hüllenrückseite, welche ich gar nicht so für bare Münze genommen hatte, stellte sich erfreulicherweise als treffend heraus. In der ausgelassenen Partybude wird zunächst geflirtet und freundschaftlich gefoppt.

Trent: „Ich will nur sagen, dass an diesem Tisch eine Person sitzt, die seit über einem Jahr nicht mehr gebumst hat. Und die müffelt nach Curry.“
Fadi: „Wow, Sekunde, Sekunde. Deine Mom zählt doch auch.“
TRENT IN DIE RUNDE: „PUNKT FÜR IHN.“

Best Buddies: Barmann Trent (links) und Ex-Junkie JeremyDoch das Fremde bemächtigt sich immer mehr der kleinen Welt um den See ...

Ein solcher Film steht und fällt im Wesentlichen mit dem Figurenensemble. Die Spannung entsteht nicht nur durch ein von Außen wirkendes Böses, sondern auch durch die Frage, ob die Banden der Kameraden in der Gruppe stark und belastbar genug sind. Deshalb ist es clever, hier einen gewissen Kitzel zu streuen, wie es den Drehbuchautoren durch den Auftritt von DJ Niterider gelang. Der Alpha-Mann fährt am zweiten Tag im schnittigen Wagen mit der heimlichen Angebeteten Fadis vor. Dieser reagiert auf den unerwarteten Konkurrenten zunehmend gereizt. Erst als der DJ flotte Beats auflegt, kann die rechte Stimmung aufkommen, um den intellektuellen Boden für die Lovecraftsche Invasion zu bereiten. Der sich aufspannende philosophische Diskurs gipfelt in der Negation buddhistischer Weisheit zugunsten der Erfahrbarkeit höherer Mächte.

Konnte uns die quirlige Kizzy tags zuvor bereits mit morgendlicher Bikini-Aerobik verzücken, stellt sie sich am Tag des Herrn dem Isolierten Wasserduell. Dabei hat sie gegen des DJs Flamme leichtes Spiel, denn die hatte sich bereits bei einer ganz anderen lautstarken Morgengymnastik verausgabt. Möglicherweise war genau das der Startschuss für die unheimliche Macht, nun Butter bei die Tentakeln zu geben, und es müssen schon bald Prinzipien verteidigt

„Hey, DJ Niterider rührt keine toten Kerle an. Das ist mein letztes Wort.“

und rote Linien gezogen werden:

„Weißt du was, du Schwanzlutscher? Dann gehen wir eben ohne dich! Du kleines feiges Stück Scheiße!“

Blutdusche für SamDie Dame vom Cover mischt zwar nicht mit, dafür eine sirenenhafte Blondine, die mit allerhand Spezialeffekten daherkommt. Die zähe Samantha, trotz unzähliger Faustschläge mitten in die Visage weder durch ein Veilchen, noch eine blutige Nase gezeichnet, urteilt denn auch missmutig:

„SCHLAMPE!“

Recht hat sie.

Am Ende stellt sich heraus, dass der Schocker gar bereits nach 65 Minuten seinen Schleim verschossen hat, der Rest ist Abspann. Aber ehrlich: Es waren äußerst sympathische 65 Minuten, und ich habe mich bei jeder gelungenen Szene für die Schauspieler gefreut. Dieser Film ist weit entfernt von Hollywood, sondern ein liebevoll inszeniertes Independant-Projekt. Manchmal wirkt es, wie mit der Handkamera gemacht, manchmal improvisiert. Eben nicht steril, nicht perfekt, sondern charmant und witzig. Neues zum Genre trägt das Werk nicht bei, aber es fängt einen Hauch Lovecraft ein, zeigt gut ausgearbeitete Charaktere, denen ich gegen die Aliens tatsächlich die Daumen gedrückt habe, und liefert jede Menge klassischer Kost. Dabei ist der Streifen sexy, ohne ins Pornographische, und „slashig“, ohne ins Sadistische abzugleiten.

Deutsch DVD Cover Dark InvasionAusstattung der deutschen DVD
Ton: Deutsch, Englisch
Untertitel: (nur) Deutsch
Extras: Wendecover; Trailer Deutsch/Englisch

The Corrupted (deutsch: Dark Invasion), Kanada, 2010
Written, directed by John Klappstein, Knighten Richman
Trent - Caleb Ian Morley Fischer
Fadi - Anuj Saraswat
Samantha - Keltie Squires
Kizzy - Ashley Tallas
Jeremy - Jeremy „Bloody“ Hook
DJ Niterider - Shaun Tisdale
Officer Brick - Christian Richman
Gefilmt in Alberta: Bonnyville, Beartrap Lake, Drayton Valley

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-03-21 20:49
Habe ich bereits des öfteren, bei Sichtung der Artikel anderer ZS-Autoren erwähnt:

Ich bin immer wieder vorsichtig, wenn es um solche Filmchen geht. Da schreckt mich dann nicht nur der Hinweis auf eine mögliche Uncut-Version ab. Alleine das Coverbild riecht bereits nach Fake. Und dann haben sich da auch noch gleich zwei den Job für das Script und Regie geteilt. Absolute No-Names, z.b. John Klappstein, da nimmt man bereits Abstand. Wer soll das sein, ein besonders witzig gemeintes Pseudonym - oder wieder ein Typ, der glaubt, der nächste Sam Raimi oder George Romero zu sein/zu werden?.

Ganz ehrlich, ich bin vielleicht ein- oder zweimal auf solche Dinger reingefallen. Danach war ich echt schlauer.. ;-)
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