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Böse Echse, guter Schmetterling - »Godzilla und die Urweltraupen«

Godzilla und die UrweltraupenBöse Echse, guter Schmetterling
»Godzilla und die Urweltraupen«

Die Popularität der durch die Atombombe aus dem Tiefschlag geweckten Riesenechse Godzilla ist auch im 21. Jahrhundert noch ungebrochen. Seit Ende Mai tobt der Gigant in seinem neuesten Hollywood-Streifen über die Kinoleinwände, und bekommt es dort mit drei seiner größten Widersacher, Mothra, Rodan und King Ghidorah, zu tun. Passenderweise gibt es Godzillas erstes Zusammentreffen mit Mothra nun in einem schmucken Steelbook fürs Heimkino.

Godzilla und die Urweltraupen„Godzilla und die Urweltraupen“ wurde im Jahr 1964 von Ishiro Honda inszeniert, der knapp zehn Jahre zuvor auch schon beim ersten „Godzilla“-Film Regie geführt hatte. Dieser vierte Film der Reihe brauchte allerdings zehn Jahre, bevor er 1974 auch in den bundesdeutschen Kinos zum Einsatz kam. Im Gegensatz zu den meisten anderen „Godzilla“-Filmen, die seit den späten 1980er Jahren auf den Privatfernsehsendern in Dauerschleife zu sehen sind, ist „Godzilla und die Urweltraupen“ hingegen noch nie im Fernsehen zu sehen gewesen. Deswegen dürfte der Film auch für so manchen Fan noch eine echte Entdeckung darstellen, wenngleich es schon einige Video- und weniger überzeugende DVD-Veröffentlichungen des Titels gab. Die Neuauflage in der vorbildlichen „Kaiju Classics“-Edition im Steelbook von Anolis Entertainment ist jedenfalls die einzig wahre Ausgabe, die man sich guten Gewissens ins Regal stellen kann.

Godzilla und die UrweltraupenNach einem sehr schweren Hurricane sind nicht nur weite Teile der japanischen Inseln verwüstet – plötzlich findet sich in der Bucht einer kleinen Hafenstadt auch noch ein seltsam anmutendes Riesen-Ei. Der clevere Kumayama (Yoshifumi Tajima) und sein Kompagnon Torahata (Kenji Sahara) reißen sich das Kuriosum unter den Nagel und wollen es kommerziell ausschöpfen. In einem großen Glashaus soll es ausgebrütet und von Touristen besichtigt werden. Als kurz darauf die Zwillingsmädchen von der Infanteninsel (Emi und Yumi Itô) auftauchen und die Menschen bitten, Mothras Ei zurückzugeben – die Riesenmotte wird in dieser alten deutschen Kinosynchronisation eher Modra ausgesprochen – werden sie von den skrupellosen Geschäftsleuten nur ausgelacht. Der Journalist Sakai (Akira Takarada), die Fotografin Junko (Yuriko Hoshi) und der Wissenschaftler Prof. Miura (Hiroshi Koizumi) wollen zwar vermitteln, stoßen bei Kumayama und Torahata allerdings auf taube Ohren. Als plötzlich ein fuchsteufelswilder Godzilla aufkreuzt und alles in Schutt und Asche schlägt, erhoffen sich Sakai und seine Freunde Hilfe von Mothra. Aber werden sich die Eingeborenen der Infanteninsel dazu bereit erklären, Mothra zur Hilfe zu schicken, obwohl sich ihr Ei nach wie vor im Besitz der Menschen befindet?

Godzilla und die Urweltraupen„Godzilla und die Urweltraupen“ gilt als letzter Film, in dem Godzilla noch als Bösewicht auftritt und für Angst und Schrecken sorgt. Dass dieser Serienbeitrag noch zur Frühphase zu rechnen ist, erkennt man auch am durchdachten und viel Zeit einnehmenden Handlungsaufbau, bei dem Regisseur Ishiro Honda seine gute Schauspielführung mal wieder zur Geltung bringen kann. Die Monsterkämpfe sind das Highlight des Films und auch als solche inszeniert, wobei auch heute noch das hektische Flattern der Motte und die mit viel Liebe und Hingabe gestalteten Miniaturlandschaften überzeugen können. Bei späteren Filmen war dafür wohl nicht mehr das Geld und die Muße vorhanden. Auch die hohe Schnittfrequenz während der Kampfszenen und der Einsatz von zahlreichen Detailaufnahmen der Monster sind ungewöhnlich und versetzen den „Godzilla“-Fan in Erstaunen. Das Steelbook besteht aus zwei DVDs, bei denen sich auf einer Scheibe die japanische Fassung (85 Minuten, wahlweise in Deutsch und Japanisch in Dolby Digital 2.0 Mono, optional mit deutschen Untertiteln) befindet, auf der anderen die deutsche Kinofassung (auch 85 Minuten, ebenfalls Deutsch in Dolby Digital 2.0 Mono). Als Extras gibt es einen Audiokommentar des „Kaiju“-Experten-Dreigestirns Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Alexander Iffländer und einen weiteren Audiokommentar mit Florian Bahr, den japanischen und deutschen Kinotrailer zum Film, eine schwarz-weiße Super-8-Fassung aus den USA (8 Minuten), ein aktuelles Interview mit Akira Takarada mit dem Titel „60 Jahre Godzilla“ (31 Minuten), eine umfangreiche animierte Bildergalerie mit internationalem Werbematerial und Fotos, den deutschen Werberatschlag und das Presseheft sowie ein 20seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-06-27 00:42
"Godzilla und die Urweiltraupen" kam ja auch zu einer Zeit in die unsere Kinos, als die berüchtigten, deutschen "Frankenstein-Titel" out waren. Ansonsten hätte die Synchronfirma daraus wahrscheinlich "Frankenstein und Urweltraupen - oder ähnliches- gemacht.
Ich kann mich auch noch lebhaft daran erinnern, dass der Film 1974 bei uns in der Jugendvorstellung - und dann sogar auch abends- lief. Wollte den unbedingt sehen und bin dann mit Windpocken in die Jugendvorstellung geschlichen.

Und in der Tat waren die Dinger, in denen Godzilla als unbestrittener Baddie auftrat, immer noch am besten. Später wurde es dann ja echt total lächerlich, und das betrifft vor allem die letzten drei Beiträge der sogenannten Showa-Ära (Filme von 1954 - 1975) , die ja auch den hier vorgestellten Streifen beinhaltet. Bezeichnender Weise hat bei dem Streifen damals nicht "Constantinfilm" den Verleih übernommen sondern die "Gloria". Beim letzten Showa-Beitrag ("Die Brut des Teufels, 1975") war's dann der "AB-Filmverleih. Wahrscheinlich hatte man bei "Constantin" die Nase eh voll. Darüber gibt es dann ja auch demnächst (Geduld, Geduld..., Freunde.. :-* .) mehr in meinem eigenen Beitrag "Monster aus dem All" zu lesen.
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#2 Mainstream 2019-06-27 08:13
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Zitat:
bekommt es dort mit drei seiner größten Widersacher, Mothra, Rodan und King Ghidorah, zu tun.
Ist Mothra nicht ein dicker Kumpel von Godzilla und Rodan der kleine Opportunist? Zumindest von der angesprochenen Neuverfilmungen aus gesehen.
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#3 Friedhelm 2019-06-27 12:00
Zitat:
Ist Mothra nicht ein dicker Kumpel von Godzilla und Rodan der kleine Opportunist?
Mothra ist eigentlich Godzillas Feind, das wird in der Neuverfilmung etwas uminterpetiert. Rodan hat in den japanischen Filmen (soviel ich jetzt noch weiss..) keine opportunistischen Züge. Zumindest ist mir auch kein Film bekannt, der ihn ähnlich zeigt wie im jetzigen "Godzilla -King of the Monsters".

Aber vielleicht kann dazu jemand (Frank Brenner, Konrad Wolfram..oder andere..) noch etwas erhellendes beitragen. :-*
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#4 Laurin 2019-06-27 15:24
Dann will ich hier mal etwas "erhellen". :D

Also Mothra und Godzilla kann man eigentlich nicht als "Feinde" bezeichnen. Das ganze läuft bei den Toho-Filmen eher unter dem Satz: "Sie schlugen und sie vertrugen sich." Als Feinde von Godzilla kann man hier eher Monster wie King Ghidorah oder Gigan bezeichnen.
Zum Beispiel ist es im Film FRANKENSTEINS MONSTER IM KAMPF GEGEN GHIDORAH Mothra (noch als Raupe), welche Gozilla und Rodan dazu bewegt, mit ihm gemeinsam gegen Ghidorah zu kämpfen. Vorher hatte Godzilla sich mit Rodan geprügelt. Die zwei wollten zwar zuerst nicht wirklich, aber als sie sehen, das die Raupe Mothra gegen Ghidorah zu verlieren droht, vergessen sie ihre Auseinandersetzung und greifen gemeinsam Ghidorah an. In dem Punkt mag Rodan durchaus ein kleiner Opportunist sein, wie Mainstream schrieb.
Selbst Mothra ist nicht die immer liebe nette Raupe oder Motte. Im Film MOTHRA BEDROHT DIE WELT (gibt es übrigens auch in der Kaiju-Classic-Reihe) werden ja z.B. die kleinen Zwillingsmädchen von der Infanteninsel in Tokio gefangen gehalten. Da macht sich Mothra z.B. (zuerst als Raupe und später als Riesenmotte) daran, Tokio zerlegen zu wollen um die Zwillingsmädchen zu befreien, egal wie viele Japaner dabei drauf gehen könnten.
Man kann also nicht wirklich hier von einer konsequent durchgezogenen Feindschaft zwischen Godzilla, Mothra oder Rodan reden, da deren Verbindung zueinander für jeden Film immer wieder irgendwie neu ausgewürfelt wurde, sofern sie zusammentrafen. Als "richtige Feinde" ließen sich indessen eben als Beispiel Ghidorah oder Gigan sich stets als sichere Bank bezeichnen. ;-)
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#5 Friedhelm 2019-06-29 19:23
Okay, Laurin, kann man so sehen - aber ist dann doch wieder ein "kleiner Haken". Was Godzilla und Mothra betrifft, da ist es wirklich so wie du das beschreibst. Allerdings ist auch die Sache zwischen den beiden nicht immer so eindeutig. In "Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer" (ach, diese deutschen Titel - irgendwie zum Piepen...) wird gar nicht richtig klar wie das Verhältnis nun beschaffen ist, weil es kein richtiges Zusammentreffen gibt. (Oder ich habe es einfach vergessen,... :-* )

Und ob Rhodan nun ein "kleiner Opportunist" ist? Ein Opportunist ist bekanntlich einer, der sich aus rein persönlichen Gründen dadurch Vorteile verschaffen möchte. Bei Wikipedia (die man eigentlich mit Vorsicht geniessen sollte ) heisst dazu: ..."der Opportunist geht weiter, er nutzt eine günstige Gelegenheit ohne Rücksicht auf Konsequenzen oder eigene Wertvorstellungen zu seinem Vorteil."

Das assoziiert irgendwie ein rein egozentrisches, Handeln - aber, so wie ich das sehe handelt Rhodan in diesem Augenblick zum Wohl aller, für die Ghidorah eine lebensbedrohende Gefahr darstellt.

Ich will da allerdings jetzt auch keine Wissenschaft daraus machen. Wahrscheinlich stehe ich eh mal wieder auf dem Schlauch.
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#6 Laurin 2019-06-29 23:30
@ Friedhelm:
Das lässt sich, glaube ich, auch keine haltbare Wissenschaft draus machen. Wie gesagt, da wurde bei den jeweiligen Zusammentreffen von Godzilla und Mothra je nach Film und Handlung wohl eher gewürfelt. Halt wie man es gerade brauchte. Wenn ich mir die damaligen Filme heute so ansehe, folgte man hier auch in Sachen Zusammenspiel der diversen Monstern nur sehr, sehr locker einem gewissen roten Faden.
Ich sage es mal so: Hauptsache man hat seinen Spaß, wenn man sich die Monsterfilme der Jugend mal wieder ansieht. Dafür sollte man aber hier nicht so viel hinterfragen, denn da käme man vom Stöckchen zum Hölzchen und wieder zurück. ;-)
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#7 Friedhelm 2019-06-30 00:03
Jau, soll so sein - war ja früher auch ein Spass für uns. Warum sollten wir uns das jetzt mit irgendwelchen pseudo-wissenschaftlichen Erklärungen vermiesen, gelle? Und was den roten Faden betrifft - da gab es ja eh nie eine fortlaufende Linie, der man wirklich folgen konnte. Das sah dann bei den "Heisei-Filmen" schon anders aus: da gab es ja bekanntlich einen wiederkehrenden, weiblichen Charakter namens Miki Seagusa (die mit den abstehenden Ohren..) War zwar kein Monster, aber immerhin... :lol:
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