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Unheimliche Vorahnungen - »Der Schrecken der Medusa«

Der Schrecken der MedusaUnheimliche Vorahnungen
»Der Schrecken der Medusa«

In den 70er Jahren stand das Blockbusterkino ganz im Zeichen der Spannung. Filme wie „Airport“ oder „Der weiße Hai“ hatten die Lust an der Katastrophe und der tödlichen Bedrohung geweckt, was etliche mehr oder weniger erfolgreiche Ableger mit sich brachte. „Der Schrecken der Medusa“ spielt mit dem Reiz dieser Urängste und kombiniert das mit dem in jener Zeit dank „Der Exorzist“ oder „Das Omen“ ebenfalls populären Okkulten.

Der Schrecken der MedusaAuf dem Regiestuhl von „The Medusa Touch“, so der Originaltitel des Films, nahm mit Jack Gold (1930-2015) ein Vertreter des britischen Filmrealismus Platz, der kurz zuvor mit „Schlacht in den Wolken“ bewiesen hatte, dass er sowohl namhafte Stars führen als auch aufwändige Actionszenen inszenieren konnte. Nach „Der Schrecken der Medusa“ drehte er fast nur noch fürs Fernsehen, aber auch dort gelangen im Klassiker wie „Der kleine Lord“ mit Alec Guinness, der im deutschen Fernsehen seit Jahren regelmäßig zu Weihnachten ausgestrahlt wird. Vorlage des Films war ein Roman von Peter van Greenaway, nicht zu verwechseln mit dem britischen Filmemacher Peter Greenaway, der damit seinen sicherlich größten kommerziellen Erfolg verbuchen konnte. Hergestellt als britisch-französische Koproduktion, finden sich auch auf der Besetzungsliste von „Der Schrecken der Medusa“ sowohl britische als auch französische Stars, deren Koexistenz in der Handlung mit einem Kriminalistenaustausch zwischen den beiden Ländern begründet wird.

Der Schrecken der MedusaAuf den Schriftsteller John Morlar (Richard Burton) ist in dessen eigener Wohnung ein Mordanschlag verübt worden. Schwer verletzt liegt der Mann daraufhin im Koma, doch sein Gehirn zeigt wider Erwarten noch rege Tätigkeiten. Inspecteur Brunel (Lino Ventura) hat den Fall übertragen bekommen und ermittelt gemeinsam mit seinem britischen Kollegen Sergeant Duff (Michael Byrne) im Londoner Umfeld Morlars. Dabei stößt er bald auf die Psychologin Dr. Zonfeld (Lee Remick), bei der Morlar schon lange in Behandlung war. Sie erzählt Brunel von den Gesprächen mit dem Schriftsteller, in denen er ihr anvertraute, dass er von Kindesbeinen an das Unheil angezogen zu haben scheint. Sowohl seine Eltern als auch sein Kindermädchen und sein Lehrer ereilte unerwartet der Tod, nachdem sie den jungen Morlar durch ihr Handeln erzürnt hatten. Ohne, dass das Kind aktiv in die Dinge eingegriffen hätte, haben sie sich dennoch kurz darauf so ereignet, wie er sie sich in seinen Gedanken erträumt hatte. Dr. Zonfeld berichtet weiter, dass die Serie der Unglücke und Katastrophen auch im Leben des erwachsenen Morlar nicht abgerissen ist. Selbst in dessen katatonischem Zustand im Koma scheint von ihm eine immanente Gefahr auszugehen.

Der Schrecken der MedusaEin langsam, überaus behutsam aufgebauter Psychothriller mit übersinnlichen Elementen, der selbst kritische Zuschauer geschickt beeinflusst und sich mit der Figur Lino Venturas identifizieren lässt, indem er Grundängste der Menschheit bloßlegt und mit Krimi- und Katastrophenfilmelementen vermischt. Trotz eines überaus verschachtelten Beginns mit zahlreichen Rückblenden entwickelt Jack Gold eine gehörige Spannung, die sich in den letzten Filmminuten sensationell entlädt. Obwohl von der Kritik auch zum Kinostart bereits hoch gelobt, hat es der Film seinerzeit bei uns nicht auf die Leinwand geschafft und wurde 1980 im Fernsehen zum ersten Mal in deutscher Fassung gezeigt (damals unter dem Titel „Die Schrecken der Medusa“). Ebenso unverständlich ist, dass er nie die Bekanntheit erlangte, die diesem spannenden Werk eigentlich hätte zuteilwerden müssen. Nun ist „Der Schrecken der Medusa“ auch bei uns erstmals auf BluRay erhältlich, in einem hübschen Mediabook mit einem 20seitigen Booklet (mit einem Text von Oliver Nöding) und einer zusätzlichen DVD. Das Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) ist für das Alter sehr überzeugend geraten, etliche Details sind auszumachen und die Farben klar und intensiv. Der Ton (Deutsch und Englisch im Linear PCM 2.0 Mono, optional mit deutschen und englischen Untertiteln) entspricht ebenfalls dem Alter des Films und geht soweit in Ordnung. Als Extras gibt es neben dem Booklet einen Audiokommentar des Regisseurs Jack Gold mit den Filmhistorikern Kim Newman und Stephen Jones, den englischen Trailer, das Featurette „Destroying the Abbey“ (18 Minuten) aus der Entstehungszeit des Films, die deutsche Super-8-Fassung (18 Minuten) sowie eine umfangreiche Bildergalerie

Kommentare  

#1 Laurin 2020-02-22 12:26
Nun muss ich ja sagen, das ich mit dem Schauspieler Richard Burton nie richtig warm geworden bin, aber der Film DER SCHRECKEN DER MEDUSA gehörte für mich immer schon auf einen Spitzenplatz der besten Filme aus dem Bereich der Phantastik. Da stimmt einfach alles und man nimmt den einzelnen Figuren ihre jeweiligen Rollen auch absolut ab. Und auch die Spur Humor, die hier geboten wird, fügt sich perfekt und glaubwürdig ein, ohne störend oder übertrieben zu wirken. Das der Film es damals nicht in die deutschen Kinos geschafft hatte, ist eigentlich völlig unverständlich.
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#2 Thomas Mühlbauer 2020-02-22 14:50
Es gab eine Kinoverwertung, allerdings erst ein Jahr nach der Erstausstrahlung im TV.
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#3 Friedhelm 2020-02-22 16:19
Zitat:
Nun muss ich ja sagen, das ich mit dem Schauspieler Richard Burton nie richtig warm geworden bin, aber der Film DER SCHRECKEN DER MEDUSA gehörte für mich immer schon auf einen Spitzenplatz der besten Filme aus dem Bereich der Phantastik.
Naja, irgendwie hatte Burton einen leicht tragischen Touch an sich - das übertrug sich eigentlich fast immer auf seine jeweilige Rolle. Mir gefiel er allerdings als Schauspieler - und ich kann dann mal anraten, Filme wie "Wer hat Angst vor Virginia Wolf" in den Player zu schieben. Das Psycho-Spielchen zwischen ihm und Elisabeth Taylor ( die er ja wohl mindestens zweimal geehelicht hat..) ist wirklich erschreckend überzeugend - da kriegt man richtig Angst, jemals zu heiraten. :cry:

Und was den "SChrecken der Medusa" betrifft, da teilt der Film wohl das Schicksal vieler guter Filme, die nie auf deutscher Leinwand zu sehen warn. Ich erinnere nur an den SF-Film "Lautlos im Weltraum",vom FX-EXperten Douglas Trumbal, den mir wirklich gut fand. Der lief ganz nebenbei erstmals Ostern 1974 in der ARD.

Es kann natürlich auch daran gelegen haben, dass der Brite Jack Gold in Deutschland damals einfach kein Begriff war. "Der Schrecken der Medusa" lief erstmals in einer Jack Gold-Reihe der ARD - bis dahin habe zumindest ich gar nichts von ihm gewusst. Er war halt kein wirklich bekannter Regisseur
I
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#4 Laurin 2020-02-22 17:42
@ Friedhelm:
Also WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOLF kenne ich schon und war nicht gerade ein Film, den ich mir unbedingt nochmal antun muss. :sigh:
LAUTLOS IM WELTRAUM indessen ist einer der wirklich interessanten SF-Klassiker in meinem Filmarchiv. Den sehe ich mir gerne ab und an immer mal wieder an. :-)
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#5 Friedhelm 2020-02-22 19:14
Zitat:
Also WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOLF kenne ich schon und war nicht gerade ein Film, den ich mir unbedingt nochmal antun muss.
Ach, hat es beim Ansehen auch die Lust am Heiraten verhagelt? :lol:

Zitat:
LAUTLOS IM WELTRAUM indessen ist einer der wirklich interessanten SF-Klassiker in meinem Filmarchiv. Den sehe ich mir gerne ab und an immer mal wieder an.
Ich fand die Thematik einfach gut umgesetzt - und war schon fasnziniert. Der Film hätte es in einem deutschen Kino wohl auch wirklich schwer gehabt, weil er einfach nicht den gängigen Sehgewohnheiten entsprach.
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