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Der Mythos im Zeitalter des Logos - Ist's nicht wahr, so ist's doch gut erfunden!

Logos & mythosDer Mythos im Zeitalter des Logos
Ist's nicht wahr, so ist's doch gut erfunden!

Seit der Renaissance sind wir Menschen stolz auf unsere Ratio, mit den Methoden der modernen Naturwissenschaft unter Galilei et.al. Seit 1610 machten wir uns die Natur „untertan“. Das äußerte sich literarisch in der Aufklärung. Doch der Mensch ist ja nicht nur Vernunft. Also entstand mit dem Sturm und Drang und insbesondere der Romantik eine irrationale Gegenbewegung, die mit ihren teilweise bizarren Geschichten als Vorläufer der heutigen Ghost-Novel, Horror-und Fantasyliteratur gesehen werden kann.


Hugo GernsbackDie Ratio wendete sich dann über Hugo Gernsback (und andere) eher der „Scientifiction“ zu. Als Freud das Unbewusste (wieder)entdeckte (denn die alten Griechen wussten schon Einiges darüber...), war es endgültig vorbei mit dem alleinigen Anspruch der modernen  Vernunft, den Menschen diktieren zu wollen. Schon ein bekanntes Gedicht von Novalis (Friedrich Freiherr von Hardenberg) klagte über den Verlust der Phantasie. Warum also flüchtet der moderne Mensch aus der Wirklichkeit ins Phantastische.

Ist es eine Flucht? „Eskapismus“ wie oft vorgeworfen wird...oder eine Ergänzung der tristen, realen Alltagswelt. Bereichert es mein Bewusstsein oder verdränge ich die Wirklichkeit beim Lesen von Trivialliteratur? Sind wir alle Romantiker?

Suchen wir die weißen Flecke auf der Landkarte, auf denen steht: „Hier sind Drachen“?  (Haha, Dread the Dragon...) Hat die moderne Technologie gnadenlos die Lichter angeschaltet und leuchtet das Universum kalt und grell aus...und wir finden dort nur nackte Tatsachen, die wir abpolstern müssen durch unsere Phantasien?

Trauen wir uns nicht, der Realität ins Auge zu schauen? Hat die Phantastik als Verdrängungsmechanismus die Religion als irrationale Bezugsgröße abgelöst? Oder warum pilgern so viele Menschen in Harry-Potter-Filme? Ist unsere tatsächliche Realität so trist, dass „wir“, d.h. die meisten von uns, ununterbrochene Ablenkung benötigen...oder sind wir nur zu fantasievoll für die Wirklichkeit? Haben wir das „was wäre, wenn...“ zu sehr im Blut bzw. im Gehirn?

Es gibt ja auch genug „Realliteratur“ wie Kriminalgeschichten...auch diese haben ihre Fans. Doch kribblig wird es, bei mir zumindest, erst, wenn etwas oder auch viel Phantastik beigemischt ist. Deswegen ist auch der Uto-Krim so beliebt(?), weil er das Alltägliche mit dem Fantasievollen verbindet. In der jetzigen Moderne wird auch der Urban-Myth entwickelt, wo die phantastischen Geschehnisse in die Wirklichkeit eingebettet werden, d.h. nur noch die Inhalte, nicht mehr die Umgebungen sind der Phantasie geschuldet...

 Der Mensch besitzt Vernunft aber er ist nicht (allein) Vernunft. Das Unbewusste oder Unterbewusste bestimmt ihn mit oder sogar unbemerkt hauptsächlich. „Wo sind deine Ängste?“ Moderne Mythen können auch einer Bewältigung dieser Furcht vor dem Unbekannten dienen.

Deshalb wird es wohl auch immer wieder Geschichten über das Unbekannte, das Unwirkliche geben...außerdem ist es oft gut erzählt!

© 2015 by H. Döring & Aarn Munro

Kommentare  

#1 Hermes 2015-08-13 11:11
Viele kluge Gedanken in diesem Beitrag.
Hat er einen Zweck? Verfolgt der Autor ein Ziel? Will er eine Diskussion über einen bestimmten Aspekt anstoßen?

Ich weiß es nicht :sad:
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#2 AARN MUNRO 2015-08-13 13:31
Nun, das eigentliche Ziel der Fragestellung ist: warum benötigen wir/wollen wir Phantasie außerhalb der Realwelt und ist es eine Erweiterung oder eine (freiwillige) Einschränkung unseres (Da)-Seins? Sind wir abhängig von der phantastischen LIteratur etc. oder könnten wir auch ohne... das "wir" meint natürlich die Leser/Fans der phantastischen Kultur allgemein in Wort, schrift, Bild und Film oder Game.
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#3 Hermes 2015-08-13 22:13
Nun, die westliche wissenschaftliche Methode zerlegt die Welt in ihre Bestandteile, genauer eigentlich in ihre messbaren, wahrnehmbaren Bestandteile. Die Frage ist, ist das die ganze Realität? Es gibt ja mittlerweile viele Erkenntnisse, die der einzelne mit seinen eigenen Sinnen nicht mehr wahr nehmen kann. Falls es die ganze Realität ist, braucht man theoretisch keine Phantasie, keine Spiritualität, keine phantastische Literatur.

Brauchen wir Sport? Brauchen wir Feste und Feierlichkeiten? In die gleiche Kategorie fällt wohl auch brauchen wir phantastische Literatur.

Für mich ist phantastische Literatur etc. ein Genuss, den ich nicht missen möchte. Ist so ein wenig wie mit Zucker, kann man theoretisch total weglassen, aber wer möchte völlig auf den Geschmack nach etwas Süßem verzichten?

In einem Punkt möchte ich Widerspruch anmelden. Ich denke mit Angstbewältigung hat die phantastische Literatur nicht viel zu tun.

Für mich spielt eher Freiheit eine große Rolle. Im Unterschied zu Literatur über die Gegenwart oder die Geschichte geben Zukunftsabenteuer, die Gelegenheit, mögliche Dinge durchzuspielen in allen vorstellbaren Facetten.
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#4 Kaffee-Charly 2015-08-13 22:34
Ohne Phantasie wäre mein Gehirn wie ein Haus mit nur einem einzigen Zimmer. :-?
In diesem Gehirn aber muss ich mein ganzes Leben verbringen.
Deshalb soll es darin auch viele große Zimmer geben, die gut und abwechslungsreich ausgestattet sind. ;-)
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