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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Das Schloß der Vampire

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Das Schloß der Vampire

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?


Das Schloß der VampireDas Schloß der Vampire
(Vampire's Moon)
von Peter Saxon

Vampir Horror-Roman Nr. 30
aus dem Amerikanischen übertragen von Lore Straßl
September 1973 / DM 1,-

Pabel Verlag
Einen zerschlagenen Bauernaufstand nimmt der grausame Woiwode, Herrscher über Transylvanien und über Burg Bast, zum Anlass, unliebsame Gegner loszuwerden. Bei einem Schauprozess setzt er den gefangenen Anführer  auf einen glühenden Thron und zeigt dem anwesenden Volk seine Macht. Eine Zuschauerin unter den Menschen im Burghof gehört eigentlich nicht hierher, aber sie weidet sich trotzdem an den Grausamkeiten der Handlungen. Sie ist eine Hexe für die Zeiten und Orte in ihren Träumen keine Rolle spielt.

Fünf Jahrhunderte später verfolgt das englische Reportergespann Penelope Cord und Mike Mills ein Auto mit zwei jungen Frauen durch die unwegsamen und verschneiten Gebirgsstraßen der rumänischen Alpen. Eigentlich wollen sie einen Reisebericht über die Menschen des Landes schreiben, aber der Wagen vor ihnen scheint sich verirrt zu haben und deshalb nehmen sie einen Umweg in kauf um die Reisenden zu warnen. Mit lautem Getöse geht plötzlich eine Gesteinslawine ab und versperrt den Rückweg. Penny Cord ist nicht erbaut und macht ihrem Fotografen Mike Vorwürfe, der sie in diese Lage gebracht hat. Bei einer Rast vor einigen Kilometern sind ihm die Insassen des Autos aufgefallen und haben Beschützer Instinkte in ihm geweckt.

Auf einer Hochebene gelangen sie schließlich in eine kleine Ortschaft mit einer Schenke und treffen dort auf die zwei Amerikanerinnen, die im Wagen vor ihnen fuhren. Man kommt ins Gespräch und erfährt, dass die zwei jungen Frauen, Laura Dasart und Hilde Schultz, die eigentlich nach Bukarest wollten, sich doch besser in dieser Gegend auskennen als gedacht. In einiger Entfernung gibt es ein kleines Hotel und so nimmt das unfreiwillige Quartett die Fahrt wieder auf.

Das Hotel entpuppt sich als uriger Gasthof, der dem sehr freundlichen und zuvorkommenden Petru Istwanoff gehört. Da keine Saison für Touristen ist, die sich eh selten ins Gebirge verirren, hat er natürlich noch Zimmer frei. Cord und Mills sind es gewohnt Zimmer und Bett zu teilen, obwohl sie kein Paar sind. In gemütlicher Runde erfahren die Reporter näheres über die zwei Frauen, aber Penny spürt eine gewisse Abneigung ihr gegenüber, die von Laura Dasart ausgeht. Auf Urlaubsreise sind die zwei mit Sicherheit nicht. Die Neugier der freiberuflichen Reporter ist geweckt.

Da Penny einen sehr leichten Schlaf hat, bekommt sie in der Nacht mit wie Laura Dasart von Istwanoff abgeholt wird und sie gemeinsam die Treppe hinunter schleichen. Irgendetwas geht hier vor.

Auf Burg Bast erwacht Graf Zapolia aus seinem unnatürlichen Schlaf und verlässt seinen Sarg. Zwei Diener öffnen ihm die Tür zum Burghof, wo er sich im Schein des Mondes in einen Wolf verwandelt. Leichtfüßig gelangt er in das Dorf der Menschen und verwandelt sich in eine Fledermaus. In dieser Gestalt wirft er einen Blick in das Zimmer der Fremden aus England und überzeugt sich, dass sie schlafen. Dann lässt er sich zu Boden fallen und der ängstliche Wirt öffnet ihm devot die Tür. Laura Dasart hat schon sehnsüchtig auf ihren zukünftigen Gemahl gewartet.

Der nächste Tag weckt die zwei unfreiwillig gestrandeten Reporter mit strahlendem Sonnenschein.
Hilde und Laura werden von einem Diener des Grafen Zapolia zu einer Schlittenfahrt abgeholt. Neugierig folgen Penny und Mike den Spuren, die plötzlich in einem dichten Waldstück enden. Nach einer eisigen Kletterpartie erblicken sie in der Ferne die alte Burg Bast. Das unheimliche Gemäuer scheint bewohnt, denn aus einigen Kaminen steigt Rauch in den Winterhimmel auf. Beeindruckt machen sie sich wieder auf den Rückweg.

Die Hexe hat erneut einen Traum. Diesmal verwandelt sie sich in einen Werwolf und fällt einen Mann an. Rasch hat sie ihn überrumpelt und stillt schließlich an seinen Eingeweiden ihren  Hunger.

In der folgenden Nacht spürt Penny Cord einen schweren Körper auf der Brust und schlägt um sich. Mike wacht natürlich auf und gemeinsam verjagen sie ein unheimliches Wesen. Sie sind jetzt völlig davon überzeugt, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. An den Geschichten über Vampire in Transylvanien scheint etwas dran zu sein und die zwei beschließen abzureisen, aber leider ist die Straße immer noch nicht freigeräumt. Gezwungen zu bleiben bewaffnen sie sich mit Knoblauch, Kreuz und einer Pistole aus dem Auto.

Wieder werden die Amerikanerinnen vom Diener Zapolias abgeholt, doch diesmal erhalten auch Penny und Mike eine Einladung für eine Fahrt in die Winterlandschaft. Bei einem Gespräch über Vampire bricht Laura plötzlich zusammen und so fahren sie wieder in das Dorf zurück.

Am anderen Tag erscheint Miro Zapolia, der Graf von Burg Bast, im Gasthof und stellt sich den Reportern vor. Er erkundigt sich nach dem Befinden von Laura, die er in Amerika kennengelernt hat und seit dieser Zeit mit ihr befreundet ist. Er ist viel in der Welt herumgekommen und hat in England studiert, doch hinter seiner freundlichen Maske scheint sich etwas unheimliches zu verbergen. Für den Abend spricht er eine Einladung aus und Penny und Mike nehmen neugierig an.

Ein dunkler Rolls Royce bringt die Vier zur Burg, wo sie Zapolia empfängt. An seiner Seite zwei grobschlächtige Diener. Im Innern der alten Anlage sieht alles sehr herrschaftlich und würdevoll aus. Penny ist beeindruckt von der Bibliothek und den vielen Büchern über Folter und Okkultismus. Vor einem großen Kamin ist eine festliche Tafel aufgebaut und der gemütliche Teil des Abends beginnt. Irgendwann kommen sie auf das Thema Vampirismus und Lykanthropie zu sprechen, was dem Grafen scheinbar Unbehagen bereitet. Kurz darauf bringt Zapolia seine Gäste wieder zum Auto und verabschiedet sich. Mike hat heimlich Bilder mit einer Minikamera geschossen.

Wieder träumt sich die Hexe durch die Zeit. Zuerst ist sie in Rom, wo man Sklaven und Christen grausam foltert, dann wechselte der Traum ins Mittelalter wo die Inquisition ihren Höhepunkt erreicht hat. Fasziniert von den Grausamkeiten ist sie auch diesmal nur eine unbeteiligte Zuschauerin.

In der Nacht bekommen Mike und Penny unerwartete Verstärkung von einem Mann vor ihrem Fenster. Nachdem sie ihn hineingelassen haben, stellt er sich als Privatdetektiv Ridgeway vor, der das Verschwinden einer amerikanischen Touristengruppe aufklären soll. Bei seinen Ermittlungen ist er dann auf den Botschaftsangestellten Ashe gestoßen, mit dem er seit ein paar Tagen zusammenarbeitet und in den Wäldern campiert Sie glauben mittlerweile auch, dass Zapolia ein Vampir ist. Nachdem sie den verlassenen Gasthof durchsucht haben, bekommen sie von Ashe einen Funkspruch. Er wird von einem Rudel Wölfe verfolgt und bittet um Unterstützung. Zu viert und nach heftigen Kampf hält man das Rudel auf Abstand und begibt sich zum Fuß der Burg um nach den verschwundenen Amerikanerinnen zu suchen.

 Durch einen sehr engen Felsspalt gelangen sie in das Innere des alten Gemäuers und müssen sich hier zuerst gegen unzählige aggressive Fledermäuse wehren, bis sie schließlich einen unterirdischen See überqueren und in einer Folterkammer mit einer weiteren Tür stehen. In der Mitte der Kammer steht ein eiserner Thron und seitlich befinden sich mehrere vergitterte Zellen. Mit lauten Poltern, begleitet von unheimlichen Gelächter, schließt sich die Tür und sie sind gefangen. Dann fängt der Thron an zu glühen, der mit elektrischen Kabeln die nach unten führen verbunden ist und so erhitzt wird. Da die Kabel irgendwo hinführen müssen, stemmen sie den Stuhl aus dem Beton und stoßen auf Holz. Ridgeway und Penny fangen plötzlich an zu fantasieren. Irgendeine Macht scheint sie zu beeinflussen und so bringt man sie in die Zellen, in denen Liegen stehen. Abgelenkt von der Arbeit am Fluchttunnel bemerken Ashe und Mills nicht, wie die zwei Verwirrten verschwinden. Die Zellen sind in Wahrheit Aufzüge, mit denen man Gefangene transportiert hat und an den Hebeln sitzen die Diener des Grafen, die einen sadistischen Spaß an dem Verwirrspiel haben.

Graf Zapolia ist erwacht und bereitet seine Hochzeit vor. Die Bewohner der umliegenden Dörfer sind seine, nicht ganz freiwilligen Zeugen, und die von ihm  manipulierten Gefangenen, Penny und Ridgeway, sollen die Zeremonie fremdgesteuert leiten. Laura Dasart erwacht aus ihrer jahrelangen Lethargie und ihre ständige Begleiterin, Hilde Schultz, gibt sich endlich zu erkennen. Sie ist die Hexe die in ihren Träumen durch die Jahrhunderte reisen kann und hat, nachdem sie Zapolia bei seiner Suche nach einer Braut kennenlernte, Laura Dasart in seine Arme getrieben. Als Gegenleistung soll sie von ihm die Gabe der Verwandlung in einen Wolf erlernen. Aber nun soll die Vampirhochzeit stattfinden, bei der Laura selbst zum Vampir wird.

Die Feier beginnt, doch die Gesellschaft wird beobachtet. Mills und Ashe haben einen Weg durch die mit unzähligen Fallen gespickten Gänge gefunden und greifen nun, mit Pistolen bewaffnet, ein. Für Laura ist es  zu spät, denn sie hat das Blut des Grafen schon in sich aufgenommen und liegt jetzt tot in seinen Armen. In Kürze wird sie wieder erwachen und ihr unheiliges Leben beginnen. Die Hexe Hilde verwandelt sich durch Zapolias Hilfe in einen Werwolf, wird aber von den Angreifern erschossen. Ihre Pistolen sind mit Silberkugeln geladen. Die zwei Diener von Zapolia werden ebenfalls ausgeschaltet.

Zapolia ist mit seiner Braut auf der Flucht durch Burg Bast und gelangt auf das Dach. Mittlerweile haben sich auch einige Dorfbewohner unter der Führung des Wirtes Istwanoff dazu entschlossen, den Vampir zu bekämpfen. Schließlich wird der Graf gestellt und es kommt zu einem erbitterten Kampf zwischen ihm und Mike Mills. In höchster Not kann der Engländer Zapolia ein silbernes Messer in den Hals stoßen und der Spuk ist beendet. Transsylvanien hat einen Tyrannen weniger.

Die Regierung Rumäniens hat kein Interesse daran, mit der Sache an die Öffentlichkeit zu gehen und so können alle Beteiligten unbehelligt das Land verlassen. Laura Dasart wird nach Amerika gebracht und verbringt ihr weiteres Vampirleben wohl in einer Anstalt...

Dirk und sein SenfMein Senf
Wann genau mir die Scharfzähne das erste Mal aufgefallen sind, weiß ich nicht mehr so genau, aber ich war bei der ersten offiziellen Sendung der Sesamstrasse am 8. Januar 1973  um 9.30 Uhr dabei und hier gab es den berühmten „Graf Zahl“ (engl. COUNT von COUNT oder nur  THE COUNTdown), der den Kindern von damals das Zählen beibrachte und ihnen Lieder vorgesungen hat. Eigentlich fand ich diesen aristokratischen Zahlenjongleur ala Bela Lugosi mit seinem schwarzen Umhang und den Fledermäusen, die um ihn herumflatterten, recht witzig und auf keinen Fall bedrohlich. Ob er allerdings von Anfang an dabei war, weiß ich nicht mehr. Wenn nicht, nehme ich alles zurück. In diversen Comics für die jüngere Generation ( Fix und Foxi, Micky Maus usw.) liefen sie einem gelegentlich auch schon mal über den Weg und sorgten für Abwechslung. Meine Neugierde war geweckt, denn schließlich verströmten diese Figuren mit ihren Fangzähnen und der Pomade in den Haaren auch immer etwas mysteriöses und ungewöhnliches. Etwas, was man als Kind noch nicht so richtig einordnen konnte -  erotische Aspekte beim Biss sah ich jedenfalls nicht.

Irgendwann um diese Zeit bekam ich mit, dass für einen unserer drei Programme  Dracula mit Christopher Lee angekündigt wurde. Eine Woche lang beknieten meine Schwester und ich meine Mutter, den Film sehen zu dürfen und versprachen ihr ALLES. Schließlich war ich ja schon neun (oder so), abgehärtet durch Fix und Foxi  und hatte meine Nerven voll im Griff. Mein großer Bruder hat sich damals aufgeregt, dass Mutter ihr Einverständnis gab, aber sie hatte ihren Plan. Gespannt saßen wir schließlich, irgendwann nach 22.00 Uhr, vor der s/w Glotze und hörten uns die Warnung der Ansagerin an. „Der Film ist für Kinder ungeeignet“... schwafel, laber... Dann ging es auch schon los. Bei der dramatischen Musik des Vorspanns kamen mir die ersten Bedenken und als Dracula dann endlich seine bleichen Finger aus den Sarg schob, war das klappern meiner Zähne so laut, dass keiner im Raum mehr etwas verstehen konnte. Meine Schwester saß nur noch mit der Hand vor den Augen auf dem Sofa und wollte plötzlich ins Bett, da sie unglaublich müde wurde. Ich sah meine Chance gekommen, um mich diesem strategischen Rückzug anzuschließen und gemeinsam ging man noch mal zur Toilette, eine Etage tiefer (bibber). Meine Mutter meinte, dass der Film noch gar nicht richtig angefangen hat und das Beste erst kommen würde, aber schließlich mussten wir das ja selber entscheiden, wir waren ja schon fast erwachsen. Da lagen wir nun in unseren Betten und lauschten den unheimlichen Geräuschen die aus dem Wohnzimmer kamen und unserer Fantasie weiter Stoff gaben. Bei uns im Kinderzimmer stand ein Regal mit einem Vorhang davor. Nach zehn Minuten teilte sich, von schrecklichen Lauten begleitet, der Stoff und ein gewaltiges Monster schoss auf uns zu und nagelte uns auf die Matratzen. Ob meine Schwester lauter brüllte als ich, weiß ich nicht mehr, nur an das Lachen meines Bruders im schwarzen Rollkragenpullover und der Taschenlampe vor dem Gesicht und an das meiner Mutter kann ich mich noch gut erinnern. Ich hatte meine Lektion gelernt und erst einmal die Nase voll von Vampiren.

Aber nicht lange, den nach Micky Maus kamen die Gespenster (Bastei) und Horror-Comics der 70er, bei denen es auch schon mal derber zur Sache ging und einem die Titelbilder (besonders bei HORROR) tagelang nicht aus dem Kopf gingen. Krass, unheimlich aber auch magnetisch zogen mich diese Dinger damals an. In der Zwischenzeit hatte ich auch meinen Respekt vor den Dracula Filmen abgelegt und nach DIE HERREN DRACULA war ich endgültig ein Fan des Grafen. Man konnte sogar ein wenig über ihn lachen.

Auf „Das Schloss der Vampire“ hatte ich mich schon gefreut, denn den kannte ich noch gar nicht. Eigentlich habe ich beim Betrachten des Titelbildes zum Vampir-Horror Nr.30 gedacht, dass es sich um eine romantische Liebesgeschichte rund um das neckische Halsgebeiße eines triebigen Vampirs handelt. Zum Teil hatte ich auch Recht, aber mit diesem Feuerwerk an klassischen Horrorszenarien und den dazugehören Figuren hatte ich nicht gerechnet. Hier war jeder vertreten, dem mal irgendwann bei Mondschein Fell gewachsen ist oder nach der Dämmerung aus seinem Sarg gekrochen kam, um sich anschließend in eine Fledermaus zu verwandeln. Die uralte Burg Bast mit ihren verwinkelten und allerhand Fallen gespickten Gängen, das verschneite transsilvanische Gebirge und die aus Holz gebauten Behausungen der in Flokati gekleideten Einwohner passten ebenfalls bestens in die Handlung. Kurz, hier war alles vertreten, was in einen guten Vampir Roman oder Film gehört. Dazu kamen noch diese „durch die Gänge kämpfen und Fallen ausweichen“ Momente, die einen großen Teil des Romans ab Seite 30 bestimmten. Lara Croft hätte sich hier bestimmt wohlgefühlt und noch ein paar Runden dran gehangen. Habe ich mal geschrieben, dass mich Werwolf Verwandlungen in Romanen kalt lassen weil sie selten gut beschrieben sind? Die Aussage muss ich ein wenig revidieren, denn auf Seite 15/16 gibt es eine geniale Metamorphose, bei der ich selber ein leichtes Ziehen in den Gliedern verspürte. Bis die Hexe in ihren Träumen zu einem Werwolf mutiert ist, macht sie einen ganz schönen Streifen mit. Die Hexe sorgte übrigens mit ihren Träumen auch für die etwas ruppigeren Momente des Romans, an denen der Jugendschutz sicherlich seine helle Freude gehabt hätte. Auch die beiden Igors von Zapolia waren richtige „Sonnenscheinchen“ wenn man auf Sadismus und foltern steht. Zudem scheint Saxon ein Kenner  von Luxusartikeln aus Osteuropa gewesen zu sein denn er steckte seinen Protagonisten des öfteren mal eine Snagov-Zigarette in den Mund oder sie tranken Tsuica-Schnaps aus der Flasche. Auch die Ortsangaben, habe gerade mal nachgeblättert, stimmten. Also kein 08/15 Roman nach dem Motto:“Merkt ja eh keiner, was ich hier für einen Bockmist schreibe.“

Ehrlich gesagt hat Saxon nur den Namen Dracula ausgetauscht, denn von der Beschreibung her steckte eine Menge Christopher Lee in seiner Figur, um den man 1970 wahrscheinlich auch nicht herum kam. Neben dem Obervampir von Hammer gab es ein paar interessante Einblicke in das Leben von Vlad Dracul(ea), der Vorlage von Bram Stoker, und seinen Gräueltaten. Der erste Traum der Hexe könnte ein Tag am Hofe von Vlad gewesen sein. Erst schmorte der Woiwode Zapolia sein Opfer auf dem eisernen Thron  und dann zwingt er dessen Anhänger, etwas von dem Fleisch zu essen. Ganz wie das Original. Kochen, braten, enthäuten waren neben dem Pfählen Draculs favorisierte Methoden, Gegner oder auch nur Leute die im Weg waren, loszuwerden. So wird er zumindest in den Geschichtsbüchern der westlichen Welt beschrieben. Die östlichen Länder sehen das anders und ihre Berichte erzählen eher von einem Mann, der zwar ein strenger, aber fairer Herrscher war. Der kleine Vlad wurde um das Jahr 1430 herum geboren und musste einige Jahre als Faustpfand für Murad II dienen. Keine schöne Kindheit also und wahrscheinlich der Grundstein für seinen tiefen Hass auf die Osmanen. Die fielen um die Zeit seiner Regentschaft des öfteren ein und stellten Bedingungen. Ein paar mal musste er sich unterordnen, war aber immer ein Querkopf, der seine eigenen politischen Ziele verfolgte und ging auch mit seinen „Verbündeten“ nicht zimperlich um. Nasen und Ohren abschneiden oder Hüte (weil man sie nicht abnahm) an den Kopf nageln, gehörten schon mal zum Meinungsaustausch und gutem Ton unter damaligen Herrschern dazu.

Insgesamt betrachtet  war DAS SCHLOSS DER VAMPIRE in der gekürzten Fassung von Lore Straßl ein rasantes Spektakel um bekannte Gruselelemente und Figuren der letzten 200 Jahre oder sogar noch davor. Moment, Frankenstein und Mumie waren nicht dabei, aber dann wären wir auch schon bei Abbot und Costello gewesen. Geheimnisvoll ist auch, was man über Peter Saxon so liest. Eine Quelle spricht von dem Briten Martin Thomas und bei einer anderen sind es gleich mehrere Autoren, die sich hinter dem Pseudonym verbergen. Für „Vampire´s Moon“ soll ein gewisser  Howard Baker in die Tasten gehauen haben. Der Mann hinter dem Pseudonym (wer auch immer) lieferte sogar ein Drehbuch zu einem Gruselfilm von 1970. DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR.MABUSE (Scream and Scream Again) war mit Vincent Price, Christopher Lee und Peter Cushing zumindest gut besetzt. Ein Urteil spare ich mir lieber, denn seit „House of the black death“ bin ich damit vorsichtiger geworden. Ein paar Ungereimtheiten bzw. Fragen gab es auch. Warum konnte sich Zapolia bei Tageslicht bewegen und wachte trotzdem bei Dämmerung in seinem Sarg auf. Kleines Mittagsschläfchen nach den Besorgungen? Warum musste die Hexe, die ja einen großen Anteil am Geschehen im Roman hatte so beiläufig sterben? Wie gestaltete sich die An- und Abreise in einem Land welches zum Ostblock gehörte wirklich? Zumindest bekam man nach Saxon als Reporter eine Einreisegenehmigung. Ashe bewegte sich als Botschaftsmitglied wohl hinter den Linien. Die Amerikaner(innen) waren diesmal die Dummen und Naiven und wurden von Engländern gerettet. Amerika? Die Infos aus dem Netz lassen eher auf eine Erstveröffentlichung aus England schließen und nicht aus Amerika. Liegt Pabels Impressum diesmal falsch? Dieser Kleinkram hat meinen Spaß beim lesen aber nicht sonderlich gestört. Alles in allem ein klasse Heftroman.

Was gab es sonst noch?
Thole hat es diesmal etwas leichter gehabt und brauchte eigentlich nur die Filmplakate der damals gängigen Vampir Streifen zu kopieren. Nein, er hätte sie vielmehr selber gestalten können (hat er ?). Thole wäre aber nicht Thole wenn es bei seinem Cover nur um diesen Liebesbiss von Dracula/Zapolia gegangen wäre. Beim genaueren Betrachten testet der Vampir mit der Bryan Ferry Frisur auch gleich mal die Beschaffenheit der Haut seiner Auserwählten und scheint bei dem Griff ins Fleisch nicht gerade zimperlich vorzugehen.

Hurra, Alfons ist wieder da und warnt uns davor, beim „Undertaker“  zu läuten, ohne vorher  durchs  Fenster geschaut zu haben. Diesen Cartoon kannte ich noch gar nicht, aber ich habe ja auch den Roman das erste Mal gelesen.

Bei Manfred Knorr und seinen zwei VAMPIR INFORMIERT Seiten ging es diesmal um die Entstehungsgeschichte der Godzilla Filme und seine Ableger bis zum Jahr 1971. Der erste Film von Inoshiro Honda mit dem Monster sollte ja eigentlich vor den Gefahren, die Atombomben so mit sich bringen, warnen, aber das ging gründlich in die Hose. Tatsächlich hat er einen einzigartigen  Film erschaffen, der für die damalige Zeit ein echter Meilenstein war und später oft ( auch von ihm selber) kopiert wurde. Irgendwann gab es nicht nur „verstrahlte Monster“ sondern auch Bedrohungen aus dem Weltraum in Maxi-Größe. Ich habe die Filme zumindest geliebt und wahrscheinlich keinen ausgelassen. 3 Mark 50 am Sonntagnachmittag und der Rest der Familie hatte ihre Ruhe.

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-08-31 10:04
Zitat:
Wie gestaltete sich die An- und Abreise in einem Land welches zum Ostblock gehörte wirklich? Zumindest bekam man nach Saxon als Reporter eine Einreisegenehmigung. Ashe bewegte sich als Botschaftsmitglied wohl hinter den Linien. Die Amerikaner(innen) waren diesmal die Dummen und Naiven und wurden von Engländern gerettet. Amerika? Die Infos aus dem Netz lassen eher auf eine Erstveröffentlichung aus England schließen und nicht aus Amerika
Alle Saxons waren ein englisches Produkt, die der rührige Baker aber häufig zuerst nach Amerika verkaufte. Zur Geschichte von Baker und den diversen Saxon-Autoren gibt es genaue Infos im Artikel zum Dämonenkiller-Tb 37.

Das ist eine gute Übersetzung. Gekürzt sind hauptsächlich die Gewaltszenen, sonst wurden Dialoge und Beschreibungen zusammengefasst usw. Und halt die Befindlichkeiten der Zeit. Wenn Ridgeway am Ende was von einer politischen Verschwörung sagt, befürchteten die Rumänen im Original eine faschistische Verschwörung.

Mit den politischen Realitäten der Zeit ist das ganz interessant. Es gibt diese Novelle von Kim Newman "Coppola's Dracula" von 1997, ein Teil seines "Anno Dracula"-Zyklus. Die bietet ein wesentlich düsteres und realistischeres Bild von Land und Leuten. Da wimmelte es am Filmset dann von Securitate-Leute, die die Amis nicht aus den Augen lassen. Die Reisefreiheit unserer Helden ist bei Baker eher der Dramaturgie geschuldet.

Du hast natürlich völlig recht. Im Grunde erzählen alle diese Vampir-Romane aus der Zeit Dracula nach. Aber das haben sie immer ordentlich gemacht.
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#2 Laurin 2016-08-31 20:19
Die Handlung ist durchaus interessant zu nennen. Würde ich auch gerne mal lesen, aber dann müsste der Roman schon übersetzt und ohne Kürzungen der Gewaltszenen vorliegen. Ist irgendwie wie Spagetti, die isst man ja auch nicht trocken, so ganz ohne lecker Soße. :lol:
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#3 Toni 2016-09-01 16:54
Interessant, dass Baker zuerst nach Amerika verkauft hat. Dann stimmt das Impressum also doch. Danke für die Info.
Es gab immer noch ein paar derbe Szenen im Roman. Scheint im Original recht heftig zu sein, aber eigentlich ging es Saxton/Baker wohl um die Atmosphäre und das hat er wirklich gut hinbekommen. Hätte ein klasse Film werden können.

Laurin: Habe Spagetti schon trocken gegessen und muss dir recht geben. Is wirklich ein wenig dröge :lol:
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#4 Thomas Mühlbauer 2016-09-19 11:01
Hoffentlich ist Toni im Schloß der Vampire nicht leergesaugt worden oder beim Lesen der magischen Seuche anheimgefallen. Er ist schon beängstigend lange weg... :o
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#5 Harantor 2016-09-19 11:30
Einmal ist er ausgefallen. Hat aber zugesagt, diese und nächste Woche den Rückstand aufzuholen ... Vielleicht schreibt er ja nun nur noch nachts, wenn er auf Nachtschicht geht
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#6 Toni 2016-09-20 21:35
Manchmal komme ich mir schon etwas Blutarm vor, Thomas :lol: Aber nein, ich hatte leider keine Zeit fürs Hobby (schäm). Trotzdem schön, dass man vermisst wird. Morgen (Mittwoch) gehts weiter...
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