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»Tony Ballard« revisited - Teil 5: Drohende Schatten ...

»Tony Ballard« revisited»Tony Ballard« revisited
Teil 5: Drohende Schatten ...

Als im Oktober des Jahres 1982 der erste Band der Tony Ballard Serie das Licht der Welt erblickte, waren seit 1974 bereits 67 Romane mit dem sympathischen Helden in der Gespensterkrimi - Reihe erschienen, so dass die eigenständige Serie bei ihrer Geburt schon über einen ansehnlichen Stamm an festen Helden, Feinden und Schauplätzen verfügte, welcher im Laufe der Zeit noch weiter anwachsen sollte.


In dieser Artikelserie befassen wir uns mit der Entwicklung der Serie vom reinen „Fall der Woche“ hin zu dem späteren, durchaus komplexen Serienkosmos…

Das GeisterhausAuch wenn man es nicht vermuten sollte, so gibt es etwas, dass Isabel Allendes Bestseller “Das Geisterhaus” und der gleichnamige Tony Ballard - Roman gemeinsam haben: In beiden Fällen geht es eigentlich gar nicht um Geister im klassischen Sinne. Und wenn auch im Falle von Frau Allende klar sein dürfte, warum dem so ist, so sollte man doch bei dem TONY BALLARD Band 8 “Das Geisterhaus” zumindest annehmen, dass es sich, nach den Action - Romanen der letzten Wochen, vielleicht tatsächlich mal um eine klassische Geistergeschichte handelt - was aber eher nicht der Fall ist. Zwar gibt es auch diesmal natürlich wieder einen Hauptgegner, und dieser spukt auch mehr oder weniger in dem besagten Haus herum, allerdings schien der Autor hier selbst nicht so genau gewusst zu haben, worum genau es sich bei Abel Yates nun handelt. Zwar ist er nach seinem Dahinscheiden wieder aufgetaucht, um sich an seinen Hinterbliebenen zu rächen, und sein Auftauchen und Verschwinden hat auch durchaus etwas geisterhaftes, dann wird am Ende jedoch wieder ausgesagt, dass er die „Dämonenweihe“ empfangen hat, weshalb es einem Tony Ballard auch völlig problemlos gelingt, ihn mit ein paar Schüssen in den Rücken niederzustrecken…

Bis es dazu kommt, muss man sich allerdings noch mit ein paar überhaupt nicht geisterhaften Ghouls herumärgern, die sich in diesem Roman auch nicht wirklich artgerecht verhalten. Statt Leichen zu fressen, „erschaffen“ sie hier Zombies und statt unseren Helden, der seinen Partner leichtsinnigerweise zu hause gelassen hat, einfach umzubringen, nachdem sie ihn überwältigt haben, legen sie ihn in zunächst einmal in einen Sarg und machen den Deckel zu. Ein „taktisch kluger Schachzug“ des Gegners, wie Tony Ballard anerkennend feststellt - kurz bevor er sich mithilfe seines Rings (mit dem er, wie wir erfahren, eine geistige Verbindung herzustellen imstande ist) aus der misslichen Lage befreien und den „klugen“ Gegner erledigen kann.

DämonenduellDa ein einzelner Gegner allein also offenbar nicht reicht, unseren Helden den Garaus zu machen, fährt der Autor in dem TONY BALLARD Band 9 „Dämonenduell“ einfach mal ein paar mehr auf. Er schickt sogar gleich zwei Parteien ins Rennen, die sich gegenseitig bekriegen. Bevor die Kollegen vom Ballard - Team sich jedoch in diese Auseinandersetzung einmischen, sind sie zunächst einmal noch mit den eigenen Problemen beschäftigt. Mago, einer ihrer Erzfeinde, soll sich in der Stadt befinden und da es sich bei dem um einen Jäger abtrünniger Hexen handelt, macht man sich natürlich Sorgen um Roxane. Das ist dann doch sehr schön zu lesen, wie der Autor seine Figuren hier zum ersten Mal über die Thematik des Falls der Woche hinaus agieren lässt und wie man zum ersten Mal einen Hauch dessen zu spüren bekommt, was die spätere Serie auszeichnete. Tatsächlich hat dieser Ausblick auf die kommenden Romane auch Auswirkungen auf das aktuelle Abenteuer, da Silver diesmal darauf verzichtet, seinen Kollegen zu begleiten, um Roxane im Falle eines Falles beistehen zu können.

Immerhin hat auch in diesem Roman einer der Hauptgegner einen Auftritt: Rufus, der sich selbst als „Dämon mit den vielen Gesichtern“ vorstellt, was etwas seltsam anmutet, allerdings ist der Auftritt dennoch gelungen und der Autor baut die Figur recht geschickt in die Handlung um zwei verfeindete Dämonensippen ein. Etwas ungeschickt und umständlich erscheint dagegen die Idee, eine der beiden Sippen Leichen stehlen zu lassen, welche dann noch in eine „unheilige Dimension“ geschickt werden müssen, damit sie dort mit schwarzen Seelen ausgestattet werden können. Natürlich kommt es, wie es kommen muss, und der Leichenklau fliegt auf, was unseren Dämonenhasser auf den Plan ruft. Ganz allein wollte der Autor ihn dann aber doch nicht ins Rennen schicken, immerhin hat man es hier gleich mit zwei Dämonensippen zu tun, und da Tonys Lebensretter Nr. 1, Mr. Silver nun einmal zu hause bleiben muss, schickt er den Brillenfabrikanten Vladek Rodensky ins Rennen, der natürlich gerade ganz zufällig in London weilt. Und obwohl der Held es eigentlich aus jüngsten Erfahrungen besser wissen müsste, geht man auch hier wieder recht schnell getrennt vor - und rennt prompt in sein Verderben. Doch anstatt sich bei dem - nicht ganz so erfahrenen Freund zu entschuldigen, dass man nicht an seiner Seite geblieben ist, macht man ihm dann lieber lautstarke Vorwürfe, weil er nicht bewaffnet war. Und da man gerade schon einmal dabei ist, sich unbeliebt zu machen, kann man dann ja auch noch vor seinem Gegner damit herumprahlen, dass man gerade seine Tochter erledigt hat - während man sich am besten noch in einer eher ausweglosen Lage befindet…

Dass er sich aus dieser mithilfe seines Dämonendiskus befreien kann, fällt ihm dann auch erst relativ spät ein, was allerdings den beiden Dämonensippen die Gelegenheit gibt, sich schon einmal gegenseitig umzubringen, so dass die Zahl der verblieben Gegner am Ende dann wieder recht überschaubar ist. Und auch wenn man gern den Kopf darüber schütteln möchte, dass die beiden Helden sich nach dem gerade erst erlebten Desaster schon wieder trennen, und der nicht ganz so kampferfahrene Rodensky vielleicht etwas zu leichtes Spiel mit dem Sippenoberhaupt hat, wird der Schlusskampf dann doch recht spannend und actionreich geschildert und der Leser darf sich auf den nächsten Band freuen, in dem dann endlich jene Dinge stattfinden, die hier bereits ihre Schatten voraus werfen

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Kommentare  

#1 Toni 2017-03-23 18:08
Ghouls die Zombies erschaffen, das nenne ich mal eine effektive Produktionskette... :-)
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