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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Das Dämonenauge

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Das Dämonenauge

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?

Das DämonenaugeDas Dämonenauge
Der Dämonenkiller 17
von Neal Davenport (Kurt Luif
)
Vampir Horror-Roman Nr. 87
Oktober 1974 / DM 1,20

Pabel Verlag
Seit geraumer Zeit haben Coco Zamis und der O.I. Trevor Sullivan nichts mehr von Dorian Hunter gehört. Nachdem er fälschlicherweise unter Mordverdacht stand, ist er untergetaucht und hat die Jagd auf seine dämonischen Brüder alleine weitergeführt. Nun hat er es auf Asmodi, Oberhaupt der Schwarzen Familie, abgesehen. Dann hat George Calbot, ein Patient des Royal Hospital in London, dem kürzlich ein neues Herz eingepflanzt wurde, in einer merkwürdigen Wachphase während der Operation seinen Namen genannt. Das nach Hunter gesucht wird, wusste man im Krankenhaus und so landet die Nachricht schließlich beim O.I. Coco und Sullivan eilen zur Klinik und können mit dem geschwächten Herzpatienten sprechen. Calbot erzählt ihnen von einem Traum, den er während der Operation hatte:
Zuerst dachte er, dass er gestorben sei und seine Seele in einen anderen Körper geschlüpft ist. Der hellhäutige irische Dockarbeiter hatte sich in einen hünenhaften Schwarzen namens Edoux  verwandelt, der von Loa Marassa den Auftrag bekommt, Loa Valiora zu befreien und einen gewissen Dorian Hunter zu töten. Der Gott Damballa will es so. Calbot ist durch Voodoo-Zauber zu einem Zombie geworden, der jetzt zielstrebig seinen Auftrag ausführt. Zumindest versuchte er es, denn als er Hunter und Valiora auf Haiti ausfindig gemacht hat, kommt es zu einem Kampf bei dem er verbrennt. Dann steckt Calbot plötzlich wieder in seinem eigenen Körper. Coco kennt sich mit Voodoo-Zauber ein wenig aus und weiß, dass es sich nicht um einen Traum handelt sondern um Seelenwanderung. Dorian und seine Begleiter sind in Gefahr, denn Calbot kann von Loa Marassa auch in andere Körper geschickt werden.

Dorian, Valiora und Jeff Parker stehen vor den verkohlten Überresten von Edoux. Sie sind erst seit zwei Stunden auf Haiti, um an den mysteriösen Pfand von Asmodi zu gelangen, der vielleicht seine Vernichtung bedeutet. Dembo, ein einheimischer Helfer, weiß, dass Edoux vor einigen Tagen gestorben ist und vom mächtigen Loa  Marassa wiederbelebt wurde. Er schlägt den anderen vor mit in sein Dorf zu kommen, wo man sich in Ruhe beratschlagen kann. Dort angekommen erfährt Valiora, dass man sie in Dembos Heimat als Heilige verehrt und im Haus seiner Eltern sogar ein Bild von ihr hängt. Sie ist verblüfft und sieht auf dem Portrait einen Ohrring, den die anderen nicht sehen können. Das bedeutet Unheil, klärt Dembos Vater sie auf. Valiora, die auf Dorian einen seltsam veränderten Eindruck macht, verrät immer noch nicht, was ihr Asmodis damals als Pfand überlassen hat. Dorian wird nicht schlau aus ihrem Verhalten, zumal sie auch seltsam abweisend wirkt.

In London hat Coco ihr Wissen über den Voodoo-Kult und Seelenwanderung aufgefrischt. Es sieht so aus, dass Asmodi die Fähigkeit besitzt, den Geist eines Menschen über unzählige Kilometer hinweg zu manipulieren. Eine Bestätigung ihrer These bekommt sie dann in Calbots Krankenzimmer, denn seine Seele scheint wieder auf Wanderschaft zu sein. Den Ärzten gibt er zumindest ein Rätsel auf.

Ein paar tausend Kilometer weiter entfernt taucht Calbots Geist in dem mittlerweile verstorbenen Dembo wieder auf. Dorian, Vali und Jeff Parker ergreifen die Flucht, obwohl sie eigentlich wissen müssten, wie man mit Zombies umgeht. Vali möchte zur großen Zauberin Mamaloi Jorubiana, die irgendwo im Dschungel wohnt und etwas über den Pfand von Asmodi weiß. Unterwegs stellen sie Dembo eine Falle bei der er von einigen Tonnen Geröll verschüttet wird. Der Zombie ist erst einmal ausgeschaltet, aber ein neues Problem taucht auf. Eine magische Flamme tanzt plötzlich vor ihnen und treibt sie auseinander. Allerdings ist dies nur ein Ablenkungsmanöver von Olivaro, der mit Dorian allein sprechen möchte. Er rät dem Dämonenkiller, Valiora sofort zu vernichten, da sie immer noch eine Dienerin Asmodis ist und dieser durch sie alles erfährt. Die genauen Zusammenhänge bezüglich des Pfands kennt er zwar nicht, aber er weiß, dass das Leben des obersten Höllenfürsten von diesem Gegenstand abhängt. Bevor der Januskopf wieder verschwindet, warnt er Dorian noch vor den Leuten von Loa Marassa, die, neben dem Zombie, ebenfalls hinter dem Dämonenkiller her sind.

Kurz vor ihrem Ziel verrät Valiora endlich, dass es sich bei dem Pfand um eine Auge von Asmodi handelt und sie es der Mamaloi zur Aufbewahrung gegeben hat. Dorian kann das kaum glauben, da die Vernichtung eines Körperteils das Aus von Asmodi bedeuten würde.
Bei Mama Jorubiana kommt dann die große Ernüchterung: Das Auge wurde gestohlen. Angeblich ist die mehrere Jahrhunderte alte Frau auf der Seite von Vali, aber Dorian glaubt ihr nicht so recht daran. Zumal er auch nicht weiß, welches Spiel Vali nun spielt. Die Mamaloi bietet ihnen Schutz (Marassas Leute lauern überall) eine Unterkunft und Essen an. Allerdings bemerken die drei schnell, dass sie von den kräftigen Männern der Hexe bewacht werden. Nach einem erholsamen Schlaf weiht die Loa Hunter in ihre weiteren Pläne ein. Sie muss Valiora tötet, um die Verbindung zu Marassa zu kappen und ihre alte Macht wiederzuerlangen.  Dorian hat natürlich etwas dagegen und lehnt sich gegen die uralte Zauberin auf, die wiederum ihre Leute ums sich scharrt. Bevor das Ganze allerdings zu Ungunsten für Dorian und seine Freunde ausgeht, dringen die Männer von Loa Marassa in das Lager ein und ein wilder Kampf entbrennt. Bei dieser Gelegenheit machen sich Vali, Dorian und Jeff aus dem Staub und finden in einer Felswand Schutz.

In London verspürt Calbot plötzlich merkwürdige Schmerzen und ruft nach Dr. Harvey. Der Arzt und Coco werden Zeugen, wie der Patient plötzlich transparent wird und schließlich verschwindet. Nach etwa einer Stunde taucht er wieder auf und tut so, als wenn nichts passiert wäre. In Wirklichkeit war er auf Haiti und hat heimlich und unsichtbar einen Lederbeutel aus einem Versteck geholt, den Valiora kurz vorher dort versteckt hat. Der Inhalt: Haare, Blut und Fingernägel von Dorian Hunter. Natürlich merkt Coco sofort, dass Calbot unter einen fremden Einfluss steht und hinter seinem vorübergehenden Verschwinden nur Asmodi stecken kann. Als Calbot alleine ist, bastelt er aus Seife eine Puppe und garniert sie mit den Haaren und den Fingernägeln von Hunter. Auf Befehle von Asmodi wird er die Puppe mit der Faust zerschlagen und den Dämonenkiller vernichten.

 Auf Haiti werden Dorian, Jeff und Vali von Loa Marassas Leuten gestellt und in das Dorf der alten Zauberin zurück gebracht. Marassa ist natürlich Asmodi, der die Mamaloi Jorubiana kurzerhand geköpft hat und jetzt Dorian ihren abgeschlagenen Schädel präsentiert. Valiora gibt sich als Dienerin von Asmodi zu erkennen, was Hunter schon vermutet hat. Den Pfand, das Auge von Asmodi, hatte sie die ganze Zeit dabei. Der Höllenoberste hatte ihr vor langer Zeit eins seiner Augen eingepflanzt und war seitdem mit ihr verbunden. Natürlich konnte er dadurch das Geschehen beobachten und wusste immer, wo sich der Dämonenkiller befindet. Um seine Position in der Schwarzen Familie zu festigen, zettelte Asmodi Ende des 1800 Jahrhunderts sogar einen Aufstand auf Haiti an. Er stachelte die schwarze Bevölkerung gegen die weißen Herren auf, die ihren Luxus damals offen zur Schau trugen. Dabei half ihm die Mamaloi Jorubiana bei der er auch Valiora kennen lernte, die wegen ihrer Grausamkeit unter den einfachen Leuten gefürchtet wurde. Asmodi nahm Vali zur Gefährtin und heiratete sie sogar. Bei der dunklen Zeremonie tauschte er dann ein Auge mit ihr und ging dadurch ein Bündnis mit dem Mädchen ein. Durch das Auge erhielt sie einen Teil seiner Macht und konnte sich sogar in Asmodis/Marassas Gestalt verwandeln. Sie war die neue Herrin auf Haiti. Die alte Mamaloi wurde getäuscht und erhielt ein gefälschtes Auge, dass sie in eine Statue des Schlangengottes Damballa einsetzte. Mit dem Auge und ihrem Wissen wähnte sie sich auf der sicheren Seite. So kann man sich täuschen.

In London wacht Coco aus einem tranceähnlichen Schlaf, den ihr Calbot verpasst hatte, wieder auf und sieht die Figur aus Seife. Sie schätzt die Situation richtig ein, doch sie kann nicht verhindern, dass Calbot die Vodoo-Puppe mit der Faust zerstört. Seltsamerweise stirbt er nach der Tat selber einen grausamen Tod. Sein Kopf wird von unsichtbaren Kräften zerquetscht.

Auf der Insel ist buchstäblich der Teufel los, denn zuerst stirbt Valiora durch einen mächtigen Blitz und anschließend krümmt sich Asmodi auf dem Boden, bis er schließlich zu Staub zerfällt. Was war geschehen? Dorian hat in der Felswand mitbekommen, dass ihm Vali Haare und Fingernägel abschnitt und in einen kleinen Lederbeutel verstaute. In der Hütte der Mamaloi hatte er das Gleiche mit ihr gemacht und dann zur richtigen Zeit die Beutel vertauscht. Als Calbot in London die Figur zerstörte, vernichtete er damit auch Vali und schließlich auch Asmodi. Das Oberhaupt der Schwarzen Familie existiert nicht mehr – Dorian Hunter war der Sieger.

Die Sache hat aber einen Haken: Olivaro, der bei Asmodis Vernichtung zugegen war, zeigt jetzt sein wahres Gesicht. Er erklärt Dorian, dass er ihn nur benutzt hat, sie aber weiter Verbündete seinen können, wenn der Dämonenkiller die Schwarze Familie in Ruhe lässt. Er sieht sich als neues Oberhaupt. Dann verschwindet er. Natürlich geht der Kampf für Dorian weiter und er ist sich gar nicht so sicher, dass Olivaro überall in der Familie anerkannt wird. Asmodi hatte viele Freunde...

Dirk und sein SenfMein Senf
Nach ein paar haitianische Stampftänzen sind wir nun endlich schlauer: Dorian hatte den Pfand von Asmodi buchstäblich die ganze Zeit vor Augen. Hätte er auf Olivaro gehört, der auf Valioras Vernichtung drängte, wäre die ganze Sache schnell beendet gewesen. Da stand dem Dämonenkiller aber seine Moral im Wege, die Hand an unschuldig wirkenden Mädchen anzulegen. Der Plan von Asmodi wäre auch fast aufgegangen, wenn Hunter nicht doch noch die Kurve bekommen hätte und ihm die Nummer mit den vertauschten Beuteln eingefallen wäre. Irgendwie hat er den Braten gerochen und damit das Tor für weitere Dämonen-Killer Abenteuer aufgestoßen. Also, leicht haben es sich Vlcek und Luif nicht gemacht, denn die Vernichtung des Endgegners ging jetzt schon über drei Romane - ein Dreiteiler innerhalb des Brüder-Vernichtungs-Zyklus sozusagen. Nun war der Weg frei und der bärbeißige Dämonenvernichter Hunter bekam endlich seine eigene Serie.

Vermutlich hatten es die Stammleser der Vampir Horror-Reihe damals schon geahnt, denn Pabel hatte im Vorfeld die Fühler ausgestreckt und Umfragen gestartet. Die Fans standen bereit. Am 22.10.1974 war es dann endlich soweit und eine neue Gruselserie zog in die Romanständer der, damals noch unzähligen, Verkaufsstellen ein. Mit DEM FEST AUF DEM TEUFELSHÜGEL (Dämonen-Killer Nr.18 von Neal Davenport), hat Dorian Hunter das Mutterschiff VHR endgültig verlassen und sollte bald einer der Verkaufsgaranten von Pabel werden. Andere Verlage blickten wahrscheinlich neidisch auf diesen Schachzug und zogen irgendwann nach. John Sinclair (Bastei) machte 1978 seinen Schritt in die Eigenständigkeit und Larry Brent (Zauberkreis) erst 1981. Demzufolge war der Dämonen-Killer die erste Auskopplung aus einer Anthologie-Serie im Bereich Grusel/Horror. Wirtschaftlich gesehen war das für Pabel auf diesem Gebiet sicherlich ein großer Wurf, aber für den VHR vielleicht ein kleiner Schritt zurück. Mich würde brennend interessieren, ob die Verkaufszahlen beim Vampir-Roman stabil blieben, oder ob der Däki, ein Zugpferd der Serie, im eigenen Verlag wilderte - zumal Serienhelden so langsam Oberwasser bekamen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass Horror in den 70ern wie geschnitten Brot lief und der geneigte Feierabendleser wahrscheinlich mehrgleisig fuhr. Das Medium Heftroman stand damals noch in voller Blüte und war eine ernsthafte Konkurrenz zu den übersichtlichen Programmen, die unsere Flimmerkisten ausspuckten. Wer ging in der Woche schon ins Kino? Videorekorder für die breite Masse gab es noch nicht und Super 8 war zu umständlich und wurde vielleicht mal für ein paar Tam-Tam-Filme unter Männern genutzt.

Wer so richtig bei der Endschlacht um Asmodi durchblicken wollte, durfte die letzten Nummern der VHR-Subserie nicht verpassen. Für Quereinsteiger dürfte der heutige Roman, der vor Loi´s (Heiligen), Voodoo-Göttern und Seelenwanderungen nur so vollgestopft war, eher ein großes Fragezeichen gewesen sein. Da die Voodoo-Magie sicherlich nicht jedem geläufig sein dürfte, gab es auf den „Vampir Informiert“-Seiten erst einmal eine kurze  Einführung. Die war auch bitter nötig, um wenigstens etwas von der Thematik zu verstehen, Die Voodoo-Religion ist recht komplex und wird schnell unübersichtlich. Könnte man über den christlichen Glauben auch sagen, aber mit dem Geschwurbel sind die meisten von uns schließlich aufgewachsen. Um den Faden nicht zu verlieren, musste ich auf die Info-Seiten des öfteren zurückblättern.

Nach drei Romanen durch diverse Gewässer und Urwälder war man schließlich auf Haiti gelandet. Fing der Asmodi-Dreiteiler noch recht frisch mit einem Gemetzel auf der INSEL DER WANDELNDEN TOTEN (VHR 79) an, war Dorians Truppe sichtlich geschrumpft. Nur noch Valiora, die undurchsichtige Schönheit mit kindlichem Charme, und Jeff Parker, Dorians Freund aus alten Tagen mit einer Brieftasche so dick wie ein Backstein, begleiten den Dämonen-Killer in den feuchtheißen Dschungel. Jeff wirkte nach jedem gelaufenen Kilometer mürrischer. Er hat es mehr mit schnellen Autos, Privatjets und Luxusyachten und war deshalb nicht immer bester Laune. Trotzdem lockerte seine unverhohlene Abneigung gegenüber widrigen Umständen die Handlung etwas auf. Da dürfte dem ein oder anderen Leser schon damals die Haare zu Berge gestanden haben.

Vor einem der Häuser hielt Dembo an.
„Das ist das Haus meiner Eltern“, sagte er stolz.
 „Ich wette, dass es drinnen von Wanzen und Läusen nur so wimmelt“, sagte Parker missmutig.

Oder...

„Gut“, seufzte er (Parker) und stand wieder auf. „Gehen wir uns also die Zauberin ansehen. Hoffentlich ist sie jung und hübsch. Aber wie ich mein Glück kenne, ist sie eine alte stinkende Vettel mit fauligem Atem und zahnlosen Mund.“
Nun, Parker kannte sein Glück gut und hat schon geahnt, was auf ihn zukommt. Der Roman ist ein gutes Stück „ Kind seiner Zeit“ wo es von Negern nur so wimmelt. Irgendwie stolperte man auf jeder Seite über so ein heutiges No Go.

Warum Asmodi  in London einen unbescholtenen Mann auf Seelenreise schickt, ihn in einen wiederbelebten Toten verfrachtet um ihn dann umständlich mit dem Flugzeug an Ort und Stelle zu bringen, bleibt mir ein Rätsel. Da hätte er doch ganz andere Möglichkeiten gehabt Dorian Hunter zu erledigen. Warum dieser dann vor einem einzelnen Zombie flüchten musste, obwohl er solche Kameraden ansonsten mit dem kleinen Finger ins Jenseits beförderte, kam auch nicht unbedingt Dämonen-Killer mäßig rüber. Okay, unser Held hatte keine Waffen dabei und diverse Bannsprüche wollten ihm einfach nicht einfallen. Eigentlich wartete man nur ab, was denn so weiter passiert und verließ sich auf Valioras ungereimte Andeutungen. Bis sie einige Halbwahrheiten über das Auge ausspuckte, vergingen etliche Seiten. Dafür ging die Vernichtung des Höllenchefs recht schnell vonstatten. Wenn Asmodi durch sein Valiora-Auge alles sehen konnte, warum hat er dann nicht mitbekommen, dass man den Beutel ausgetauscht hat. Irgendwie muss Hunter ja an die Haare und Fingernägel von Vali gekommen sein. Aber Schwamm drüber, denn jetzt weht in der Schwarzen Familie eine anderer Wind und der Außerirdische Olivaro, vom Planeten Melmak... äh Malkuth (Gegenwelt) sitzt jetzt auf dem Höllenthron und macht auf dicke Hose. Mit ihm wird sich Dorian Hunter noch einige Zeit beschäftigen müssen.

Betrachtet man den heutigen Roman im Einzelnen, haben wir es mit einem mäßig spannenden bis leicht verwirrenden Dschungelabenteuer zu tun, der von Kurt Luif´s  flotter Schreibe lebt. Kurt konnte Dschungel und beschrieb die Tier- und Pflanzenwelt recht lebhaft (wie schon beim ROTEN AFFEN), aber die große „Asmodi-Vernichtungsshow“ war es nicht. Da hätte ich etwas mehr erwartet. Zumindest gab es diesmal wieder etwas von Coco Zamis, die ihre Beziehung zum Dämonen-Killer nochmal überdenken möchte. Recht so, lass dich nicht veräppeln Coco...

Was gab es sonst noch?
Auf Tholes Titelbild kann man die „alte Vettel“ eindeutig erkennen, die Jeff schon vor seinem geistigen Auge gesehen hat. Silikon war hier sicherlich nicht am Werk. Irgendwie schafft es der holländische Maler immer wieder, nackte Brüste aufs Cover zu bringen. Naja, vielleicht hätte er sich diesmal besser zurückhalten sollen.

Wer wissen möchte, was die Begriffe hungan, mambo oder humfo bedeuten oder mehr über la-place, hungenikon oder bokos erfahren möchte, dem wünsche ich schon mal viel Spaß. Besser ist dann doch so eine Kurzeinführung auf den VAMPIR INFORMIERT Seiten, die diesmal wirklich sehr nützlich waren. Interessant ist vielleicht, dass ein Zombie (Zombi) gar kein angeschimmelter Leichnam ist, sondern ein Mensch der alle Befehle desjenigen ausführen muss, der ihn zum Zombie gemacht hat. Gibt man einem Zombie Salz, erwacht sein eigener Geist, und er wendet sich gegen seinen Meister. Da die Voodoo-Riten der einzelnen Kulturgruppen recht unterschiedlich sind, dürfte das Einarbeiten in diese Materie ziemlich mühsam sein. Zumal es auch noch verwandte Religionen gibt wie z.B. Santeria auf Kuba, Obeah auf Jamaika oder Orisha in Brasilien. Dann kommen auch noch Einflüsse aus der christlichen Religion dazu und...und..und.

Im nächsten Artikel wartet dann DIE SUMPFHEXE von Earl Warren auf uns. Er hatte bei seinen letzten zwei Nummern einen Lauf und recht passable Romane abgeliefert. Ich bin gespannt...

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Kommentare  

#1 Thomas Mühlbauer 2019-07-17 12:53
Das Dämonenauge ist einer jener DK-Romane, die sich unglaublich schwerfällig lesen und einfach nicht zünden wollen. Ernst Vlceks Expose ist daran nicht ganz unschuldig, denn der Schlussroman um Asmodis Vernichtung erweist sich als absoluter Antiklimax mit zu viel Herumgewürge und überflüssigen Szenen.
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#2 Andreas Decker 2019-07-18 11:51
zitiere Thomas Mühlbauer:
Das Dämonenauge ist einer jener DK-Romane, die sich unglaublich schwerfällig lesen und einfach nicht zünden wollen. Ernst Vlceks Expose ist daran nicht ganz unschuldig, denn der Schlussroman um Asmodis Vernichtung erweist sich als absoluter Antiklimax mit zu viel Herumgewürge und überflüssigen Szenen.


Das ist richtig. Das soll der Typ gewesen sein, der jahrhundertelang die Fäden in der Hand gehalten hat? Wer soll das glauben?
Viel "schlimmer" ist aber, dass Vlcek hier das konzeptionelle Fundament gelegt hat, das viele Aspekte der Serie so unfassbar öde gemacht hat. Die Rangelei um den Thron. Asmodi ist der Boss, nein, Olivaro, nein, Hekate, nein Luguri, nein Rebecca, nein … keine Ahnung mehr, wer danach kam. Aber auch die zaubermond-Autoren haben sich da keine kreative Mühe gegeben. Es sollte mich nicht wundern, wenn das immer noch ein Thema ist. Keine Ahnung, ich lese das schon lange nicht mehr.

Aber Vlcek, so gut er manchmal auch war, hatte immer Probleme, einen vernünftigen Abschluss zu finden.
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#3 Schnabel 2019-07-18 17:47
Kurt Luif hat mit diesem Roman auch so seine Schwierigkeiten gehabt. Wie schrieb er in einem Brief an Kurt Bernhardt:

"Heute sandte ich DAS MAGISCHE AUGE an Frau Illfeld. Dieser Roman stürzte mich in tiefste Resignation. Ich war einigemale nahe daran, das ganze verdammte Ding in den Papierkorb zu werfen. Nur mein Pflichtbewußtsein hielt mich davor zurück, alles liegen und stehen zu lassen und ein paar Tage irgendwohin auf Urlaub zu fahren. Das Schreiben war eine einzige Qual und ich fürchte man merkt es deutlich.

Ich mache mir ernsthafte Gedanken, ob ich nicht mit dem Schreiben von Horror-Romanen aufhören soll. Meine Phantasie ist dazu zu schwach ausgeprägt. Ich bekomme während des Schreibens kein Feeling für die Personen und die Handlung. Das läuft alles wie ein schlecht entwickelter Film vor meinem geistigen Auge ab.

Ich schrieb bis jetzt an die zwanzig Horror-Romane und geniere mich eigentlich für alle, mit zwei Ausnahmen: DER GEISTERVOGEL und DAS DORF DER WERWÖLFE. Und ich weiß auch, weshalb diese Romane gelangen: da kamen annähernd normale Menschen vor, an deren Schicksal ich Anteil nehmen konnte.

Nächste Woche fange ich mit Band 18 der Dämonen-Killer-Serie an. Ich hoffe, daß mir dieser Roman besser von der Hand geht. Und ich würde. vorschlagen, wir warten ihn einmal ab, bevor wir über eine ver­stärkte Mitarbeit meinerseits sprechen. Ich habe nämlich die dumpfe Ahnung, daß die Beurteilung für DAS MAGISCHE AUGE alles andere als positiv ausfallen wird und Sie den Vorschlag über verstärkte Zu­sammenarbeit nochmals überschlafen wollen."
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#4 Toni 2019-07-18 21:07
Nach Expose schreiben ist wohl nicht immer ganz einfach und so ganz schlecht war der Roman ja nun auch nicht. Ich denke mal, dass Luif damals einfach ein wenig Lockerheit fehlte. Gut dass er weiter gemacht hat, wäre auch schade gewesen. Einen schwächeren Roman kann so eine Serie auch locker wegstecken. War ja nicht die Regel bei ihm. So ein wenig Selbstkritik kann ja auch manchmal ganz gut tun. Dieses Voodoo-Szenario ist auch nicht, denke ich mal, ganz so einfach umzusetzen.
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#5 Thomas Mühlbauer 2019-11-17 11:50
Ob Toni wohl schon seine Umzugskartons ausgepackt hat...?
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#6 Toni 2019-11-18 19:30
Den Umzug habe ich hinter mir, jetzt ist der Sohnemann an der Reihe.
Um ehrlich zu sein, komme ich zur Zeit echt nicht aus dem Arsch. Will sagen, dass ich wohl so etwas wie eine Schreibblockade habe und alles doof finde, was mir so aus den Fingern läuft. Nicht, dass es vorher besser war, aber der Funke und Wille fehlt mir im Moment.
Ich versuche noch vor Jahresende weiter zu machen.
Trotzdem danke für Deine Nachfrage - ist ja auch nicht immer üblich, wo die Zeiten immer kälter werden. Ist der Typ, der auf die Rechtschreibfehler so achtet eigentlich noch da? :D
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