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... Uwe Jarling über Festanstellungen, Cover und Malen am PC

Uwe Jarling... Uwe Jarling ...
... über Festanstellungen, Cover und Malen am PC

Uwe Jarling wurde 1968 geboren. Nach erhalt seines Diploms in Grafik Design 1991 arbeitete er als Illustrator und Grafik Designer bis heute. Seine ersten Arbeiten waren zahlreiche Covers für Videos und Bücher für diverse Verlage sowohl als auch Illustrationen im Bereich der Architektur und Technik für verschiedene Werbeagenturen. Ein wichtiger Schritt in seiner weiteren Entwicklung folgte im Jahr 2000 als er ernsthafter begann an seinen Fantasy Werken zu arbeiten, auch startete er in dieser Zeit die ersten Versuche seine Werke digital auf dem Computer zu schaffen.

Eine Auswahl der BuchcoverSeit ca. 2003 schafft Uwe so gut wie alle seine Werke auf dem Computer für Kunden überall auf der Welt. Uwe lebt und arbeitet in einem kleinen Dorf im Süden Deutschlands.

Uwe stellte sich unseren Fragen, stellte uns Proben seiner Arbeiten zur Verfügung und war so freundlich die Entstehung eines Covers von der ersten Skizze bis hin zum fertigen Ergebnis zu dokumentieren. Im Interview sind Links zu den Bildergalerien untergebracht. Die Bilder im Interview kann der Interessierte durch Klicken vergrößeren.

Eine Auswahl der CD-CoverZauberspiegel: Man sieht viel Phantastisches auf Deiner Homepage. Woher kommt diese Liebe zum Phantastischen?
Uwe Jarling: Nun, mich haben schon immer Dinge begeistert die man nicht im realen Leben sehen kann, vielleicht so eine art Flucht in eine andere Welt die es nur in meiner Fantasie gibt. Oder vielleicht habe ich auch einfach nur zu viele Comics in meiner Kindheit gelesen. Wie auch immer es hat mich nie interessiert einfach nur eine Landschaft oder ein Portrait zu malen, ich liebe es Dinge zu malen die es eben nicht gibt, die man nicht einfach so Fotografieren kann.

Zauberspiegel: Uwe, Du bist übers Dämonenland in die professionelle Schiene in das professionelle Zeichen von Covern eingestiegen. Kannst Du Deine Frühwerke noch sehen und wie bist Du seinerzeit an Bastei herangekommen?
Uwe Jarling: Das ist so nicht ganz richtig, ich habe professionell angefangen zu illustrieren 1991 und bin durch mehr Glück als Verstand zum Illustrieren von Video Covers gelangt was zu dieser Zeit noch ein sehr lukratives Geschäft war. Für Bastei habe ich erst später das ein oder andere Cover illustriert, hauptsächlich war mein Gebiet aber im Bereich der Video Cover Illustration.
Natürlich kann ich meine Frühwerke noch sehen auch wenn sie sicherlich technisch nicht annähernd so gut sind wie meine Arbeiten heute.
An Bastei bin ich eigentlich ganz einfach herangekommen, ich habe angerufen und gefragt ob sie nicht noch einen Illustrator gebrauchen könnten, woraufhin ein sehr netter Lektor mir dann auch einen Testjob gegeben hat. Aber wie gesagt mein Hauptgeschäft waren die Videocover, Buch bzw. Heftromancover habe ich nur sehr selten gemacht da die einfach nicht so gut bezahlt worden sind wie die Videos und als Freiberufler muss man halt auch nach den Finanzen sehen (leider).

Zur Bildergalerie mit Heftromancovern von Uwe Jarling


 Zauberspiegel: Hast Du nach Beschreibung der Autoren Deine Cover gefertigt? Oder frei und der Autor nach Deinem Bild in den Roman eingearbeitet? Hat sich da im Vergleich zu damals etwas geändert?
Uwe Jarling: Damals definitiv ja, ich habe eine Buchbeschreibung bekommen und da habe ich mir dann eine Stelle ausgesucht die das Buch am besten wiederspiegelt und diese dann skizziert und zum Kunden geschickt. Dann wurde die Skizze besprochen evtl. abgeändert und dann konnte ich mit der Illustration beginnen. Oder es gab schon sehr klare Vorstellungen Seiten des Verlages welch ich dann auch so umzusetzen hatte.
Heute hat sich, zumindest die Cover für Bastei und andere Deutsche Verlage betreffend, so einiges geändert. Ich bin nun schon seit ca. 2001 in einer Werbeagentur als Grafiker tätig und mache meine Illustrationen sozusagen als zweiten Job nebenher. Der Grund für die Festanstellung damals hatte mehrere Gründe, zum einen private Gründe, zum anderen hatte sich meine freiberufliche Illustratoren Tätigkeit in eine Richtung entwickelt mit der ich nicht mehr wirklich glücklich war. Wie gesagt meine Hauptbeschäftigung waren Video Cover, dieser Markt war in der Zeit einem starken Wandel unterworfen, zum einen kamen die Kaufvideos billig auf den Markt zum anderen waren immer weniger illustrierte Cover gefragt und immer mehr Fotografische Cover Lösungen. Dadurch ergab es sich für mich, dass ich immer mehr Kinder Videos bzw. Cartoons illustrierte und immer weniger Spielfilme was nicht wirklich das war was ich eigentlich wollte. Auch nahm ich immer mehr Grafische Aufträge an um das finanzielle Loch durch den Einbruch des Videogeschäftes zu kompensieren. Um es kurz zu machen meine Feiberufliche Illustratoren Tätigkeit bewegte sich immer mehr in eine Richtung die ich so nicht wollte, schließlich wollte ich ja schon immer Fantasy Illustrationen machen und keine technischen Zeichnungen oder Cartoons. Also nahm ich ein Festanstellung als Grafiker an welche im Gegensatz zu einer Freiberuflichen Tätigkeit mit einem geregelten Gehalt und noch viel wichtiger mit einem regelmäßigem Feierabend und Wochenenden verbunden ist. Jetzt hatte ich endlich Zeit in meiner Freizeit Fantasy Bilder zu malen ganz so wie ich wollte, ohne Druck. Auch machte ich mich in dieser Zeit immer mehr vertraut mit der digitalen Malerei, sprich malen auf dem Computer (dazu später mehr) was ein sehr wichtiger Schritt war. Ich fing an meine Bilder online zu zeigen. Dies wiederum hatte für mich ungeahnte folgen, plötzlich wurden immer mehr Leute auf meine Bilder aufmerksam und es kamen immer mehr Anfragen von Spielefirmen und Verlagen aus aller Welt.
Aber um wieder auf die eigentliche Frage zurückzukommen, ja es hat sich im Vergleich zu Damals so einiges geändert, heute fertige ich, zumindest für Deutsche Verlage, kein Bild mehr speziell für einen Roman an sondern mein Agent verkauft Nutzungsrechte bereits bestehender Bilder.
Aber wie gesagt ich habe mich ja auch noch nicht aktiv bei irgendeinem Verlag beworben.


Eine Auswahl der DVD-CoverZauberspiegel Mit welchen Techniken arbeitest Du? Nimmst Du noch Stift und Papier zur Hand?
Uwe Jarling: Oh, das ist eine komplizierte Frage da ich ein sehr experimentierfreudiger Künstler bin.
Also angefangen habe ich selbstverständlich mit Stift und Papier. Als ich vor nun schon 18 Jahren angefangen habe zu Illustrieren waren meine Werkzeuge Gouache und oder Acryl auf Reinzeichenkarton oder Leinwand, ab und an auch Öl. Die Airbrush gehörte ebenso dazu wie jede Menge unterschiedlichste Pinsel. Ein Zeichentisch die Staffelei und das Leuchtpult durften auch nicht fehlen ganz so wie man sich das so bei einem Künstler vorstellt.
Vor ca. acht Jahren hat sich das aber grundlegend verändert, da habe ich angefangen meine Arbeiten auf dem Computer zu malen, hört sich für jemanden der nicht genau weiß wie das so funktioniert erst mal komisch an, aber es geht tatsächlich, man kann auf dem Computer malen. Dazu braucht man erst mal ein Grafiktablett, das ist ein Drucksensitives Tablett auf dem man mit einem dazugehörigen Stift malen kann, funktioniert im Prinzip wie eine Maus nur dass ich eben wenn ich fester Aufdrücke einen dickeren oder deckenderen Strich machen kann was mit einer Maus nicht möglich ist.
Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig da man auf dem Tablett malt und am Monitor sieht was man tut, also nicht wie auf dem Papier direkt den Strich da hat wo man mit dem Bleistift ist, aber die Umgewöhnung ging bei mir recht schnell.
Dann braucht man noch ein Malprogramm, ich verwende hier Painter da die Pinsel in diesem Programm sich wirklich ähnlich verhalten wie sie das in Natura auch tun.
Abgesehen von der Malerei auf dem Computer experimentiere ich auch immer mehr mit 3d Anwendungen, durch die heutigen schnellen Computer kann man auch die professionellsten 3d Anwendungen auf so gut wie jedem PC anwenden.
Die Vorteile der digitalen Malerei gegenüber der traditionellen liegen natürlich in der Geschwindigkeit. Nicht dass das malen an sich schneller geht da hat sich nichts geändert, da muss man auch im digitalen Zeitalter noch selber zeichnen und malen und bescheid wissen über Komposition, Anatomie und all das. ABER das Bild ist trocken wenn ich es trocken brauche oder nass wenn ich es nass brauche, sprich ich muss keine Trockenzeiten berücksichtigen sondern kann malen wie ich will. Ferner muss nicht bevor man anfängt zu malen erst einmal die Farbe gemischt werden oder die mal wieder verstopfte Düse der Airbrush gereinigt werden.
Wenn das Bild fertig ist muss ich nicht erst zum Fotografen rennen und ein Repro davon machen lassen welches ich dann dem Kunden schicke, sondern ich habe eine Datei die ich direkt online zum Kunden schicken kann. Auch Korrekteren sind einfacher zu handeln wie bei traditionellen Medien. Im bereich der Illustration sprich wenn das Bild zum Druck verwendet werden soll auf jeden Fall ein extremer Vorteil.
Anders sieht die Sache aus wenn ich ein Künstler bin der seine Bilder in Galerien ausstellen will, da fehlt mir dann halt ein Original, und das ist dann auch der große Nachteil bei der digitalen Malerei, man hat kein Original welches man an die Wand hängen kann und das ist sehr schade. Aber die meist recht engen Deadlines zwingen immer mehr Illustratoren dazu zum digitalen Medium zu wechseln.
Ich für meinen Teil habe damit aber kein Problem, ich halte den Computer für ein enorm kreatives Werkzeug welches ungeahnte Möglichkeiten für einen Künstler bietet, schon allein aus dem Grund da ich mehr Zeit auf das eigentliche schaffen eines Werkes verwenden kann und keine Zeit mit Vorbereitungen verschwenden muss.

Zur Bildergalerie "Making of... " eines Heftromancovers


Zauberspiegel: Liest Du die Romane zu Deinen Zeichnungen?
Uwe Jarling: Ganz ehrlich: Nein.
Nicht weil ich keine Romane lesen mag, ich habe sie früher regelrecht verschlungen, aber leider habe ich heute einfach nicht mehr die Zeit zum lesen, da ich sehr viel und sehr lange arbeite.


Zauberspiegel: Verdienst Du heute auch noch (zusätzlich) Brötchen als freiberuflicher Grafiker?
Uwe Jarling: Ja, zusätzliche schon. Wie gesagt ich bin seit 2000 in einer Festanstellung als Grafiker und arbeite abends und an den Wochenenden als freier Illustrator. Mittlerweile ist es so, dass ich sagen wir die hälfte meiner Brötchen mit Illustration verdiene und es wohl schon so sein wird dass ich über kurz oder lang wieder voll als freier Illustrator arbeiten werde.
Im Moment ist mir der finanzielle Rückhalt durch die Festanstellung aber schon noch wichtig. So ist es mir möglich im Illustrativen Bereich nur Jobs zu machen die ich auch wirklich will und ich kann mit ruhigem Gewissen experimentieren und neue Dinge lernen ohne immer nur aufs Geld schauen zu müssen.

Zur Bildergalerie  mit Beispielen seines Schaffen

Zauberspiegel: Arbeitest Du mit einem Agenten oder suchst Du selbst nach Aufträgen?
Gameart von Uwe JarlingUwe Jarling: Ich habe einen Agenten hier in Deutschland der meine freien Arbeiten den Verlagen anbietet, bin aber nicht durch irgendeinen Knebelvertrag gebunden und kann selbstverständlich auch selbst meine Arbeit anbieten. Aber ehrlich gesagt ich habe seit ich als Freiberufler aufgehört habe noch nicht einmal selbst nach Aufträgen geschaut, die sind seither immer ganz von allein gekommen und ich bin auch so ziemlich am Limit von dem was ich abarbeiten kann.
Wie schon vorher erwähnt habe ich als ich digital zu arbeiten begann auch angefangen meine Werke online zu stellen. Anfangs nur in einigen online Galerien wie  z.B Renderosity, Epilogue usw. später habe ich dann meine eigene Homepage   gebastelt.
Dann ging eigentlich alles wie von selbst, ich gewann einige online Awards für meine Arbeiten und mehr und mehr Leute wurden auf meine Arbeit aufmerksam, meine Arbeiten wurden in diversen Zeitschriften und Best Of Kunstbüchern wie z.B. „Exotique“ oder „Exposee“ (the finest art in the known universe) von Ballistic Publishing, „The Art Of A Song Of Ice And Fire“ oder „The Art Of H.P. Lovecraft’s Cthulhu Mythos“ (beide von Fantasy Flight Games), „Digital Horror Painting Workshop“ und nicht zu vergessen denn darüber bin ich besonders glücklich „Fantasy Art Now“ (the very best in contemporary fantasy art and illustration). Ich meine zusammen mit meinen Idolen wie z.B. Boris Vallejo, John Howe, Ted Nasmith, Jim Burns, Donato Giancola, Todd Lockwood uvm. in den selben Büchern veröffentlicht zu werden ist wirklich ein Kindheitstraum der wahr geworden ist. Abgesehen davon kamen dadurch natürlich auch die Jobs.

Zauberspiegel: Gibt es Unterschiede in der Entwicklung, ob Du für ein Buch, eine CD oder eine DVD zeichnest. Ist die Entwicklung eine andere? Investierst Du dabei (jenach Bezahlung) in eine Arbeit mehr Zeit als in eine andere?
Uwe Jarling: Nun die Entstehung zwischen den verschiedenen Covers ist sicherlich unterschiedlich. Bei Buch- bzw. DVD-Covers hat man in der Regel eine mehr oder weniger genaue Vorgabe durch den Artdirector  an die man sich halten muss (was ganz gut so ist da man da genau weiß was man zu tun hat oder was erwartet wird), das komplizierteste sind CD-Cover für Bands besonders wenn der Auftrag von der Band direkt kommt und nicht vom Label, denn da sind 4 oder 5 Leute die alle eine coole Idee zum Cover haben und Du als Illustrator kannst nun versuchen all die Ideen in eine einzige Illustration zu bringen, ist aber andererseits wirklich sehr viel Spaß für eine Band etwas zu machen.
Nun sicherlich gibt es arbeiten in die ich mehr Zeit invertiere als in andere und sicherlich richtet sich das nach der Bezahlung, aber wenn ich dann einen Job angenommen habe tue ich immer mein Bestes.
Vielen Dank für das Interview, ich hoffe ich konnte die ein oder andere Frage so einigermaßen verständlich beantworten Laughing.

Zauberspiegel: Wir haben zu danken. Ich denke, es war durchaus verständlich Wink

Kommentare  

#1 Thomas Rippert 2008-09-06 20:29
Feines Interview, danke!!! :-)
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