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... T.S. Orgel über Orks, Zwerge und einen Erstroman

T. S. Orgel... T. S. Orgel ...
... über Orks, Zwerge und einen Erstroman

Tom und Stephan - alternativ Stephan und Tom Orgel - gehören schon geraume Zeit zu jenen Leuten der "Szene", mit denen wir immer wieder zusammentreffen - und das besonders gern. Im vergangenen Jahr waren die Gespräche auf der Buchmesse besonders rätselhaft. Tom murmelte etwas von "jaaaa, da ist schon was, aber das ist noch nicht spruchreif, darüber dürfen wir noch nicht reden", um einen dann verschwörerisch anzugrinsen und zu sagen: "aber ihr werdet es hören!"


Orks gegen ZwergeInzwischen ist es spruchreif geworden, es gibt bereits das Buchcover und es ist auch bereits bekannt, dass ihr Erstlingsroman "Orks gegen Zwerge" Haupttitel bei Heyne sein wird. Wenn das nicht ein Ding ist?!

Zauberspiegel: Herzlichen Glückwunsch und einen riesigen Gratulationsblumenstrauß zum ersten Roman von T.S. Orgel. Der Roman "Orks gegen Zwerge" wird im Winter 2012/13 bei Heyne erscheinen. Es sieht ziemlich wuchtig aus. Wieviele Seiten wird es denn geben? Der Titel lässt ja schon gewisse inhaltliche Vermutungen zu. Elaboriert das doch etwas - was haben die Zwerge denn gegen die Orks und umgekehrt? Um was geht es?
Tom Orgel: Danke! Es geht, wie ja schon angedeutet wurde, um einen schwelenden Konflikt zwischen zwei extrem gegensätzlichen Kulturen, der sich zum Handlungszeitpunkt in einer großen Schlacht entlädt. Eine Schlacht um eine Stadt in einer strategischen Schlüsselposition, deren Ausgang gut möglich über die Zukunft beider Rassen entscheidet. Vor allem aber ist es ein Aufeinandertreffen von zwei vollkommen unterschiedlichen Lebensweisen – und wie das immer so ist, ist der Blick auf den jeweils Anderen von jeder Menge Vorurteile und Erwartungen geprägt. Schon, weil den Orks die Lebensweise der Zwerge unnatürlich und fremd erscheint und die Zwerge die Orks natürlich für primitiv und barbarisch halten. Beide betrachten ihre Art und Lebensweise als die überlegene. Das ist noch nie gut gegangen. Und tut es auch in diesem Fall nicht. (Übrigens, nur der Vollständigkeit halber: Es gibt auch Menschen, die kleine, feine Nebenrollen spielen. Aber das Hauptaugenmerk liegt auf den beiden titelgebenden Rassen.)
Wir betrachten diese Schlacht aus den Blickwinkeln mehrerer Protagonisten auf beiden Seiten, deren Wege sich im Laufe der Geschichte kreuzen (die Orks würden sagen "auf schicksalhafte Weise", die Zwerge "aus logischen Gründen").

Zauberspiegel: Wenn man ein Interview mit T.S. Orgel macht, dann bekommt man es ja nicht nur mit einer, sondern gleich zwei Personen zu tun. Warum firmiert ihr als eine Person?
Stephan Orgel: Erst diese Woche hatten wir zufällig festgestellt, dass wir bei einem Buchhändler versehentlich unter „Thomas Orgel und Stephen Orgel“ gelistet wurden und diese beiden Herrschaften bereits andere interessante Bücher geschrieben haben … Genau aus diesem Grund schreiben wir lieber als T.S. Orgel. Der Name ist unverwechselbar und jeder weiß, was er damit hat.

Zauberspiegel: Hat es etwas zu bedeuten, dass zuerst Tom genannt wird und dann erst Stephan?  
Tom Orgel: Ich bin der ältere. Nein, halt, nicht deshalb. Wir wollten auf T.S. Elliot anspielen. Was natürlich nicht stimmt. Wir wollten uns nur nicht selbst vorschnell heilig sprechen. St. Orgel. Bisschen hochgestapelt, oder? Nein, im Ernst, das ist einfach nur die Reihenfolge im Alphabet. Oder lag's doch daran, dass ST. dann eher die Initialen von Stephan sind?  
Stephan Orgel: Außerdem nennt sich der Esel immer zuerst. Und damit habe ich tatsächlich noch eine weitere plausibel erscheinende Interpretation gefunden.
Tom Orgel: Stimmt. Deswegen heißt es ja auch nicht "Zwerge vs. Orks".

Zauberspiegel: Nachdem wir das geklärt haben, zurück zum Buch. Wie kam es dazu? Soweit ich euch kenne, ist Fantasy euer großes Faible, und Hauen und Stechen liegt euch eher nahe. Zudem seid ihr nicht humorfrei. Ist es also in etwa das, was man erwarten kann?
Stephan Orgel: Wenn zwei Völker wie Orks und Zwerge aufeinandertreffen, dann geraten hohe Diplomatie und geschickte Ränkeschmiede unter Adelsdynastien logischerweise etwas ins Hintertreffen. Die Leser können sich also auf eine ganze Menge Schlachtengetümmel gefasst machen - und zwar, wie Tom schon sagte, direkt aus dem Blickwinkel der Protagonisten, die  knietief mitten im Dreck stecken. Ich vermute, dass solche Situationen zwangsläufig nicht ganz ironiefrei bleiben können. Andererseits ist eine Schlacht keine alberne Angelegenheit und wir wollen auch nicht so einen Eindruck erwecken.
Entstanden ist die Idee zu diesem Buch aus einem ähnlichen Konzept, das damals allerdings noch nichts mit den klassischen Völkerromanen zu tun hatte. In den Gesprächen mit unserer Agentur und dem Verlag ist dann irgendwer darauf gekommen, dass es sich doch um eine prima Ergänzung zum beliebten Thema handeln könnte.

Zauberspiegel: Elfen gegen Zwerge, Zwerge gegen Menschen, Menschen gegen Orks, Orks gegen Maulwürfe ... Romane über sich gegenseitig verkloppende Völker sind nicht gerade selten. Ist man eigentlich mit den Völkern jetzt so langsam durch? Was ist das Interessante an diesem Grundthema - für euch als Autoren und nach eurer Vermutung für die Leser?
Tom Orgel: Orks gegen Maulwürfe? Du hast das Thema exakt getroffen.
Ich weiß nicht, ob man mit den Völkern jemals durch sein kann. Das hieße ja, dass man mit den Büchern über Menschen noch viel eher durch sein müsste. Immerhin sind sie das Protagonistenvolk der meisten Werke der Literatur. Und selbst da sind ja die Schriftwerke über sich verkloppende (Menschen-)Völker ein schon buchstäblich seit Jahrtausenden beliebter Evergreen.
Das Interessante an diesem Thema sind letztendlich nicht einmal so sehr die Rassen, sondern die zugrunde liegenden Geschichten. Die Rassen bzw. Völker sind meist nur Personifizierungen bestimmter menschlicher Eigenschaften. Ein Zwerg weckt eine andere Erwartungshaltung als ein Ork oder Mensch oder Goblin. Zwerge sind etwas bärbeißig aber zuverlässig, Orks sind brutal und dumm,  Elfen edel, jedoch hochmütig, Goblins verschlagen und feige. Und so weiter. Wen ich also "Orks vs. Zwerge" lese, habe ich ein sofort ein gewisses Bild, wie das Ganze aussehen wird. Stereotypen erleichtern die Zuordnung und funktionieren wie jene in den doch ziemlich aus der Mode gekommenen Fabeln. Und die haben sich ja wirklich lange gehalten: der verschlagene Fuchs, die diebische Elster, der hochmütige Hase, der mürrische Dachs, der bauernschlaue Igel, die fleißige Ameise … sobald in Fabeln ein bestimmtes Tier auftaucht, kennt man seine Rolle. In der Fantasy erledigen das heute die Völker. Erzählt werden letztendlich jedoch immer menschliche Geschichten.
Für uns als Autoren war es sehr reizvoll, mit dieser Erwartungshaltung zu spielen – und sie zu hinterfragen. Von daher war es wichtig, auf beiden Seiten Protagonisten zu haben. Diese konnten zum einen die typischen Ansichten (und auch Vorurteile) über das jeweils andere Volk haben. Das heißt, wir konnten alle Klischees so richtig schön ausfahren, ohne jedoch am Ende klischeehafte Rassen zu haben, denn das Selbstbild der Völker weicht natürlich deutlich vom Bild des jeweils anderen ab.
Wird ein Ork andere Orks als dumm und brutal einschätzen? Ja. Vermutlich zumindest seinen Vorgesetzten. Aber ziemlich sicher nicht sein ganzes Volk.
Daraus entsteht fast automatisch die große Frage, was am Bild des einzelnen Volkes eigentlich richtig ist und was auf nicht hinterfragten Vorurteilen und Klischees beruht. Und daraus wiederum die Frage, was eigentlich "gut" und "böse" sind, was "richtig" und was "falsch" – und wer jetzt eigentlich Recht hat.
Nein, ich glaube nicht, dass das Thema schon "durch" ist.
Stephan Orgel: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Zauberspiegel: Ihr seid mit eurem ersten Buch ja direkt bei einem der großen Publikumsverlage gelandet. Ist das "mehr wert" als ein Erstlingswerk bei einem Kleinverlag zu platzieren?
Stephan Orgel: Ach was. Für uns war es in erster Linie Glückssache, zur passenden Zeit mit der passenden Idee an der passenden Stelle gelandet zu sein. Ich glaube nicht, dass wir uns darauf all zu viel einbilden müssen (aber freuen tut's uns natürlich schon Wink). Es gibt doch eine ganze Menge hervorragender Romane von heutigen Bestsellerautoren, deren Qualität ursprünglich nur ein paar kleinere Verlage zu schätzen wussten.

Zauberspiegel: Ein Roman bei Heyne ... 500 satte Seiten ... Meine Güte, ihr werdet unglaublich berühmt und unfassbar reich. *Ironie off* Aber im Ernst: Es ist zweifelsohne ein richtig dolles Ding, das ihr da geschafft habt. Wie fühlt es sich an, in einem so prominenten Verlagsprogramm zu erscheinen? Wie viele Zentimeter wächst man? Welche Aufgaben um und am Buch erwarten euch noch? Und was macht Steamtown?
Tom Orgel: Ach - für berühmt muss man ja nur genug Interviews geben. Oder Blogger ärgern. Aber an 'reich' arbeiten wir. Immerhin konnte ich mir von meinem Anteil ein neues Ikea-Sofa leisten. Das ist doch schon ein Anfang.
Zur Frage: Gewachsen bin ich nicht. Eher geschrumpft. Nicht nur, dass ich tagsüber am Schreibtisch hocke - im letzten halben Jahr dann eben auch noch Nachts. Für die Haltung ist das nicht gut. Davon abgesehen ist das Gefühl immer noch ein wenig seltsam. Stolz, gemischt mit Unglauben und einem ganz kleinen, mulmigen Gefühl: Als 'Spitzentitel' in einem so großen Verlag positioniert zu werden ist ja ein ziemlich großes Paar Stiefel, das wir jetzt ausfüllen müssen. Erfüllen wir die Erwartungen, die der Verlag in uns setzt? Erfüllen wir die Erwartungen der Leser, die diese in so ein Buch setzen?
Stephan: Zu Steamtown können wir wohl soviel verraten, dass unser Autorenkollege Carsten Steenbergen alle Register gezogen hat, um die Vertonung in trockene Tücher zu bringen. Der Sprecher und die Jungs und Mädels, die uns die Musik zur Verfügung stellen, sind erste Klasse. Ich freu mich schon auf das Ergebnis.
Tom: Und danach – wer weiß, vielleicht wird aus dem fertig überarbeiteten Audio-Script dann irgendwann noch ein E-Book.
Aber erstmal steht das Lektorat für "Orks vs. Zwerge" an. Und was danach auf uns zukommt? Ehrlich gesagt haben wir noch keine Ahnung. Wir lassen uns überraschen.

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