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... Rebecca Gablé über Vergangenes, Zukünftiges und schwule Löwenherzen

Rebecca Gablé

... Rebecca Gablé ...
... über Vergangenes, Zukünftiges und schwule Löwenherzen

Neben der dreibändigen Waringham-Saga, gibt es zwei weitere Historische Romane von Rebecca Gablé. Zum einen „Das zweite Königreich“ (von dem uns die Autorin bereits eine Fortsetzung versprochen hat), in der sie die Geschichte der Eroberung Englands durch die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer und die Festigung der Normannischen Herrschaft schildert. Zum anderen den Roman „König der purpurnen Stadt“, wo in einem Handlungsstrang die Vorgeschichte der Waringham-Saga erzählt wird und die Familie Durham auch in den Canon der Waringham-Saga eingegangen ist.


Geschildert wird Aufstieg des Kaufmanns Jonah Durham vom Lehrling zum Bürgermeister von London. Damit thematisiert die Autorin das nach und nach aufsteigende Bürgertum in einer sich verändernden Welt.
Diese Romane bzw. ihre und die Möglichkeiten, diese in künftige Romane umzusetzen, ging es zunächst im zweiten Teil der Interview-Trilogie Laughing mit der Autorin auf der Buchmesse in Frankfurt. Aber auch über weitere mögliche und tatsächliche Projekte wurde gesprochen.

Dabei entspannte sich die Atmosphäre zusehends und es wurde viel gelacht.

Zauberspiegel: Die Durhams aus „König der purpurnen Stadt“ kommen ja auch immer wieder vor, so auch in „Das Spiel der Könige“. Sollte es in sieben Jahren die Fortsetzung geben, wo ja Francis Drake und die Armada im Blickpunkt stehen würden?
FotoRebecca Gablé (lacht herzlich): Was Sie alles schon wissen.(lacht erneut herzlich)
Zauberspiegel: Ich habe ja auch das Nachwort (zu „Das Spiel der Könige“, Anmerkung hhva) gelesen. (versucht ernst zu bleiben, denn das Lachen ist ansteckend) Kommen dann die Familien Waringham und die Durhams, als Vertreter des stärker werdenden Bürgertums, die Handlung tragend vor?
Rebecca Gablé:Auf jeden Fall. Ich glaube, ich könnte davon auch nicht mehr lassen. Ich habe mir einen eigenen Kosmos aufgebaut, eine Art Paralleluniversum, welches immer dichter mit immer mehr Familien bevölkert wird. Das macht natürlich auch Spaß, diese immer weiter zu entwickeln und miteinander zu verweben. Vielleicht heiratet ja mal ein Waringham eine Durham. Keine Ahnung.
Zauberspiegel: Bleibt nur noch die Frage, wie die Helmsbys (aus „Das zweite Königreich, Anmerkung, hhva) dazu kommen?
Rebecca Gablé: Das wärs dann noch.
Zauberspiegel: Theoretisch besteht ja die Möglichkeit
Rebecca Gablé: Theoretisch bestünde die Möglichkeit.

Zauberspiegel: Wann kommt denn die Fortsetzung zu „Das zweite Königreich“?
Rebecca Gablé: Das ist ne gute Frage. Die Antwort lautet: Ich weiß es nicht. Ich möchte dieses Buch immer noch schreiben. Ich habs im Nachwort ja auch eigentlich versprochen. Ich halte eigentlich auch, was ich versprochen habe. Ich bin mir noch nicht ganz sicher wie ich das machen möchte.
Zauberspiegel: Es kommt dann ja auch die Zeit Heinrich II., Eleonore von Aquitanien und ihrer Söhne Richard (Löwenherz) und Prinz John (ohne Land). Darüber wurde ja nun auch schon ähnlich viel geschrieben wie über die Zeit der Rosenkriege. Besteht nun die Möglichkeit diese ‚Bande’ aus der Sicht Rebecca Gablés kennen zu lernen?
Rebecca Gablé: Ja, theoretisch auf jeden Fall. Das würde mir auch Spaß machen. Also, ich habe jetzt gerade ein Sachbuch über das englische Mittelalter abgeschlossen. Da bin ich natürlich vielen Herrscherfiguren begegnet, wo ich gemerkt habe wie es mir in den Fingern kribbelt, einen Roman zu schreiben.

Zauberspiegel: Wann kommt denn dieses Sachbuch?
Rebecca Gablé: Nächsten Sommer im August.
Zauberspiegel: Wieder bei Ehrenwirth?
Rebecca Gablé: Genau.

Der Titel wird „Von Ratlosen und Löwenherzen – Eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters“ lauten.


Zauberspiegel:
Worum geht es diesem Buch? Davon war ja noch gar nichts zu hören.
Rebecca Gablé: Es ist ja auch noch Zukunftsmusik, aber es ist jetzt fertig. Der Titel wird „Von Ratlosen und Löwenherzen – Eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters“ lauten.
Ich habe es eigentlich meinen Leser zu verdanken, dass ich dieses Buch geschrieben habe. Denn ich werde immer wieder gefragt: ‚Wo kann ich denn mal die Historie nachlesen, ohne diese ganzen erfundenen Figuren? Wo kann ich denn mal lesen, wie es wirklich gewesen ist?’ Natürlich gibt es solche Bücher, aber ich finde sie alle staubtrocken und schrecklich langweilig. Eigentlich unlesbar. Es gibt ja auf dem deutschen Buchmarkt relativ wenig populärwissenschaftliche historische Literatur. Ich wusste also nie, was ich auf diese Frage antworten sollte. Da habe ich dann irgendwann gedacht: Dann schreibe ich es eben selbst. (lacht)
Zauberspiegel: Mach et selbst.
Rebecca Gablé: Ja, gut, ne? (lacht erneut)
Zauberspiegel: Da gleich noch mal eine Zusatzfrage. Richard Löwenherz wird von vielen Historikern als homosexuell bezeichnet.
Rebecca Gablé: Ja.
Zauberspiegel: War er ein Homosexueller? Oder was sonst?
Rebecca Gablé: Also ganz genau wissen wir es natürlich nicht. Wir können ja immer nur die Indizien deuten.
Was wir als gesichert ansehen können ist: Über mehrere Jahre verband ihn eine sehr enge Freundschaft mit Philipp II. August von Frankreich. Das ging soweit, dass sie das Bett geteilt haben. Das kann man jetzt so und so deuten. In der Regel ist es aber nicht so, dass Könige das Bett teilen müssen, weil zu wenig Betten da sind. Da werden eher andere Leute zusammengelegt. Ich denke schon, dass die beiden ein Verhältnis hatten.
Ein zweites Indiz ist, dass von Kindern Richards nichts bekannt ist. Von seiner Frau hatte er keine Kinder und auch über uneheliche ist nichts bekannt.
Ich halte es für sehr plausibel, dass er homosexuell war.
Zauberspiegel: In einer Biografie über Löwenherz, die ich gelesen habe, hieß es: Die Homosexualität wäre ihm wegen seiner Unbeliebtheit (er war unter anderem zu selten in England), nicht nur bei Historikern, nachträglich angehängt worden, als schlechte Presse gewissermaßen. Also diese These können Sie nicht bestätigen?
Rebecca Gablé: Nein. Allein seine Unbeliebtheit ist es nicht. Es gibt auf jeden Fall eine ganze Reihe Indizien, die darauf hindeuten. Auch das würde es für mich ganz besonders reizvoll machen, über ihn mal einen Roman zu schreiben. Er war der absolute Kriegerkönig. Er hat ganz schreckliche Dinge getan, darüber brauchen wir uns gar nicht zu unterhalten. Er war schon ein Raubein. Aber Richard Löwenherz war schon ein großer Held, ein großer Ritter. Also man könnte da schon mit diesen schrecklichen, hartnäckigen Tuntenklischees aufräumen. Das würde mir Spaß machen.

Zauberspiegel: Ich bin großer Anhänger von Heinrich, dem Löwen. Über ihn möchte gern einmal einen historischen Roman lesen. Wie lange muss ich noch warten?
FotoRebecca Gablé (lacht): Also wenn ... wenn ich mich eines Tages dem deutschen Mittelalter zuwenden sollte, dann tendiere ich im Moment eigentlich zu Otto, dem Großen. Aber soweit bin ich noch nicht. Ich trau mich ans deutsche Mittelalter nicht so richtig ran, weil es so schrecklich zergliedert und zersplittert ist. Ich finde es da ganz schwer, mir einen Überblick zu verschaffen. Es gibt da fast keine Nationalgeschichte zu erzählen. Man eigentlich nur biografische Romane über bestimmte Persönlichkeiten schreiben, wie wir es hier auch anregen.
Zauberspiegel: Wegen der fehlenden Nationalgeschichte?
Rebecca Gablé: Ja genau. Die Nationalgeschichte würde mir fehlen. Auf der anderen Seite kann ich ja nun nicht bis ich mich ins Grab lege (will ja hoffen, dass das noch ein bisschen dauert) immer nur übers englische Mittelalter schreiben. Entweder muss ich dann innerhalb von England mal die Epoche wechseln oder innerhalb der Epoche mal das Land. (Lachen in der Runde).
Zauberspiegel: Andere Länder, z. B. auch Polen sind im Rahmen des Mittelalters auch interessant.
Rebecca Gablé: Das stimmt. Alles ist interessant. Vor kurzem schrieb mir ein Leser aus Bulgarien, der Deutsch studiert und dem eins meiner Bücher in die Hände gefallen ist. Der erzählte mir dann vom Mittelalter in Bulgarien und von Byzanz. Das klang auch alles ganz spannend.
Zauberspiegel: Byzanz ist auch wirklich ein spannendes Thema. Da hat Weltbild eine Geschichte von Byzanz in drei Bänden raus gebracht.
Rebecca Gablé: Aha.
Zauberspiegel: Das ist immer was Los. Da werden potentielle Thronfolger entmannt und verstümmelt, da Verunstaltete den Thron nicht besteigen dürfen. Da wurde was geboten.
Rebecca Gablé: Das stimmt. Die Typen des westeuropäischen Mittelalters waren ja schon nicht zimperlich. Aber ich hab auch so den Eindruck, in Byzanz ging es noch ein bisschen mehr zur Sache. Eben auch viel mit Gift, glaube ich. Da haben auch die Frauen gern mal am Gifttopf mitgemischt. Schon spannend. (lacht)
Zauberspiegel: Das ist die perfekte Überleitung zur nächsten Frage. Sie sind doch auch Krimiautorin?
Rebecca Gablé: Ja.

Noch schlimmer finde ich die frauenbewegte Apothekerin, die so ein Mittelalter-CSI abzieht. Da rollen sich mir wirklich alle Fußnägel auf.


Zauberspiegel: Haben Sie denn auch schon mal über einen historischen Krimi nachgedacht?
Rebecca Gablé: Ja, würde ich furchtbar gerne machen. Gerade weil es mich auch oft ärgert wie Kriminalistik im Mittelalter beschrieben wird. Da gibt es dann immer den superschlauen Mönch bei dem das Zeitalter der Aufklärung schon stattgefunden hat und der dann immer nach logischen Kriterien in Mordfällen ermittelt, was Schwachsinn ist.
Noch schlimmer finde ich die frauenbewegte Apothekerin, die so ein Mittelalter-CSI abzieht. Da rollen sich mir wirklich alle Fußnägel auf.
Ich würde gern mal schreiben wie Rechtsfindung und Rechtssprechung im Mittelalter wirklich funktioniert hat. Gottesurteile ... ...
Zauberspiegel: ... der Sachenspiegel...
Rebecca Gablé: Ja, das ist so spannend. Aber da habe ich den richtigen Dreh noch nicht. Da muss ich den Aufhänger noch finden. Aber der historische Krimi steht sehr weit oben auf meiner Liste.

Kommentare  

#1 Larandil 2015-02-27 12:38
Tja. Inzwischen gibt es ja nicht nur das Sachbuch (hat sich gelohnt!), sondern auch den Roman über Otto den Großen. Bin sehr gespannt, was als Nächstes kommt.
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