Vom Hören eines Gruselromans

Vom Hören eines Gruselromans  

Anfang der 80er Jahre tat man sich als jugendlicher Bursche recht schwer in seiner Freizeit. Was sollte man schon groß anfangen in einer Zeit, in der es im Fernsehen nur 5 Programme inklusive DDR I und II gab, und auf denen von 23.00 Uhr bis 10.00 Uhr Sendepause war.

Zum lernen mochte man sich auch nicht mehr als nötig hinhocken, da die Schule damals auch nicht interessanter als heute war.

Es gab junge Leute, die durch die Gassen streiften und allerlei Unsinn anstellten. Zum Beispiel eine Kippe rauchten, Mülleimer anzündeten, Wände beschmierten. Das war alles nicht besonders interessant für mich.

Dann gab es wieder andere Jugendliche, die sich abends in den Straßen in irgendwelchen dunklen Winkeln trafen um zu plaudern, oder zu knutschen.

Jene harmlosere Spezies der 80er Jahre traf man häufiger, aber irgendwie gehörte ich da nicht zu. Mir fehlte der Sinn für derlei Unternehmungen.

 

Darum schleifte ich vormittags (meistens samstags) in den nahe gelegenen REWE-Markt. Nett anzusehen war da eigentlich nur der Heftromanständer. Kaum beachtet von den üblichen Kunden, aber dafür umso mehr von mir.

Da waren so nette Cover drauf. Und wöchentlich kaufte ich mir ein Heftchen der Comicreihe BESSY oder GESPENSTER-GESCHICHTEN. Die unbebilderten Romane interessierten mich zunächst nur am Rande.

Doch eines Tages fiel mir ein Cover auf, auf dem eine merkwürdige dreiköpfige Gestalt mit einem Säbel in der Hand, seltsam bluttriefend durch die Wüste schleicht. Der Titel: „Schizophrenia, Nächte des Wahnsinns“. Ich las den Roman mit einiger Aufmerksamkeit. Da er mir nicht besonders gefiel, geriet er schnell in Vergessenheit.

Irgendwann stieß ich auf „Gruft der bleichenden Schädel“, wieder von Dan Shocker und wieder aus der Serie LARRY BRENT. Und wieder so ein saugeiles Titelbild. Ich musste mir  das Ding wieder kaufen. Unwissentlich, das zwischen Heft 45 „Schizophrenia, Nächte des Wahnsinns“ und Heft 77 „Gruft der bleichenden Schädel“  über 30 Hefte vergangen waren.

Doch nun hatte mich das Shocker-Fieber gepackt. Ich versuchte alle fehlenden Hefte aufzutreiben, was zu jener Zeit noch nicht allzu schwer war.

Da ich zu jener Zeit bereits begeisterter Hörspielhörer war (H.G. Francis Gruselserie, Die drei ???), habe ich mir gedacht, es wäre doch mal was tolles, so eine Gruselserie zu vertonen.

Gedacht, getan. Kaum ein paar Wochen später erschienen die ersten Folgen von Larry Brent und Macabros auf MC.

Tja, so war das damals. Es gab nur MC´s. Klar LP´s wären auch noch möglich gewesen, aber aus irgendeinem Grund produzierte man 1983 bei EUROPA keine LP´s mehr.

Nun war ich natürlich ein richtiger Larry Brent-Fan. Mir gefielen die Romane und die Hörspiele. Deshalb war es um so trauriger, dass die Hörspiele 1985 wieder eingestampft wurden. Grund war die Indizierung einer Folge, nämlich LARRY BRENT Nr. 9 „Die Schlangenköpfe des Dr. Gorgo“. Geradezu brutal seien die Hörspielautoren mit den Hörern umgegangen, hieß es. EUROPA beschloss sein gesamtes Erwachsenenprogramm einzustellen. Nachdem 1985 noch einmal 2 LARRY-BRENT-Hörspiele erschienen sind (Folge 14 und 15), war es vorbei mit dieser geradezu genialen Produktion, die als Titellied übrigens eine Sequenz von D.Ö.F. und ihrem Lied „Codo“ aufzeigte.

Auch die Dan-Shocker-Adaption MACABROS war von den Einstellungen betroffen. Hier erschienen nur 10 Folgen. Und von der genialen Dark-Mystery-Serie DÄMONENKILLER kamen gar nur 5 Folgen heraus.

EUROPA stellte sein Programm um, ging wieder ganz auf die Kinder- und Jugendschiene, und man verdiente sich an TKKG und DIE DREI ??? eine goldene Nase.

 

 

Die kalte Dan Shocker – Zeit 

Was in den 80er Jahren gemeinhin als der kalte Krieg zwischen Ost und West bezeichnet wurde, habe ich in freudscher Manier einmal umgeschrieben für die Zeit zwischen 1986 und 2000. Es war die Zeit, in der von Dan Shocker gar nichts mehr auf den Markt kam.

Keine neuen Heftromane (die Serie wurde 1986 eingestellt), keine Fortsetzung der Hörspiele und überhaupt.

Nur der Dan Shockers Fantastik-Club dümpelte so dahin. 1994 gab es den Versuch des Verlegers Bernd Götz, neue  Dan-Shocker-Romane mit Larry Brent herauszubringen, doch sein Vorhaben war dermaßen vermessen, dass es schon im Ansatz scheiterte. Was schade war, aber von vielen Kritikern und Kennern der damaligen Szene weise vorausgesagt wurde.

Als Ende der Neunziger Jahre auch der Marlos-Club so langsam seine Pforten zu schließen begann, regte sich etwas auf dem Hörspielmarkt.

Durch das Internet hatte sich eine riesige Fangemeinde zusammen getummelt, die als Generation der Kassettenkinder bekannt wurde. Jene Leute also, die vor zwanzig Jahren vor ihren Kassettenrekordern saßen und sich neben DIE DREI ??? und TKKG auch PUMUCKL, FÜNF FREUNDE und natürlich LARRY BRENT und JOHN SINCLAIR anhörten. Zwanzig Jahre älter haben sie zu ihrem einstigen Hobby zurückgefunden, die alten Kassetten auf dem Dachboden gefunden oder zum Teil bei eBay neu erworben.

Eine wahre Community gründete sich im Internet. Die Folge war ein Hörspielboom, der schlagartig neue Produktionsfirmen entstehen ließ, mit jungen Leuten an der Spitze, die Mut zum Risiko hatten.

EUROPA kam an dem Boom nicht vorbei... Das Hamburger Label (längst an BMG verkauft) legte seine Klassiker von damals neu auf. LARRY BRENT, PERRY RHODAN, DÄMONENKILLER, H.G. Francis' GRUSEL, EDGAR WALLACE und natürlich MACABROS.

Das Zeug zur Fortsetzung hatte allerdings kaum eine Serie. Obwohl neu aufgemacht, neu abgemischt und sogar auf CD konnten die Serien nur die Herzen der alten Fans erwärmen, aber keine neuen an Land ziehen. Zumindest nicht genug für ein so großes Unternehmen wie BMG.

Immerhin hat LARRY BRENT eine kleine Fortsetzung erfahren. Die Folgen 16-18, bereits in den 80er Jahren als fertiges Manuskript vorliegend, wurden endlich realisiert. Und auch eine ganz neue Folge 19 kam noch hinzu.

Doch dann wurde es wieder still um LARRY BRENT und Co. Klar, die alten und auch neue Larry Brent-Romane von anderen Autoren laufen erfolgreich im BLITZ-Verlag, aber das Buch ist ein anderes Medium als das Hörspiel.

Aber die kalte Dan Shocker-Zeit, die 2000 endlich zu Ende war, war 2003 nicht schon wieder angebrochen. Nein. Dreamland Productions vertonte Dan Shockers BURG-FRANKENSTEIN-Serie und Hörspiele-Welt begann mit der MACABROS-Produktion.

Und nun 2007, Dan Shocker ist tot, kommt EUROPA doch wieder hervor und will nun LARRY BRENT- und MACABROS-Hörbücher produzieren.

Irgendwie lässt sich die Larry-Brent-Erfolgsgeschichte mit denen anderer großer Helden vergleichen (z.B. James Bond).

Larry Brent wurde 1968 als Heftromanheld im Zauberkreis-Verlag gestartet und findet heute, 2007, egal in welchem Medium, immer noch eine Fortsetzung. Nach fast 40 Jahren. Fast das gleiche gilt  für Macabros, der 1973 das Licht der Heftromanständer erblickte.

Darum ist der Ausspruch, Jürgen Grasmück ist verstorben, aber Dan Shocker stirbt nie, wohl gar nicht so fehl am Platze.

Ich bin immer noch ein Fan seiner Geschichten und freue mich, wenn es gut umgesetzt ist, auch auf die neuen Hörbücher von EUROPA, obwohl ich keine Hörbücher mag, aber für Dan Shocker mache ich eine Ausnahme.

  
Die Hörspiele
 

Douglas Welbat, Katja Brügger und Betram von Boxberg waren die drei Autoren, die sich unter dem Pseudonym Charly Graul zusammengefunden haben um Larry Brent und Macabros in Absprache mit Heikedine Körting in Hörspielform zu bringen.

Offensichtlich gab es keinen schöneren Ort zum Schreiben der jeweils ersten 5 Folgen als Lanzerote. Denn hier entstanden die Manuskripte zu den Hörabenteuern wie "Chopper", oder "Marotsch", oder "Konga, der Menschenfrosch".

Als Sprecher des Larry Brent wählte man den Schauspieler Rainer Schmitt, den man als Nebendarsteller aus Serien wie Großstadtrevier kannte, aber auch als Synchronstimme und Stimme aus dem Off bei vielen Naturdokumentationen. 1986 wurde er als Hauptdarsteller der Serie „Wanderjahre“ im ZDF bekannt, wo er einen Zimmermann auf der Walz spielte.

Als Iwan Kunaretschew hörte man Henry König, den Bruder des Schauspielers Günter König, der in beiden EUROPA-Serien den Erzähler gab. Günter König wurde bekannt als erster Kapitän auf dem ZDF-Traumschiff. Er verstarb 1998.

Den Macabros alias Björn Hellmark sprach Douglas Welbat selbst. Und Carminia Brado wurde von der Mitautorin und Lebensgefährtin Katja Brügger gesprochen, während der dritte im Bunde, Bertram von Boxberg, in beiden Serien kleinere Rollen übernahm, wie die des Peter Reisner in Larry Brent 2 „Marotsch, der Vampirkiller“

Musik und Effekte organisierte das bewährte EUROPA-Team der 80er Jahre.

Schade war, dass in den Hörspielen der typische Dan Shocker – Charakter aus den Romanen weitestgehend verschwunden war. Bei Macabros übrigens mehr als bei Larry Brent.

Larry Brent mag das stellenweise gut getan haben, zumindest was die adäquate Umsetzung in das Hörspiel angeht. Dabei konnten jedoch Fehler nicht vermieden werden, z.B. Morna Ulbrandson in einer Folge als X-Girl-X zu bezeichnen. Die Folge der X-Girls ging seinerzeit nur bis S. Auch das X-Ray 1 einen ständigen Diener namens Bony hatte, kam nie zur Sprache.

Am Ende jedoch sind die meisten Hörspiele von LARRY BRENT und auch MACABROS adäquate Umsetzungen, wenn man das Gesetz der Umsetzung dabei nicht außer Acht lässt.

Noch genauer an die Vorlagen hielt sich Dreamland Productions mit BURG FRANKENSTEIN, wo bereits zwei Titel erschienen sind. Diese Hörspiele haben genau den Charme der Romane, sind also was für den Fan, sprechen aber die breite Masse nicht an, die eher auf Action und Geballere á la John Sinclair steht. Diesen harten Geisterjäger mit Bond-Manier lieferte EUROPA seinen Hörer 1983 mit Larry Brent und Macabros. Beide Helden waren in Ihren Romanen jedoch weniger draufgängerisch als in den Hörspielen.


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