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Drei Blickwinkel-Nachschlag (1): Stellungnahme von Dr. Florian Marzin aus seinem Blickwinkel

Florian Marzin

Stellungnahme von Dr. Florian Marzin aus seinem Blickwinkel

Mit Interesse habe ich die drei Kommentare zum Genre Heftroman gelesen. Viel Wahres steht darin, aber alle drei greifen zu kurz.

Im Prinzip läuft es in allen drei Beiträgen darauf hinaus, dass der Heftroman sich der geänderten Erwartungshaltung der Konsumenten auf jeden Fall inhaltlich, aber auch - besonders betont in deinem Beitrag - im Format (Taschenheft) anpassen muss.


Drei Blickwinkel-Nachschlag (1): Stellungnahme von Dr. Florian Marzin aus seinem BlickwinkelAllgemein wird der Niedergang des Heftromans beklagt und die mangelnde Akzeptanz bei jungen/jugendlichen Konsumenten. Das ist so ohne Zweifel richtig - aber die Analyse dieser Ursache geht in die falsche Richtung.

Um es kurz zu sagen: man kann Fernsehserien wie die genannten nicht in eine Druckserie umsetzen, was der Versuch mit "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" und "Mariehof" gezeigt hat.

Der Hinweis auf CSI (in allen Varianten und ähnlichen Serien) bringt auch nicht weiter. Es ist nicht so, dass all das, was in den Artikeln angesprochen wird, nicht auch schon angedacht worden ist, aber - bleiben wir bei dem Beispiel CSI - kein Leser möchte seitenlange wissenschaftliche Abhandlungen über die Arbeit im Labor lesen. Das funktioniert nur im Film und nur mit "kauzigen Figuren". Das beste Beispiel dafür ist der Vater aller Gerichtsmediziner: Quincy. Einmal ganz abgesehen davon, dass für eine solche Serie oder auch eine Serie wie "Numbers", um sie nur einigermaßen glaubhaft erscheinen zu lassen, ein Heer von hochkarätigen Beratern zur Verfügung stehen müsste, die sich eine Fernsehproduktion leisten kann, aber keine Heftromanserie.

Auch ist die junge Zielgruppe deutlich durch das Fernsehen (und andere visuelle Unterhaltungsmedien) geprägt, wo Spannung auf viel einfachere Weise erzeugt werden kann, als im Text. Nehmen wir z.B. "Lost". Ich brauche nur einen der Protagonisten durch den Dschungel laufen lassen, eine ordentliche Tonspur darunter zu legen und schon gruselt sich der Zuschauer - ganz abgesehen von visuellen Effekten. Dies ist im Heftroman nur sehr schwer - ich würde sagen - gar nicht zu erreichen. Literatur - auch der Heftroman zählt dazu - ist ein eher kontemplatives Medium, während sämtliche visuellen Medien eher auf den Effekt ausgerichtet sind und ihn auch mit einfachen Mittel erreichen können. (Ich gebe zu, dass ist sehr verkürzt dargestellt, aber trifft dennoch zu.)

Diese Probleme der Literatur gegenüber dem Film, der durch unzählige Fernsehprogramme unser Unterhaltungsangebot dominiert, schlagen beim Heftroman viel deutlicher als bei jedem anderen zwischen Buchdeckeln befindlichem Text durch, denn eins muss leider deutlich gesagt werden, während man das Buch jederzeit noch unter dem Bildungsaspekt betrachten kann (ob er nun tatsächlich vorhanden ist oder nicht) trifft das auf das Heft definitiv nicht zu.

Interessant erscheint mir auch noch, dass in allen Beiträgen nach neuen, zeitgemäßen Helden verlangt wird, man aber gleichzeitig einräumt, wenn auch mit knirschenden Zähnen, dass gerade die "alten" wie Perry Rhodan, Jerry Cotton, John Sinclair oder auch Dr. Frank sich als die überlebensfähigsten erwiesen haben.

Das angesprochene neue "zeitgemäße" Format (Taschenheft) ist leider ausschließlich auf eine weibliche Leserschaft ausgerichtet. Sämtliche Versuche, es für den Spannungssektor (früher als "Männerromane" bezeichnet) zu nutzen, sind fehlgeschlagen.

Auch ich würde gerne neue Heftromanserien auf den Markt bringen - m. E. tragfähige Konzepte existieren, aber der letzte Versuch mit CHICAGO - die Serie war wirklich aufwändig produziert und die Autoren sind ein ums andere Mal daran verzweifelt, die Gegebenheiten der 20er Jahre richtig zu schildern - war wenig erfolgreich. Das macht nicht gerade Mut.

Kurzserien - als Spinoff wie z.B. bei Maddrax - funktionieren nur in diesem Rahmen. Für zwölf Hefte und dann Schluss ist der Aufwand einfach zu groß.

Auch, wie vorgeschlagen und dem Fernsehen angelehnt, in Staffeln zu arbeiten, kann im Heftroman nicht funktionieren. Fernsehserien haben ihr eigenes Marketinginstrument - man nennt es Programmzeitschriften, dazu noch Fachpublikationen wie z.B. "Spaceview", die die Fans auf dem Laufenden halten. Ganz zu schweigen, dass man inzwischen in zeitlich nahem Abstand die einzelnen Staffeln von Fernsehserien sofort auf DVD erhält und sie so, auch wenn sie gerade nicht im Fernsehen laufen, präsent sind.

Das betrifft auch das in den Beiträgen angesprochene Marketing oder das Fehlen eines solchen. Ein weiteres Problem stellt der Vertrieb der Hefte über das Pressegrosso dar. Bei einer wöchentlichen Heftserie verbleibt das Heft eine Woche - manchmal auch zwei - im Handel. Wenn man also den Start einer Serie, wie in einem Beitrag angesprochen, verpasst ist es schwer, nach vier Wochen die ersten Nummern noch zu bekommen. Ganz anders bei Büchern. Nehmen wir das Beispiel einer SF-Serie im Taschenbuch. Stößt man da auf den 3. oder 4. Band einer Reihe und findet ihn gut, ist es meist kein Problem selbst nach einem Jahr noch die davor liegenden Romane zu erhalten. Die Probleme, die man demgegenüber bei Serien wie "Sternenfaust" oder "Maddrax" - besonders aber Perry Rhodan - hat, braucht man wohl nicht zu erwähnen.

Kommentare  

#1 Advok 2008-11-25 20:30
Sehr geehrter Herr Dr. Marzin,

bei einem Punkt muss ich nachhaken: Warum kann die Gliederung in Staffeln nicht funktionieren?
Gut, die ersten Atlan-12er-Staffeln erschienen im zeitlichen Abstand, so dass hier keine großartigen Rückschlüsse zu ziehen sind, und bei der letzten Atlan-Serie über 60 Hefte wird das ganze verfälscht, weil es sich letztlich nicht um abgeschlossene 12er-Blöcke gehandelt hat, sondern die späteren Zyklen das Vorwissen der ersten Hefte voraussetzten.
Nun, mittlerweile erscheint ja 'Perry Rhodan Action', mal sehen, wie hier die Staffelaufteilung gehandhabt wird.

Wenn man also ehrlich ist: Richtige Erfahrungswerte im Heftroman mit Staffeln hat noch kein Verlag gesammelt. Warum also gleich die negative Erwartungshaltung?

Gerade bei einer Serie wie "Maddrax", die ich jetzt als Beispiel anführen möchte, würde sich eine Nebenreihe in Staffelweise sehr gut anbieten: Eine Kurzserie wie "Misson Mars", dann keine Pause, sondern gleich das nächste Heft ankündigen und einen weiteren zwölfbändigen Zyklus starten, der mit der Hauptserie sowie dem vorhergehenden nichts zu tun hat, aber in Maddrax Welt angesiedelt ist, dem nach ebenfalls zwölf Bänden ein weiterer Zyklus folgt. Sollte ein Leser tatsächlich ein Zyklus nicht gefallen, kann er ihn 'Aussitzen' in der Hoffnung, dass der nächste besser wird. Gleichzeitig würden durch die abgeschlossenen Nebenzyklusse neue Leser auf die Hauptserie aufmerksam... und... und... viele positive Aspekte.

Oder eine andere Herangehensweise an die Staffelgeschichte, auch am Beispiel der Bastei-Kurzserien: Warum bringt der Verlag nicht die unabhängigen Kurzserien aufeinanderfolgend? Hier meine Vorstellung: Im letzten Heft von 'Mission Mars' wird gleich 'Raven' angekündigt, dem 'Wölfe' folgt, dann 'Phil Decker' usw. Das hätte den Vorteil, dass man als Leser immer mit kurzen Serien/Reihen vielseitig bedient wird, ohne sich an eine Ewigkeitsserie binden zu müssen. Und für den Verlag zudem den Vorteil, nicht bei jeder Kurzserie die Werbeabteilung von Beginn an neu starten zu müssen und bei besonderen Anlässen wie Jubiläumsbänden einer Hauptserie eine Reihe zu haben, in der ein zusätzlicher Zyklus als Schmankerl (bay. f. Highlight) dem Leser serviert werden kann.

Weitere Vorteile einer Staffelserie:
- keine Ewigkeitsserie, an die man sich als Leser ewig bindet und dann nach mehr als hundert Bänden ob der Auflösung enttäuscht wird;
- viele "Heftromanuniversen" zum Kennenlernen;
- abgeschlossene Zyklen, die einem zusagen können, wenn man auch mit der Hauptserie (sofern es sie zu dem Zyklus gibt) nichts anfangen kann;
- kurze kreative Zyklen mit Möglichkeiten, die eine langlebige Serie nicht bietet (Tod des Haupdarstellers, etc.)

Ich denke, Staffeln hätten durchaus im Heftromanbereich Potential - man muss sie nur anpassen!

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Martner
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#2 Lefti 2010-08-27 23:02
Zitat:
Quincy...
Ist ja die Supermotte schlecht hin. :zzz

Zitat:
"Numbers",...einigermaßen glaubhaft...
Ah ja...! Okay...?! :oops:

Zitat:
Auch ist die junge Zielgruppe deutlich durch das Fernsehen (und andere visuelle Unterhaltungsmedien) geprägt...
Nun, Kabelfernsehen gibt es seit den 80er Jahren und Spielkonsolen, bzw. Spiel-PC auch. Insofern haben wir heute kein allzu anderes Medienbild, wie in den 80er Jahren, außer, daß Internet und Handy dazu gekommen sind.

Zitat:
...wo Spannung auf viel einfachere Weise erzeugt werden kann, als im Text.
Yepp! Das ist der Knackepunkt! Man sollte schon lesen können (um Spannung als Text zu erfahren). 8)

Zitat:
Interessant erscheint mir auch noch, dass in allen Beiträgen nach neuen, zeitgemäßen Helden verlangt wird, man aber gleichzeitig einräumt, wenn auch mit knirschenden Zähnen, dass gerade die "alten" wie Perry Rhodan, Jerry Cotton, John Sinclair oder auch Dr. Frank sich als die überlebensfähigsten erwiesen haben.
Wer oder was ist denn ein zeitgemäßer Held? :eek:
Maddrax vielleicht? Der ist genauso zeitgemäß und aktuell wie Flash Gordon. Sind beides ein und die selbe Type.
Indiana Jones? Tomb Raider? :oops:
Der neue James Bond? Daniel Craig ist genauso zeitgemäß wie Roger Moore. Sind beides zwar verschiedene Typen Mann und die Rollen wurden auf sie zugeschnitten, trotzdem sind beide zeitgemäß. Das Einzigste, das sich geändert hat, sprich zeitmäßiger geworden ist, ist der gesamte James Bond-Film als solches: Ein Moonraker wäre heute als James Bond-Film evtl. nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem wird man nach wie vor gut unterhalten.
Also, hier noch mal meine Frage: Was ist ein zeitgemäßer Held?
- Vielleicht Solomon Kane, der demnächst in die Kinos kommt, aber eine Figur erfunden in den 1930er Jahren ist?

Zitat:
Das angesprochene neue "zeitgemäße" Format (Taschenheft) ist leider ausschließlich auf eine weibliche Leserschaft ausgerichtet. Sämtliche Versuche, es für den Spannungssektor (früher als "Männerromane" bezeichnet) zu nutzen, sind fehlgeschlagen.
So ist's. :roll: Die Idee kam einer Verschlimmbesserung gleich. :P

Zitat:
Fernsehserien haben ihr eigenes Marketinginstrument...dazu noch Fachpublikationen wie z.B. "Spaceview", die die Fans auf dem Laufenden halten.
Hmmm... Hat Spaceview so viel mehr Leser, wie die Nautilus? Außerdem gibt es das Internet. Da ziehen der Film und das geschriebene Wort gleich.

Zitat:
Ein weiteres Problem stellt der Vertrieb der Hefte über das Pressegrosso dar... Wenn man also den Start einer Serie, wie in einem Beitrag angesprochen, verpasst ist es schwer, nach vier Wochen die ersten Nummern noch zu bekommen. Ganz anders bei Büchern. Nehmen wir das Beispiel einer SF-Serie im Taschenbuch. Stößt man da auf den 3. oder 4. Band einer Reihe und findet ihn gut, ist es meist kein Problem selbst nach einem Jahr noch die davor liegenden Romane zu erhalten. Die Probleme, die man demgegenüber bei Serien wie "Sternenfaust" oder "Maddrax" - besonders aber Perry Rhodan - hat, braucht man wohl nicht zu erwähnen.
Bin ich nicht ganz der Meinung. Es gibt auch von Heftroman-Serien diverse Nachrucke, sei es durch Zweit-, Drittauflagen, Special-Edit. oder Weiterverwertung und Buchform. Der Interessierte kommt schon an seine fehlenden Ausgaben und Bände.
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