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... Günter Rubik über die Liebe, schwierige Prognosen und die Sichtbarkeit kleinerer Label

Günter Rubik... Günter Rubik ...
... über die Liebe, schwierige Prognosen und die Sichtbarkeit kleinerer Label

Günter Rubik ist Geschäftsführer des Hörbuch- und Hörspielshops Audiamo. Diese befindet sich in Wien und mit einer Filiale in Berlin. Günter erzählt von den Schwerpunkten seines Shops und wie er auf die Idee kam diesen zu eröffnen.

Oliver Wenzlaff war so freundlich das Interview zu vermitteln.


Der ShopZauberspiegel: Wie fing es an mit AUDIAMO?
Günter Rubik: Der Anfang von AUDIAMO liegt, auch wenn das komisch klingt, in der Liebe. Meine Lebensgefährtin Monika und ich waren von Anfang an Hörbuch-Fans. Irgendwann verschlechterte sich Monikas Sehkraft, und wir haben sofort gewusst, dass das ihre berufliche Zukunft verändern wird. Sie hat dann zuerst im Internet als Audiobooks.at und für diverse Magazinen über Hörbücher geschrieben – heute würde man sagen, sie hat einen Blog begonnen – und wir haben einen Hörbuch-begeisterten Buchhändler für den Verkauf gesucht. Nachdem das aber nach ein paar Anläufen nicht geklappt hat, haben wir die Sache dann vor 8 Jahren selbst in die Hand genommen. Wir haben AUDIAMO gegründet, wo wir unsere gemeinsame Liebe für akustische Medien zu unserem gemeinsamen Beruf gemacht haben. Zuerst gab es einen Präsenzshop in Wien. Heute haben wir einen zweiten Laden in Berlin und sind auch Versandhändler und Downloadplattform. Mit AUDIAMO haben wir etwas, das uns glücklich macht. Und unsere Kunden sind hoffentlich auch glücklich, wenn sie bei uns Hörstücke finden, die andere vielleicht nicht haben. Und eine Beratung von Mitarbeitern, die für Hörmedien genauso brennen wie wir.

Zauberspiegel: Ist AUDIAMO nur ein Shop oder inzwischen auch Vertrieb?
Günter Rubik: AUDIAMO ist in erster Linie ein Shop. Wir bieten aber für Hörbuch- und Hörspiel-Verlage auch eine gemeinsame Belieferung des Handels und stellen die Titel dann auch gemeinsam bei Messen aus, wir machen gemeinsame Kataloge und so weiter. Aber wir haben keine Vertriebsmannschaft dafür. Die beiden Geschäfte und der CD-Versand über den Online-Shop richtet sich insofern - wie gesagt - definitiv an den Endkunden, im Online-Shop wird das noch durch Downloads ergänzt. Unser Sortiment speist sich aus einer sehr umfangreichen Liste großer und kleiner Vertriebspartner - bis hin zu Verlagsbestellungen, wo kein sinnvoller Vertrieb vorhanden ist.

Zauberspiegel: Inzwischen ist AUDIAMO ja ziemlich gewachsen. AUDIAMO gibt es in Wien und nun auch in Berlin. Was oder wem ist dieser Erfolg zu verdanken?
Günter Rubik: Auch wenn es abgedroschen klingen mag: Es ist in weiten Teilen unserem Team zu verdanken. Die tägliche Arbeit im Laden, die persönliche Beratung, die Mails mit den Kunden, die Pflege des Webshops und der Download-Datenbank, die Präsenz auf den Buchmessen in Leipzig und Wien - das alles schafft eine Verbindung zu unseren Kunden. Und weil immer mehr Kunden ohnehin aus Deutschland kamen, lag es nahe, irgendwann mit einem weiteren Laden über die Grenze zu gehen.

Das AngebotZauberspiegel: Tritt Audiamo auch selbst als Produzent auf und macht Hörspiele?
Günter Rubik: Das Produzieren überlassen wir lieber denen, die es können. Was wir können, ist ein breites und gleichzeitig tiefes Angebot bieten. Darauf konzentrieren wir uns. Wir wollen uns nicht verzetteln.

Zauberspiegel: Ich las auch von Live-Hörspielen bei Euch. Erzähle mal davon.
Günter Rubik: Das sind meistens Projekte von Judith Neichl, die bei uns in Wien arbeitet. Judith ist selbst Schauspielerin und hat ein kleines Ensemble zusammengestellt, auf das sie immer wieder zurückgreift. Gemeinsam mit der Autorin Sandra Wittmann adaptiert sie Stoffe, studiert sie zusammen mit dem Ensemble ein und bringt etwa alle 2 Monate ein neues Live-Hörspiel mit wechselnden Themen auf die Bühne. AUDIAMO sponsert und vermarktet die Auftritte - nach der Premiere werden die Stücke dann dort angeboten, wo wir gerne unser Thema Hörbuch und Hörspiel vermehrt sehen würden, also bei Kulturfestivals und Bibliotheken. In Berlin haben wir auch schon mal ein Live-Hörspiel gesponsert. Da war es ein Autor, von dem wir Hörspiele im Programm haben. Wir sehen uns ja auch ein wenig als Missionare. Wir wollen noch mehr Menschen zum Hörbuch bekehren, und Live-Events eignen sich da ganz gut. Da springt ein ganz besonderes Gefühl über, und die Leute fragen einen hinterher, ob sie die Stimme da auf der Bühne nicht kannten. Ich zähle dann die Synchronrollen auf, und die Leute freuen sich, dass sie einer bekannten Stimme ein neues Gesicht zuordnen können.

Zauberspiegel: Der Shop ist ziemlich gut aufgebaut, preislich akzeptabel. Wo liegt momentan der Schwerpunkt der Kunden. Was wird am meisten gekauft?
Günter Rubik: Zunächst mal sind Lesungen mit einem Sprecher beliebter als Hörspiele, wo es verteilte Rollen gibt. Das gilt generell. Bei uns verkaufen sich Hörspiele zwar etwas besser als im Durchschnitt, aber sie sind trotzdem eine Nische. Innerhalb der Nische sind - zumindest bei und - Kinderstücke am beliebtesten. Bei den Lesungen gehen Krimis sehr gut im Augenblick, aber auch unsere fremdsprachigen Hörbücher verkaufen sich häufig.

Zauberspiegel: Wo sehen Sie Hörspiel und Hörbuch im allgemeinen? Ist der Markt weiterhin rentabel genug, um damit Geschäfte machen zu können?
Günter Rubik: Mein Eindruck ist, dass der Markt immer schwerer zu prognostizieren ist. Das hängt damit zusammen, dass der Buchhandel insgesamt im Umbruch ist und neue Absatzkanäle entstehen, für die nicht jedes Medium oder Thema geeignet ist. Früher konnte man vom Erfolg einer bekannten Buchvorlage die Verlaufszahlen des Hörbuchs ableiten. Zudem wussten die Verlage aufgrund langfristiger Erfahrungen mit Vertriebskosten und Buchhandelsrabatten mit einiger Sicherheit, welche Einnahmen für ein Projekt zu erwarten sind. Heute ist das nicht mehr so. Das hat weitreichende Folgen. Um dem wachsenden Risiko zu begegnen, werden die Kosten niedrig gehalten, zum Beispiel dadurch, dass eher preiswerte Lesungen in Auftrag gegeben werden und seltener Hörspiele, die aufwändiger und damit teurer sind. Das ist aus Sicht der Verlage verständlich, aus Sicht der Hörer aber schade, weil das Hörspiel dadurch noch weiter an Bedeutung verlieren könnte.
 
Zauberspiegel: Profitieren kleinere Label von einem Shop wie AUDIAMO?
Günter Rubik: Wir ermutigen kleinere Label immer wieder, mit uns in Kontakt zu treten. Wir wollen auch Produkte von Labels anbieten, die es sonst nicht in die Regale der Buchhandlungen schaffen. Die Hörbuch-Flächen der Buchhandlungen schrumpfen bekanntlich von Jahr zu Jahr. Daher stehen oft nur noch die bekanntesten Autoren im Regal, die möglichst schnell abverkauft werden, so dass schnell wieder Platz für die Novitäten da ist, die sich dann ebenso rasch wieder verkaufen sollen. Da wir uns auf das Hörbuch und Hörspiel spezialisieren, können wir es uns leisten, ein breites Angebot zu führen - nicht nur die so genannten Schnelldreher. Und davon profitieren natürlich die kleinen Anbieter. Wir wollen, dass auch sie für den Kunden sichtbarer werden.

G. Walt

Die Fragen für den Zauberspiegel stellte: G. Walt

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